Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1922)
- Date
- 1922-06-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der Lsraettt. Nr. SS «e»r 8 2S. Imü IMS. Chassidismus, umzugraben und die hebräische Sprache mit Stumpf und Stil auszur-tten. Wie lange noch werden die Juden der Welt diesem Treiben ruhig zusehen und schweigen? Es ist zu verstehen, daß die russischen Juden selbst nichts dagegen anfangen können. Sie find vollständig in der Hand der paar jüdischen Kommunisten, die sich auf das Peinigen von Juden viel bester verstehen, als Pharao in Aegypten. Warum schweigen aber die Juden anderer Länder? Hat die Welt-Judenheit nicht mehr die Kraft, einen allgemeinen eindringlichen und überallhin tönenden Protest zu erheben gegen solche Schandtaten, wie sie die jüdische Geschichte noch nicht erlebte? Die Kommunisten arbeiten mit ihren Esau- Händen, warum lassen wir nicht unsere vereinte Jakob-Stimme ertönen? Geben sich doch die gleichen Leute in der Welt als die jüdischen Versorger aus, sie fordern doch Reparationen für das vergossene jüdische Blut. Warum sollen wir nicht der Welt erzählen von den Leiden, die diese neuen Wohltäter über ihre Brüder häufen? Möge doch die ganze Welt erfahren, von welcher Art die uns von dieser Seite erwiesenen Wohltaten sind. Erst haben sie die Juden an den Bettelstab gebracht und nun werden die schändlichsten Attentate gegen die Religion und das jüdische Gewissen ausgeübt. Zettlin ruft die nationalen Parteien auf, aber auch alle anderen Kreise, besonders die Orthodoxie zur Bildung einer Einheitsfront gegen das wilde Treiben der paar Juden unter den neuen russischen Machthabern. Wir glauben nicht, daß mit dieser Einheitsfront in diese Beziehung etwas geschehen könnte. Aber eines könnten und müßten wir: nämlich, der Welt zeigen, wie „der jüdische Bolschewismus und Kommunismus", von dem die Feinde allüberall faseln, in Wahrheit aussieht. Es ist leider nicht zu leugnen, daß auch ein paar unreife jüdische Jünglinge im Rate der derzeitigen Beherrscher Rußlands sitzen. Aber diese sehen ihre vornehmste Aufgabe darin, die Axt an die Wurzel des Judentums zu legen. Die ix. Generalversammlung der „Vereinigung traditionellgefetzesirener Rabbiner -Deutschlands". Tie am 8. und 7. Juni 1922 statigjehMe Generalversammlung erfreute sich eines außerordentlich Wien.Besuches. Bon auswärts allein; waren aus allen Teilen des Reiches zwischen -hebräischen 12p ist. Die Targumstelle ist demnach so zu übersetzen: „Bewaffnete Truppen werden nicht .durchziehen durch euer Land". So die Herren Rabbiner Dr. Lewin-Kattowttz, Redakteur A. Katz- Berlin, Oberrabbiner Dr. Hoffmann-Radautz (Bukowina), Rabbiner Dr. Winkler -- Kopenhagen, Karl Freudmann-Leipnik (Mähren), Isaak Bredenburg- Amsterdam, A. Eckstein-Antwerpen, M. Weinreb- LudwigShafen, Dr. P. Bendix-Köln, Joel Aschknazy- Baden bei Wien, Dr. Böck-AuSpitz, David Rabinowicz. Wiesbaden, Israel Marmarofch, Borgo Prund, Levi Lichtenstein, Tukum (Lettland) und Dr. Jakob Neu« bauer.Hermannsberg (der in seiner überaus interessanten und gelehrten 'Zuschrift darauf aufmerksam mach», daß in der Editio Sabionetta vom Jahre 1557, herausgegeben von Dr. A. Berliner 1884 die Lesart jm’jn ub vorkommt, wodurch natürlich jede „Schwierigkeit" von selbst wegfällt). Einige berufen sich auf die Erklärung deS '» zu bxmv p?rw Dinn im Namen seines Bruders Rabbi Naptall^ wonach das aramäische mv dem heb« rätschen ilv (entfernen) entspricht. Die zitterte Targum. stelle wäre demnach zu übersetzen: „Durchziehende beiwaffnete Truppen werden in eurem Lande nicht entwaffnet werden" (wegen des Gefühles der Sicherheit und des absoluten Friedens, der von keiner Seite gestört werden wird). Diesen Hinweis verdanke ich den Herren A. Grünstein-Antwerpen, Eh. L. Laub- Schewentngen, A. Emanuel in Grosftarkenburg, Jehuda Halewi-Hamburg, Lehrer Thalmann-Wertheim, Lehrer Em. Wertheimer-Hardheim i. B., S. Metseles- Wattenscheid, Heinrich