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Der Israelit · 1922-06-01 · Heft 22 (1.6.1922) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 22 (1.6.1922)
Date
1922-06-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Blätter herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Aentrale und der Jugend-Organisation der Agudas )isroel für Deutschland. ----- Ammner Ä. 1. Juni 1932. ----- TOI. Jahrgang ----- 5. Siwan 5682. Inhaltsübersicht Zum Schewuoihfest. — Zehn Jahre AgudaS Jisroel. — Aguoa und Misrachi. — Ein Hilferuf aus Sorvjeirutzland. — Hilfsaktion für russische Notleidende — Line Agudadelegatian bei Herbert Samuel. — Aguda ixt Amerika. — Aus der Bewegung. — Warschau — Emden — Warschau — Bratislava — Wien — Spendenlisten. Zum Scheivuothsest. Ein Bruchstück aus dem ,\twrr! Der „Bereitstellung des jüdischen Volkes", enliwmrnen dem Hilchot Taltnud-Thora des Rambmn. Kap. I. § 8. .Jeder Manu in Israel ist zum Studium der Thora verpflichtet, der Ärme, der Reiche, der körperlich Gesunde und der mit Schmerzen Behaftete, der Jüngling und der hochbetagte, altersschwache Greis. Auch derjenige Arme, der auf die Mildtätigkeit angewiesen utld gezwungen ist, an den Türen zu betteln, ist, selbst rveun er Frau und Kinder hat, verpflichtet, sich eine Zeit bei Dag lutb bei Nacht für das Studium der Thora festzu setzendenn es ist gesagt.' Du mußt darin sinnen bei Dag und bei Nacht. 8 9. Unter den großen Weisen Israels Oab es Holzhauer, Wässerschöpfer und Blinde »nd dennoch beschäftigten sie sich nrit dem Vtudium der Thora bei Tag und bei Nacht; Ae gehörten zu der: Trägern der Ueberlieferung, me sich von Mund zu Mund sortpflanzt und bis auf unseren Lehrer Vloscheh zurückreicht. 8 10. Wie lange ist man zunr Studium der Thora verpflichtet? Bis.zur Todesstunde; Herrn es ist gesagt: die Worte der Thora sollen nicht aus deinem Herzen weichen, alle Tage deines Lebens. So lange inan nicht lernt, vergüt man. § 11. 'Tie dem Studium gewidmete Zeit ist in drei Teile zu teilen. Eilt Drittel ist für die geschriebene, ein Drittel für die mündliche «nd ein Drittel für die Gemara zu verwenden. Darunter sind die Schlüsse, Folgerungen und tc rgleiche verstanden, sowie die Kenntnis und nwendung der Regeln, nach welchen die Thora belehrt und auf Gruud der Überlieferung das, was erlaubt und verboten ist, festgestellt wird. Kap. III. Z 3. Es gibt keine unter allen Pflichten, welche der Pflicht des Thorastudiums »n Wichtigkeit gleich wäre. Dias Thorastudium Werragt alle anderen Pflichten, denn es drängt gut Tat, deshalb maß es ihr überall voran-- Wehen. § 5. Menu einst die Stunde der Verantwortung für jeden. Menschen kommt, so hat er!ch über die Erfüllung dieser Pflicht desThoraudiums zuerst zu verantworten und dann erst ber seine arideren Handlungen. Deshalb haben die Weisen gesagt, daß man sich immerhin mit der Thora beschäftigen solle, selbst wenn es nicht in lauterer Absicht geschehe. Die nicht lautere Absicht hat die lautere zur Folge. 8 6. Wem es drängt, diese Pflicht der Thorax Kenntnis zu erfüllen und sich die Krone der Thora zu erringen, der darf seine 'Aufmerksamieit nicht anderen Dingen zwvenden und sich nicht mit der Thora auch Reichtum imd Ehre Orrrngeo wollen. Also ist der Weg, der zur Thora führt: Iß Brot mit Salz, trinke Blasser nach Maß, schlafe aus der bloßen Erde, führe eine eingeschränkte Lebensweise und sei emsig für die Hora bemüht; es liegt Dir nicht ob, altes zu erreichen, aber es steht dir nicht frei, dich ihrer ganz zu entschlagen, je nach der Menge der Thora, die du gelernt, ist die Größe des Lohns und dieser Lohn bemißt sich nach der cmgewairdten Mühe. 8 12. Tie Worte der Thora bleiben nicht dauernd bei demjenigen, der sie sich in lässiger Weise aneiguet, auch rächt bei denjenigen, die sie inmitten ihrer Zerstreuung oder beim Essen und Trinken lernen, sondern nur bei dem, der für sie selbst in den Tod geht und dem Körper fortwährend Entbehrungen aufertegt, seinen Augen keinen Schlaf, feinen Wimpern feilten Schlummer gönnt. An das Wort: „Das ist die Thora, wenn jemand stirbt im Zelte" habet! die Weisen die Anmerkung geknüpft, daß die Thora nur demjenigen verbleibt, der in denr Zelte der Weisen selbst in den Tod für sie geht. - —• - Es ist, roie die Weisen sagen, durch ein Gvltesbünduis zu.gesichert, daß die Thora, die jemand au der Stätte des gemeinsamen^ Gebets sich anzueignen bemüht, nicht so bald vergessen wird, wer sich im Geheimen für sein Studium abmüht, wird weise; wer beim Lernen laut die Stimme erhebt, denr bleibt das Gelernte, wer dagegen leise lernt, vergißt sein Lernen rasch. 