Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1922)
- Date
- 1922-06-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite S 3?x. 25 Der Israeli» 22, Juni 1923 sten Adelnd der slowakischen Orthodoxie, als Vertretung der p v 1 i - tischen , mirtschastlicheu u ud s o zialcn Jute re s sen de s Ge sa m tj u b en - tunt« aitzuerkeuueu. Es handelt sich also lediglich nrn die Organisation einer zionistischen HilsS truppe auf konfessioneller Basis, wobei der Schulchan Aruch als ein agitatorisch höchst wirksames und dabei praktisch ungefährliches Aushängeschild treffliche Dienste leisten kann. Die Vorstellung, dag diese Maskerade verfangen könnte, setzt jedoch einen so naiven Gemütszustand der slowakischen Indenheil voraus, wie er kaum vorhanden fein dürfte. Uo4en, flmerihanifche fflärfyrer in 9er Ukraine Warschau, S. Juut Wie erinnerlich, sind im Jahre 1920 zwei Beauftragte des amerikanischen Hilfskomitees, Pros. Israel Friedländer und Kagan in der Ukraine ermordet worden. Es fehlte jeder Anhaltspunkt für Ort und nähere Umstände der Tat. Nun gelang es dem Direktor des „Joint", Dr. D. Bogen, der zur Zeit die Ukraine bereist, im Städtchen Jarmal alt netz die Grabstätten der beiden Opfer der jüdischen Liebe ausfindig zu machen. In Anwesenheit Dr. Bogens wurde eine ergreifende Trauerfeier an den Gräbern abgehalten und Anordnungen getroffen, daß die stark vernachlässigten Grabhügel durch Gedenksteine mit entsprechender Aufschrift gekennzeichnet werden. Es wird auch der Plan einer Ueberführung der Leichen nach Amerika erwogen. 0a5 beben in HJilna. Witrra, 8. Juni Das definitive polnische Regime hat auf das jüdische Leben bis jetzt wenig abgefärbt, aus alle Falle noch keine bessernde Wirkung ausgeübt. Große Sorgen bereitet die Erziehnngsfrage. Die Chedarim und Talmudthoraschulen mußten zum größten Teil ihre Tore schließen, nachdem der „reiche Onkel in Amerika" den rollenden Dollar nicht mehr schickt. Die gleiche Krisis durchleben jetzt die sogenannten religtösnationalen Schulen des Bereinigten Komitees. Zum Glück geht es auch den jtddtschisttschen Schulen vom radikalen Lager nicht besser, so daß wenigstens nicht zu befürchten steht, daß diese das jüdische Erbe antreten. Denn in Wahrheit waren die religiösen Schulen und Chedarim nur durch die Konkurrenz von der linken Sette zu der Annahme von Subventionen gezwungen worden. Hört daS Locken und Werben dieser unjüdischen Schulen auf, so werden die Frommen in ihrer erprobten Opferfreude schon die Mittel und Wege finden, ihre Chedarim aus eigener Kraft zu erhalten. Schlimmer geht es den I e s ch i w a u s, die auf das Hilfskomitee angewiesen sind, das aber durch das Ausbleiben der amerikanischen Gelder mittellos dasteht. So werden wohl, wenn nicht in nächster Zeit ein Wunder geschieht, die beiden großen Jeschiwaus ihre Lehrtätigkeit einstellen müffen. Hat auch die Wilnaer Judenheit den Ehrgeiz, die internen Anstalten aus Eignem am Leben zu erhalten, so hält sie doch das große Waisenhaus, welches 150 Waisenkinder, zum Teil Kriegswesen aus allen Gegenden Rußlands, beherbergt, für eine Sache der jüdischen Allgemeinheit, an die ein flammender Aufruf ergeht. Das Waisenhaus wurde vom hiesigen Rabbinate während der Okkupation gegründet und trägt den Namen des Wilnaer Gaon Nur ein Eingreifen von Setten der großen allemeinen jüdischen Wohltätigkeil kann diese Anstalt vor dem Schicksal der Schließung bewahren. Vorsitzender der Waisenanstalr ist