Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1922)
- Date
- 1922-06-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Gelte 4. Skr. SS S. ZAnl IM und das Lernen selbst von vornherein als Pflicht etwa, wie Beten und Tfilin-Legen, geübt wird, der Anreiz, sich bis zum selbständigen Lernen zu vervollkommnen, fehlt. In 2. Hinsicht ist die ganze Einstellung, die ganze Mentalität eine andere geworden. Die Berührung mit der Kultur fordert Auseinandersetzung mit dem entstehenden Problem. Daraus resultiert eine gewisse Bevorzugung pe rische re Disziplinen und wiederum daraus eine Wertung des Lernens, die das nötige Maß von demütiger Verehrung nichts erreicht. Ter Lernende steht leider zu oft nicht als L-chüler, sondern als Kritiker, den Worten unserer Weisen gegenüber, »und eben deswegen liegt ihm nichts daran, sie sich anzueignen oder sich gar in sie zu vertiefen. In Z. Hinsicht ist auch bei den Lernenden eine Einwirkung sestzustellen, die das Lernen zumirtdest nicht in genügendem Maße fördert. Man ist gezwungen, sehr viel Apologetisches mitzuteilen, und das, was man den Geist des Judentums nennt, besonders zu pflegen; daher entbehrt der Unterricht in den Schuten und das Lehren auf den Kanzeln oft des unbedingt nötigen Zusaiimlenhangs mit der mündlichen Lehre und zwar sowohl dem Inhalt als auch der Fonn nach. Tsm Inhalt nach: Es werden die einzelnen Gebete mit den daran sich knüpfenden Tiniin kaum aus die Kanzel gebracht. Der Form nach: Man vermeide es, die- Midraschim und Texte in der alten Form des Magidus: auszulegen, und doch wäre diese Art des 'Predigensgeeignet, auch dem nicht Bewanderten die Methode des talmudischen Denkens, wenigstens von der Feme, und vielleicht auch den Wunsch, aus den Quellen 511 lernen, zu wecken. Die Verbreitung des Lernens bei der Schuljugend kann, da sie in einem besonderen Vortrag behandelt werden soll, hier nichterörtert werden. Tie Mittel zur Hebung des Lernens ergeben sich ans dem Gesagten von selbst. Doch muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß das- Lauroh- und Lerech-Erez-System vervollkommnet werden muß, nach der Richtung, daß die Lanroh mehr als bis jetztt ausschlaggebender, willenbildender Faktor wird. Das ist ein Fernziel. Als nächste Arbeitsziele find ins Auge zu fassen 1.) Gewinnung dev schulentwachsenen Tugend für das Lernen in Jeschiwaus in Deutschland selbst. Die deutsche Judenheit mutz Jeschiwaus erhalten. Dabei ist gerade das Opfer an Zeit von unentbehrlicher und unschätzbarer Bedeutung für die Gesamtrichtung der Persönlichkeit. Neen dem Relbigionsunterricht müssen für die Jugend tägliche Talmud-Tauroh-Kurse eingerichtet werden. Für die Erwachsenen sind, unter Hinzuziehung der Lehrerschaft, Schinrim in Tinim und Raschi, wenn es geht, in Mischnah und Gemarah, cinzurichten. Als'geeignetes Propaganda-Mittel dürfte die Gründung von Schatz-Chewraus zu betrachten sein. Tie einbewanderten östlichen Lamdonim sollten auch als geeignete Lehrer rnitherangez^gen werden, die alte Institution sollte, wo angängig, wiederum eingerichtet werden. Schließlich sollen die Predigten und das Lehren von Tnach in der Schule, unter steter Betonung der mündlichen Lehre, das Predigen unter Benutzung der alten Art des Magidus geübt werden." Die Versammlung beschließt folgende Thesen, die mit einer kleinen formalen Aenderung den vom Reefrenten vorgeschlagenen entsprechen: „1) Unter der Hebung jüdischen Wissens ist in 1. Linie Hebung des eigentlichen „Lernens" zu ververstehen. 2) Die schulentwachsene Jugend muh möglichst vor Eintritt in das akademische oder Geschästsleben in Jeschiwaus lernen. Ausgabe der deutschen Judenheit ist es, in Deutschland selbst Jeschiwaus zu erhalten. 