Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1922)
- Date
- 1922-07-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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©ehe 8 Nr. 37 Der Israelit « Jirlt LSSS mus den Judenmord zu organisieren. Es sind etwa 50 Zeugen vorgeladen, unter anderem auch mehrere Minister. Die Verhandlung soll etwa eine Woche dauern. GrrgLanL. PaMins-Mangsl und jilöiscke keimMie. London, 2. Juli Die Niederlage der zionistischen Bestrebungen im Oberhaus hat im arabischen Läger, wie auch beim Vatikan selbstverständlich größte Befriedi. gung hervorgerufen und die Ermunterung, welche diese Kreise durch die Abstimmung der Lords erfahren, ist eine nicht zu unterschätzende Erschwerung der jüdischen Lage überhaupt. Trotzdem scheint auch bei nüchterner Erwägung der politischen Situation kein Grund zum Pessimismus vorhanden zu sein. Die übermorgen staufindende Unterhaus-Debatte wird zeigen, daß die Regierung sich in ihrer auf Einhaltung einer mittleren Linie zwischen Juden und Arabern gerichteten Palästinapolitik nicht beirren läßt. Es steht eine offizielle Regierungskundgebung in Form eines Weiß-Buches bevor/ die eine authentische Interpretation der Balfourerklärung darstellt und sowohl den ursprünglichen zionistischen Uebertreibungen ein Ende machen, als auch den Hoffnungen der Araber auf Beseitigung der Balfour-Erklärung und des jüdisch-nationalen Heimes Man will zunächst nichts weiter, als innerhalb eines arabisch-englischen Palästinas ein Obdach für die Entfaltung jüdischer Kultur schoffen. Was die Weltgeschichte im Laufe der Jahrhunderte aus diesem jüdischen Asyl machen wird, überläßt Großbritanien der Zukunft. Zwei Dinge bleiben damit allerdings ungekärt: Die künftige Entwicklung der arabischjüdischen Beziehungen sowie das Maß des in Geld umzusetzenden Enthusiasmus, das die solchergestalt umgeformte Heimstätte bei den vom Zionismus bisher irregeführten Kreise auslösen wird. Immerhin darf man hoffen, daß nach beiden Richtungen die Wiederkehr einer Politik der Mäßigung und des gesunden Menschenverstandes auf die Dauer heilsamere Wirkungen zeitigen wird, als eine solche der Reklame und des „welthistorischen" Lärmes. Die Regierungserklärung?ur Paläffina-Pelitih London, 4. Juli Die in meinem Sonntagsbriefe angekündigte Regierungs-Erklärung ist heute erschienen. Sie tritt der übertriebenen Interpretation der Balfourerklärung entgegen und weist insbesondere die Weizmann'iche Wendung zurück, daß „Palästina so jüdisch werden solle, wie England englisch ist." Derartige Erwartungen seien unausführbar und entsprachen nicht den Absichten der englischen Regierung. Die vorgesehene Jewish Agency habe keinerlei Regierungsfunktionen, sondern solle nur bei den Maßnahmen hinsichtlich der jüdischen Bevölkerung und bei der Landesentwicklung der Regierung Hilfe leisten. Andererseits betont die Erklärung, daß die Balfour-Declaration unabänderlich sei, sie bedeute, daß die bestehende jüdische Gemeinschaft mit Hilfe der Juden in anderen Teilen der Welt zu einem Zentrum werden solle, an welchem das jüdische Volk „aus religiösen, wie aus stammesmäßigen Gründen mit Stolz und Interesse" teilnehmen könne. Dazu sei es nötg, daß die Juden wüßten, daß sie in Palästina nicht geduldet, sondern von rechtswegen anwesend seien und daß ihre allen historischen Beziehungen zu Palästina völkerrechtlich anerkannt würden. Im übrigen beschäftigt sich die Erklärung mit der Einwanderung und der Entwicklung