Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1922)
- Date
- 1922-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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' Dm: Nr. 24 Sette * 16 Juni ISA. _ an der Zeit, daß der Judenhetze ein Ende gemacht werde. Sie baue nicht auf, sondern reiße nieder. Natürlich fällt die antisemitische Presse, an deren Spitze die „Deutsche Tageszeitung" über General von Deimling her, als hätte er mit dieser Aeußerung Landesverrat begangen. Die „Kreuzzeitung" sucht sogar auf Grund des Zeugnisses eines Generalleutnant Rohne die Zurechnungsfähigkeit des General Deimling anzuzweiflen. Ist es in diesen Kreisen bereits so weit gekommen, daß jede Mahnung zu Recht und Vernunft als Wahnsinn bezeichnet wird? NaS gesundende Angarn. Die Berichte über die Wahlen für die ungarische Nationalversammlung ergeben bereits, obwohl die Endresultate im einzelnen noch nicht vorliegen, ein klares Bild der Situation. Aller Propaganda und aller Wahlentrechtung zum Trotze wird das Parlament kein ausgesprochen reaktionäres und antisemitisches sein. Bon den im Verbände der „Erwachenden Ungarn" organisierten Hetzern ist kein einzig e r gewählt worden. Den „Erwachenden" hat der Wahlausgang eine Absage des wirklich erwachenden Volkes gebracht, daß sie sich wieder getrost zur Ruhe begeben dürfen. Besonders getäuscht wurden die Wahlhoffnungen HorthyS und BethlenS in Budapest und anderen Großstädten, wo das Wahlgesetz geheime Wahlen vorschrteb. Dort behaupteten die Sozialdemokraten das Feld vollkommen. Auf dem flachen Lande war es hem weißen Terror bei öffentlicher Abstimmung möglich, mit Gewalt die freie Bekundung deS VolkSwtllens ntederzuhalten. Aber auch hier fanden bei allen unerhörten Einschüchterungen und Vergewaltigungen der öffentlichen Meinung die Listen der größten Schreier keine Gnade. Alles in allem: Bei einem Wahlmodus, der wie der heutige für einzelne soziale Schichten ungleiche Rechte vorsieht und im größten Teile des Landes durch Aufhebung der geheimen Abstimmung der Mllkür der Gewalthaber Tür und Tor öffnet, muß das Resultat der Wahlen, das dem Parlamente eine ansehnliche Mitte und eine starke gemäßigte Linke sichert, unbedingt als Zeichen der Gesundung begrüßt werden. Wir wünschen Ungarn diese Gesundung in seinem eigensten Interesse. anbot, erging an den treuen Moses die Forderung: So sollst du sagen dem Hause Jakobs und verkünden den Kindern Israels. Stach einer Ueberlieferung sind unter dem Hause Jakobs die Frauen gemeint. Wenn das Judentum wieder erstarken soll, dann mutz in erster Linie die jüdische Frau wieder Ihrer Pflichten eingedenk fein. O möchten unsere jüdischen Frauen sich bewutzt werden, welche hohe Aufgaben sie zu erfüllen haben. Sie würden dann nicht so leichten Herzens preisgeben, was unseren Müttern und Grotzmtzttern so heilig war. Auch für die jüdische Frau gilt das Wort des Dichters: Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um eS zu besitzen. Ahrons Loh. Erklärung einer schwierigen Raschi-Stelle zu ‘■Jlftyro Bon Wölff in Aurich. Zu Beginn unseres WochenabschntttS wird dem Hohenpriester Ahron geboten, Im pew, einem fensterlosen, daher dunklen Raume der GtistShütte die steben Lampen des Leuchters nach einer besonderen Anordnung — jnuocr ♦» ho 5« — zu entzünden. Der Leuchter deS Heiligtums war aus einem Stück Gold heranSgearbetiet und fo geformt, datz je drei Lampen, die an Röhren auf der rechten Veite und, je drei ebensolche, die auf der linken Seite angebracht waren, fich einem Mittellichte zuwandten, welches stch auf dem Schafte des Leuchters befand. Nach Eröffnung dieses Befehls heitzt eS dann im Texte weiter: 'Ji pnK p vmt „Ahron tat also, der Richtung deS Leuchters zu ließ er die Lampen aufleuchten". Zu diesem Verse bemerkt Rascht; «te pnr V# iristP »der BerS soll Aus den Lebenserinnerungen eines jüdischen Politikers. II. Ich ging darauf nach Wien, wo ich mich an Dr. Güdemann wandte, mix zu