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Der Israelit · 1922-07-06 · Heft 27 (6.7.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 27 (6.7.1922)
Date
1922-07-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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nt. 27 Sette 5 $ Juli 18» ___ Zahl so geringen Juden der Schweiz haben das Verdienst, als erste die ungeheure Gefahr, welche das Umsichgreifen der Tuberkulose auch für das jüdische Volk bedeutet, erkannt und einen mustergültigen Schritt zu ihrer Abwendung getan zu haben. Mitten im Weltkrieg (bereits 1917) hat sich eine kleine Zahl Schweizer Juden zur Gründung eines Hilfsvereins für jüdische Lungenkranke zusammengetan. Es ist erstaunlich,^ wie die Führer dieses Vereins, dessen Mitgliederzahl immer eine beträchtlichere wurde, die ärztlicheren Forderungen, die der Kampf gegen die Tuberkulose stellt, klar erkannten und mit den jüdischen und wirtschaftlichen zu vereinen wußten. Sie schritten nicht nur zur Eröffnung der ersten mit vollem Recht diesen Namen führenden „Jüdischen Heilstätte" der Welt in Davos, sondern gaben ihr auch solche Einrichtungen, daß die oben eingehend begründeten Forderungen eine fast restlose Verwirklichung fanden. In dieser unter fachärztltcher Leitung stehenden Heilstätte werden die Zahlungen der Patienten nach dem Prinzip der Selbsteinschätzung geleistet. Wobei der Ueberschuß von den über die Selbstkosten Zahlenden als Deckung der Ausgaben für die Mtnderzahlenden verwandt wird, andererseits gibt es hier keinen Unterschied in Pflege und Verpflegung, dafür ist die bet den Lungenkranken überhaupt nötige Reichhaltigkeit der Kost sicher gestellt, und schließlich soll hier auch die kürzeste Kurdauer nicht weniger als ein t(2 Jahr betragen. Dazu kommt, daß für den gesamten Betrieb des Hauses Geist und Gesetz des Judentums maßgebend sind, wie denn auch der jüdische Kranke sich hier als Gast eines jüdischen Hauses keineswegs fremd und beengt fühlt. In dem 1560 Meter hoch gelegenen Davos kommen der Heilstätte aber auch die Wirkungen des Hochgebirgsklimas zugute. Da neuerdings die Notwendigkeit des Höhenklimas für den Erfolg der Kur umstritten wird, so sei dazu hier gesagt, daß bei unvoreingenommener Betrachtung jedenfalls soviel feststeht: Wie für einen großen Teil der Kranken die Hetlstättenkur unbestreitbar auch im Tieflande zum Erfolge ausreicht, ebenso wahr ist eS, daß füx einen anderen Teil das Höhenklima die Heilung beschleunigt und sichert, für wieder einen anderen Teil die einzige Rettungsmöglichkeit bedeutet. Es ist nur erfreulich, daß die erste jüdische Heilstätte auch in dieser Beziehung der idealen Forderung gerecht wird, und das jüdische Volk sollte sich glücklich schätzen, in dem Weltkurort Davos neben den dort bestehenden Kurhäusern deutsäen, holländischen, russischen, englischen, griechischen und spanischen Charakters ebenfalls ein Heim für seine Kranken zu besitzen. Soweit könnte man also von dieser „jüdischen Heilstätte" nur mit Genugtuung berichten. Aber die Zeitverhältniffe haben auch dieses Bild getrübt. Seitdem die Valutakatastrophe über die ehemaligen Mittelmächte hereingebrochen ist, wurden die voüzahlenden Patienten immer seltener, und der Hilfsverein mußte schließlich, da die Deckung für die Ausgaben fehlte, zur Einschränkung des Betriebes schreiten, wenn er ihn auf der bewährten Höhe