Rabbi Chaim Oser Grodzenski, der auch Spenden entgegennimmt. gitanen. Die Konferenz des Lanögsoerbanöes „Zaume" Kowuo, 5. Juni Die Landeskonferenz des „Jawne," befaßte sich in erster Reihe mit den Fragen der Chedarim und Jeschiwos. Die Beteiligung von Seiten der litauischen Rabbiner und Pädagogen war stark. Am Präsidententisch saßen die Herren Rabbiner Schapiro-Kowno, Epstein-Slabotko und Burstein-Tauroggen. Referate wurden gehalten von den Herren Rabbinern Pappel und Kahnmann über das Programm der Chedarim und Schulen. Dr. Rachmilewiy sprach über „die rechtliche Lage der orthodoxen Erziehung" und S. Selben über „Arbeitsschulen und Kindergärten". Es zeigte sich, daß die Erziehung in Litauen viel mehr unter den innerlichen Kämpfen und Unstimmigkeiten zu leiden hat als unter den äußeren schweren Bedingungen/ es fehlt auf dem Lande noch die Einsicht, daß von der jüdischen Erziehung der Jugend das Glück und die Zukunft der litauischen Judenheit abhängt. Alle gefaßten Beschlüsse und Resolutionen sind von der Erkenntnis getragen, daß die Erziehungsanstalten auf dem festen Grunde von Thora und Tradition auch den profanen Fächern soviel Spielraum lassen müffen, als nötig ist zur Ertüchtigung der Kinder für das praktische und gesellschaftliche Leben. Es ist aus alle Fälle erfreulich, das von komperenter Seite endlich die Hand auf die Wunde gelegt wird und ist zu hoffen, daß die geplanten Unternehmungen das volle Verständnis im ganzen Lande finden werden. Kowuo- 10. Juni. In den weiteren Sitzungen befaßte sich die ^awliekonfercuz mit Erziehungsfragen und besonders mit der Frage der K i n d e r g ä r l e n. Die Notwendigkeit dieser Vorschulen bewiesen die Rabbitter%Bu r fte i u und Kah nmaun durch die Anstrengungen der Radikalen nach dieser Richtung hin. Rabbiner Schapiro meint, man müßte eine jüdische Arbeiterschaft erziehen., die bei (allen wirtschaftlichen Kümpfen treu zur Tho ra lstilt. In einem Referat über Lehrer-! b i l d u n g nieist Herr Schmulewitz auf die vitale Notwendigkeit der Lehrerseminare hin. Lehrerbilduugsknrse hält 'er für ungenügend, da diese im besten Fall den Weg des Unterrichtes, aber nicht den der Erziehung zeigen. Helfen könne nur ein gut und jüdisch geleitetes Lehrerseminar. Die Kurse können nur als Uebergangsbehels wirken. Die ganze Arbeit muß in der Hand des Jawue liegen. In der Debatte wird über den Mangel au Lehrern ans dem Lande bitter geklagt und den Kownoer Rabbinern gleichgültiges Verhalten in dieser Sache vorgeworsen. Rabbiner Schapiro versichert sein volles Interesse für die Lehrerbildung. Rabbiner Epstein, Slabotko eerkennt ebenfalls die Notwendigkeit des Seminars an, glaubt aber, daß Kowuo nicht der richtige Platz dasür sei, da es hier den Jeschiwans schaden müßte. Zum Schluß wird eine eigens gewählte Kommission mit der Prüfung der Frage betraut. von 8er Kotunoer 6emein9e Kowuo, 3. Juni Das magere Resultat der letzten Beratung in der Plenarsitzung der Kehilaverwaltung rechtfertigt kaum einen Bericht. In Sachen der' rabbinischen Kompetenz bei Eheschließungen teilt das Exeeutivkomitee mit, daß 6te Aenderungsbeschlüffe des Plenum vom jüdischen Ministerium als gesetzeswidrig abgelehnt wurden. Der Vorstand des Bikurchaultm erklärt seine Deimssion für den Fall, daß nicht von der Kehila in kürzester Zeit eine Reorganisation und Aenderung des Wahlmodus für den Verein vvrgenommen werden. Es wird allgemein betont, daß es mit Rücksicht auf die Krisis, die