Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1922-06-29 · Heft 26 (29.6.1922) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 26 (29.6.1922)
Date
1922-06-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450189-2450214--69874-2527091
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

29. MA iE ,W l ä i i t r." nmrUMMc Kr Wifi ' _ ~ ~ tcr „Mn 3t#i(. ** ZMich, 18. Juni. Das Landeskomitee der Agudas Jisroel, Schweiz, wurde vom DelegierMtag in Basel von 22 Mitgliedern auf 12 reduziert mit dem Vorbehalt, daß! diese Körperschaft im Bedarfsfälle weitere Mitglieder zu kooptieren berechtigt ist. Wir keilen auf diesem Wege mit, daß! in der jüngsten Sitzung des Landeskomitees' dieses sich drei Herren als Ergänzung zugesellte, da sich die dringende NotwendiAeit einer Erweiterung herausgestellt hatte. Der Vorstand des Landesverbandes setzt sich nun zusammen aus den Herren: Rosenzweig (Präsident), Eis (Zentralratmitglied^ GutglüÄ, Tempelhof, Weinstein, Jos. Rothschild, Krupernik, M. Lewenstein, sämtlich in Zürich; ferner Sternbnch>, und Rokowsky aus Basel, BotWo-Montreux (Zentralratmitglied), N. Erlanger-Luzern, Weißlbord-St. Gallen, Berlinerblau-Genf, Salli Guggenheim-Mlschwil (Zen tralra tmitglied). Dem rabbinischen Beirat gehören an die Herren: Dr. Cohn-Basel, Dr. Lewenstein-Zürichj, Rabbiner Kornfein-Zürich, Rabbiner Kraus-- Bcchen, Rabbiner Brom-Luzern. Zürich, 20. Juni 1922. Der jüdische Hilfsverein für die Schweiz hat auf Anregung des Alliance israetite eine Santmelaftion zur Unterstützung der hungernden Juden Rußlands eingeleitet, der sich auch Agudas-Jisroel Zürich am'chloß. An der Haussammlung beteiligten sich die Mitglieder der Mädchen- und Jugendgruppe in hervorragender Weise. Zürich, 20. Juni. Ein Mitglied der Züricher Mädchengruppe schreibt uns: „Ohne viel Lärm nach außen, aber mit umso größerem Eifer nach innen, arbeitet unsere Mädchengruppe; überall wo es im Züricher jüdischen Kreise gilt, sich den Aufgaben von Thora, Aboda Gmilus Chnsodim zu widmen, wird man die Mitglieder der Mädchengruppe voll Mizwaeiser antrefsen. Tie etwas über 80 Mitglieder zählende Gruppe besteht aus 2 Abteilungen, einer Groß- und Kleinmädchengruppe, die letztere wurde vor 5 Jahren Sündet und ist eine Art Esra, die nicht einzelnen rerinnen, sondern der ganzen Gruppe der Erwachsenen untersteht. Regelmäßig besuchte Schinrim finden statt: Tienstag abend, Donnerstag abend und nachmittag. Ter zu behandelnde Stoff richtet sich nach den Wünschen der Zuhörer. Mit Zwischensragen gewürzt und sehr anregend waren die Schinrim über Hirschs 19 Briefe, die H. Tr. Lewenstein in meisterhafter Weise unserem Verständnis näher brachte. H. Rabb. Kornfein machte uns mit einem Teil der Mizwos bekannt. Biele Abende beanspruchten allein die, die nur in Erez Jisroel ausgeübt werden können. 4 Wochen vor Pesach würden wir an unfern HaNsfrauenpflichten in spe erinnert, manches Mädchen hatte Gelegenheit, im elterlichen Haushalte, die frisch erworbenen Kenntnisse praktisch zu verwerten. Jeden Sabbat von 2—3 Uhr halten die erwachsenen Mitglieder selbst Vorträge über die laufende Sidroh, Perokim etc. Ursprünglich sprachen nur Mitglieder des Vorstandes, aber beute haben wir ein anderes demokratisches System elngeführt: jedes hierzu befähigte Mitglied kommt zu Worte. Tie Vortragende gewinnt selbst am meisten dabei, sie muß sich nicht nur Kenntnisse über das Thema aneignen und dazu die nötige Literatur durcharbeiten, um aus dem reichen Material Weniges, aber nur Gutes ihren jungen Gefährtinnen bringen