Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1922)
- Date
- 1922-06-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4, Nr. 84 Druck erschienen, aber schon als Manuskripte den UniversitäLsprofessoren vorgelegt wurden und Aufmerksamkeit erregten. Professor Johannes Huber, neben Döllinger einer der bedeutendsten Führer der Ältkatholiken, lud mich in sein Haus ein und ich las mit ihm die „Sprüche der Väter". Hätte ich nach meiner Neigung handeln dürfen, so wäre ich länger auf der Universität geblieben, allein die bittere Not und der Hunger hielten mich in ihren Zangen; ich hungerte viel, habe auch einmal beim Ziegeltragen geholfen, um mir ein Brot zu taufen; ich mußjte trachten, so rasch wie möglich einen Posten zu erlangen, um mir mein Brot anständig zu verdienen. (Fortsetzung folgt.) Oorrespondcnzen «. Nachrichten. Dentsrhes Reich. ßeneralnerfammlung des orthodoxen Rabbinernerbanöes. IrarrKfurt a. M , 13. Juni. Die Generalversammlung des orthodoxen Rabbinerverbandes findet am 28. und 29. Juni in Frankfurt a. M. statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Berichterstattung des Vorstandes. 2. Halachisches Referat: Herr Rabbiner Dr. S. Breuer, Frankfurt a. M. PD^I D’SJH in1? ('k piirr nara) ana# 3. Halachisches Referat: Herr Rabbiner Dr. Schiffer, Karlsruhe. „Das Verhältnis der standesamtlichen Trauungen und Scheidungen zum jüdischen Religionsgefetz." 4. Rituelle Fragen der Gegenwart: a) Agunos: Herr Rabbiner Dr. Mannes, Schwabach, d) Schochtim und Sofrim: Herr Rabbiner Dr. Bamberger, Kisfingen. 5. Chinuch: Herr Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg. 6. Aussprache mit Vertretern orthodoxer Organisationen über jüdischpolitische Fragen der Gegenwart: s.) Agudas Jisroel. b) Freie Vereinigung fürj die Jntereffen des orthodoxen Judentums und Bund gesetzestreuer Gemeinden, v) PalästinozenLrale der Agudas Jisroel und deutsch-holländische Palästinaverwaltung. Aethiopische übertragen wurde. Das Buch ist eine seltsame Mischung aus Dogma, Legenden, phantastischer Erfindungen und dichterischen Schilderungen. Ueber die Beziehung Salomos und der Königin von Saba wird folgendes erzählt: Mateda, die Königin des Südens, kam vom Ende der Erde, um die Weisheit des Königs Salomo zu vernehmen. Sie war sehr schön, schlank und klug und brachte ihren ganzen Reichtum an Gold und Silber mit sich. Tamrin, ein Händler, beschrieb ihr die Größe und die Weisheit Salomos und des Tempels, den er Gott gebaut hatte. AlS Salomo sie zum ersten Male sah. wußte er nicht, was beginnen. „Was soll ein Weib von' solcher Schönheit bei mir? Will Gott mir Samen aus ihr erwecken"? Aber er gelobte ihr, sie nicht mit Gewalt zu nehmen und auch sie mutzte schwören, nichts in Salomos Hause gewaltsam zu nehmen. In der Nacht nach dem Festmahl, auf dem die Königin viele gesalzene Fische gegessen hatte, verspürte sie befttqen Durst. Sie erhob sich vom Lager, nahm die Wasserkaraffe des Königs und brach so ihren Eid, wodurch Salomo von dem seinen befreit wurde. Später wurde ste sein Weib. Am Schlafe s-h Salomo eine große Sonne, die jedoch vorüberglitt und sich nach Aethiopien wandte. Neun Monate später gebar die Königin einen Sohn, Menelik, das heißt Sohn des Weifen, der das Tabernakel im Tempel zu Jerusalem stahl und nach Aethiopien brachte. (Diese Ueberlieferung wurde auch in dem jetzt bei uns laufenden Roman „Verschollene Brüder" künstlerisch verarbeitet. Die Red.). Ein zweiter Sohn Salomos wurde der König von Rom, das heißt dem neuen Rom, Konstantinopel. RS51 Der JSraeltt. ,/Cierfdiub