Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1922-06-22 · Heft 25 (22.6.1922) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 25 (22.6.1922)
Date
1922-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450189-2450213--69851-2527067
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Der JSraektt. Nr. 3s Leit« k 23 Juni im_ Freund ist mit den Verhandlungen bei den Behörden zur Herbeiführung -er Genehmigung betraut worden. An seine dem Ausschuß hierüber in jeder der vielen Sitzungen erstatteten Berichte knüpfte er den Ausdruck der Ueber-- zeugurig, daß die Genehmigung in Kurzem zu erwarten sei. Am 9. 2. 1922 richtete der Außschuß eine Eingabe an das Ministertm für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung um Beschleunigung der Genehmigung der Verfassung. Der vom 10. April 1922 datierte, am 17. April 22 eittgeaangene Bescheid lautet: „Auf die Vorstellung vom 9. Fk-bruar 1922, O.VII, erwidere ich ergebenst, daß die gutachtlichen Aeutzerungen der von mir um eine Aeutzerung ersuchten Ministerien zu dem in Rede stehenden Gesetzentwurf mir noch nicht sämtlich vortteaen. Angesichts der wir soeben zugegangenen Ausführungen des Herrn Fivanznnnlslers mutz ich damit rechnen, daß noch weitere Verhandlungen mit den beteiligten Zentralstellen über den Gesetzentwurf selbst nötig werden d In der Sitzung des Ausschusses vom 14. 5. 22., in der dieses ministerielle Schreiben bekannt gegeben wurde, äußerte Herr Dr. Jsmar i Freund: „In Wirklichkeit liegen die Verhältnisse für uns durchaus günstig." Der Ausschuß konnte jedoch diese Auffassung nicht teilen und war der Meinung, daß die Gesamtorganisarion endlich, ohne die Genehmigung der Verfassung abzuwarten, aus Grund des Arr. 137 der Reichsverfassung ins Leben treten müsse. Es wurde daher beschlossen, den in kürzester Frist abermals einzuberufenden Ausschuß folgenden Antrag zur Annahme zu empfelen: „Der Ausschuß wolle beschließen, nach der Satzung des Gemeindetages vom 23.Januar1921 den Bundestag einzuberufen und ihm als Tagesordnung die Stellungnahme zum Inkrafttreten der Gesamtorganisation vorzuschlagen." Diese Sitzung sollte am 11. Juni stattfinden. Zwei, Tage nach der Sitzung vom 14. 5. 22. hat nun Herr Dr. Jsmar Freund ohne den Ausschuß zu befragen, über seinen Kopfhinweg denAntrag beim Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde gestellt, die preußischen jüdischen Gemeinden zum Zwecke einer Organisierung einzuladen und der Vorstand hat diesen Antrag alsbald angenommen. Ob dieser sich hierbei bewußt war, daß die Gesamtorganisation damit in Frage gestellt wird, mag hier unerörtert bleiben. (Die Lösung des Rätsels liegt wohl darin, daß Herr Dr. Freund zwar Ausschußmttglted des D. I. G. B. aber Beamter der Berliner Jüdischen Gemeinde ist. (Red.) ZLOffcke fflinOerfteitsretfife im oberMlesiscken Vertrag. N erlitt, 5. Juni. In den Vertrag zwischen Deutschland und Polen über Oberschlesien sind die bekannten Schutzöeftiwmungeu des Versailler Vertrages, wonach Juden am Sabbat nicht vor Gericht zu erscheinen brauchen und keine Wahlen an Sabbaten stattfinden dürfen, im gleichen Wortlaute ausgenommen worden. Die Cagung Oes öerbanOes Jäöiffdier Lehreroereine. Berlin, 8. Juni Vom 5. bis 7. Juni hielt der „Allgemeine Jüdische Lehrerverband" nach neunjähriger Unterbrechung zum ersten Male wieder seine Generalversammlung ab. Die Verbandsvereine waren durch 40 Delegierte vertreten. Die Verhandlungen wurden durch ein pädagogisches Referat des Mittelschullehrers Stern-Berlin über - den „Religionsunterricht im Lichte der modernen Psychologie" eingeleitet. Lehrer Godschmidt-Dortmund referierte über das „Neichsschulgesetz und seine Bedeutung für die jüdische Schule." Im Anschluß an die Aussprache wurde bedauerlicherweise eine Resolution angenommen, die sich grundsätzlich auf den Boden