Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1922)
- Date
- 1922-06-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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«eur 2 Kr. 12. lehrt ganz genau, für welche Ideale Man sein Leben einfetzen oder das Leben, das irdische Glück anderer aufs Spiel setzen darf mtb muß. All beit Möglichkeiten gegenüber, welche die zehn Jahre geboren haben, hat^ Aguda die von der Thora diktierte Stellung eiugenommen. -Ob die Jugend anstürmte und nach ^Tateu" rief, ob mau hämisch aus die in „Negativen" sich erschöpfenden griesgrämigen „Trennnngs-Orthodoxen" himvies, -Agüda kann sich ruhig sagen, daß sie in dein oben beschriebe neu Rahn um viel getan und viel erreicht hat. Es ist ein kleinlich Ding zu zeigen, daß mau „recht" gehabt hat, allein wenn heute die .vollkommene Aussichtslosigkeit der auf rein nationalen Momenten aufgebauteu Autonomiebeftrebungen allgemein anerkannt ist, so wird man objektiv sagen köiulcu, daß die Aguda durch die kühle, mahnende Stellungnahme zn diesem Problem eine Tal von lucitcftcr Auswirkung ge leister hat. Legt man aber über die zehn Jahre Rechcnscliaft ab, io genügt es nicht, zu erzählen, daß in den Ländern der jüdischen Massensiediung sie einen breiten Boden gefunden, in den Ländern des Westens fast alles, was religionstren denkt und fühlt, den Anschluß an die Aguda vollzogen hat, es muß vielmehr immer wieder und wieder der größte Wert, wenn der Ausdruck gestattet ist, der Ewigkeitswert der Aguda in der Vertiefung des Klal-Gedankens erkannt werden in der Renaissance der religiösen Orientierung, im positiven Ausbau des Gedankens der gegenseitigen Be ran two r t li chkei t. Wenn nun diese Universalität an einem bestimmten konkreten Fall sich bewähren kann, so ist diese Bewährung ein Prüfstein für die Richtigkeit und Stichhältigkeit des Grundgedankens. Solch ein Fall liegt aber nur im Palästinaproblem und es ist bedeutsam, festzustellen, baß Aguda stets Energie für dieses Problem eingesetzt hat, stets in derselben Linie, stets mit demselben Endziel. Dessen könnte am besten Zeugnis oblegen die zionistische Organisation, wenn sie sich erinnern wollte, was in Konstantinopel im Jahre 1918 getan und verhandelt wurde; sie wird zugeben müssen, daß Aguda sehr loyal vorging und daß es eine Lüge ist, wenn minderwertige Organe und Menschen behaupten, Aguda hätte ihre Pal ästin aarbeit, ihr Pälästinawolten erst seit S. Remo entdeckt. Wäre die seit 1918 plötzlich so ganz anders Uewvrdeno Organisation, die so tut, als habe sie aus dem Schlachtfeld gesiegt und als müßten sie in den Spuren der Diktatfriedensschlüssc wandeln, nur halb so loyal und - unpolitisch wie die Aguda, so wäre vieles besser. Facft: Aguda hat während der ersten zehn Jahre ihre Lebensfähigkeit enviesen, hat gezeigt, daß für die Gesamtheitsaufgaben des Judentums eine Lösung im Geiste der Thora geben kann und hat diese Lösung begonnen. Sie wird sie vollenden, solange es Thoratrene gibt und das wird ewig wirr. P. K. 1$iue Möglichkeit der AerstLudiguug. Anläßlich der Besprechung der Gründe, welche Rabbiner Füchwann jum Austritt aus dem Atis-- rachi veranlameu. bringt das Organ des polnischen Misrachi aus der Jeder eines der rabbinischen Wortführer dieser Organisation, Tarlegrurgeu fauch im hebräischen 'Teil, der Berliner „Jüdischen Presse" ab gedruckt), welche nicht nur ein wertvolles Selbstbekenntnis über den Misrachi darsteUcn, sondern auch der Hoffnung Rann, lassen, daß die von Agudas Jisrocl noch jüngst auf der kölnischen Konferenz als Poranssetzuna zum Zusammenarbeiten mit dem Msrachr erhobene Forderung der Selbständigkeit des Aftsrachi auch in dessen eigenen Reihen erwogen wird. Wir freuen uns dieser Erkenntnis