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Der Israelit · 1922-06-29 · Heft 26 (29.6.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 26 (29.6.1922)
Date
1922-06-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 Nr. 26 Der JSraeM. 39. Juni ISA. aller religiöse Fragen nicht berührenden Angelegenheiten. Nachdem Dr. I. Freund die Ablehnung des Antrages ohne jede Debatte befürwortet und Dr. Koref ihn nochmals begründet hatte, wurde er auf Vorschlag M. A. Lobs, der über den Antrag nicht kurzerhand hinweggehen wollte, dem Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin als Material übergeben, da dieser vorerst die Geschäfte des Verbands führt. Einer langer« Diskussion, ob in die Verfassung ausgenommen werden solle, daß die Lehrer nach den staatlichen Sätzen besoldet werden müßten oder nicht, macht der Regierungsvertreter ein Ende, durch Klarstellung daß im Falle der staatlichen Anerkennung des Verbandes dieses unbedingt geschehen müsse. Der Vorschlag der Berliner Gemeinde, daß in andern als Kultus- und Unterrichtsangelegenheiten die Bestimmungen des Verbandes für die Gemeinden maßgebend sein sollten, wurde abgelehnt, da die Vertreter die Autonomie der Gemeinden unangetastet lassen wollten. Auch der Antrag der zionistischen Delegierten, zum mindesten das allgemeine Wahlrecht für In- und Ausländer bei den einzelnen Gemeindewahlen festzulegen, wurde nur als Resolution und nicht als Verfassungsbestimmung angenommen. Auf: Grund dessen enthielten sich die Zionisten bei der endgültigen Abstimmung über die Verfassung der Stimme. Bei dem Paragraphen, der das aktive und passive Frauenwahlrecht einführte, erklärte Moritz A. Lö b diesen Passus als unannehmbar für die Konservativen. Trotzdem wurde — ohne jeden Protest — beschlossen, den Paragraphen unverändert zu lassen. Vom Wahlrecht ausgeschlossen wurden nur s.) wer entmündigt ist, d) wer sich nicht im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet und o) wer aus einer Verbandsgemeinde rechtsgiltig ausgetreten (bezw. in Frankfurt a. M. nicht beigetreten) ist. Ueber die Frage der rabbinischen Vertreter im leitenden Rat fordert Justtzrat Liltental, die Bestimmung wieder aufzunehmen, daß jede der drei Rabbinerbtldungsanstalten in Berlin, und Breslau einen Vertreter entsende. Man sei seinerzeit nur mit Rücksicht auf die Orthodoxie hiervon abgekommen, die die für die Liberalen wenig schmeichelhafte Erklärung abgegeben hätten, ein Vertreter des Berliner Rabbinerseminars könne nicht zusammen mit Vertretern der andern Anstalten in einer Kommission arbeiten. Auf die ausgetretene Orthodoxie brauche jedoch jetzt keine Rücksicht mehr genommen zu werden, und die Gemeindeorthodoxie hätte sicherlich derartige Bedenken nicht. Justizrat Makower fordert, daß Dozenten an Rabbinerbildungsanstalten, auch wenn sie nicht Rabbiner wären, als rabbinische Vertreter gelten sollten. Lob wendet sich dagegen. Es wird beschlossen, daß in dem 35gliedrtgen Rat sechs an Gemeinden oderRabbinerbildungsanstalten wirkende Rabbiner sein müßten. Nachdem die Statuten genehmigt waren, konstituierte sich der Verband. Wocheirmndschau. Ale Neuregelung der SemeludeverhÄtnlffe in Machen. Nachdem in Nürnberg das Verhältnis zwischen Kultusgemeinde und orthodoxer Vereinigung vor kurzem eine der neuen Verfassung entsprechende, nach langwierigen Verhandlungen zustande gekommene Regelung erfahren hat, ist nunmehr auch in der bayrischen Hauptstadt eine neue Vereinbarung zwischen der Israelitischen Kultusgemetnde und dem Verein „Ohel Jacob" (Jsr. Reltgionsgesellschaft) E. B. von der Mitgliederversammlung der orthodoxen Vereinigung angenommen worden. Aus dem Inhalte der Vereinbarung, d.e, entsprechend der im bayrischen Judentum vorwiegenden Auffassung, die Etnheitsgemeinde aufrecht erhält, seien die wichtigsten Punkte mitgeteilt. m Die vom Verein „Ohel