zu können. Praktische Arbeit wird je nach den Bedürfnissen der Zeit geleistet. Während des Krieges und auch nachher noch leitete unsere Gruppe verschiedene Ferienheime. Im Winter würden Nähabende eingerichtet und die verfertigten Kleider und Wäschestücke an Notleidende des Auslands verteilt. In diesem Jahr, mehr als je, haben die unerhört schweren Leiden unserer Brüder im Osten,, uns dazu getrieben, überall und bei jeder Gelegenheit an die ungeheure Judennot zu erinnern, und so zu versuchen, mit unseren geringen Kräften, das Elend ein wenig zu lindern. Verschiedene Sammlungen wurden veranstaltet; für das Waisenhaus in Baden bei Wien, für die Hungernden Rußlands, für die Ukraine würden Kleider in Unerwartet großer Menge zusammengebracht. Viel Freude und Erfolg haben wir mit unserer Kleinmüdchengruppe, die sich aus Kindern von 6 bis 16 Jahren zusammengesetzt. Tas Ziel dieser Gruppe ist, die jungen Mädchen im Geiste der Thauro zu erziehen und sie zu echten jüdischen Frauen heranzubilden. Auch in dieser Abteilung wird jeden Sabbat Mittag über die Sidroh gesprochen, aus dem „Bibel- und Talmudschatz" vorgelesen und zum Schluß noch eine Geschichte jüdischen Inhalts erzählt, um die Kinder immer mehr mit dem Geiste des Judentums vertraut zu machen. Jeden Sabbat wandern 50—80 Mädchen zur Agudoh hin, um so zu lernen oder zu lehren. Mittwoch nachmittag lernen die Kinder unter der Leitung zweier Vorstandsmitglieder, Handarbeiten mit jüdischen Buchstaben und .Bildchen,' Tabletten für Kidduschwein, Mazzohdeckchen, Sederhandtücher und andere Requisiten jüdischer Familienfeste selbst herzustellen. Um die Geselligkeit zu pflegen nno das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, finden an schönen Ferientagen gemeinsame Wanderungen statt, die mit Sport und Spielen verlaufen. Mit neuem Arbeitseifer kehren wir abends zurück und der Kreislauf der Schiurim findet uns alle frischgestärkt beisammen, rnn mit jenem recht jüdischen Gefühl der Simcho schel mizwoh immer mehr für unser bescheiden Teil an der großen Agudaaufgabe initarbeiten zu können. war der Urheber der Organisierung der polnischen Orthodoxie, die dadurch die unerwünschte Vormundschaft' der zionistischen Rädelsführer von sich abgeschüttelt hat. Durch das Prinzip Dr. Kohns, auf persönliche Angriffe nicht zu reagieren einerseits und seine, auch von manchen Freunden nicht gebilligte Taktik, die darin besteht, daß er in der Ueberzeugung, den jüdischen Interessen zu dienen, sehr oft mit Verzichtleistuug auf Popularität den spezifischen Auffassungen und den psychologischen. Imponderabilien, den Stimmungen und Eigenheiten des Ostjudentnms weniger Rechnung getragen hat, anderseits, ist es leider den Zionisten und sogenannten „Nationalisten" gelungen, über Tr. Kohn falsche Meinungen in der jüdischen Oessentlichkeit zu verbreiten und künstlich eine feindliche Stimmung gegen ihn hervorzurufen. Wenn aber auch Freunde die Richtigkeit -mancher taktischen Schritte bezweifelt haben, so wurde doch seine ersprießliche Tätigkeit im großen und ganzen vom polltischreifen Teile der Orthodoxie mit ihren Rabbinern und Führern und ganz besonders den Nahestehenden und Eingeweihten in ihrer ganzen Tragweite gewürdigt. Tie Zeit ist noch nicht gekommen, daß die jüdische Oeffentlichkeit sich seiner großen Verdienste um die Mische Gemeinschaft bewußt wird, allein die Geschichte unserer Zeit, die später geschrieben wird, wirb es beweisen, daß Tr. Kohn nicht bloß ausschließlich und allein für die jüdischen Interessen sich geopfert hat, sondern