uni flntifemitismus." AerN«, 30. Mai Im „General-Anzeiger" des „B. T." war über die Generalversammlung des Deutschen Tierschutzveretns von einem Teilnehmer an der Versammlung berichtet worden. Dabei wurde Mitteilung gemacht von antisemitischen Ausfällen gegen den Vorsitzenden des „Schutzvereins der Hunde- und Tierfreunde Berlins" und sonstigen „ungerügten antisemitischen Anrempeleien". Darauf richte Herr Rabbiner Dr. Munk ein Schreiben an den Vorstand des „Deutschen Tierschutzvereins", in dem es heißt: „Das Urteil des Einsenders des bezüglichen Aufsatzes kann ich nicht unterschreiben. Richtig ist, daß eine unverkennbare antisemitische Gehässigkeit bekundende Aeußerung eines Diskussionsredners aus der Versammlung ungerügt geblieben ist. Auch fiel vom Vorstandsttsch eine Bemerkung, die als antisemitisch angesprochen werden kann. Doch muß zugegeben werden, daß sie nicht in antisemitischer Gesinnung ausgesprochen zu sein braucht. Von einer antisemitischen Haltung der Leitung der Versammlung kann aber ebensowenig die Rede sein, wie von dem Vorwurf des Antisemitismus geglen den Vorstand des Vereins überhaupt. Das Gegenteil ist wahr. Der Vereinsvorstand hat, solange ich als Mitglied die Vorgänge zu beobachten imstande bin, bei Lösung der ihm obliegenden Aufgaben sich nur von sachlichen Gesichtspunkten und gerechten Erwägungen, keineswegs aber von antisemitischen Instinkten leiten laffen." dufammenfdiluh 5er preußischen Synagogengemeinöen. Nertt«, 4. Juni. Der Vorstand der „Jüdischen Gemeinde", Berlin hat an die Synagogengemeinden Preußens (mit Ausschluß der auf Grund des Austrittsgesetzes oder sonstiger Gesetze selbständig konstituierten orthodoxen Gemeinden) ein Rundschreiben gerichtet, worin die Gründung eines Landesverbandes der preußischen Gemeinden angeregt wird. Zu diesem Zwecke lädt die Berliner Gemeinde auf Sonntag, den 25. Juni zu einer Vertreterversammlung ein und überreicht gleichzeitig den Entwurf einer von Dr. Jsmar Freund ausgearbeiteten Verfassung für eine Landesorganisation der preußischen Synagogengemeinden nebst einleitender Denkschrift. Artikel 1 des Entwurfes lautet: „Der preußische Landesverband jüdischer Gemeinden ist eine Religtonsgeseüschaft; er bildet gemäß § 137 Ads. 3 der Reichsverfaffung eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes." Die Höhe des Beitrags der Verbandsgemeinden wird durch Berbandsbeschluß festgesetzt. Uebersteigt der Satz die Höhe von 7A der Reichseinkommensteuer, so ist 3U Mehrheit der beim Verbandstage Anwesenden erforderlich. Im übrigen entspricht die Verfaffung in allem wesentlichen derjenigen des D. I. G. B., nur daß zwei strittige Punkte — Vertretung der theologischen Lehranstalten und Ausschuß für die Wissenschaft des Judentums — weggelaffen sind. Die Befoiöungsorönung in Baden. Karlsruhe, 6. Juni Ohne, daß die große Oeffentlichkeit viel davon erfuhr, hat der Badische Dberrat die Gehalter der Rabbiner und Lehrer den Bedürfnissen der Zeit nahegebracht. Die viel umstrittene Gehaltsskala begann seit der letzten Regelung im Jahre 1921 für die Lehrer und Kantoren mit 9600 Mk, und endete nach 25 Dtenstjahren mit 17 000 Mk., dazu kamen Kinderzulagen in Höhe von 800—1000 Mk. und das Wohnungsgeld. Damals wurde gleichzeitig eine Teurungszulage von 25 gj genehmigt, die für das erste Quartal 1922 auf 50 % und ab 15 Juni ISA 1. April 1922 jetzt auf 125 °/* erhöht wurde. Demnach sind diese Gehälter jetzt aus 21000 bis 36000 Mk bemeffen. Die Nebenbezüge bleiben bestehen und werden teilweise nicht unerheblich