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Der Israelit · 1922-06-29 · Heft 26 (29.6.1922) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 26 (29.6.1922)
Date
1922-06-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«ritt s nx. 1 k ß i & 111 u* 2S. Juni 1921 zulernen, in welcher damals die Führer der russischen Judenheit versuchten, den Gegenwarrsaujgaben gerecht zu werden. Es ist charakteristisch, daß Dieses Israel fcfjou damals es verschmähte, eine bloße Schutztruppe für orthotoxe Interessen darzustellen, sondern ihre Wirksamkeit der gesäurten russischen Judenheit Zu Gute kommen lassen und deren offiziell6 Vertretung darstellen will. Ein von Rabbi CH arm Oser Grodsensky unterzeichnetes Begleitschreiben zu den Statuten präzisiert die Ziele des Verbandes mit folgenden aus dem hebräischen Originaltext übertragenen Sätzen: „Der Verband strebt als allgemeines Ziel an: Das Wohl unseres Volkes in nraterieller und geistiger Hinsicht. Der Verband vereinigt zu diesem 'Zwecke die Kräste aller Gesetzestreuen Israels, tritt mit den Besten unseres Volkes in Verkehr, mit Einzelnen sowohl wie auch mit bereits bestehenden Verbindungen, welche die Erweiterung der politischen Rechte und unsere Gleichstellung anstreben. Er nimmt die Errichtung charitativer Anstalten in Aussicht sowie die Erweiterung und Festigung aller bereits bestehenden derartigen Veranstaltungen, welche die schwere Bedrängnis unseres Volkes linden: wollen. Der Verband wird als Organ und offizielle Vertretung der Judenheit die Beseitigung aller Härten der bestehenden Gesetze anstreben, welche der Erhaltung und Entfaltung unserer Emuno und unserer Thora hindernd im Wege stehen. Besonders wird der Verband sein Augenmerk auf die Heranbildung der jungen Generation richten, aus Grund der überkommenden Anschauungeri und der Ueberlieferung der Väter Lauterkeit und Vollendung des Charakters anstreben, um so die Schwachen und Schwankenden zu festigen und den Sinn der Kinder 'wieder den Vätern zuzuwenden. Der Verband strebt überhaupt die Verwirklichung all der guten Wünsche und Absichten an, mit welchen sich die Großen und Edlen unserer Zeit zum Bester: unseres Volkes und unserer heiligen Thora mit ihrem ganzen Sinnen und Denken tragen. Der Verband „Kneses Israel" ist ein allgemeiner Verband, der alle Länder umfaßt. Wo sich an irgend einem Orte der jüdischen Zerstreuung fünfundzwanzig Gesinnungsgenossen finden, treten sie zu einem Zweigverein zusammen. Die Zentrale der Vereinigung hat in Wilna ihren Sitz." Aus den Statuten feien folgende Bestiinmungell hervorgehoben: „8 1. Zweck des Verbandes „Kneses Israel" ist die geistige, materielle und rechtliche Besserstellung der Juden, die Erziehung der jungen Generation aus Grundlage der Thora und derjenigen Moral, die sich aus Lauterkeit des Charakters und aus allgemeine Menschenliebe gründet. ß 2. Der Verein strebt diesen Zweck durch folgende Veranstaltungen an: 1. Eröffnung von Schulen für arme Kinder, in welchen sie die Thora unentgeltlich oder gegen geringeres Entgelt, lernen, Gründung von Lehrstätten der Thora und Jeschiboth, Gründung von Waisenhäusern, Veranstaltung von allabendlichen und ällsabbathlichen Vorträgen (Schiurim für Erwachsene.) 2. Ueberweisung armer Kinder an tüchtige Handwerker, um 'ie verschiedene Handwerke lernen zu lassen, Beschaffung materieller Unterstützung für die armen Schüler, welche die erwähnten Anstalten besuchen, Einrichtung billiger Volksküchen und Wohnungen. 3. Veröffentlichung von Büchern, Zeitungen, Monatsschriften und Flugschriften, welche dein Zweck des Verbandes entsprechen und Verteilung der selben in alten Volksschichten.. 8 3. Der Verband sucht Arbeitsgelegenheit für Arbeiter und Angestellte, die nicht die Heiligkeit von Sabbat und Jomtof entheiligen wollen. Es beschafft ihnen Arheirsmaterial, Handwerkszeug und gibt ihnen die Möglichkeit, ihrer Hände Arbeit möglichst leicht an den Mann zu bringen. 