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Der Israelit · 1922-06-15 · Heft 24 (15.6.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 24 (15.6.1922)
Date
1922-06-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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IS. Juni 19ffl stration hat als Verwalterin dieser Spende nur das eine Interesse, sie völlig unparteiisch und ohne Rücksicht auf Zugehörigkeit der Bedachten zu Konfession oder politischer Partei zu verteilen. Lediglich zwei Voraussetzungen sind in Kraft: die Empfänger müssen bedürftig sein und tatsächlich Mitglieder des Mittelstandes oder geistige Arbeiter sein. Der ganze VerteilungS-- plan hat die persönliche Zustimmung von Herrn Herbert Hoover, dem jetzigen amerikanischen Staatssekretär für Handel und Direktor der American Relief Administration. Die Spende wird soweit als möglich durch Organisationen verteilt und für die Unterstützung der MittelstandSkinder, Heime und sonstigen Institutionen verwendet". Man kann neugierig sein, wie der geistige Mittelstand, der unter der Führung der Rektoren und des deutschvölkischen Trutzbundes steht, diese Hochherzigkeit erwidern wird . . . Molen. Aufbaukonferenz. Warschau, 5. Juni. Hier tagt eine Konferenz des Komitees, das zur Aufgabe hat, das jüdische ökonomische Leben in Polen wieder aufzubauen. Als Gäste wohnen den Verhandlungen auch Delegierte der amerikanischen Wohltätigkettsakttonen bei. Herr Landesko gibt einen Ueberblick über die Arbeiten und Aufgaben des jüdischen Aufbauzentralkomitees, er erbittet Vertrauen für seinen Nachfolger Herrn Rabinsohn, der zum Generaldirektor der Ausbauabtetlung gewählt wurde. Als Vorsitzender der Konferenz erstattet Dr. Klumel Bericht über die Tätigkeit der Exekutive der Aufbaukommission und bedauert, daß die Aufbaubank infolge der großen unvorhergesehenen Schwierigkeiten nicht gegründet werden konnte. Die Herren Freund und Peretz berichten über die anderen Abteilungen und deren Tätigkeitsgebiete. Herr E. K.trschbraun kritisiert den mageren Erfolg der vielen kostspieligen Vorarbeiten. Wetter richtet er die Frage an Direktor Peretz, ob es wahr sei, daß die Zentralkaffe am Sabbat arbeite. Da der Gefragte die Antwort schuldig bleibt, wird von anderer Seite konstatiert, daß die Kaffe am Sabbat geöffnet sei, obwohl die Zentralkommission die Sabbatruhe für alle Institutionen beschlossen hat. Herr Peretz gibt nun zu, daß in der Kaffe hinter geschloffenen Türen gearbeitet wird. Dagegen legt Kirschbraun scharfen Protest ein, dem sich alle Mitglieder der Zentralkommission anschließen. Herr Peretz beruft sich auf die neu gegriindete jüdische Handelsbank, die ebenfalls am Sabbat offen sei. Ein anwesender Vorsteher der genannten Bank schweigt sich darüber aus. Sehr erbittert äußert sich nun ein Wi Ina er Vertreter über diese Zustände und hebt hervor, daß in Wilna derartiges unmöglich wäre. Dort sind alle gesellschaftlichen Institutionen am Sabbat streng geschloffen. Auf Antrag Ktrschbraun und Farbstein, dem sich die Meisten anschließen, wird die Arbeitseinstellung an Sabbat und Feiertagen durch protokollarische Eintragung sestgelegt. Auch in B i a l ist o k sind die Kaffen, wie der dortige Vertreter berichtet, am Sabbat geschloffen. Die Kämpfe um Sen HJiederaufbau des jüdifdien Polens. Warschau, 6. Juni Bekanntlich hat sich der amerikanische Joint in Würdigung der furchtbaren Kriegsverwüstungen in Polen sich seit längerer Zeit den Wiederaufbau der vielen Zehntausende zerstörten Häuser in den jüdischen Städtchen Polens zur Aufgabe