Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1922)
- Date
- 1922-07-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4. Nr. 28 »er JSraeltt. 13. Juli 19W einer solchen Stelle als jüdischer Koch, respekttv *1V1V, wählen und die Erwählten oft kontrollieren. Falls jemand als guter Leiter der ■ntw« Küche üch bewährt, so dürste der die Oberaufsicht führende und die Verantwortung tragende Rabbiner einem solchen jüdischen Schiffskoch wohl auch eine entsprechende Autorisation schreiben dürfen. Dann wird sich auch der Reisende, der ein Laie ist, leichter zurecht finden und nicht, wie ich dies ebenfalls gesehen habe, vor Angst lieber nichts esien, auch wo es sich um die Küche eines Vertrauensmannes handelte. Gern will ich am Schluffe dieser Betrachtung erzählen, daß ich auch auf einem Dampfer war, auf welchem die NV2'Einrichtung vorzüglich funktionierte. Milchige Küche gab es überhaupt nicht, um Verwechslungen zu vermeiden. Der jüdische Koch stand bei allen in hohem Ansehen, weil er es verdiente und weil er es verstand, die nötige Disziplin durchzuführen, die sein Amt erheischt. Das nur bei dem zulässigen Metzger gekaufte Fleisch kam, jedes Stück gut plambiert, aufs Schiff. Das sivL-Geschtrr war streng abgesperrt. Mit großer Strenge wurde darauf gesehen, daß kein Geschirr aus dem Eßraum in die Kabinen mitgenommen wurde. Mußten bei Krankheitsfällen oder sonstigen Gelegenheiten Speisen in die Kabinen getragen werden, dann brachte es der jüdische Koch selbst nach dort und holte es selbst wieder dort ab. War es versehentlich anderweitig gespült worden, so kehrte cs nie wieder in die *iV2'Küche zurück. Freitag wurde das Effen für ganz N2V vorbereitet, und Schalet und Kugel waren so vorzüglich, daß alle Gaste des Lobes voll waren. Selbst solche, welche sonst ihre jüdische Religion zu verleugnen Pflegen, wurden da eifrige Beobachter der Speisegesetze. Alles hängt davon ab, daß der jüdische Koch neben seiner Kochkunst auch verstehe, die nötige Achtung abzuringen. Wo das nicht verstanden wird — und auch auf einem solchen Schiffe war ich — leidet darunter, trotz oft besten Willens ganz naturgemäß das Nicht von jedem Reisenden kann ohne weiteres verlangt werden, daß er die N1NV2-Verhältnisse auf den Schiffen eingehend zu prüfen verstehe. Unserem Ermessen nach liegt v deshalb die Inspektion den Herren Rabbinern ob. Diese daben öffentlich bekannt zu geben, auf welchen Dampfern unter Aussicht und Verantwortung der betreffender Herren Rabbiner gegessen werden kann. Den Schiffsgesellschaften, die schon wegen der Konkurrenz ein großes Jntereffe daran haben, separat *UP2-Küche zu führen, ist eine solche Inspektion im allgemeinen durchaus angenehm. Verlangt jedoch der jüdische Reisende lässigen. p’DDöi nxn -jvn wer auf einem Wege geht und „lernt" und unterbricht sein Lernen mit den Worten: „Wie schön ist dieser Baum, wie schön dieser Acker", der verschuldet sich an seinem Seelenheil. ES ist für unS Juden durchaus nicht nötig, allen Schönheiten von px^> nsm nachzulaufen, leben Berg zu erkraxeln oder den Baustil jedes Domes kennen zu lernen. Die gemülstiefe Betrachtung der Erdenfchätze fehlt uns trotzdem nicht. (Forts, folgt). (Ausstellung jüdischer Kultusgegenstäude). Wie bet ihren früheren Vorführungen, stellt die Kunstgewerbestube von Frau Dr. Freudenthal in Breslau auch diesmal wieder eine Sammlung von älteren und neuen Gegenständen für den jüdischen Kultusgebrauch zur Schau. Ganz besonders schön sind die aus der hiesigen ehemaligen „Leniberger" Synagoge und aus dem Tempel in Dyhernsurth herrührenden antiken Vorhänge für das Allerheiligste in Gold- und Brokaistickerei, der in Messing getriebene Thoraschmuck mit silbernen Hängeschildchen, die Thorawtckel, Wandleuchter und die zumeist aus Silberfiligran hergestellten asten Gewürzbecher in abwechslungsreicher Form. Zu den tnkereffantesten der in diesem Raum häufiger vertretenen