8 4. Der Verband errichtet ein Stellen-VermittlungSbüro, welches Rabbinern, Schächtern und anderen Äemeindeböamten frei geworden Stellen und letzteren die darauf reflektierenden Beamten je nach ihrer Qualifikation mitteilt. 8 5. Ter Verband stellt die Anliegen und geistigen Güter der orthodoxen Inden unter seine besondere Obhut. So wird er sich bei den Behörden angelegen sein lassen, daß die Schüler von Staatsschulen, welche es wünschen, am Sabbat und Jomtof vorn Schreiben befreit werden. 8 6. Ter Verband strebt mit allen Mitteln die politische Gleichstellung mit den engeren Staatsangehörigen an, setzt sich mit allen dasselbe Ziel verfolgenden Verbänden in Verbindung und errichtet für diesen Zweck ein besonderes Büro. 8 7. Um dieses Ziel möglichst allseitig und vollständig zu erreichen, gründet der Verband überall in allen Orten, an welchen Juden sich nredergelaffen Wir haben vom Verlast des „Volksfreunds" einen größeren Posten Broschüren zum Vertrieb erhalten. Es handelt sich vor ollem um folgende Werke von Rabbiner Dr. Molf, Köln: Die Speisevorschriften, Die Trnuervorschriften, Mischte. Mir.sind bereit, im Interesse der Berbreituna dieser Schriften, diese unentgeltlich an unsere Gruppen abzugeben, und verlangen von diesen nur Erstattung! der Porti- und Becpackun Mosten. Bestellungen mögen erfolgen an die Aguvas Jisroel Jugenv-Orgonisatiott, Köln, Händelstraße 19. Köln, den 15. Juni 1922. Die A st u d a s Jisroel I u g e n d - O rg a n i s a t i o n Köln, Händelstraße 19, sucht zum alsbaldigen Eintritt eine,erstklassige Mokrast. Damen, die für die Bewerbung! Interesse haben, mögen sich an die obige Adresse wenden. Ferner sucht die Jugend-Organisation einen General-Sekretar Beide Stellen sind sehr hoch honoriert. Billige Zizitz. Wir geben an unsere Gruppen freibleibend Ziziß guter Qualität das Bündel (für 1 Tallis) zu 1« Mark ab. Da wir nicht allzu großer! Vorrat haben, andererseits aber bei dem billigen Preis die Nachfrage sehr groß sein wird, erbitten wir Bestellungen baldigst an unsere Adresse aufzngeben. Agnvas Jisroel-Jugendorgattisation, Köln, Händelstraße 19. haben, Zweigvereine, die mit der Zentralleitung in Verbindung stehen." Bon den übrigen stutntarischen Bestimmungen sei noch herdorgehoben, daß jeder vom 25. Lebensjahre an Mitglied werden kann. Die Mitglieder find: «) Ehren Mitglieder (die sich um den Verband besonders verdient machen, oder die einen einmaligen Betrag von mindestens 100 Rubel zahlen, b)Aktive Mitglieder, (die einen Jahresbeitrag von mindeftens fünf Rubel zahlen, e) Förderer, (die einen Jahresbeitrag von einem Rubel zahlen. Ausgeschlossen von der Mitgliedschaft sind nur dn> Schüler von Mittel- und Volksschulen, aktive Miutarpersonen und solche, welchen die staatsbürgeruchen Threnrechte durch rechtsgültige Verurteilung aberkannt sind. Eine Anerkennung der Prinzipien des orthodoxen Judentums wird für die Mitgliedschaft nicht verlangt. Aber die Zentralverwaltung hat das Recht, diefenigen Mitglieder auszuschkietzen, die den Zielen des Verbandes zuwiverhandeln. Soweit bas Statut von „Kneses Wrael", dessen Grundgedanken für Agndas! Jisroel sicherlich nach manchen Richtungen hin mehr bloß historischen Wert beanspruchen. E. Der zionistische Kampf gegen die Orthodoxie. Eine gewisse hochoffizielle zionistische Presse und an ihrer Spitze die „Wiener Morgenzeitung", verfolgt seit Jahr und Tag die Taktik, bald die eine, bald die andere führende orthodoxe Persönlichkeit ohne jede ersichtliche äußere Veranlassung zum Gegenstand demagogischer Angriffe zu machen und aüf diese Weise die Sache der Orthodoxie im Volke in Mißkredit zu bringen. Aus Mangel an Tatsachen für ihre Verleumdungen werden Andeutungen und unkontrollierbare Anspielungen aus die Tättgkeit der betreffenden Persönlichkeiten während des Krieges gemacht, die einer Denunziation nach „Oben" und gleichzeitig nach „Unten" sehr ähnlich sehen. Jüngst richtete die „W. M." einen solchen