Jacob" unterhaltenen Einrichtungen, (Synagoge und Religwnsschule) werden als gemeindliche anerkannt, von dem Vereine aber selbständig unter Aufsicht der Gemeinde verwaltet. Die sachlichen Ausgaben trägt der Verein, der auch die Gebühren erhebt. Die Beamten und Angestellten des Vereins werden Gemetndebeamte, derart jedoch, daß der Verein zu deren Besoldung */* beiträgt. Die Beamten, also auch der Rabbiner, werden vom Verein vorgeschlagen und von der Gemeinde angestellt. Die rituellen Einrichtungen der Gemeinde müssen so beschaffen sein, daß ihre Benützung den konservativen Gemeindemitgliedern gewährleistet ist. Wird trotzdem der Friedhof durch Gemeindebeschluß nach orthodoxer Anschauung unbenutzbar gemacht, so verpflichtet sich die Gemeinde im Vorhinein, der Orthodoxie einen abgegrenzten Teil des Friedhofes zur Verfügung zu stellen, der reltgionswidrigen Gemeindebeschlüssen entzogen bleibt. Der Ritual-Ausschuß der Gemeinde besteht aus 6 Gemeindemitgliedern, von denen 4 auf Vorschlag des orthodoxen Vereins bestellt werden. Mit der Beaufsichti- Revolution. zß&iS WS&-. (Jum Woche nabschnitte.) Bon Dr. Michalski. Aufruhr herrscht im Lager Israels. Zu Gruppen versammelt, sieht man die vornehmsten und angesehensten Männer vor ihren Zelten stehen. Wild tönt es durcheinander r „Kaurach hat Recht, wir brauchen uns nicht bevormunden zu lassen". „Nein, er hat nicht recht," ruft ein anderer, „es sind ja nicht Mose und Ahron, die zu Führern sich aufgeschwungen haben, es ist ja Gott, drr sie dazu bestimmt hat". „Seht" ruft ein dritter", „da gehen schon Kaurach, Dosson, und Awirom und ihre Anhänger hin zu den Zelten Moses und Ahrons, kommt, wir wollen ihnen nach, wollen hören, was sie sprechen": „Genug jetzt endlich", so schreien die Empörer Mosis und Ahron entgegen, „die ganze Gemeinde, sie alle sind heilig, und in ihrem Innern ist Gott und warum überhebt Ihr Euch über die Gemeinde Gottes?" Nicht nur die Revolution gegen die bisherigen Führer, auch die liberale Reform, die auf religiösem Gebiet verwirrend und zerstörend cinherflutet, ist im Keime hier angedeutet. „Die ganze Gemeinde, sie alle, sind heilig", und doch ist es jetzt schon das vierte M'-I, daß sie gegen Gott stch empörten. Sind heilig auch die, die das goldene Kalb verehrt haben, die Ausflüchte suchend zu murren gehabt wegen Speise und Trank, die kleinmütig den Kundschaftern Gehör geschenkt haben, heilig auch die, die mißtrauisch das Manna für den nächsten Tag ausbewahrt, die am Sabbat es aus dem Feld gesucht haben'? Sie alle sind heilig, so sagt die Reform, sobald sie nur jüdisch im Herzen fühlen, ,/n ihrem Innern ist Gott", das genügt, wenn auch die Taten den Geboten Hohn sprechen. „Warum über hebt Ihr Euch über die Gemeinde Gottes", warum häuft Ihr Gebote, um das Himmlische tm Irdischen zu verankern, es bedarf deffen nicht, genug jetzt endlich, so sprechen die Wortführer der Reform. Doch das Geschick der Potte Kaurachs ist zu allen Zeiten das Schicksal derer, die da glauben eines Mose und Abron entbehren zu können, der Gebote nicht zu bedürfen, da heilig die ganze Gemeinde sei. Wie damals die Erde ihren Mund geöffnet hat, um Kaurach und seine Anhänger zu verschlingen, so öffnet zu allen Zetten die Erde mit ihrem Haften und Jagen, das Irdische mit seinem Tand und Flitter den unersättlichen Mund und zieht in sich hinein und saugt in stch aus alle die, die da meinen, heilig zu sein, da in ihrem Innern Gott sei, dem man äußerlich nicht zu dienen braucht, dem die Taten nicht entfremdet sein können. Sie werden verschlungen, sie gehen unter die Gefühle des Heiligen im Innern in dem Haschen noch der Erde vergänglichen Gütern und nur die Gebote Gottes, denen Mo es Leben und Streven gedient hat, denen Ahrons Priestertum geweiht gewesen, vermögen sie zu erhalten. gurrg der rituellen Einrichtungen wird ausschließlich der orthodoxe