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Der Israelit · 1922-07-06 · Heft 27 (6.7.1922) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 27 (6.7.1922)
Date
1922-07-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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6 JttK 10SS darzustellen. Nachdem ihre anfängliche Behauptung, e» sei ihnen keine Gelegenheit zur Einrichtung eines Verkaufes, von billigerem Fleisch gegeben worden, als grobe Unrichtigkeit erwiesen worden ist, ziehen sie sich jetzt auf die Beteuerung zurück, sie hätten ihre Bereitwilligkeit zur Einrichtung eines solchen Verkaufes gegenüber dem Rabbiner als „Borfitzendem der KaschruSkommiffton" erklärt. Sie vergesien aber, hinzuzufügen, daß dieser, der übrigens nicht Borfitzender der Kaschruskommiffton ist, die Verhandlung über die Preisbildungsfragen korrekter Weise ausdräcklich ab ge leb nt und. die Herren an die zuständige Stelle verwiesen hat. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Spezialfall aus den seit langer Zeit höchst unerquicklichen Beziehungen zwischen den lediglich auf ihr eigenes Interesse bedachten Metzgereien und der zum Schutze der Allgemeininierefien berufenen Gemeindeverwaltung. Die Geschichte der jüdischen Gemeinden und unsere Responsenliteratur sind reich an Beispielen für den Kampfs der Gemeinschaft gegen die iplp und es entspricht bester jüdischer Tradition, in diesem Kampfe auch vor scharfen Mahnahmen nicht zurückzuschrecken. Wir können den Metzgern nur nochmals den freundschaftlichen Rat geben, sich eine weniger unsoziale Denkweise anzugewöhnen und insbesondere in der Gemeindeverwaltung die Autorität der Gemeinde selbst, der sie ihre wirtschaftliche Existenz verdanken, zu respektieren. «Konzert des Hverkantors Oerschou Sirota Angesichts der neueren Bestrebungen, die auf Sammlung und Pflege der ostjübischen BolkSmufik gerichtet waren, hat man es oft als Selbstverständlichkeit angesehen, daß diesen Melodien ein musikalisches Spezifikum innewohne, das sie zu ausgesprochen nationalen Erzeugnissen stempelt. Ebenso oft aber hat man fie als Mischprodukte slawischer, deutscher, magyarischer und jüdischer Eigenart für untauglich erachtet, die Basis für wissenschaftliche Forschung abzugeben. Den wahren jüdischen Wesenskern herauszuschälen, gelang nicht. Die gefühlsmäßig abgegebenen Urteile aber, mit denen man den einzelnen Weisen ihre Nationalität zuzuordnen versuchte, wurden von Fachleuten niemals ernst genommen. Man mußte wohl zu höheren Quellen emporsteigen, wenn man die jüdische Musik von fremden Beimischungen unberührt erfafien wollte. Diesen Weg ging nun Jdelsohn, ein Musiker, der an den Wiener und Leipziger Konservatorien die wissenschaftliche Methode und das Rüstzeug für seine Forschungen gewonnen hatte. In Europa, so sagte sich der Forscher, gab es keine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen. Er wählte Jerusalem zu seinem Wohnsitz und dort, in stetiger Berührung mit dem orientalischen Judentum unternahm er es, in mühevoller Sammelarbeit zunächst ein möglichst lückenloses Archiv der traditionellen, im Volke lebenden Weisen anzulegen. Er wandte bei der Prüfung dieses Materials die einzig und allein zu wissenschaftlich einwandsreien Ergebnissen führende Methode der vergleichenden Forschung an und als er endlich daran ging, die vielen Tausende von gehörmätzig aufgenommenen Weisen auf ihre nationale Eigenart zu untersuchen und sie mit der Musik anderer