Kariositäten zählen ein hölzerner „Schulklopfer", der einmal dazu gedient hat, säumige Beter durch sein Pochen gegen die Haustüren zur Andacht zu rufen, sowie mehrere meisterhaft geschriebene hebräische Gebetbücher mit geschmackvoll zwischen den Text gezeichneten Illustrationen. In der Gruppe des modernen Kunst!jc:oerbes find nächst den charakterist'schen Treibarbeiten von Mendelssohn-Hellerau, die stets Zweckmäßigkeit und Schönheit in künstlerischer Gestaltung vereinen, eine eigenartig geformte Sederschüffel von Adler-Hamburg und eine ebensolche aus Zinn mit reicher Gravierung ebenso beselbst nicht energisch nur auf einem Dampfer fahren zu wollen, der iwI'Kost bietet oder ist die Kontrolle zu unzuverlässig, so wird man sich nicht wundern, wenn die Nachlässigkeit schließlich dazu führen wird, daß die ->V2'Küchen auf den Dampfern ganz aushören oder nur noch dem Namen nach "NP3 sind. Dies zu verhindern, war der Zweck meiner Ausführungen. Mische Tuberkvlosen-Fursorge. Von Hermann Seckbach in Fraukfurt a. M Wohl jedem, dem die z. Zt. mehr als je trostlosen Verhältnisse der jüdischen TuLerkulosensürsorge bekannt sind, ist der Artikel in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes aus der Seele geschrieben. Es ist geradezu unerläßlich, daß aus dieser fachmännischen Darstellung praktische Folgerungen gezogen werden. Die idealste Lösung wäre allerdings: Unterbringung der Kranken in dem in jeder Beziehung vorbildlichen Davoser Heim. Wir dürfen uns aber leider der Tatsache nicht verschließen, daß wir Deutsche mit unserm armseligen Geld vorerst kaum in die Lage kommen werden, unsere bedauernswerten Kranken dieser wundervollen Heilstätte in erforderlicher Zahl zuführen zu können. Wir müssen deshalb versuchen, um uns herum helfend elnzugreifen, und da bleibt meines Erachtens die erfreuliche Zuversicht, daß wir auch mit unserer entwerteten Mark manches Gute erreichen könnten, wenn wir es erstreben. Gerade die in dem Artikel genannten beiden jüdischen Anstalten in Nordrach und Soden haben seit ihrem Bestehen unzähligen Leidenden Hilfe und G esundung gebracht. Ist es da nicht naheliegend, daß man etwa die Sodener Anstalt für diese Zwecke weiter ausbaue und vergrößere und vor allen Dingen durch finanzielle Sicherung in die Lage versetzte, besonders den von dem Verfasser geschilderten traurigen Fällen Aufnahmemöglichkeit zu bieten? Soden mit seinen von der Natur begünstigten Lage, seiner erquickenden Gebirgsluft. seinen herrlichen Waldungen und — last not least — seinem Quellenreichtum wird ohne Zweifel bet entsprechender Kost und der bekannten verständnisvollen Pflege, gute Heilerfolge erzielen. Und sollte der Vorschlag der Erweiterung der Sodener Anstalt als Heilstätte nicht zu verwirklichen sein, wird es sonst irgendwo im Gebirge und auf dem Lande analog den nichtjüdischen Landesheilstätten, vielleicht sogar in Angliederung an diese, ermöglicht werden können, dem Ziele näher zu kommen. Wir blicken alle voll Bangen in die Zukunft, merkenswert, wie das Lichtbild eines ausgeführten . Erbbegräbnisies von Grotte, der auch einen interefian- 1 ten Chanukaleuchter entworfen hat) desgleichen auch die Arbeiten von Lessi Sachs und die Wandblaker, Leuchter, Becher usw. von anderen Künstlern. — Die graphische Abteilung enthält außer alten Farbstichen einige noch weniger bekannte Steindrucke von Alfred Grätzer und Radierungen von Wolfsfe d, sehr schöne Handzeichnungen von Käte Ephraim-Markus, sowie eine Sammlung von Holzschnitten und Federzeichnungen des jungen Gerhard Reisch. Eine wesentliche Vermehrung erfahren hat vor allem das im Verlage der AussteÜur.gSleitunfl erscheinende, recht anregende Spielzeug für jüdische Kinder. (Ein Munzendenkmal des Judenschutzes.) Der Frankfurter Gelehrte und Münzkenner. Herr- Julius Cahn beschreibt in der Zeitschrift für Numismatik, Herausgegeben von I. Menadier und K. Regltn, Berlin, Weidmann, ein