der palästinischen Selbstverwaltung. Angefügt ist ein Schreiben der zionistischen Exekutive, worin diese sich mit den in der Erklärung niedergelegten Gesichtspunkten einverstanden erklärt. Natirstina. kine sbeffinWe Abordnung in pslöffins. Aernfakem, 20. Juni. Vor kurzem weilte in Palästina eine Abordnung von Abessiniern, die unter Führung des Ministers General M. Gawri in Jerusalem, den Mitgliedern des Rabbinats und der zionistischen Exekutive Besuche abstattete und die wichtigsten Mischen Institutionen besichtigte. Die Abessinier halten sich für die direkten Abkömmlinge König Salomos und demnach als nahe stammverwandt mit dem jüdischen Volk. Zu Ehren der abessinischen Reisegesellschaft veranstaltete der gerade hier anwesende Dr. Feitlowitsch einen Empfangsabend, an weichem die Mitglieder des Rabbinats, die zionistische Exekutive und andere angesehene Juden Palästinas reilnahmen. Der Abend wurde mit einer Begrüßungsansprache des Chacham Baschi I a ko b M e i r eröffnet, der darauf hinwies, daß sich der abesslnische Minister bei seinem Besuche mit Stolz darauf berufen habe, daß die Abessinier wohl Christen ' seien, aber sich in ihrem Wesen und ihren Gebräuchen auch als Juden fühlen. Dr. Feitlowitsch begrüßte den Ehrengast in abeffinischer Sprache und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dieses Zusammentreffen abessynischer Staatsmänner mit den Führern des palästinischen Judentums sowohl für Abeffyaien als auch für Palästtnach von Segen sein werde. Es sprachen noch Ussischkin und Uellin und zuletzt ergriff der abessinische Minister zu einer von Feitlowitsch verdolmetschten warmen Rede das Wort, indem er auf die Verwandschaftsbande zwischen Abessiniern und Juden hinwies. Die Vorgänge sn 9er lvellmauer Jerusalem, 25. Juni. Ueber die Borgänge an der Westmauer entnehmen wir einem Briefe im Jerusalemer „Haarez" folgendes: Am 2. Schwuaustag nahm ich teil am öffentlichen Morgengottesdienste vor der Mauer. Beim Zugang der Mauer war ein Handfaß mit Waschwässer ausgestellt und ein Schränkchen zur Aufbewahrung der Gebetbücher. Direkt vor der Mauer stand das Borbeterpult. Mitten im Gebete erschien ein Polizist und verlangte die Entfernung des Pultes, da die Erlaubnis nur auf Handfaß und Schränkchen sich beschränke. Die Beter erklärten, daß das Pult zu den unentbehrlichen Einrichtungen des GotteSoienstes gehöret und einer besonderen Erlaubnis nicht bedürfe. Man einigte sich darauf, die „höhere Macht" zu befragen. Inzwischen stürmten aber 4 neue Polizisten heran, riffen gewaltsam das Borbeterpult vom Platze und warfen es zusammen mit einigen entdeckten „geheimen" Stühlen auf den Schutthaufen in den benachbarten Araberhof. Eine sofortige Beschwerde, beim P:efekten führte dazu, daß er die Polizisten wegen ihres brutalen Verhaltens tadelte, er konnte sich aber nicht zu der Verordnung aufraffen, daß das Pult wieder Herüeigefchafft werde. Der Brtefschreiber richtet die öffentliche Anfrage an alle maßgebenden Instanzen, was sie zu tun gedenken gegen diese nnerhörte Verletzung der heiligsten religiösen Gefühle der Juden in einem Lande, in dem ihnen so etwas wie eine religiöse und nationale Heimstätte versprochen wurde. Personalien. Rothenburg v. T., 2. Juli. Am vergangenen Scheouoihfeste verstarb hier im Alter von 75 Jahren Moses Goldberger, ttefbetrauert von feiner Familie und von den «eiten Kreisen seiner Freunde und Bekannten, die in ihm einen mit herrlichen Borzügen des Charakters ausgestalteten