halten wollte. Und nun bedenke man die verhängnisvolle Unlogtk der Tatsachen. Je schlimmer die Wirtschaftslage wirb, desto nötiger wäre die Hilfe gegen die Tuberkulose, desto unentbehrlicher gerade dieser verheißungsvolle Anfang dazu. Aber, wahrend von berufener Seite statistisch festgestellt wird, daß die Heilresultate der „jüdischen Heilstätte in Davos" die der anderen Schweizer Heilstätten noch übertreffen, beginnt man sie abzubauen, well die Schweizer Juden, die sie aus eigenen Mitteln ins Leben riefen und bisher unterhielten, die Last allein nicht mehr tragen können. Mag man auch dem erstrebenswerten Ziel, diese Heilstätte zur zentralen Lungenheilstätte des jüdischen Volkes zu erweitern, heut ferner sein als je, so ist es doch ebenso Sache der jüdischen Volksehre wie bitter notwendige Pflicht der jüdischen Volksökonomie, sie zum mindesten in ihrem jetzigen Der A»raeltt. Bestände zu erhalten. Daher bezwecken diese Zeilen neben der Aufklärung über die ungeheure Gefahr, die der deutschen Judenheit von der Tuberkulose droht, auch besonders, auf die für die deutschen Juden so bedeutsame Notlage dieser ersten jüdischen Lungenheilstätte hinzuweisen. Endlich müssen sie, Privatleute und Hilfsorganisationen, vor dem Uuhetl, das hier heraufzieht, die Augen öffnen, die Augen und die — Geldtaschen: An ihr jüdisches Gewissen ergeht hier der Ruf: Erhaltet die jüdische Heilstätte in Davos, bauet sie aus und schafft nach ihrem Muster weitere jüdische Lungenheilstätten! eollerponarnren«. NaOriemn. Deutsches Reich. Aron Kober-Jond für wirMsfillllie Patäfiina*flrbei<. Aranksurt «. W., 3. Juli Unsere Leser finden als Beilage zur heurigen Nummer einen warmherzigen Aufruf, der von einem in Breslau ins Leben gerufenen Komitee ausgeht und allgemeines Interesse für den dort ins Leben gerufenen Aron Kober-Fond für wirtschaftliche Palästina-Arbeit wecken will. Durch die Beteiligung an diesem Fond wird jedem Juden die Möglichkeit gegeben, die heilige jüdische Gegenwartsaufgabe der Kolonisation Palästinas im Geiste des gesetzestreuen Judentums zu fördern. Das Komitee teilt mit, daß eine Gruppe Ostjüdischer Arbeiter bereit stehe, um mit seiner Unterstützung die Uebersiedlung nach dem heiligen Lande vorzunehmen. Die bisher gesammelten namhaften Beträge genügen nicht, um die Zwecke des Komitees zu verwirklichen. Der Unvergeßliche, deffen Andenken der Fond gewidmet ist, hat ohne Rücksicht auf die Ungunst der Zeiten in unverwüstlichem Optimismus Tag und Nacht unter Opferung seiner besten Kräfte für die Förderung der Thora-Ideale gearbeitet,- möchte sein Name über das Grab hinaus in recht vielen Herzen gleiche Begeisterung entzünden und dadurch dem heiligen Werke des Wiederaufbaues Erez Jisroels, dem das Interesse des Heimgegangenen besonders zugewandt war,' wirksame Förderung verschaffen. Dendenmg des ZuSengesetzes von 1847. Merlin, 22. Juni Dem Landtag ist ein Gesetzentwurf zugegangen, der in Abänderung der unhaltbaren Bestimmungen des Gesetzes von 1847 in den jüdischen Synagogengemetnden Preußens die Höchstzahl der Vorstandsmitglieder auf lfc, die der Repräsentanten auf 45 festgesetzt. Molen. . Warschau, 30. Juni In Warschau haben bisher die Sammlungen derAgudasIisroel für die hungernden Juden in Rußland 100 Millionen ergeben. Die Aktion ist noch in vollem Gange. Wilna, 30. Juni Für den 20. Stwan war vom Rabbinat ein „Taanith" ausgerufen, zur