daß auch sein politischer Ueberblick der richtigste war. Aus vielen Tatsachen möge hier nur eine einzige, als charakteristisches Beispiel herausgeholt werden. Tr. Kohn hatte seinerzeit Statuten für die jüdischen Gemeinden ausgearbeitet, die er der deutschen Verwaltung unterbreiten sollte. Unter dem bescheidenen Titel „Religionsgesellschaft" enthielten diese den Entwurf einer breiten Autonomie für Juden in religiöser, AiMWUlkr rkttd äüch, Me MMe -MktiöMMü" -ttwften, in nationaler Hinsicht. Nur einen „Fehler" konnten die Zionisten nicht verzeihen: es fehlte der Ausdruck „Nation" statt dessen das Wort „Glaubensgenossenschaft" gebraucht wurde. Ans diesen formellen Gründen haben die Zionisten diese Statuten bekämpft und die Bestätigung verhindert, Nun sollen jetzt neue Statuten für sämtliche Mischen Gemeinden Polens ausgearbeitet werden. Trotz des Versailler Vertrages und seiner nationalen Minderheitsklausel ist die begründete Befürchtung vorhanden, daß die neuen Statuten Bestimmungen enthalten werden, welche sowohl die religiösen, kulturellen als auch'die nationalen Rechte der jüdischen Gemeinden derart beschränken. werden, daß überhaupt von Autonomie nicht die Rede sein kann. Nun gestehen es die Aufrichtigeren unter den Zionisten selbst, durch die Verwerfung der Kohnschen Statuten einen folgenschweren Fehler gernacht zu haben, da die Polen seinerzeit ihre Zufriedenheit, mit dem Entwürfe geäußert haben und solchen bei Beendigung der Okkupation und Uebernahme der Regierung gleich vielen anderen kommunalen und gesellschaftlichen Verordnungen der deutschen Verwaltung zweifellos bestätigt hätten. Das Judenturn Polens hätte jetzt eine nationale Phrase weniger, dafür aber eine Autonomie mehr. Tie zionistischen Seifenblasenproduzenten sind bei per hohlen nationalen Phrase geblieben, die das polnische Judentum mit der Autonomie seiner Gemeinden zu bezahlen hat. Hier wird eben der prinzipielle für die Tätigkeit und Handlungsweise charakteristische Unterschied zwischen den orthodoxen und zionistischen Anschauungen klrr. Tie Orthodoxie wird auch hie und da aus die Fora, verzichten, wenn sie etwas Wesentliches, Positives für das 'Mische Volk Nützliches erwirken kann. Für die Zionisten ist die leere Phrase, das Schlagwort, die Hauptsache, weil sie eben hierdurch das Volk betören möchten und somit find sie auch bereit, den Inhalt für die wertlose Form herzngeben. Rx. 14 Betre 8 Schließlich möchte ich noch meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, daß Herr Rabbiner Pinchas Kohn von den zionistischen Denunziationen sich nicht abschrecken lassen und seine Arbeit zum wirklichen Wohle des jüdischen Volkes mit der ihn kennzeichnenden Energie fortsetzen wird. Ist doch bekannt, daß dre Zionisten nicht fähig sind, ihre politischen Gegner sachlich zu bekämpfen und auch in diesem Fälle sich erlogener Schlagworte, die auf die Instinkte der Massen wirken sollen, bedienen. Vergebliche Mühe, ihr Herren Zionisten! Indem ich Sie, Herr Redakteur, herzlichst begrüße, zeichne in vorzüglichster Hochachtung I. M. Lew in. Aus der »evesung. Halberstadt. In Halberstadt besteht seit einigen Monaten eine Ortsgruppe der Polnischen Zeire Emune Jisroel. Die Bereinigung datiert bereits vom 5. März vor. Js., doch konnte der Verein seine Tätigkeit infolge mannigfacher Schwierigkeiten nicht voll entfalten. Nachdem das Vereinsleben längere Zeit geruht hatte, wurde es durch eine kürzlich stattgefundene Generalversammlung zu neuem Leben erweckt. Das Interesse aller nahestehenden Kreise zeigte sich