8 13. Obwohl es Pflicht ist, bei Tag und bei Nacht zu lernen, so eignet sich doch jedermann den größten Teil seines Wissens bei Nacht all. Wer daher die Krone der Thora erringen möchte, achte auf seine Nächte und verliere auch nicht eine von ihnen durch Essen, Schlaf, Trinken, Unterhaltung mtb dergs., sondern verwende sie zunr Studium der Thora und der Wissenschaft. Die Weisen haben die Nacht für das eigentliche Studium der Thora bezeichnet, sie sagen: Wer sich mit der Thora beschäftigen könnte und es nicht mt, oder es hätte jemand die geschriebene und mündliche Thora gelernt, sich aber bann von ihr lossagt, um sich den Mchtigkeiten der Welt hinzugeben, oder vernachlässigt fein Studium, der hat das Wort Gottes verachtet. Die Weisen lehren ferner: „Wer die Thora wegen seines Reichtums vemachlässigt, wird sie auch in Armut vernachlässigen, und wer sie selbst in Armut aufrecht erhält, wird sie auch im Reichtum aufrecht erhalten." Zehn Zahre Agudas Wroel. Zum 12. Stwan 5682. Ein ernster Mensch wird seinen Geburtstag ernst begehen, wird prüfen, Rückschau halten, das Erlebte und Erreichte an seinen Hoffnungen und seiue Hoffnungen an dem Erreichterl messen. In der Geschichte eftier Bewegung bedeuten 10 Jahre daun besonders viel, wenn es die erstell zehn Jahre silld. Was im Jahre 5672 erhofft wurde in den Tagen des Siwan, ist zum Teil noch nicht erreicht, zum Teil bei lveitem übertroffen. Die furchtbaren Ereignisse, die mit denr Jahre 1914 einsetzten, räumten viel Schwierigkeiten aus dem Weg, brachen die Menschen einander näher und lehrten in Stunden schwerer Not einander schätzen und lieben, helfen und raten. 'Die Sorge also, wie könnte eilte Brücke zwischen Ost und West geschlagen lverdeu, ist behoben. Es gilt aber nun in der Aguda die Aufgabe, diese Erkenntnis zu vertiefen und sich stets zu vervollkommnen tu dein Bestrebell, einander gerecht zll werden. Das ist lind bleibt ein wichtiges Problem gelltäß der Grnndsordenlngen der Aguda, alles, auch das scheinbar Materielle, in die Höhe idealen Wollens emporzutragen. Im Materiellen lvird Agudas Jiswel immer im Hintertreffen bleiben gegen andere Belvegungen. Da rväre ferner feftgiiftcll'eu, daß das Fundament der Aguda, um dessen adäquaten Ausdruck anfangs so heiß gestritten wurde, das Prinzip der Autorität, sich überall durch gesetzt hat, von der kleiusten Ortsgruppe alkgefangen bis zu den Entschlüssen und Beschlüssen des Zentralrates. Diesem Prinzip freie Bahn eröffnet zu habell, ist eine Tat, eine große Tat in der Zeit der sogenannten Umwertung aller Werte, in der alles blind gegen die Autorität: atueunt und schrankenlose Willkür sich in den Mantel des demokratischen Gedallkens hüllt. Darum besteht begründete Hoffnung, daß Aguda in dieser Richtung geradezu providentiellerr Charakters sein dürste. Mir so ist es .erklärlich, daß einige ragende Mälmer noch abseits stehen, werk sie einerseits fürchten, daß der Organisationsgedanke zu sehr nivellierend lvirkell möchte ulld paragraphenmäßige Führung all Stelle der Geistigen sehen kömlte und lveil sie andererseits nicht erkennen, daß gerade Agudas Jisroel ihrer gallzeil ilinerell Konstruktioll nach diese Befürcl)- tungen allsschließt. Agudas Jisroel es ist, welche alle auf Autorität aufgebauten Gebilde innerhalb des Judentums gestützt, geschlitzt und erhalten hat. Wir könnten dies mit Tatsachen beweisen und erklären, wir lehrten es aber ob, die Geduld des Lesers mit Aufzählung solcher Ereignisse zll erschöpfen, die jedenr bekannt sind, der sie wissen rvill, denn Aguda ist innerhalb dieser zehil Jahre Erscheinungsform geworden, in die sich das alte Judentum, welches sich vor einelll Jahrhundert der Reform zu erwehren hatte und wußte, heute mit altert Bestrebungen auseinandersetzt, die gegell die dominierende Stellung der Religion tu welcher Form auch immer sich bewegen, ob in der völligen Enttrollung der Religion, in der Degradierung derselben zur Privatsache oder in der Richtung einer Romantik ohne Pflichtgefühl. Aber alles wiederholt sich, auch die Methode ullserer Geglrer, die stets dieselbe geblieben ist, und zwar diejenige, welche Rabbi Akiba als die Kampfesart des Am Haaretz bezeichnet, und diese zehn Jahre Aguda gaben reichlich Gelegenheit, von denen zu sein, die den Schmähern gegenüber ruhig bleiben. Ties zu erreichen lvar nicht leicht. Wir knüpferl daran die Hoffnung, daß ernste Juden, wie es bisher auch bei vielen in den Reihen Andersdenkenden der Fall lvar, die Aguda als geschichtliche Notwendigkeit begreifen. Denn um das Begreifen handelt es sich: Daß viele, die wir stören, uns Übel empfinden, ist so schwer eben nicht zu verstehen, denn was das zweite Prinzip der Aguda fordert, das ist - so seltsam es klingt — Nüchternheit, Nüchternheit des schrankenlosen Verantwiortlichkeitsgeft'chls, das, wenn cs wirklich vorhanden ist, die Zukunft soweit erschaut, als es ohne unmittelbare prophetische Berufung möglich ist. Die Religion

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