der Verein jetzt durchlebt, sehr geboten erscheint, daß der alte Vorstand auf seinem Posten bleibe.! t, Der Generalsekretär der Kehilaverwaltung berichtet über die Steuereingän-re. Das Bild ist wenig erfreulich. Die Steuerfreudtgkeit ist so gering, daß statt der 10$000 im Etat nur 30000 Mk. im Monat eingehen, indes die Kosten des Verwaltungsapparates sich mit jedem Tage steigern. Es wird lange dabattiert und schließlich die Steuerkommission beauftragt, ein Budget für das nächste Halbjahr aufzustellen und für die richtigen „Eingänge" Sorge zu tragen. Der Dünger in KutzlanS. Moskau, 5. Juni Der in Moskau erscheinende „Emes" bringt schauervolle Berichte über die Hungersnot, besonders der jüdischen Bevölkerung in viele«' Städten Rußlands. Berdiansk gleicht einem großen Friedhof. Menschen fallen auf den Straßen, von den Paffanten kaum noch beachtet. Die Häuser sind mit Leichen an gefüllt. Lachende Menschen oder spielende Kinder sieht man auf der Straße schon lange nicht mehr. Das einzige jüdische Kinderheim, diese kleine Rettungsinsel mitten im Meere des Leides, steht vor einer Krisis und wird, falls nicht rasche Hilfe kommt, seinen Betrieb etnstellen, wodurch die Kinder, zumeist Kriegsopfer, unerbittlich dem Hungertode ausgeliefert werden. Man müßte wahnsinnig werden beim Anblick all dieses Schauerlichen, wäre man nicht längst dagegen abgestumpft. Kchwer^. Die Dkgamsaimn Ser ßebeirsmMelpakele nach DußlanS. Genf, 15. Juni. Seit dem Beginn seiner Tätigkeit hat der internationale Dienst der Lebensmittelpakete des Nausen-Komitees beim Roten Kreuz über 36 OOP Aufträge erhalten. Um zu verhindern, daß wegen Trausportschwierigkeiten Verspätungen in der Zustellung Vorkommen, sind in beit Berteilungszentralen in Moskau, Petrograd, Tscheliabinsk, Samara, Saratow, Novorofsüsk, Charkow, Kiew und Odessa größere Lebensmittelvovräte augesammelt worden. Neue Berteilungszentvalen wurden in Rostoff am Don, Sebastopoß und Tiflis gegründet. Bis jetzt wurden 40 000 Lebensmittelpakete nach Rußland geschickt. Iw Verlaufe der nächsten 2 Monate wird sich die Paketzahl voraussichtlich auf 100000 erhöhe». Jede Wache werden Waggons mit Lebensmittelpaketen aus Arvskmt in die oben erwähnte» Städte geschickt, von wo aus die Berteilunp stattfindet. (I. C. B.) (Bnglanh. 6ii0lif(h‘5ran?öfif(he öerhanöiungen über Sie BrienMUanöate. «London, 7. Juni Wie das I. C. B. erfährt, sind jetzt Verhandlungen zwischen der englischen und französischen Regierung im Gange, Sie darauf hinausgehen, die Hindernisse gegen die baldige Ratifikation des englischen Mandates für Palästina und des französischen Mandates für Syrien aus dem Wege zu räumen. Es stellt sich jetzt heraus, daß eine der Hauptursachen, die die französische Regierung bewogen hatte, durch chren Vertreter im Völkerbund, Leon Bourgeois, die Verschiebung der Ratification des Pnläftirra-Mandates zu fordern, die war, daß die französischen Politiker als Folge der Ratifizierung des einen Mandates der A«Gruppe (Palästina) ohne daß gleichzeitig .das andere Mandat dieser Gruppe (Syrien) ratifiziert werde, Schwierigkeiten ' für die Zukunft voraussehen. Die bevorzugte Stellung Amerikas in Palästina und das besondere Eintreten der amerikanischen Regierung für die baldige Ratifikation des englischen Mandates gab der französischen Regierung Anlaß zur Befürchtung, daß mit Bezug aus das syrische Mandat seitens Amerikas Schwierigkeiten entstehen würden. Wie es scheint, werden nun auch