der Gemeinschaftsschule füllt und die jüdische Bekenntnisschule nur solange fördert, wie die Gemeinschaftsschule spezifisch christlichen Charakter trage. Seminardirektor Dr. Gutmann-Berlin sprach über die Lehrerb ildungssrage. Zur endgültigen Lösung der damit in Verbindung stehenden bedeutungsvollen Probleme wurde eine gemischte Kommission aus Vertretern der Lehrerverbände, der Seminare und einiger großgemeindlicher Organisationen eingesetzt. ' Die' angeregte Umwandlung des Lehrerverbandes in eine-Beamtengewerkschaft wurde abgelehnt, vielmehr beschlossen, ren Beamtenverbänden unter Aufrechterhaltung ihrer Selbständigkeit den Charakter einer wirtschaftlichen Interessenvertretung gu geben. Lehrer Steinhardt-Magdeburg sprach über die Gesamtorganisation der deutschen Juden und in Verbindung damit über die trostlose Lage der Lehrer und Kultusbeamten. Es ist selbstverständlich, daß in der anschließenden Diskussion die Erregung und Entrüstung über die herrschenden Zustände zu schärfstem Ausdrucke kam. An Stelle des nach 15 jähriger Tätigkeit zurücktretenden Verbandsvorsitzenden Rektor Feiner in Hamburg wurde Mirtelschuilehrer Stern zum Vorsitzenden gewählt. Delpgtertentesung Oes DerbanOes Oer jüOiftfien 3ugen0nereine Deuffchlanös. Bonn, 9. Juni Die 5. ordentliche Delegieitentagung des Verbandes der jüdischen Jugenövereine Deutschschlands fand am 5. und 6 Juni d. Js. in Bonn unter starker Beteiligung statt. Der Verbandsvorsitzende Dr. jAlfred Apfel verabschiedete sich nach 17 jähriger Tätigkeit mit einer überaus wirkungsvollen Rede über die derzeitigen Ziele des Jugendverbandes von der, Leitung der Jugendbewegung. Es werden ihm große Ovationen entgegenqebracht. Auf Vorschlag Dr. Apfels wurde Dr. Cora Berliner zu seiner Nachfolgerin gewählt, die nach erfolgter Aussprache mit den jüngeren Führern das Amt annahm. Anwesende konservative Vertreter aus Frankfurt gaben ihrem Bedenken Ausdruck, ob es religionsgesstzlick erlaubt sei, eine Frau an dieSpitze einer jüdischen Organisation zu stellen, doch ging die Versammlung hierüber zur Tagesordnung über. Der Veröandsvorstarrd wurde dann einstimmig gewählt. Er setzt sich aus 16 Herren zusammen. Ein Platz wurde für einen Vertreter der östlichen Vereine reserviert. Im übrigen gehören dem Verbandsvorstande je ein Vertreter der 12 Landesverbände sowie je ein Vertreter der führenden jüdischen Organisationen Deutschlands an. In der Generaldebatte wurden nachstehende Thesen zur Verüandsarbett einstimmig aufgestellt: „Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands fordert von allen seinen Mitgliedern den ernstesten Willen zum Judentum! Er will als jüdische Bewegung alte in Deutschland lebenden jungen Juden zu gemeinsamer Arbeit an der Zukunft der deutschen Judenhett zusammensassen. Diesem Programm diene: 1. Eine Berbandsarbeit, die jeden einzelnen Juden zu erfassen und zu beeinflussen sucht, und die . geeignet ist, die menschlichen Beziehungen aller Mitglieder des Verbandes untereinander zu knüpfen und zu vertiefen. 3. Eine bewußte Vertiefung des religiösen Lebens, ein zielsicheres Hin führen zu den Quellen des Judentums durch die lebendige Vermittlung der Kenntnis des gesamten jüdischen Schrifttums und der hebräischen Sprache. 3. Die tatkräftige Mitarbeit an den Aufgaben der jüdischen Oeffentlichkeit, die auf die Erhaltung und Sicherung des Judentums und der Judenbeit hinztelen. 4. Das Verbandsorgan, — die „Jüdischen Blätter" — das durch formal und inhaltlich hochwertige, aber allgemeinverständliche Aufsätze Anregung für die Verbandsarbeit, sowie Spiegelung des Verbandslebens sein mutz, und über alle wichtigen Vorgänge, die jüdischen Interessen berühren, zu berichten hat. 5. Die Unterstützung von Turn- und Wandergruppen in allen Vereinen, die sich die dringend nötige körperliche Ertüchtigung unserer Jugend zur Ausgabe machen. 