Rabbiner betraut. Die rituellen Einrichtungen der Gemeinde, mit Ausnahme des Friedhofes, können nur mit Zustimmung des orthodoxen und d esneologen(l) Rabbiners geändert werden. Die Schächtbeamten dürfen in den Orgelsynagogen nicht fungieren. Ueber die Küchenführung der Anstalten wachen seltsamerweise beide Rabbiner. Nach der Annahme des Vertrages durch die Gemeindeversammlung des „Ohel Jacob" legte der 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Kommerzienrat Siegmund Fraenkel, sein Vorftandsamt nieder, weil er in der Bestimmung, daß der Verein ein Viertel zu dem Personalbedarf seiner Beamten beizutragen hat, -eine beabsichtigte Zurücksetzung der Orthodoxie durch die Gemeinde erblickt und die Verantwortung dafür nicht tragen will. Der unbefangene Beurteiler wird in dieser Bestimmung nicht gerade den größten Schönheitsfehler des Vertrages erblicken. Steht man einmal auf dem Standpunkte, daß es der Orthodoxie religiös erlaubt sei, den im Liberalismus verkörperter Abfall vom Judentum als gleichberechtigte „Richtung" anzuerkennen, so kommt es auf ein Mehr oder Minder an Konzessionen kaum mehr an. Leider wird das prinzipiell Unwürdige der Stellung, in die sich die Orthodoxie als Vertreterin des historischen Judentums mit allen derartigen Verträgen begibt, in Bayern anscheinend nur von einigen Auserwählten empfunden. Sir Vorgänge in Wongrowitz. Wongrowitz, ein Städtchen im Posenschm Neupolen, hat feine Ritualmordhetze. Die Sache wächst sich zu einem zweiten Könitz aus. Im Gartenhause eines jüdischen Bürgers, namens Engel, wurde deffen Dienstmädchen Käthe Menzel nach einem Tanzausgang von der Polizei mit einer Brustwunde aufgesunden, ein blutbeflecktes Messer lag dabet. Das Mädchen — die Türe war von innen geschlossen — fabelt, Engel, ein Greis von 70 Jahren, habe sie betäubt und ihr die Wunde beigebracht usw. Daraufhin wurde Engel verhaftet, wieder sreigelassen und wieder verhaftet, und die Hetze, geleitet vom „Kurier Poznanski" ist in vollem Gange. Auf eine Anfrage von Berlin aus, ob ein Eingreifen von außen nötig sei, schreibt Herr Rabbiner Dr. Gottschalk, Posen: „Ich möchte doch die Hoffnung aussprechen, daß die hiesigen Behörden, vor allem die Geistlichkeit, selber dieser wahnsinnigen Verleumdung so energisch entgegentreten, daß Polen nicht erst vom Auslande darauf hin- Verechja Hanakdan über Ehrgeiz und Machtgier *). Ziehe der zwiefachen Hoffnung den einfachen Besitz vorein kleines Gewiß ist besser als ein großes Viell'icht. Sei e!n Diener unter Edlen, nicht aber ein Haupt unter Gemeinen) von dem Rufe jener bletbr auch an dir etwas basten, aber den Bet ächtlichen, über die du herrschest, wirst du bald gleich geachtet. Suchst du dir Herrschaft und die Gewalt, so fliehen sie vor dir) sei ekn Gast in dieser Welt, und man räumt dir Ehre ein und Besitz. Die meisten Menschen behandeln den verächtlich, dkm mehr Ehre als ihnen gebührt) sie wollen dem Guten übel und nähern sich ihm nur dann, wenn ste si/iner bedürfen. Der Verdienstvolle muß stch vor Elenden bücken: er weiß die Waffen zu führen und jene kommandieren. D!e stolze Zeder wird gefällt, der Busch sich bescheiden hält: Feuer steigt auf und vergeht, Waffer siegt nieder und besteht. Erhebe dich nicht trugen Schönheit und Reichtum über Nachbar und Bruder, du gibst dem hassenden Neide Nahrung, und der Arme, den du verachtet hast,könnte leicht über dich triumphieren. Wer auf seine Würde hält, darbi lieber als daß er seine Ehre preisgtbr, ist^lieber genügsam und frei, als daß er wohlgenährt und am fremden Tische gefangen. Liebe deine Kinder mit gleicher Liebe) oft täuscht die Hoffnung, die du auf das vorgezogene gebaut, und alle Freude kommt dir doch von dem, das du zurückgesetzt hast. *) Er lebte um 1260 und verfaßte das c^mr “lBD, in dem obige Sätze enthalten sind.

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