orientalischer Völker verglich, gelangte er zu dem Ergebnis: Es gibt eine jüdische Musik. WaS diese Forschungen uns lehren, ist. daß die hebräische Musik sich alö Zweig eines allgemeinen semitischen Musiktypus repräsentiert. Die wesentlichen Kennzeichen dieser Musik sind in der Verwertung gewisser Tonskalen und bestimmter Jnrervallenschritle zu suchen. Sie geben allen diesen Weifen jenen eigenartigen, melancholisch düsteren Zug, den der FachauSdruck mit „Moll" bezeichnet. Ais die treuesten Bewohner der alten Tradition können wir in Europa hauptsächlich Polen und Litauen ansehen, wenn auch das von vielfachen Bolksströmungen erfüllte ostjüdische Siedlungsgebiet die vorhandene Eigenart dieser Musik nicht ganz rein und unverfälscht bewahren konnte. Das vergangene Woche im Saalbau veranstaltete Konzert des Warschauer Obeikantors Verschon Sirota hätte jedermann Gelegenheit geboten, sich die Eigenart dieser Musik anzubörrn und außerdem — wenn dieser Umstand nicht lockte — einen weltberühmten Kantor zu hören. Jedoch unser jüdisches Publikum, daS zwar Theater und Konzertsaäl füllt, wenn eS gilt, irgend einer Sensation betzuwohnen, hat hierfür kein Interesse. Der Saal, der förmlich nach Fülle schreit und der abends zuvor nicht zuletzt durch unser jüdisches Publikum beängstigend voll war, wie« in diesem fast ausschließlich nur von Ostjuden besuchten Konzert eine gähnende Leere auf. Sirota besitzt einen baritonal gefärbten, nasal ansprechenden Heldentenor von ungewöhnlicher Stärke und außerordentlicher Durchschlagskraft. Die das ganze Empfinden anspannende Einfühlung dieses „NaturfangerS" läßt gelegentlich auch Naturalismen und musikalische sowie gesangstechnische Undisziplintertheiien mit unterlaufen, die zwar vom Konzertpodium herab etwas befremden, die aber im synygogalen Ritus bei der Unmittelbarkeit deS persönlichen Eindrucks und der leidenschaftlichen und begeisterten Hingabe deS Saugers nicht aus dem Rahmen fallen. Zu bewundern ist eine bei unseren Bühnen- und Konzertsängern selten anzutreffende virtuose Fertigkeit in der Beherrschung der Koloratur. Seine Tochter, Helene Sirota, hat einen leichtbeweglichen, dunkelgesärbten, allerdings in der Höhe zum Tremolo neigenden Sopran. In ihrer Der Israelit. Vortragsart erwies auch sie sich als grundmusika tisch. DaS melodisch sehr ansprechende und von romantischer Innigkeit durchglühte Duett „8aS Zion" war, vom musikaiisch-ästhetischen Standpunkt aus die beste Leistung, während der durch stürmischen Beifall erzwungene unbegletteie Tenorvortrag, bei dem der Sänger mit -dem hohen C aufwartete, gesangSlechnisch gewertet, das Bedeutendste des Abends war. Am Flügel bewährte sich aiS gewandte und geschmackvolle Begleiterin Hertha Cohn-TorkanowSky. KepuvNkanischer SludenteuSuud Am 1. Juli hat sich hier der „Republikanische Studentenbund Frankfurt o. M." gebildet. Sein Bestreben ist es, alle Akademiker ohne Ansehen der Person oder Konfession, des Standes oder der Partei für die Sicherung und freie Entwicklung »unserer deutschen Republik heranzuztehen und zu vereinigen. Dies soll durch Pflege republikanischer StaatSgesinnung und Förderung einer entsprechenden studentischen Lebensform geschehen. In erster Linie steht der Kampf gegen Personen-, KonfessionS- und Rassen- Hetze, gegen Reaktion und Mordgeist. Schriftliche Beitrittserklärungen sind zu richten an den Republikonischen Studentenbund Frankfurt a. M., Corneliusftraße 19. Hin cheschäfLsjusiiläum, Die bekannte