6. Die sorafältige Arbeit der Jugendgruppen, deren Führer und Führerinneu das Heranreifen eines lebensfrohen und von unseren Idealen bewegten Nachwuchses sichern sollen 7. Die Unterstützung derjenigen jugendlichen Kreise die aus ernstem Erneuerungsstreben eine. Berufswahl oder einen Berufswechsel vornehmen. 8. Der Vorstand des Verbandes, für dessen Zusammensetzung allein opferfreudige Hingabe an unserer Idee bestimmend sein darf. 9. Dauernde Kräftigung der Organisation des Verbandes und seiner Untergruppen, der Landes- und Vezirksverbände, die die planmäßige Durchführung der Arbeit sichert. 10. Die freudige Miiarbeti aller Mitglieder". Der zweite Berhandlungstag diente nach einem Referate Dr. Löfflers zum großen Teile d:r Erörterung der Frage:,-Wievertiefen wir unsere Verbandsarbeit?" Ueber das Verhältnis des Jugendvnbandes zum Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens berichtet Dr. Apfel, daß eine vertrauliche Aussprache zwischen Vertretern beider Verbände stattgefünden hätte, deren Resultate er dem neugewählten Vorstande zur Prüfung vorlegt. Er spricht von einem bestehenden Riß, der nicht vertieft werden dürfe. Zur Paläftinafrage wird folgender Antrag des jüdischen Jugendöundes Braunschwetg abgelehnt: „Die Resolution der Kasseler Führertagunq, Pfingsten 1921 in der Palästina rage ist mit der Neutralität des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands unvereinbar. Der Verband hat sich in Zukunft jeder Mitarbeit an dem Palästinaaufbauwerk zu enthalten und diese den jüsilch phtlantroptschen und politischen Organisationen zu überlasse »". Dagegecr wird nachstehende von Rabbiner Dr. .Hahn-Essen eingebrachte und vielen Delegierten Unterzeichnete Entschließung mit 265 gegen 13 Sti rmen bei einer Stmmenenthaltung angenommen: 1. „Der Beschluß'der Kasseler Führertagung wird vom Delegtertenrag bestätigt. 2. der Delegiertentag würde es freudig begrüßen, wenn es gelingen würde, die Neutralität des gesamten Keren-Hajessod in Rücksicht auf die von eintgen Vereinen uno Mitgliedern eingebrachten Bedenken zweifelsfrei klarzustellen, um dadurch die Mitarbeit aller Kreise am Palästinaausbauwerk zu ermöglichen." Zustimmung fand zum Schluß eine Interpretation der Verbandsleitung über die Neutralität des Verbandes, dahingehend, daß der Verband zu allen jüdischen Problemen bewußt Stellung nehmen müsse, ohne zu prüfen, v0s! welcher Richtung oder welcher Partei das betreffende Problem aufgerollt worden fei. Ts rheLho Slowakei. Der neo(og-?ioniffifdie Stfiulcftan Druck- Zkcktrslava, 12. Juni. In der vorigen Woche hat sich in P i st i a tt u eine Gründung vollzogen, die man, lväre. es nicht Hochsommer, als Purimscherz ansprechen müßte. Tie Vertreter von etlva 20 neologen und Status ijuo-Gemeinden versammelten sich, um eineu „Bund -er .Jüdischen Gemeinden in der Slowakei" ins Leben zu rufen. 'Das wäre .an sich nichts Verwunderliches, denn der organisierten Orthodoxie möchten die Vertreter anderer.Anschauungen naturgemäß ebenfalls als eine konfessionelle Organisation gegeuüberstehen. Bemerkenswert ,ist jedoch die Tatsache, daß dieser ueolog^zionistische Perband, dem auch mehrere O r g e l g e m e i n d e n angehören, den Beschluß gefaßt hat,' sich „ a u f B a s i s d e s S ch u t - chan Aruch" zu konstituieren, d. h. also die Unterwerfung uutcr den Schul chan Aruch, ganz ivie in der orthodoxen Organisation, als Vorbedingung für die Allerkennung als Gemeinde zu erklären. Dieser vottkomlnelre Widerspruch ist natürlich nicht etlva die Folge einer religiösen Gefühlserneuonln'g, sondern das Ergebnis schinüchterner politischer Erwägungen. ' Das' zeigt sich zunächst in dem weiteren Beschluß, den zionistischen „Bolksverband der Juden für die.Slowakei", den erbittert-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.