auf dieser Tagung sehr groß und es wurde allgemein beschlossen» neben dem neugewählten, fünf Personen umfassenden Vorstand, einen Waad Hapauel zu gründen, dessen Zweck es sein soll, durch Einrichtung von Schiurim, Anschaffung einer großzügig angelegten Bibliothek unter Mitwirkung unserer Stammorganisation in Polen, Haltung der bedeutendsten jüdischen Blätter von Polen, Palästina und Deutschland, den Zielen der Organisation gerecht zu werden. Turch rührige Propaganda sind bereits fast alle orthodoxen jüdischen jungen Leute in denk Verein organisiert. Nachdem bereits vor einiger Zeit ein Vertreter der Zeire Emune Jisroel, Ortsgruppe Hamburg, eine Rede als Einführung in den politischen Gedankengang unserer Organisation gehalten hat, besteht die Absicht, derartige Vorträge, unter eventueller Heranziehung von Rednern aus Polen, öfters zu veranstalten. Die Schiurim und sonstigen Institutionen des Vereins erfreuen sich regen Besuchs und so darf die Grttppe mit Recht mit Vertrauen in die Zukunft blicken. Vrieskaslen. A. K. i« N. und Dr. I. L. iu B. Rabbiner Jser Hodes kann Ihnen nicht bekannt sein, weil er erst vor etwa 9 Monaten nach Jerusalem gekommen ist und im dortigen Greisenheim Unterkunft gefunden hat. Vor dem Kriege hat er bloß kurze Zeit in Jerusalem geweilt. Ob er in Meischat in Litauen oder in einer anderen Gemeinde Rabbiner war, ist uns nicht bekannt. Auf verschiedene Anfragen: Weder der Inhalt des Brieses, noch die Autorität des Briefschreibers nötigen dazu, den in der jüngsten Nuilimer der Berliner „Jüdischen Presse" veröffentlichten Jerusalemer Brief zu widerlegen. Wir finden es nur begreiflich, daß der Kreis, in dessen Interesse der Brief geschrieben wurde, weder an dem „Waad Harr Hoaschkenasi" noch an dein neuen Organ „Kol Israel" Wohlgefallen findet. „Wenn sie es ehrlich meinen" — so lautet das Hauptargument des naiven Briefschreibers — „müßten sie sich doch unterwerfen der großen frommen Gemeinde und den Mitgliedern des offiziellen Oberrabbinats, an dessen Spitze Oberrabbiner Kuck steht, die doch ihre Lichtstrahlen auf alle Richtungen der Gemeinde verbrerten wollen. „Tas habe er so gar in Deutschland gesehen, als es dort noch Orthodoxen gab, die vom Geiste des wahren Judentums entfernt waren. Seitdem aber dort intensiv Thora gelernt wird, gehts auch da besser." Was soll man da widerlegen? Ter „Waad Hoir Hoaschkenasi" will sich eben dem „offiziellen Oberrabbinat" der offiziellen Gemeinde des Waad Hoir „und dem offiziellen Waad Leumi" nicht unterwerfen. Jüngst ist sogar der offizielle Vertreter des Misrachi aus dein Waad Leumi, der die höchste Instanz der palästinensischen Judenheit bilden soll, ausgetreten, weil dieser einen schweren Eingriff iu das jüdische Eherecht (zivile Eheschließung im jüdisch-nationalen Heim) auch Mitglieder des Oberrabbinats haben in dieser Sache beim Juftizsekretär Bentwich vorgesprochen, der sie dankit beruhigte, daß er es selbst begreife, daß man zu Beginn der Organisation der jüd. Gemeinden ein solches Gesetz nicht beschließen dürfe, beschlossen hat. Nicht minder naiv ist es, wenn der hochbetagte Briefschreiber, den wir für den famosen Inhalt dieses Briefes in keinem Falle verantwortlich machen möchten, den Borlvnrf erhebt, daß die bekannten, allgemeinen verehrten rabbinischen Koryphäen Tiskin und Sonnenfeld niemals beamtete (sie!) Rabbiner waren. Wenn er schließlich meint, daß die Zeitung „Kol Jsroet" an sich wertlos sei, so ist das lediglich Gesch,nacksache. 70637999^^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.