und; lassen eine Nebersehung der diesbezüglichen Stelle j des Artikels von Rabbiner Amiel folgen.? Tie Rehaktion. ' „Die Zahl unserer Mitglieder hat sich sehr ' vergrößert, die Misrachiföderatiou rvar am 12. - Uionskongreß die stärkst vertretene, aber was ' ,B l ä i i $ u* die Idee des Misrachi aMÄcmgt. sem eigentlicher Zweck, das jüdische Land dem jüdischen Volk aus Grundlage der Thora mit besonderer Betonung der drei letzten Wiorte, so müssen wir leider 1 geftchen, daß mir dieses Ziel auch noch nicht einmal teilweise erreicht haben. Im zionistischen Palä st i n a kann man alle Ideologien der Welt vertreten sehen, auch die allernencsten, mi t Aiis nah nte d c r Th o r a. Ich unterstreiche „im zionistischen Palästina", denn ich weiß, daß bei dem alten Jischuv, der von den Spenden des Rabbi Meir Baalhaneß gebaut wurde, die Thora herrscht, und daß auch in den Kolonien der alten Choveve Zion die Sache noch nicht so schlecht ist, wie in dem zionistischen Palästina. In dessen Siedelungen und Genossenschaften, in dessen Siedlungszentren, ist es mit der Thora Israels schlecht bestellt. Und wir wollen doch die Wahrheit nicht verhehlen. Alle Gelder der zio n i sti sche n und de r mis - r a ch t stischen Fonds wcrde n nur für dieses letztere Palästina Verwender), und unsere Leiter, die Leiter der Misrachi-Weltt organisation sitzen dort, ohne daß sie etwas dagegen tun können, denn cs fehlen ihnen die Mittel dazu. Wir brauchen uns daher nicht zu wundern, daß die. Leiter abdanken. Wir haben unserer Leitung ein Stück Papier übergeben, aus dem die bekannte Karlsbader Resolution stand und haben geglaubt, das; dieses Papier genügen würde, um alles Weh und alle Irrungen ans unserer Mitte schwinden zn machen. Mer wir hätten früher wissen sollen, daß man nicht aus einer papierneren Brücke über wogende Fluten hinweg schreiten kann. sicherlich wird an Stelle des Rabbiner Fischmann ein anderer Leiter kommen, ein besserer oder schlechterer, aber wir müssen von vorne herein wissen, daß sich an der Sache dadurch nichts ändern wird, denn wenn unsere Führer auch die größten der Großen wären, so werden sie doch klein werden, beim schon so sagen unsere Weisen und die Erfahrung bestätigt es, daß d er Kleine g roß i ft, w e n n er s e l b - ständig wird, und de r Große k l e i n wird, wenn er unselbständig ist*) So werden auch wir, so lang wir uns nur an den ■ Tisch der Zionisten anlehnen, ohne Selbständigkeit unsererseits, klein sein, wenn wir auch die Größten bei uns hätten. Die Frage der Erhaltung des Misrachi erfordert das Beschreiten neuer, radikaler Wege, um den bisherigen Status zu verbessern. Wir wollen unsere Wege prüfen." Hoffen wir, daß diese Prüfung zu der Erkenntnis führt, daß die selbständige Organisation der gesetzestreuen Massen allein das von büHto' pa 21V' im Geiste Der Thora zu verwirklichen imstande ist. Die Redaktion. Sin Süferus m Svwjelru-laa». Wien, 28. Mai. Das hiesige Agudähorgan „Die Mische Presse." schreibt: Der in der jüdischen Welt bekannte Rabbi von Lubawftsch, der gegenwärtig in Rostow a. Don sich befindet, hat an die Aguda die Aufforderung ergehen lassen, den ohne Kleidung und Nahrung darbenden Jüngern der russischen Jeschiwos und Talmud-Thora zu Hilfe zn eilen. Wir wiedergeben hier die wortgetreue llebersetzung dieses Llppells an das jüdisch empfindende Herz, und können nicht umhin, wiederholt aus die ungeheure 'Dtoiroenbigfeit unseres Sammelwerkes hinzuweisen. Jeder Jude sei sich der Verantwortung bewußt und tue feine Pflicht. An d ie bekannten No t ab len, Freunde der Thora und Freunde der Liebe und Güte u sw. Frieden und Segen! Unser Land, das Land unseres Erbsitzes, stolz unserer Macht, das bis dahin so reich war, an Thora und Weisheit