gemacht. Es ist dies eine dringende Notwendigkeit, weil die staatliche Wiederaufbau-Aktion angesichts der Stimmung der Beamten und maßgebenden Kommissionen nur in sehr geringem Maße zugute kommt. Leider hat nun die Aktion des Joint unter sehr 1 ungünstigen Auspizien begonnen. Der Joint hatte sich mit der JCA zusammengetan und mit dieser bestimmte Abmachungen getroffen, die wiederum nicht die Zustimmung der einheimischen Komitee-Mitglieder fand. Sowohl die zionistischen als die agudistischen Vertreter stehen der Heranziehung der JCA, — von der man in kultureller Hinsicht ungünstige Einflüffe befürchtet — ob mit Recht oder Recht sei dahingestellt — ablehnend gegenüber. Vorläufig hat das Komitee daher seine Tätigkeit eingestellt und zunächst wettere Erklärungen des Jotnt-Vertreters abzuwarten. Konferenz Ser jüdifdien Kaufleute. Warschau, 30. Mai Dieser Tage, fand hier eine große Konferenz der jüdischen Kausteute Polens statt. Leider wurden die Verhandlungen dadurch gestört, daß zionisiische Führer alle Anstrengungen machten, die Gewalt über die Verhandlungen zu bekommen und zionistische Resolutionen etnzuschmuggeln. Viel Erfolg hatten sie damit nicht. Sachliche Referate hielten die Herreu Seidemann und Nathanson über Fragen des jüdischen Handels. Die Machenschaften der Zionisten wiederholten sich bei der Abstimmung über das Statut des Zentralrates und der Schaffung der Rayon- Organisationen. Viele Delegierten legten Protest dagegen ein, daß man an Stelle der der Lösung harrenden Probleme des jüdischen Handels, der überall auf Schwierigkeiten stößt, sich mit großer Politik befasse. Unter diesen Umständen sind die praktischen Erfolge der Konferenz ziemlich mager. Die jüdifche Autonomie in Mina. Witua, 21. März. Der Vorsitzende der zeitweiligen Regierungs- Kommission, General Mogschetzki, äußerte sich jüngsthin dem Mitarbeiter eines Wilnaer jüdischen Blattes gegenüber über die jüdischen Fragen, die mit den Zukunftsfragen Wilnas eng verbunden sind. Mit der Lösung der Wilnaer Fragen im polnischen Sinne, sagt, er, werden die Beziehungen der Negierung zu der jüdischen Gemeinde keine anderen sein, als die der polnischen Republik zu den anderen jüdischen Gemeinden. Die Anerkennung einer jüdischen Autonomie auf religiöser Basis mit Einschluß aller Btldungs- und philantropischen Angelegenheiten, wird kaum irgendwo auf Widerstand stoßen. Die Ausschreibung neuer Wahlen für die Kehilla kann vor einer Konsolidierung der Politischen Verhältnissen nicht vor sich gehen. Auch glaubt er, daß die Regierung die jüdischen Volks¬ und Elementarschulen übernimmt, nur müßte sich die jüdische Bevölkerung noch mit einiger Geduld wappnen, da zur Zeit selbst die polnischen Sckulen in Wilna noch nicht von der Regierung in Regie genommen sind. Bis jetzt sind im Etat für Subventionierung der jüdischen Schulen und Wohltättgkeitsanstalten für die erste Hälfte des laufenden Jahres 30 Millionen Mark vorgesehen, wovon über die Hälfte ausgezahlt wurde. Der General hält die Gleichberechtigung der Juden in Wilna für so sicher gestellt, daß sich ein sogenannter Minderheitsschutz ganz erübrige. Ueber die Frage der nationalen Autonomie sprach sich der General nicht aus, jedenfalls zeigte er keine große Neigung für diesen Gedanken. Er wies zum Schluß eine Aeußerung Soloweitschtks auf der Kehillaus-Konferenz zu Kowno mit Entrüstung zurück, die von Polen als von einem völkerunterdrückendem Staate sprach. Lettland. Die jüdifche Autonomie in Lettland. Httga, 20. Febr. Die in Lettland wohnenden Minoritäten haben dem Parlament einen