3) Das Lehren und Predigen auf den Kanzeln und sonst überall muß auch darauf gerichtet werden, daß die mündliche Lehrer in den Vordergrund gerückt ist und die Notwendigkeit des Lernens allmählich in weiten Kreisen erkannt wird. 4) Geeignete Mittel zur Hebung des Lernens sind außerdem: Heranziehung östlicher Lamdonim und Anstellung von Schaz-maz", soweit möglich." Bei der nunmehr vorgenommenen Beratung eines Teiles der eingelMsenen Initiativanträge aus der Versammlung wird gemäß Antra g Unna und Blum beschlossen, die halachische Kommission zu ersuchen, gewisse Spezialgebiete der Halachah unter einander zu verteilen und hiervon alten Mitgliedern Kenntnis zu geben, damit jedes Mitglied in der Lage sei, Vorkommendenfalls sich an den Betreffenden zu wenden. Desgleichen wird die halachische Kommission ersucht, die allgemein interessierenden Entscheidungen in möglichst kurzen Auszügen allen Mitgliedern der Bereinigung zuzustellen. Auf Vorschlag Pl a t0- Hamburg wird von einer Erörterung eines von ihm gestellten Antrages Abstand genommen und dieser dem Vorstand als Material überwiesen. Der Antrag lautet: „Es soll darüber beraten werden, ob und wie vorgebeugt werden muß, daß die innerhalb _»er awiatitt. der Orthodoxen latent odtzr auWsprochenermaßen bestehenden Mißverständnisse und disharmonischen .Bestrebungen in späteren Zeiten nicht intensiv oder extensiv so znnehmen, sodaß eine deutliche Stellungnahme oder gar partielle organisatorische Trennung innerhalb der Orthodoxie bedingt würde." Nach einer Mittagspause wird der Nachmittag zunächst den halachischen Referaten gewidmet. Als Gast berichtet Herr Dr. Meier Munk über: „Feststellung des Kaschruth von Präparaten". An der Hand einer zur Verteilung gelangenden ausführlichen Tabelle bespricht Referent die grundsätzlichen Fragen, die für diesen Gegenstand in Betracht kommen uub betont die Notwendigkeit der Ernennung einer Kommission zur Untersuchung von Nahrungsmitteln und Präparaten. Die Kommission hat den ganzen Komplex der in Betracht kommenden Fragen sowohl halachisch als wissenschaftlich zu behandeln. Referent gab Aufschluß über die .chemische Veränderung der benützten "V5DK -Stoffe an der Hand einer Tabelle, die die Bedenken bei 1. Nahrungsmitteln, 2. diätetischen Präparaten, 3. Medikamenten, 4. Kosmetika zusammenstellt, und stellt Thesen aus über Zusammensetzung, Arbeitsweise und finanzielle Grundlage der Kommission, die er dem Vorstand als Material übermittelt. Dem Gaste wurde für seine mit großer Spannung entgegengenommenen Ausführungen von der Versammlung herzlichster Dank ausgesprochen. Nicht minder den medizinisch-hnlachischen Darlegungen des Herrn Dr. E. Biber seid-Berlin, die einige wichtige Punkte der halachischen Praxis vom medizinisch-halachischen Standpunkte beleuchtet. Die gelehrten Ausführungen des Referenten Schiffe r-KarlSr. über nam» ’MaCV '22 J12PD iHSiayn wurden in ihrem 1. Teil entgegengenommen, während der 2. Teil auf den folgenden Tag verschoben wurde. ' Der Vortragende bot der Versammlung eine gründliche Darlegung des weitschichtigen komplizierten Fragekomplexes dar. Die vielfachen gelehrten Zwischenrufe aus der Versammlung bewiesen, welches Interesse und Verständnis dem Vortrag entgegengebracht wurde. Endlich wurde noch am selbigen Abend das Referat Kuhn-Ansbach über „Allgemein fragen der Judenheit (Ostjndentum ptt 2122). gehalten: Redner charakterisiert die Mentalität des Ostjudentums als die Säule des Autoritätsprinzips und des Respektes vor der Thora und ihren Trägern, zeichnete die Erschütterungen, welches dieses Prinzip seit 1905 erlitten habe und unterschied die 3 Gruppen: Polen, Litauen und Ungarn, je nach ihrer inneren Verfassung. Er verlangte von den deutschen Gemeinden und Rabbinern.Berücksichtigung der Formen der religiösen Betätigung, welche in Einwandernden aus dem Osten mitbrächten. Nachdem Redner die Motive der Entwurzelung so vieler Ostjuden dargelegt hatte, verlangte er, daß zunächst diesen als Quittung einer historischen Schuld Palästina geöffnet werde. Sowohl aus dieser Rücksicht wie nach unserer allgemeinen Weltanschauung sei, wie alle anderen Fragen, auch die Erez-Jisroel-Frage als religiöse Frage (nach dein Psak bes Din) aufzufasien und zu lösen. Eine lebhafte Erörterung konnte nicht mehr zu Ende geführt werden und wurde am folgenden Tage fortgesetzt. In den Darlegungen des Referenten wird von einigen Seiten vermißt die Betonung der geistigen Werte, bezüglich deren die Qftjuden gegenüber dem Westjudentum nicht die Geber, sondern die Empfänger seien. 