Erwärmung der Gemüter für die Hilfsaktion zu Gunsten der hungernden Brüder tn Rußland. Es gingen an dem Tage horrende Summen für den genannten Zweck ein. Lettland. Die jädifdien minöerheifsrectite in Lettland. Baris, 25. Juni Das Komitee der Delegationen hat dem Völkerbund ein Memorandum überreicht, das sich mit der judenfeindlichen Haltung der,lettischen Regierung beschäftigt und insbesondere nachweist, wie durch die Gesetze über die Einbürgerung die Juden systematisch benachteiligt und zurückgesetzt werden. Lettifche Netze. Httga, 30. Juni Die antisemitische Hetze in Presse, Parlament und Versammlungslokal hat in letzterer Zeit einen Grad erreicht, daß die Juden Lettlands allen Grund haben, für Leben, Leib und Eigentum zu fürchten. Die Unerträglichkeit der Lage läßt die Frage aufkommen, ob nicht der Völkerbund zum Schutze der Minderheitsrechte der Juden gegen die Rigaer Regierung, die das Toben und Treiben der Hetzer duldet und stillschweigend billigt, angerufen werden soll. Urrtzland. Das BlutDergieBen in ödefta. Hdessa, 20. Juni. Wie wir bereits kurz berichtet haben, kam eS tn Odessa bei Anlaß der Einziehung der Synagogengeräte zu blutigen Szenen. EistAugenzeuge schildert den Vorgang wie folgt: Als sich die Beauftragten der Volkskommissare in die Synagoge begaben, sammelte sich vor dem daneben liegenden Gebäude des amerikanischen Hilfskomitees eine große Menschenmenge an, um gegen den Eingriff zu protestieren. Die Mitglieder des amerikanischen Komitees suchten die Leute zu beruhigen und rieten ihnen, ihren Protest dem amerikanischen Volke zu unterbreiten. Die Demonstration trug einen ruhigen Charakter und schien sich jetzt verlaufen zu wollen, als plötzlich Rotgardisten aus den Plan traten und zu feuern begannen. Unter den Juden gab es gleich zehn Tote und 25 Verwundete. Die Schließung der Bias-Büros in ttowno. Warschau, 3. Juli Ueber die am 19. v. M. durch die Polizei erfolgte Schließung der Büros der Rownoer Htrs-Abtetlung werden noch die folgenden Einheiten bekannt': An dem genannten Tage erschien eine größere Poltzetabtetlung in den Büros der Hlas und nahm eine' strenge Haussuchung vor. Nach Beendigung derselben wurde das Lokal geschlossen und versiegelt. Mehrere dort angetroffene Emigranten wurden in Haft genommen. Der Grund der Haussuchung und Schließung des Hias-Büros war eine bei der Polizei eingelaufene Denunziation, daß mit Hilfe der Hias-Organisation Emigranten und Kapitalien aus Rußland nach Polen hinüber geschmuggelt wurden. Es scheint, daß es sich um eine Denunziation privater Schiffsgesellschaften handelt, als Rache dafür, daß die Hias-Abteilung gegen die von ihnen geübte Ausbeulung der Emigranten etngeschritten ist. Die Warschauer Hias-Zentroale hat einen ihrer Vorsteher noch Rowno entsandt, um die Angelegenheit aufzuklären und die Untersuchung zu beschleunigen. (JCB). Ungarn. Huf gem Wege?ur OeredifigMf Budapest, 30. Juni Am nächsten Montag beginnt die Gerichtsverhandlung gegen die uniformierten Raubmörder, die vor längerer Zeit während der Tage des weißen Schreckens eine Anzahl Juden tn Orgovany und benachbarten Orten überfallen, ausgeraubt, mißhandelt und getötet hatten. Es waren Spießgesellen des berüchtigten Leutnants Ivan Hejjass, der es meisterhaft verstand, unter der Flagge der Unterdrückung des Bolschewis-

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