gemeinsamen Gesetzentwurf, betreffend die Automonte für die einzelnen Minoritäten, übermittelt. Der betreffende Entwurf wurde etnvernehmlich separat von der jüdischen, deutschen und russischen Minorität in der Konstitutionskommisfion, in der diese Minoritäten durch ihre Abgeordneten vertreten waren, formuliert. Der Entwurf der jüdischen Autonomie enthält vier Abschnitte, die 1. den Bestand und die Rechte der jüdischen Volksgemeinschaft, 2. die Organe der jüdischen Volksgemeinschaft, 3. den Haushalt der Autonomen Institutionen und 4. Nr. 34 Sette 8 die Stellung der jüdischen Volksgemeinschaft zur Regierung behandeln. Sämtliche lettländischen Staatsangehörigen jüdischer Nationalität bilden nach diesem Entwurf aus Grund des § 116 der lettländischen Staatsverfaffung zur Befriedigung ihrer nationalkulturellen Bedürfnisse eine autonome jüdische Volksgemeinschaft öffentlich-rechtlichen Charakters. Die Zugehörigkeit zur jüdischen Volksgemeinschaft wird durch die Eintragung in den jüdischen Nationalkataster, welcher von den der jüdischen Volksgemeinschaft zu ernennenden und erhaltenden Beamten bei den örtlichen Standesämtern geführt wird, erwiesen. HJaftlentredifung der Juden in Lettland- HUga, 5. Juni. Die Regierung Lettlands schrieb die Wahlen für das Parlament aus und zwar auf den kommenden Jomkippur, was doch nur den Zweck haben kann, die Juden von der Beteiligung an den Wahlen auszuschließen. Es wurde natürlich von den jüdischen Deputierten energischer Protest dagegen eingelegt und die Forderung aufgestellt, die Wahlen auf den 21. Oktober zu verlegen. gvankveiäj. Archäologifdie Sordiung in Patäflina. Saris, 7. März. Auf Veranlassung des bekannten Professor Nahum Slusch, über dessen ergebnisreiche Ausgrabungen in Palästina wiederholt berichtet worden ist, hat sich ein internationales Komite zur Unterstützung der archäologischen Forchung im heiligen Lande gebildet, dem auch führende, jüdisch-französische.Gelehrtenkreise und Finanzgrößen angehören. Slusch hielt hier eine wissenschaftliche Vorlesung über seine Ausgrabungen bet Liberias. Italien. Vorn jüdifdien Leben in Jtalien- Hlom, 1. Juni. EL scheint, daß das jüdische Leben Italiens in Rom sein altes Zentrum wiederfindet, nachdem es aus dem früheren „kleinen Jerusalem" bis hinauf nach Modena und wieder hinunter nach Florenz eine Stätte gesucht hat. Denn in der Tat steht die jüdische Gemeinde Roms jetzt, nachdem Florenz wegen des Todes von Oberrabbiner Dr. S. Z. Margulies s. A; an Bedeutung viel verliert, schon wegen der Zahl der Mitglieder — ca. 8000 — an der Spitze aller anderen Gemeinden des Landes.' Herr Oberrabbtner Dr. Sacerdott gibt sich große Mühe, dem jüdischen Leben eine gesunde Basis zu schaffen durch Errichtung neuer und Verbesserung der bereits bestehenden jüdischen Einrichtungen und durch Begünstigung und Förderung ostjüdtscher gesetzestteuer Elemente. In diesen Bestrebungen unterstützt ihn aufs kräftigste Herr Siegmund Hirsch, ein Hamburger Jude, der schon seit vielen Jahren in Italien lebt. Nachdem die Gründung einer „Jüdischen Bolkspartet" gelungen ist, die sich zur Aufgabe stellt, das jüdische Gesetz unter den jüdischen Maffen wieder heimisch zu machen, und die in ihr Programm auch die Sabbal-Hnfang uns Ausgang. Ortr Anfang Datum Ausgang UhrlMtn. 1928 5682 UhrlMtn. Frankfurt a. M. 7 45 17. 21. 9 40 Berlin .... 7 30 Juni Siwan 9 32 München . . . 7 15 9 07 Eöln. 7 50 9 60 Stuttgart. . . 7 — 9 25 Breslau . . . 8 06 9 06 Nürnberg. . . 7 15 9 18 Hamburg . . . 8 56 9 56

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