verhelfen, daß ich in profanen Lehrgegenständen Unterricht erhalte. QH« Nordbahnbeamter, in einer untergeordneten Stellung, namens Baranek, der aber ein bedeutender Gelehrter war, Historiker, Arabist und Talmudist zugleich, wollte meinen Unterricht übernehmen. Güdemann erkundigte sich über mich bei Hildesheimer, aber dieser gab keine ermunternde Antwort. Ich, schrieb ihm daher nach Eisenstadt, wie sehr mich sein Verhalten befremde, und deutete gleichzeitig an, daß er es schließlich zu verantworten haben würde, wenn ich mich an neologe Rabbiner, Dr. Jellinek in Wien oder an Dr. Aüb in Berlin wenden müßte. Diese Bemerkung ärgerte ihn, aber erschreckte ihn auch, und er schrieb vertraulich an einen seiner in Wien weilenden Schüler, namens! Friedmann, er möge mich besuchen, mir ins Gewissen reden, ja nicht zu Jellinek zu geh>en, da, wie er wörtlich hinzusngte, „es keine Kleinigkeit ist, wenn möglich zu verhindern, daß ein fo selten talentierter junger Mann in jene Hände gerät." Friedmann solle keine Mühe scheuen, mich zu persuadieren — nach Galizien zurückznkehren; er, Hildesheimer, „habe bereits vor acht Tagen an den Rabbiner in Lemberg geschrieben, man solle mich dorthin berufen." Viele Jahre später erhielt ich von Friemann, der inzwischen nach Amerika gegangen war, wo er eine angesehene Fabrik betrieb, das Orrginalschreiben des' verehrten Lehrers an ihn, das er zum Andenken aufbewahrt hatte und das beim Mederschreiben dieser Zeilen vor mir liegt. Da ich also zu Jellinek nicht gehen sollte und Güdemann sich von mir abgewendet, verließ ich Oesterreich und begab mich nach Breslau. Breslau war damals der Generalstabssitz der jüdischen Wissenschaft. An der Spitze stand FranA mit seinem uferlosen Wissen, seiner gewaltigen Forschergabe. Neben ihm Meister Grätz. dessen GeschichWverk alle Herzen entzündete. Dann Männer wie Dr. Benno Zuckermann und Dr. David Rosin, welche beide die großen Führer wirksam ergänzten. Ich fand freundliche Aufnahme, Frankl unterhielt sich mit mir Wer talmudische Fragen. Zum Eintritt in das Rabbinerseminar fehlten mir allerdings in den profanen Lehrfächern die nötigen Vorkenntnisse. Grätz lud mich mehrere Male zu Tisch und sagte gelegentlich über mich zu seiner Arsns Lob künden: er änderte nichts." Was veranlaßt den großen Bibelerklärer dazu, diese dem nvv entnommene Erläuterung, die sich doch mehr als merkwürdig auSnimmt, an diese Stelle zu setzen? Welchen Anlaß hätte auch Ahron habengkönnen, eine Aenderung in der Ausführung deS göttlichen Befehls vorzunehmen? Vergegenwärtigen wir unö die Anordnung der Beleuchtung, so müssen wir zu der Ansicht kommen, daß die oben geschilderte Stellung der Lichter das unpraktischste Verfahren ist, um einen Raum zu erhellen. ES geschah aber nach der vorbergehenden Bemerkung RaschtS: -p-tf «in nnno iivm «w ns, „damit niemand sage, Gott bedürfe deS Lichtes." Was hätte Ahron gegen diesen Grund einwenden können? Er hätte entgegnen können, daß in Israel nie ein solcher Irrglaube Fuß faßen würde. „Gott bedarf zwar keines LichteS", so hätte er weiter auSführen können, „aber wir Priester, die wir doch täglich den Raum zu betreten haben, um den Dienst am Räucheraltar oder an dem Tisch zu verrichten. Es wäre für uns ratsamer, die Lichter nach allen Richtungen hin leuchten zu lassen." „Aber," so hätte Mosche antworten können, „der Befehl GotteS lautet doch nun einmal ganz bestimmt: nnutan ’JB biv bx". Darauf hätte Ahron den Bruder Hinweisen können, daß Mosche ja selber Aenderungen an den Befehlen GotteS vorgenommen, wenn ZweckmäßtgkeitSzründe Vorlagen und hinterher die Zustimmung des Heiligen, g. s. E., erhalten habe. (Stehe i"» Fp rot? n-ivr),Ahron aber tat also; er änderte nichts, 'trbnn »m. Frau: „Der ist ein halbes! Jahrhundert zu spät gekommen." Das sollte besagen, mein talmudisches Wissen wäre vor fünf Jahrzehnten ungleich anders gewertet worden. Mir aber empfahl er vor allem, bie deutsche Sprache zu erlernen, um mich