und in e'rfter Reihe stand bei der Heranbildung von Weisen, *) Bon uns gesperrt. Tie RevaMon. ' t Juni iw* das Land, das Geiste^rWen der Wissenschaft stellte n nd daher den Ruhm Mer Länder genotz — heute dagegen sind hier fast Me Grundpfeiler der Weisheit im Wanken und schier sind die Quellen der Lehre verstopft. Ich Wense mich mit diesem Briefe an euch, die ihr warmen Herzms seid und die Wichtigkeit der gegenwärtigen Stunde erfaßt habt, klär und offen mitzuteilen, wie groß jetzt die Notwendigkeit der mit Rat und Klugheit geleiteten Hilfe ist. Merke und horche auf, Israel! 'Tie Thora ist in unserem Lande in Not und Bedrängnis gekommen, der Hunger steigert sich mit jedem Tage, ebenso .Kälte und Krankheit, daß sich Gott erbarme. Reich ist unser Land an jungen Kräften von wundersamen Fähigkeiten, die einen furchtbaren Heldenkampf mit der Not des Lebens kämpfen. Junge zarte Kinder ringen mit Aufbietung der letzten Kraft, uni die Thora Israels zu erlernen, die uns durch Moses, den Knecht Gottes, übermittelt wurde. Die Augen der Lehrer und Leiter der Talmud-Thora-Schrlen und Jeschiwaus sind aber voller Tränen, und ihr Herz krampst sich in ihrer Brust zusammen, ob der Not und des Hungers, die chre Klagestimme erheben, ob des jüdischen Feuers, das immer mehr in die Tiefe sinkt, ohne Aufenthalt, vor der Fülle des Elends und oer Mühseligkeit. Die Thora umgürtet sich mit einem Sack. Und ich rufe mit der Stimm« Gottes: Erbarmt euch, Kinder Israels mrfr nehmet euch an des letzten Restes, kommet zur Hilfe den Kindern und gebt uns die Möglichkeit, ihnen das Wissen vom Gotte Israels zu vermitteln. Gründliche Hilfe ist nötig für Bücher, Lebensmittel, Kleider und Geld, auch für Einleitung einer wirksamen Hilfsaktion, die bis in alle Ecken und Enden des Landes hinreicht. Und ihr, unsere jüdischen Brüder, die ihr in den Städten des Exil es wohnt, achtet auf die Lage, wie sie ist, auf das Los von Brüdern, die sich reinen Herzens nach der Thora sehnen, das in eurer Hand ist. Haltet Versammlungen ab. laßt eure Stimme ertönen, vereinigt euch, seid der Geist, der die Räder belebt und bewegt, nehmet Anteil in vorderster Reihe und kommt zur Hilfe mittels eines Komitees oder Vereines, deren Ziel fein soll, die Thora in jeder Stadt in ihrer Reinheit zu erhalten, wie sie von Gott geschrieben und uns überliefert ist. Jeder jüdische Mann, der teil hat am Erbe der jüdischen Nation, jeder Jude, in dessen Herze« ein Strahl Gottes wohnt, wird seine Hand bieten der Thora und dem Volke Gottes, wird die alte Fahne ergreifen, deren leuchtende Buchstaben die Worte ergeben: „Gott seine Thora und sein Volk bilden eine Einheft," eine Fahne, die sich über Mntftrömen aufpstanzte, Blut unserer Väter, Brüder und Schwestern zu alle« Zeiten. Unsere Thora ist unsere Seele und alles, was sein eigen ist, gibt der Jude her für die Zwecke der göttlichen Thora. Alle Söhne Israels, alle wie ein Mann, leget Hand an, dex Thora zu helfen, keiner gus unserem Volke ist befreit von seinem Beitrag, sei es materieller oder geistiger Art, im Namen Gottes, des oerehrnngswürdigen und ehrfurchtgebietenden. Schicket treue Delegierte, die Verhandlungen ««gehen mit der gegenwärtigen Regierung, die Sache gesetzlich zu ordnen. 'Das Glück dem Nation wird sich an euren Namen knüpfen und ihr werdet in den Annalen der jüdischen Geschichte euch ewiges Ruhmgedächtnis verschaffe» und auch Er, der Schenker des Gesetzes, wird euch feine Schatzkammer öffnen und alle Wünsch» des Herzens jedem einzelnen erfüllen nach de« Gelüsten feiner Seele, in materieller wie Mistiger Hinsicht, nach dem Satze: „Langes Leben zu ihrer Rechten und ihr zur Linken Reichtum unst Ehre!" Mit Gefühlen der Ehrerbietung und Segens. * Unterschrift.