erhöht. Insbesondere sind die Schechitä- Gebühren stark in die Höhe gesetzt worden. Gerade mit den Schechita-Gebühren sollte in den kleinen und kleinsten Kehillos nur in vorsichtiger Weise operiert werden, um nicht die ganze Institution zu geführten. Vielfach sind es nichtjüdische Metzger, die nur aus besonderem Entgegenkommen für die wenigen Koscherfleisch- Abnehmer schachten lassen, da bedarf es des besonderen Taktes des Schochets, um nicht die Schechita in Frage zu stellen. Allerdings, über die Handhabung der ganzen Institution, über die Beaufsichtigung derselben usw. wird an anderer Stelle ein ernstes Wort an Rabbiner und Schochtim, an Oberrat und Synode zu reden sein. Das Material dazu liegt vor. Die Rabbiner erhalten jetzt 40000 Mk. Anfangs- und 55000 Mk. Endgehalt, dazu die üblichen Nebenbezüge für Trauungen etc. Auch die Pensionsordnung van 1921 für Lehrer und Rabbiner ist jetzt wesentlich erhöht worden. Die 26000 jüdische Seelen Badens wohnen in 120 selbständigen jüdischen Gemeinden. Mit Ausnahme der acht größeren jüdischen Gemeinden Badens, die ihre Beamten selbst besolden, muffen die Gehälter der andern aus der Centralkaffe durch Landeskirchensteuer bestritten werden, wozu die Gemeinden nach Leistungsfähigkeit Beiträge von 1500—16000 Mk. für einen Beamten beitragen. — Die aus allgemeiner (Landes) Kirchensteuer aufzubringenden Steuermittel warm 1920 988 722.— Mk. und 1921 2323800.— Mk. (Davon zahlten die oben genannten acht großen Gemeinden, die ihre Beamten selbst aus eigener Ortsteuer besoldeten, 95°/o), Die großen badischen Gemeinden geben hier einen Beweis des Gemetnsinnes m.d der Opferwilligkett. im 11 * Gefleweiitz. Die Lohnbewegung der Dngefleüfen der Jsraeiitifchen Kulfusgemeinde. Wien* i. Juni. Die noch immer nicht zum Abschlüsse gelangte Lohnbewegung der Angestellten der Israelitischen Kultusgemeinde veranlaßte die Angestelltenschaft, in einer gestern abgehaltenen, zahlreich besuchten Vollversammlung des Verbandes der Angestellten der Kultusgemeinde eine Entschließung anzunehmen, in der es heißt: „Die Angestelltenschaft muß nach wie vor darauf bestehen, daß der Kultusvorstand ihr ein Existenzminimum sichere, welches durch die Gleichstellung in den Bezügen mit den Angestellten der Stadt Wien gewährleistet ist." Die amerikanislhen Juden für Oefferreich. Wim, 15. März. Das amtliche Todschweigen über die Hilfe des Joint für den österreichischen Mittelstand, das unter den Regierungen Renner und Mayr beobachtet wurde, läßt sich nicht länger fortsetzen. Durch die „Staatskorrespondenz" werden jetzt eingehende Mitteilungen über den Commonwealth- Fonds von zirka drei Milliarden Kronen gemacht und ausgeführt: „Das Joint Distribution Commitee, dem mau einen sehr beträchtlichen Teil der jetzigen Mittelstands, spende zu danken hat, ist eine amerikanisch-jüdische Hilfsorganisation; ste läßt ihre Spende durch die American Relief Administration überweisen und zwar grundsätzlich ohne Unterschied der Konfession. Der europäische Direktor des Joint Distribution Commitee, Herr James N. Rosenberg, ist selbst nach Oesterreich gekommen, um die Lage des Mittelstandes zu untersuchen und dann nach London gereist, um mit dem europäischen Direktor der American Relief Administration, Herrn Walter Lyman Brown, zu konferieren. Bei dieser Zusammenkunft wurde eben vereinbart, daß das Joint Distribution Commitee eine sehr beträchtliche Summe durch die Vermittlung der American Relief Administration zugunsten des österreichischen Mittelstandes geben würde. Die American Relief Admini-