Menschen liebten und verehrten. Während eines halben Jahrhunderts war der Verstorbene der Träger des religiösen Lebens in feiner Gemeinde. Aufrichtige Frömmigkeit und strenge Ge. wisfenhaftigkeit in der Erfüllung seiner religiösen Pflichten verbanden fich in ihm mit einer seltenen Redlichtest und Rechtlichkeit im Handel und Wandel und einer edlen, warmherzigen Menschenfreundlichkeit im Verkehr mit allen, die, ob Jude oder Christ, mit ihm in Berührung kamen. War auch sein Schaffen und Wirken nicht immer von äußerem Mück begünstigt, so unteritetz er es doch nie, mit unerschütterlichem Vertrauen zu Gott emporschauen und auS diesem Aufblick zu Gott Trost zu gewinnen in den schweren Schicksalsschlügen, die zu wiederholten Malen über seine Familie hereinbrachen. An seiner Bahre hielten Nachrufe der zuständige Rabbmer, Herr Dr. Brader in Ansbach und im Namen der Familie Herr Rabbiner Dr. Breuer in Aschaffenbura. Das Andenken deS Gerechten bleibt gesegnet immerdar. n"-x;n. Budapest, 25. Juni. Eine gute, edle Seele ist mit dem Ableben der Frau Jakob S. Schlesinger, geb. Selma Pulvermann, ins Reich der Wahrheit, ein- 6-zogen. Einzigartig in ihrer tiefen Frömmigkeit, war sie von besonderem Herzensadel und erschöpfte ihr ganzes junges Leben im Wohiiun. Sie hatte nur eine Freude und diese bestand darin, Unglücklichen zu helfen und Waisen eine treue Mutter zu sein. Am Erew Schwuos hauchte sie ihre reine Seele aus und zog, begleitet von den Tränen der um sie lief trauernden Massen, ins Haus des ewigen Lebens. ,-!"2rX7>. Vrieskasten. E. W. in L. , Selbstverständlich kann ein Mann, der öffentlich den Sabbat entweiht, nicht als grsetzestreu bezeichnet werden. Leider ist eS uns nicht gegeben, die Nachrufe immer nachzuprüfen. Die Herren Einsender sollten aber wissen, daß Ueberiretbungen und Unwahrheiten dem nan ni23 wenig dienen. Hagen 35. 1. Darüber sind die Meinungen der Gelehrten geteilt, möglicherweise stammt das Wappen tatsächlich von der DaotdSzeit her. 2. Der volle Name Raschis lautet: Rabbi Schlaumau Jzchokt (Sohn Jzchoks). L. F. in Lugano. Schreiben Sie Herrn Prof. T. unter der Adresse Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg, Bauernstr. 36. Was den hiesigen Herru betrifft, so können wir Ihnen nur weitergeben, was wir von ihm gehört haben. Familiennachnchten. Barmizwohfeier von |iu sirve^Sohn von Seminarlehrer Elias Gut in Köln findet am 8. Juli npn 'a .tx p'rri statt. Goldene Hochzeit. Ihre goldeue Hochzeit feiern am tz?onntag Israel Fischer und Frau Sara, geb. Naue, Neuhof b. Ludwigshafen a. Rh. Frankfurter Berichte. Jüdische JugendSlLtter. Wie uns das Büro des »Esra", Frankfurt a. M. mittetlt, ist noch eine größere Anzahl alter „Jüdischer Jugendblätier" abzugeben. Die Blätter sind infolge des anerkannt vorzüglichen Inhalts unserer jüdischen Jugend aus das Beste zu empfehlen. Der äußerst minimale Preis für die Hefte beträgt 1 Mk. Man bittet sich dieferhalb mit Herrn Jakob G a n S, hier, Schützenstraße 8 U., in Verbindung zu setzen. IuvilLum. Am 1. Juli ist Herr P. Klibansky 30 Jahre als Kantor an der Synagoge Unterlindau tätig. Leider gedenkt er bereits anfangs August fein Amt ntederzulegen, um sich ganz feiner Lehrtätigkeit zu widmen. Die Metzgereien auf dem Kriegspfade. Die unter Aufsicht der Israelitischen Reltgtous- > Gesellschaft stehenden Metzgereien setze« durch ZeitungSnserat ihre hoffnungslosen Versuche fort, fich als engelreine Opfer einer barbarischen BerwaltungSpraxtS