Wettauer Dynasten- Sraklest, Blechsilbermünze, mit hebräischer Inschrift. Seine Arbeit führt den Untertitel: „Ein numismatisches Denkmal des Judenschutzes tm 12. Jahrhundert". Die Bedeutung der hebräischen Namensunterschrift ist ihm kaum zweifelhaft. David ha Kauhein, der seinen Namen an so auffallender Stelle ans diese Münze gesetzt hat, kann nur ein Münzmeister oder Münzpächter des Reichserbkämmerers Kuno von Minzenberg aewesen sein. Das Auftreten eines Juden in solcher Stellung schon zu Zeiten Friedrichs Barbarossas könnte merkwürdig erscheinen, doch sind jüdische Münzmeister in Deutschland auch sonst im 12. Jahrhundert bereits nachweisbar. Wir besitzen zwei Braktkmen, die älter oder spätestens gleichzeitig sind und ebenfalls hebräische Inschriften tragen; freilich konnten beide Inschriften bisher nicht entziffert werden. Aber beide können nur aber wem Gesundheit beschieden ist, dessen Kraft wird ausreichen, das Nötige aufzubringen. Sollen da Unglückliche ihrem traurigen Schicksal noch weiter überlassen bleiben? Man helfe ihnen durch — die Tat!!! Aus den Zuschriften, die wir zu diesem Gegenstände auS unserem Leserkreise empfangen haben, sei folgender schlichte Brief wiedergegeben, der für sich selbst spricht: Ich bin seit 1917 lungenkrank und war viermal in einer christlichen Heilstätte und immer bin ich ohne Erfolg nach Hause gekommen, weil ich das Treysa- Effen nicht herunterschlucken konnte. Wenn Ich in einer jüdischen Heilstätte gewesen wäre, wäre ich geheilt worden und ich könnte einem Beruf nachgehen und jetzt bin ich arbeitsunfähig. Ich gehe so elend zugrunde und meine Familie mit mir. Ich appelliere an die deutsche Judenheit, an ihre edle Gesinnung und jüdisches Herz, sie möge doch Mitleid mit ihren Mitmenschen, die von dieser tückischen Krankheit befallen find, haben und daß man ihnen Gelegenheit gibt, in einer jüdischen Heilstätte Heilung zu finden, besonders dem Mittelstand, der keine Mittel hat, sich zu retten. LorrerponSenre« «. Nacdricdte« Deutsches Reich. Die nushunttspflithf Ser SfanSesümfer. “ Merkt», 16. Juni. Auf eine schriftliche Anfrage des Abgeordneten D. Mumm betr. die Pflicht der Standesämter, über Religionszugehörigkeit Auskunft zu geben, hat Reichsjustizminister Dr. Radbruch geantwortet, daß auch nach seiner Auffassung „den Religionsgesellschaften gemäß § 82 a des Personenftandesgesetzes Auskunft aus religionsstatistischen Erhebungen nicht nur zu gewahren ist, wenn nack der Religionszugehörigkeit einer bestimmten Person gefragt wird, sondern auch, wenn die Religionsgeseüschaft beantragt, ihr die Namen aller ihrem Bekenntnis angehörenden Personen, über die in einem gewissen Zeitraum eine standesamtliche Beurkundung stattgefunden hat, zugänglich zu machen. Die Auskunft wird durch die Gewährung von Einsicht in die standesamtlichen Erhebungen oder durch Erteilung von Sammelnachrichten in bestimmten Zeitabständen zu geben sein." — Damit ist die Frage nach der Religionszugehörigkeit, auf die die Kirchen . Erzeugnisse einer Münze sein, an der Juden cm leitender Stelle tätig waren. Mit einer Bearbeitung ist auch David ha Kauhein von Kuno von Minzenverg berraut gewesen, sonst hätte er nicht seinen Namen auf die Münze setzen können. Die Figuren auf der Münze zeigen einen Juden, der sich hilfesuchend dem tränenden Dynasten naht. Dies deutet Cahn auf Friedrich Barbarossa und Kuno von Minzenberg, die zu jener Zeit Schützer der Juden waren. Daß die Münze in Frankfurt am Main geprägt sein muß, sucht Cahn wissenschaftlich nachzuweisen. SabbatvHnfang und Ausgang. “ Dnra na»- O v ti Anfang Datum AuSgang Uhr Min. 1988 5688 Uhr Min. Frankfurt a. M 7 40 15. 19. 9 30 Berlin .... 7 30 Juli Tammus S 21 München . - 7 15 8 58 Eöln. 7 45 9 40 Stuttgart. . - 7 — 9 16 Breslau . - - 7 55 8 55 Nürnberg. 7 15 9 09 8 42 9 42 Familiennachrichten. Barmizwohfeier Daniel, Sohn des Herrn ' Joseph Hamburger II, in Alzenau.