Vorstoß gegen Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, der während des Krieges auf Drängen der orthodoxen Führer in Polen zur Organisierung der Gesinnungsgenossen dorthin delegiert wurde. Seine aufopfernde und erfolgreiche Arbeit war unseren zionistischen Nationalisten begreiflicherweise sin höchsten Grade unerwünscht. Hatten sie doch ihre besten Kräfte und rücksichtslosesten Agitatoren ans Deutschland nach Polen beordert, um die unorganisierten und politisch völlig unvorbereiteten religiösen Massen einzufangen und ihren Zwecken dienstbar zu machen. Diesem Bestreben wurde natürlich durch die selbständige Organisation der Gefetzestreuen rin Riegel vorgesetzt. Daher die brennende Wut und der grimmige Haß der Herren von der „W. M." Eine authentische Darstellung der Verhältnisse gibt der bekannte Leiter der orthodoxen Organisation in Polen, Herr I. M. Lewin, Sohn des Bend ine r und Schwiegersohn des Gerer Rabbi. Wir freuen uns, diesen Brief im nachfolgenden der Oeffentlichkeit übergeben zu dürfen. Warschau, 21. Mai 1922. Sehr geehrter Herr Redakteur! „Sie senden mir die „Wiener Morgenzeitung" vonr 1. Mai, um sich in korrekter Weise bei uns Mer die Tätigkeit des Herrn Rabbiner Tr. Pinchas Kohn in Polen, gegen den in dieser Nummer auf verwerfliche Weise der Vorwurf der Germanisierung während der deutschen Okkupation erhoben wird, zu informieren. Ich folge gern Ihrer Bitte, Ihnen darüber Auskunft zu erteilen. Ich habe drei Jahre lang mit Herrn Tr. Kohn zusammengearbeitet und kenne genau seine segensreiche. Tättgkeit. Ich erkläre Ihnen, geehrter Herr Redakteur, daß der erwähnte Vorwurf eine gemeine Verleumdung ist. Tr. Pinchas Kohn war niemals Felbrabbiner. Er ist als Zivilist hierher gekommen, delegiert von der deutschen Aguda, an deren Leitung in Frankfurt eine Reihe angesehener Rabbiner und bekannter Persönlichkeiten Polens sich mit der Bitte gewendet hüben, tüchtige Männer herzusenden, die fähig wären, die hierortigen jüdischen Interessen bei der deutschen Regierung erfolgreich zu vertreten,, weil sie eben fürchteten, daß die deutsche Verwaltung Entschlüsse gegen die jüdisch-orthodoxen Interessen fassen und uns gewaltsam ihr Schul- und Kultursystem aufzwingen könnte. Wie mir bekannt ist, hat Tr. Kohn nur unter den allergrößten Schwierigkeiten die Erlaubnis erhalten, nach Warschau zu kommen. Hier war es seine einzige und ausschließliche Sorge und Aufgabe, die jüdischen Interessen;im „jüdischsten" Sinne des Wortes zu vertreten. Drei Jahre hindurch hat er seine ganze Persönlichkeit, seine geistigen und physischen Kräste, seine Zeit und Energie (ohne dafür irgend eine Belohnung zu bekommen) in den Dienst der jüdischen Sache gestellt und man kann getrost sagen, daß er der Helfer des jüdischen Volkes in Polen während jener Zeit war. Sein Haus stand für jedermann offen. Einzelne Personen und Körperschaften, Rabbiner und jüdische Gemeinden, alle haben in ihm einen treuen Beschützer gefunden. Er hat 'für Alle und Alles gesorgt, für die religiösen Bedütfmsse der jüdischen Gemeinschaft wie für das Leben und Vermögen des einzelnen Juden. Tag und Nacht ist er auf der Wacht gestanden, Um die jüdischen Interessen zu verteidigen und er hat seine Aufgabe mit einer bewunderungswürdigen selbstlosen Aufopferung erfüllt. Es ist wirklich tragikomisch, daß er jetzt von derselben Seite angeklagt wird, germanisierend in Polen gewirkt zu haben, die chm damals vor der deutschen Verwaltung anzuschwärzen suchte, daß er die deutschen Interessen schädige und in deutschen Zeitungen gegen ihn hetzte, daß er „polonisiere". Für die Herren Zionisten war und!i\t kein Mittel zu schlecht, um TN. Kohn zu bekämpfen. Und kein Wunder. Sie haben in ihm den gefährlichsten, Feind für sich gesehen, denn er war der erste, der die schlummernde Kräft -der Orthodoxie in Poldn entdeckte, er war der erstes der diese Kraft zum Leben kickte, er

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