verständlich machen zu können; auf meine naive Frage, ob ich denn nicht deutsch rede, bemerkte er, ich rede eine Sprache, die allerdings dem Deutschen näher stünde als dem Französischen. Er riet mir schließlich, zunächst nach einer kleinen deutschen Provinzstadt zu gehen, und dort Elementar- und Gymnasiallehrgegenstände zu betreiben. Zu diesem Zwecke gab er mir eine Empfehlung an Rabbiner Dr. Landsberg in Liegnitz, der sich meiner sehr annahm und mir Unterstützungen und Unterricht verschaffte. Hier warf ich mich denn mit aller Energie auf die erwähnten Lehrfächer und ich erinnere mich dankbar des alten Professors, der mir Lateinunterricht gab. Längere Zeit hielt ich es in Liegnitz aus, als aber die Unterstützungen spärlicher wurden, ging'ich nach Magdeburg; die Not trieb mich von Ort zu Ort. Um schließlich eine Art Erwerb zu erlangen, nahm ich Stellung bei Rabbinern an, die ihre Studien im Talmud und Schulchan Aruch erweitern wollten; ich erteilte ihnen Unterricht in diesen Fächern und sie wiederum mir in Gymnasialgegenständen. So war es bei Dr. Löwenstein in Güstrow in Mecklenburg, auf Grund einer Empfehlung von Hildesheimer und in Zürich! bei Rabbiner Dr. Lewin, dem nachmaligen Rabbiner in Nürnberg. Die Zeit, die ich im Hause dieser Männer verbrachte, ist mir in angenehmer Erinnerung, ich habe viel von ihnen gelernt. Endlich war ich denn so weit, um Univerfttätsstudien beginnen zu dürfen. In Zürich hörte ich Vorlesungen bei Johannes' Scherr und Gottfried Kinkel. Voll dort bezog ich die Universität München, wo ich! im gastlichen Hause Merzbacher und bei dem gelehrten Rabbiner Dr. Josef Perl es viel verkehrte und mit dem Gelehrten R. N. N. Rabbinowitz häufig zusammentraf. Ich hörte Vorlesungen bei Döllinger und Huber; Geschichte der Logik bei Prantl, Kulturgeschichte bei Riehl, Aesthetik bei 'Carriere, Physik bei Jolly, Chemie bei Liebig, die Lehre von der bürgerlichen Gesellschaft bei Holtzendorf, arbeitete im historischen Seminar von Giesebrechi und erhielt auf Grund einer in diesem Seminar verfaßten Arbeit ein Stipendium von dreihundert Gulden. In München endlich begann meine wissenschaftliche Tätigkeit. Ich verfaßte eine Studie über Koheleth, eine kurze Geschichte der Juden in Spanien, eine Geschichte der Sammlung der althebräischen Literatur, Arbeiten, die zum Teile erst viel später im Keines Feuilleton. (Die neuen Papyrus-Funde in Aegypten.) Die von dem bekannten Forscher Flinders Petrte aufgefundenen vier hebräischen Papyrus-Fragmente, über die Petrie vor einigen Wochen in einer öffentlichen Vorlesung in Sonden berichtete, sind nunmehr Dr. Hartwig Htrschfeld zur näheren Untersuchung eingehändigt worden. Die Texte befinden fich allerdings in einem trostlosen Zustand und die zahlreichen Lücken werden die Herstellung deS ursprünglichen Sinnes aufs äußerste erschweren. Ohne gewagte Konjekturen wird eS nicht abgehen. Die Dokumente scheinen aus einer Zeit zu stammen, in der fich die Einführung der assyrischen Quadratschrift noch in den ersten Stadien befand. ES finden fich bei zahlreichen Buchstaben große Aehnlichkeiten mit den früheren Formen deS Alt- Hebräischen. Hirschfeld glaubt, daß eS sich um einen liturgischen Text handelt. Er vermutet, das eine der Fragmente fei eine Art Klagelied um die Tempelzerstörung, das dritte ein alter Piul. (Salomo und die Königin von Saba). Der Besuch der Königin von Saba bei König Salomo, der so oft dichterisch behandelt worden ist, erhält jetzt neues Licht durch die Veröffentlichung eines a l t ä th i o p i sch e n Manuskriptes, das soeben von dem KustoS der ägyptisch-affurischen Abteilung deS Britischen MuseumS in Uebersetzung herausgegeben wurde. ES handelt sich, wie Dr. Brook in der „Leipziger Illustrierten Zeitung" berichtet, um das sogenannte „Kebra Ragast", daS heißt Ruhm der Könige, das im S. nachchristlichen Jahrhundert von koptischen Priestern zusammengestellt. später ins Arabische übersetzt und von dort ins