Glaser-München, BezirkSrabbiner Deutsch-KeSmark (Slowakei), A. L. Zuckermann- Psungftadi und Josef Kohn-Kattowitz. - Nach Ansicht der Herren Armin Muedler-Danztg und Leopold Wertheitner.Karlsruhe (unter Berufung auf *nn) i 50 und 60 MWeder herMgeeilt. Tie Zahl der Teilnehmer betrug! über 70. Tie Tagesordnung sollte die Erörterung einer Reihe dringlicher Aufgaben erschließen, deren baldiger Lösung, die traditionelle deutsche Judenheit mit Spannung entgegensieht. In gebühreirder Würdigung der geistigen Notwendigkeiten der jüdischen Allgemeinheit haben die Rabbiner, ungeachtet der wirtschaftlichen Zeitverhältnisse, eigene Standes- und Wirtschaftsfragen in den Hintergrund treten lassen und nur eine kurze Spanne Zeit ihnen gewidmet. Gleichmäßig von alten und jüngeren unter den Teilnehmern werden die nach 10 jähriger Unterbrechung gemeinschaftlich tiefernster Beratung gewidmeten Zeiten als Stunden innerer Erstarkung und Erhebung gekennzeichnet, die euren unauslöschlichen Eindruck in -allen Teilnehmern hinterlassen hätten. Dazu trug nicht in letzter Linie bei das ehrfurchtsvolle Gedenken des Lebenswerkes des vermißten Vorsitzenden und Lehrers aller, des Rabbi Prof. Oe. David Hofsinann dessen erhabener Geist über den Verhandlungen schwebte. Ter Bericht des Vorstandes beschränkte sich auf die Darlegung der wichtigsten Vorgänge innerhalb der Bereinigung seit der letzten ordentlichen Versammlung.' Am 8. Mai ' 1916 hat eine außerordentliche Generalversammlung stattgefunden, die sich mit dringlichen laufenden Angelegenheiten befaßt hat. Wiederholt hatte der Vorstand während der Kriegsjahre Veranlassung, mit den staatlichen Behörden, zumal mit den Ministerien, in Beziehung zu treten. In zahlreichen Fällen ist der Vorstand in Kriegs- und Friedenszelten um gutachtliche Stellungnahme in halachischeu Fragen ersucht worden, die er, nach Einholung der Entscheidungen der halachischeu Kommission, beantwortete. Aus den anderen Mitteilungen des Berichtes sei hervorgehoben der besondere Tank, den der Vorstand den Mitgliedern aussprach, die auf sein Ersuchen das Amt eines Feldrabbiners übernommen hatten, und zwar: B a ßfreund- Myslowitz, C a rl eb a ch- Cöltt a. Rh., 5z. A. Cohn- Berlin, G r a. d e n Witz- Hanau, Hanno v er-Würzburg, A. LevY--Berlin, I e r o m e L e v y, derzeit Brandenburg, Rosen a k - Bremen, Winter- Lübeck. Für die gleiche Opserbereitschaft wird auch Kohn-Ansbach der Dank ausgesprochen. Der leider sehr großen Zahl verstorbener Mitglieder wird mit Worten herzlichen Andenkens gedacht. Allein dem Vorstand wurden 4 Mitglieder entrissen, die Rabbiner: C arle buch-Lübeck, Co Hn-Kattowitz, Feil chenfeld-Posen und im letzten Winter Prof. Hoffmann. Von den entschuldigt serngebliebenen Mitgliedern seien besonders die Senioren.Rabbinatsassessor Krause-Posen (jetzt Honiburg v. d. Höhe) und Bezirksrabbiner L ö w e n ft e i n - Mosbach, der in diesem Jahre sein 50 jähriges Amtsjnbiläum feiern durfte, genannt. In der Erörterung wurde die .Einsetzung eines größeren Ausschusses behufs gemeinsamer Beschlußfassung über wichtige Gegenstände mit dem Vorstände angeregt. Da.ein satzungsgemäß rechtzeitig, gestellter Antrag nicht vorlag, beschloß die Versammlung, im Laufe der Tagesordnung darüber zu beraten, ob bis zur Satzungsänderung die Einrichtrnrg eines inoffiziellen Ausschusses gutzuheißen sei. Bon A. Levy-Berlin wurde beanstandet, daß das Referat über die Allgenleinfragen der Judenheit nur von einem Referenten behandelt werden solle. Vom Vorstandstisch wurde darauf erwidert, d-aß die große Reihe von Aufgaben, die nach 40 jähriger Unterbrechung der Erledigung harren, die Bestellung von Korreferenten zu den einzelnen Reseratten außer einem einzigen, mo es sich um Darstellung der tatsächlichen Leistungen verschiedener Organisationen handle, verboten habe, daß die Tagesordnung aber ergebe, daß die Referenten ohne parteipolitische/Bevorzugung, auf Grund der aus dem Gegenstände des Referates