Weltfirma Beer, Sondheimer u. Co. beging am 2. Juli die Feier ihres 50jährigen Bestehens. Bon M. T. Sondheimer, einem Enkel des bekannten Hanauer Rabbiners Mosche Tuwio Sondheimer, in Gemeinschaft mit I. L. Beer gegründet, hat sich die Firma aus kleinen Anfängen zu weltumspannender Ausdehnung und Geltung emporgearbeitet. Was sie bis zum heutigen Tage auszeichnet, war von je diegewissenhafteWahrung des SabbatgesetzeS und die auf zielbewußte Förderung alles wahrhaft Jüdischen eingestellte Lebens Wirksamkeit fast aller ihrer Inhaber. Sa ist sie an ihrem Stammsitze in Frankfurt wie an fast allen Geschäftszentren der Welt ,zu einem KrystallisationSpunkt gesetzestreuen jüdischen Lebens geworden, hat zahllosen jüdischen Menschen eine gehobene Existenz, die Möglichkeit der Hausesgründung, der wirtschaftlichen Entfaltung und deS jüdisch-sozialen Wirkens gewährt und dabei unmittelbar durch die umfassendste Fürsorge für die GesamtheitSzwecke der Thora, der Awoda und deS GemiluS Cheffed einen Strom befruchtenden Segens in alle Kanäle des weitverzweigten öffentlichen Lebens der orthodoxen Judenheit geleitet. Man braucht nur die Namen Sondheimer, Feist, Wreschner zu nennen, um zu ermeffen, daß Klall Jtsroel alle Ursache hat, dieses „GeschäftS".Jubiläum mitzubegehen. Ueder die Jubiläumsfeier selbst folgt Bericht. ^yuagogeukouzerle. In einer Besprechung deSSirota-Konzertek im Saalbau schreibt der Musikkritiker der „Franks. Ztg." u. a. : ,.Dem am westlichen KultnrkreiS Europas leilhabenden Juden erscheint eS gefühlsmäßig unveretntbar, daß Teile aus der Liturgie außerhalo des Gotteshauses zu konzertantem Bortrag gelangen, zumal sie dann, unter Verlust ihres geistlichen Wesenszuges, zu einer theatralisch anmutenden Ausführnng satt verleiten. Dem entging denn auch diese Darbietung nicht. Indes scheinen Empfindungen solcher Art bet den Juden östlich unserer Grenzen geringer entwickelt; wenigstens darf das aus dem rasenden Beifall geschlossen werden, wie er namentlich der an sich ausgezeichneten Wiedergabe synagogaler Gesänge galt". Der Meinung des Rezensenten über Verwendung von Liturgie zu Konzertzwecken pflichten wir im Ganzen bei. Wenn er dabei von Ost und West spricht, so scheint er die Verhältnisse in seiner eigenen Mainsiadt noch weniger zu kennen als die im jüdischen Osten und nicht zu wissen, daß in der Synagoge Köntgsteinerstraßewor kurzem unter Mitwirkung der dortigen Kantoren ein Synagogenkonzert stattgefunden hat. ES waren keine Juden östlicher Herknnst, sondern Westjuden modernster Observanz, die hier noch dazu daS Gotteshaus zu einem Konzertsaale degradierten. Bemerkt sei bei dieser ^Gelegenheit, daß Sirota mit bedecktem Haupte sang und „Haschem" n t ch t ausfprach, was man leider vom Konzerte der „am westlichen Kulturkrets teilhabenden Juden" in der Synagoge Köntgstetnerstratze nicht vermerken kann. Agudas Iisroet Iugendgruppe. Sonntag, 9. Juli: Tagesausflug nach Homburg— Herzberg—Jeldberg-Cronberg. Treffpunkt 7.40.früh, Hauptportal im Hauptbahuhof. Führer: Herr Hermann Flörsheim. Agudas Iisroet-Iugendgruppe. Sonntag, 9. Juli: NachmittagSauSflug nach Bergen—Enkheim—Matnkur. Treffpunkt: Neuer Ostbahnhof, Haltestestelle 18, 3 Uhr nachm. Berichtigung. Die Spende des Herrn Willy Stern in Firma Goldschnitt» u. Stern für die Hungernden tu Rußland beträgt nicht, wie im Spendenverzetchnis der letzten Agudablätter irrtümlich angegebenen 60.