'Die Versammlung beschließt Einsetzung einer Kommission, die mit dem Referenten, sowohl bezüglich der Frage des Ojstjudentums, als der Charakterisierung der Erez Jisroelfrage Thesen aus arbeiten soll, die geeignet wären, das Ergebnis der 'Diskussion wiederzugeben. Das Ergebnis der Kommissionsberatung liegt gegenwärtig noch nicht vor. (Schluß folgt.) ßorropoMKnzta ». DaArtcMM. Deutsches Reich. Preislicher Lanhesoerbanh gefefcesfreuer Synasogengemeinden- Autda, 21. Juni. Auf Einladung des Bundes gesetzestreuer Gemeinden in Halberstadt traten heute die Vertretet von 109 preußischen Synagogengemeinden hier zusammen und beschlossen nach eingehender Aussprache die sofortige Konstituierung eines „Preußischen Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinde n." Die Leitung der Versammlung setzte sich aus Vertretern der Gemeinden Altona, Halberstadt, Hanau und Fulda zusammen. Herr Rabbiner Dr. Munk-Berlin verlas namens des Herrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung folgendes Begrüßungsschreiben: Berlin, 20. Juni 1923. Nachdem Euer Ehrwürden mich davon in Kenntnis gesetzt haben, daß am Mittwoch den 31. Juni 1932 eine Konferenz gesetzeSlreuer Gemeinden in Fulda über den Zusammenschluß dieser Gemeinden zu einem preußischen Landesverband beschließen wirb, ersuche ich Euer Ehrwürden in Ihrer Eigenschaft als Sachverständiger meines Ministeriums ergebenst» der Versammlung in Fulda meine Grütze zu über» bringen. Ich stehe Ihrem Plan mit Wohlwollen gegenüber und bin, sofern Ihre Beschlüsse mir hierzu die Handhabe bieten, gern bereit, mich dafür einzusetzen, datz der zu schaffende Landesverband sobald als möglich als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkaunt wird. Boelitz. Der Verband verfolgt inne rhalb Preußens, die gleichen Ziele, wie der Bund für das ganze Reich. Die einstimmig angenommene Satzung entspricht im wesentlichen derjenigen des Halberstädter Bundes, dem der preußische Verband auchlorporattv bettreten wird. Die Gründung hat sich als notwendig erwiesen, weil nach Lage der Dinge die meisten religiösen Angelegenheiten nicht in die Kompetenz des Reiches, sondern in diejenige der einzelnen Länder fallen und weil auch die von der Berliner Jüdischen Gemeinde beabsichtigte Bildung eines „Allgemeinen Preußischen Gemetndeverbandes" aus prinzipiellen und praktischen Gesichtspunkten die Existenz einer entsprechenden gesetzestreuen Körperschaft tm allgemeinen Interesse wünschenswert erscheinen läßt. Der neue Bund wird unter Wahrung seiner organisatorischen Selbständigkeit, gerne bereit sein, mit anderen Körperschaften bet der Vertretung gemeinsamer Jntereffen zusammenzuwirken. ein Profefi des 0365. gegen Dr. Ismar Sreunö. N-rtirt, 29. Juni. Der DJGB. schreibt: Das deutsche Judentum, das sich mit einer noch nie dagewesenen Begeisterung und Einmütigkeit (?) am 23. Januar 1921 im D.J.G.B. zu einer Gesamtorganisatton zusammengeschloffen hat, hat ein Recht, zu erfahren, wie es gekommen ist, daß es von der Einberufung preußischer jüdischer Gemeinden zum Zwecke einer Organisierung durch den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde überrascht w orden ist. Die am 23. Januar 1921 vom Gemeindetag angenommene Verfassung ist am 19. 2. 21. der Staatsregierung mit der Bitte um Genehmigung etngereicht worden. Das Mitglied des Ausschusses des D.J.E.B., HerrDr.JSurar