sich ergebendem Forderung der besonderen Sachkenntnis ausgewählt feien. Uebrigens sei voll keinem Mitglied nach der vor 3 Wochen erfolgten Bekanntgabe der Tagesordnung eine diesbezügliche Anregung eingereicht worden. Anschließend an den Bericht des Kassierers wird der Jahresbeitrag auf 25 Mk. jährlich festgesetzt. Tie Versammlung lümmt sodann das erste Referat entgegen über „die geistigen Aufgaben der deutschen Judenheit hinsichtlich der allgemeinen Hebung jüdischen Wissens" von Klein-Nürnberg: „Unter Hebung jüdischen Wissens wird in 1. Reihe die Hebung des „Lernens" zu verstehen sein. Die allgenreine Ausgabe der Taurohverbreitung erhält ihre besondere Note in Deutschland durch die von den Koryphäen des vergangnen Geschlechts als Richtschnur ihrer Wirksamkeit aufgestellten Devise von Lauroh und Terech Erez. Die gesetzestreue Judenheit Deutschlands wird die ihr gestellte Aufgabe im Interesse der Gesamtjudenheit immer zu lösen versuchen müssen. Es darf aber und muß geprüft werden, welche Wirsuchen müssen. Es darf aber und muß geprüft werden, welche Wirkung diese Richtschnur auf Vas eigentliche Lernen geübt hat. Man kann diese Wirkung in dreifacher Hinsicht kennzeichnen. Auf der Oberfläche liegt, daß die durch andere Disziplinen in Anspruch genommene Zeit dem Lernen abging und eine Verringerung des Wissens zur Folge "haben mußte. Selbst bei denen aber, die nebenher lernen, ist kein Können zu erreichen, weil 1.) die Grundlagen fehlen wäre unter X21N2 p^öp das Synhedrivn zu verstehen, welches über nwßi zu entscheiden hatte (vergs. auch D"inö noip*?). Herr Moritz Ullmann in Antwerpen verweist im Namen seines Baters, Herrn Rabbiner Ullmann auf die Bemerkuna tm p*ip, wonach anstatt jN'tv *6 richtiger zu lesen wäre. Die Hebersetzung würde demnach lauten: „Bewaffnete Truppen werden in eurem Lande keine Erregung hervorrufen". Herr I. Wohifarth in Frankfurt a. M. übersetzt die Targumstelle wie folgt: „Bewaffnete Truppen werden nicht einmal abtrrend vom Wege euer Land betreten" und beruft sich dabei auf den chlp s. B. 1)0 und einige von ihm zitierten Bibelsteüen. Bon derselben Prämisse ausgehend (X^X -i») übersetzt Herr Rabbiner B. Peffen-Danzig: „In eurem Lande werden keine militärischen Aushebungen ftattfinden." Aehnlich äußert sich auch Herr Jakob Grünfeld in Heilbronn a. N. („Durchziehende Truppen werden nicht entwaffnet werden in eurem Lande"). Die Erklärung der Agudas Jitzroel-Jugendgruppe in Cassel deckt sich vollständig mit den oben angeführten Erklärungen. Geistreich ist auch die Erklärung deS Ben Zwi in Frankfurt a. M., des Herrn I. Frey in Ludwtgshafen und deS Herrn E. Lippmann in Darmstadl, die Raummangels halber hier nicht wiedergegeben werden können. Eine Erklärung des Herrn Jfak Mainz in Frankfurt a. M. deckt sich nahezu vollständig mit der bereits veröffentlichten Erklärung des Herrn Rabbiner Dr. AnSbacher-Stuttgart. Allen Herren Einsendern entbietet herzl. N2 IP”! Dr. Felix Kanter, Zwittau (Mähren). (Eine interessante Ehescheidung.) Beim 1 Warschauer Rabbinat sprach dieser Tage ein junges { (Stjepaar vor und beantragte die Ehescheidung. Das Paar ist seit drei Jahren verheiratet und lebte biSlano in Liebe und Frieden, bis zu dem Tage, da der Mann beschloffen hat, nach Palästina ausznwandern, wo ihm ein Posten angelragen ist. Die Frau teilt seine Liebe zu Palästina nicht und weigert sich mit ihm zu fahren Da die Ehe kinderlos ist, die Scheidung von beider Seiten beantragt wird und auch sonst keine formaler Bedenken vorliegen, wird die Trennung vom Rabbinat nach dem Gesetze von MoseS und Israel vollzogen. Barritizwohfeier Diedes Max, Sühn des^Herrn Ludwig Kohn, Nürnberg, findet am 24. Juni Sabval-ünkang and M§ga»g. Ortr Anfang Datum AuSgang Uhr Min. 19221 5682 Uhr Min. Frankfurt a» M. 7 45 24. 28. 9 40 Brrtt« . . 7 30 Juni Silvan 9 35 München . 7 15 9 08 Cöln. . . 7 50 9 50 Stuttgart. 7 — 9 57 Breslau . 8 0V 9 09 Nürnberg, 7 15 9 20 Hamdurs 8 68 9 68