-00 Mk. sondern nur 8000 Mk. « Rr. 27 Seite 7 I Löst Blume » zu Gunsten unterernährter Kinder ab! Jüdische Frauenvereinigung e. B., Frankfurt a. M., Sckwanenstraße 28. Tel. Hansa 2825. Postscheckkonto Nr. 42258. veremslmenver. Berei« Mekor Cüaji«. SamStag nach Schluß der Synagoge „Dinim". — 4*/, Uhr: „Mikro", Herr Dr. Rothschild. - Eine Stunde vor Nacht im Hörsaale Friedberger Anlage: „Midrasch"; Herr Oberlehrer Joses Kaufmann. Sonntag vorm. 91/, Uhr: „Gemoro"; HerrR.A.G. Posen. Montag und Mittwoch abend? Uhr: „Gemoro"; Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 6 Uhr: „Gemoro"; Herr R. A. G. Posen. Donnerstag abend 8 Uhr: „Mtschnah"; Herr Rektor Falk. Allmorgendltch „Mischnalernen". Allabendlich„Schaß-Lernen"; HerrH.Halpern ' Jahrzeit stiftungslernen. Sonntag: Adolf Daun-Stistung. Dienstag: Eoa FrieSländer-Stiftung. Mittwoch: Mox Munk-Stistuug. Donnerstag: Lehmann Weil-Stiftung. Agudas Iisroel-Jugendgruppe. Samstag vorm. 11'/, Uhr: „Schaß"; Herr H. Haipern. — nachm. 4 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr H o f m a n n. — V« Stunde vor Nacht: Sidrah Vortrag des Herrn Dr. Ehrmann. (Damen und Herren). Sonntag vorm., 8 Uhr: „Ehumisch mit Raschi"; Herr Leopold O p P e n h e i m e r. Montag vorm., sowie an allen anderen Wochentagen von 747—V*8 Uhr: „Sanhedrtn - Schtur"; Herr Dr. Ehrmann. — 9Uhr: „Mischna" für Fortgeschrittene; Herr Herm. Hirschberg. — 9 Uhr: „Newijtm"; Herr S. Unna, Kleine Obermainstr. 30. Herren und Damen. Dienstag abend l/»9 Uhr, „Dtnim für Anfängers- Herr Ludw. Frank. — 9 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. H o f m a n n. Mittwoch abend, 9 Uhr: „Sukkoh"; Herr H. Haipern Donnerstag abend 8—9 Uhr: „Htrschlektüre". — '/,9 Uhr: BücherauSgabe. — 9 Uhr: Mischna für Fortgeschrittene; Herr Herm. Htrschberg. AgndaS Jisroel-Madcheugruppe. SamStag vorm. II1/» Uhr: „Tehillim"; HerrLouiS Kahn. — nachm. 4 Uhr: „Thauro"; Herr Lehrer Hirschberg. Montag abend, 9 Uhr: „Newijtm"; Herr S. Unna, Kleine Obermainstr. 30. Donnerstag abend 9-10 Uhr: „Htrschlektüre"; Herr Dr. E h r m a n n. Verein sn rr,4?. Sam rrag na chm. nach „Mincha", Hörsaal Fried" berger Anläqe, Herr Pros. Dr. Sulzbach. cheSetretr«« npn ra*. Freitag a beno 7.45. Samstag morgen 7.45. SamStag nachm. 5.—. SamStag abend 9.35. Wochengottesdienft: Morjsiens 6.15. Nachm. 7.1h. Donnerstag nachm. 8.—. Familiennachrichten. Barmiztvohfeier Karl, Sohn des Herrn LoutS Grebenau, Sandweg 16, Synagoge Friedberger Anlage. Aine schwerkranke, herzlei- Vdende Frau, deren Mann seine Augen im Kriege verloren har. bittet edeldenkende Menschen um Zuweisung von Spenden, damit solche im Stande ist, in eine bessere Lage versetzt zu werden. Gefl. Spenden nimmt die Exp. unter 7753 entgegen. Statt Karten. Michael Isaak Pauline Isaak geb. Sealtiel Vermählte danken gleichzeitig für erwiesene Aufmerksamkeiten. Mamburg, Parkallee 20 Suche für meine guterzogene 16 jähr.Lvchter t. vornehm, jüd. Hause STELLE zur Erlernung r>. Haushaltes, ohne gegenf. Berg. Familien» anschl. erwünscht. Offert, unt. 7674 an die Exped. ds. Bl. Junge Anfängerin. die das Lyzeum absolviert und Kenntniffe in Stenografie und Schretbmasch. hat, sucht Anstellg. i. e. a. SchabboS u. Jontof aeschl. Geschäft. Bank-od.Metallgesch. n. in Frankfurt a. M. bevorzugt. Angeb, unt. 7680 a. d. Exp, d. Bl. 8fra raf. Im. midmen aus gut. Hause sucht per 15. Juli «m 0(8 8W0 in kleinem HauSh. Frankfurt-, wo Mädchen gehalten wird. Gest. Angeb. u. 7753 a. d. Exp.

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