Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1922-06-01 · Heft 22 (1.6.1922) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 22 (1.6.1922)
Date
1922-06-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450189-2450210--69803-2527016
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

»er gptttm. »eite 10 Nr. 28 i. Juni 1S8S. größere Erfchmerungen auferlegt sein als einer Gemeinde, die ihr Gotteshaus nach freiem Ermessen von Vornherein gen Jerusalem orientieren kann. Die archäologischen Schwierigkeiten genügen bei der Unsicherheit der Feststellungen keineswegs, um die klare Halacha wegzuwischen. Ueber die sonstigen interessanten Einzelheiten des Artikels zu sprechen, würde hier zu weit führen. Der greise Szegediner Rabbiner Immanuel Lörv har die Zeit seiner von der ungarischen Reaktion wegen eines erfundenen Verbrechens ihm auferlegten langen „Untersuchungshaft" zu Wissenschaftlicher Arbeit benutzt und veröffentlicht als Frucht eine Studie über den „Kuß" in Bibel, Talmud und jüdischem Schrifttum. Die schauerliche Schlöglsch Talmudübersetzung wird von Aptowitzer gebührend abgetan, während Neubauers großes Buch über das btblisch-talmudische Eherecht von Dr. Eschelbacher kritisch gewürdigt wird. Leider wird in dieser kritischen Würdigung der Talmud teilweise in einem so lächerlich anmutenden Tone des Besser- Wissens behandelt, daß man sich fragt woher dem Verfasser der Mut dazu kommt. Man darf doch wohl annehmen, daß der „Unbekannte", dem er „unsinnix Konsequenz" rc. vorwirft, das ist nämlich jnt» orio bi Halacha ebensogut gekannt hat wie Herr Dr. Escheldacher. Mehrere lexicalische Studien von Rosenau, Ep st ein, Mieses und eine Reihe kleinerer Besprechungen und Notizen vervollständigen den Inhalt der abwechslungsreichen Hefte. Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz 5682 - 1921/$2. 6. Jahrgang, 208 Seiten, illustriert, Preis 3.60 Jrs. Verlag des Jüdischen Jahrbuches, Basel. Wer die fünf früheren Jahrgänge des Schweizerischen Jahrbuches kennt, wird in diesem jüngsten Band einen würdigen Bruder der elfteren begrüßen. Aus älteren Vorräten sind in diesem 209 Textfeilen umfassenden SBu$e Kabtnelstückchen von Hugo Zuckermann, Max Brod, Beer-Hofmann, Zeitlin u. a. enthalten. Ueber die Grundzüge des Chassidismus referiert Rabbiner Dr. A. Cohn, Basel, über „die Mesfiasprophezeiungen" Rabbiner Dr. T. Le menst ein, Zürich. Artikel von und Oberrabbiner Kuk in Jerusalem gewähren einen Einblick in das Wesen des bekannten Rabbi. Dr. M. Ascher schreibt über „jüdische Erziehungsfragen", Ludwig Krauß über religianSphilosophische Themata, Josef Messt tt g e r über die „Lewandowsklschen Synagogengesänge" und M. Bogelmann über „moderne jüdische Geschichtsschreibung". Berichte, Illustrationen und poetische Einlagen wechseln in bunter Folge. Alles in allem, ein prächtiges Buch, das nicht allein in der Schweiz seine Freunde finden wird. Vier Jahrtausende jüdische« Palästinas. Bon P'vf.Sam. Krauß-Wten. Frankfurt a.M 1923. I. Kauffmann Verlag. Preis M. 33.' Der Verfasser will mit dem vorliegenden Werke breiteren Schichten des jüdischen Volkes die Geschichte seines ^einstigen und hoffentlich noch künftigen Vaterlandes^' erzählen, um dadurch die Intensität und Innerlichkeit der praktische« Jfchnw-Arbeit zu steigern. Leider ist sein Buch trotz der Menge des verarbeiteten Materials und der Flüssigkeit der Darstellung für alle religiös gesinnten Kreise unbrauchbar, da es völlig auf dem Boden der radikalsten btbelkrittscden Leugnung aufgebaut ist. Im Geiste Wellhausens an dem „Wiederaufbau" Erez Israels zu arbeiten, ist ein innerer Widerspruch, wobei wir von dem Anachronismus, der sogar vom allgemein wissenschaftlichen Standpunkte ' in dieser Dogmatifierung der längst widerlegten Wellhausen'schen Hypothesen liegt, ganz absehen wollen. Eine Geschichte Erez JisroeiS für Juden muß erst noch geschrieben werden. Dr. I. E. M. Lilie«. Eine künstlerische Entwicklung um die Jahrhundertwende von Lothar B rleger. Mit 226 Abbildungen nach Radierungen und Zeichnungen des Künstlers. Berit n-Wten 1923. Verlag Benjamin Harz. Preis M. 2lv. DaS vorliegende Werk, daS auf 260 Seiten Großquart in mustergültiger Schönheit der Ausführung und immer fesselnder Darstellungskunft uns die künstlerische Entwicklung deS bekannten Zeichners und Radierers E. M. Lilien in Bild und Wort vorführt, verdient wärmste Anerkennung, ganz einerlei, wie man sich zu der Persönlichkeit stellen mag, der es gewidmet ist. Brieger hat es verstanden, die persönliche Biographie seines Helden mit interessanten kulturgeschichtlichen und kunsthiftorischen Ausblicken zu verknüpfe» und so selber ein kleines literarisches Kunstwerk zu schaffen, das feinen Eigenwert hat. Dabet sind nicht nur die naturgemäß gut wiederzugeb?nden spezifisch Lilienschen Schwarz-Weiß Zeichnungen mit ihren stark pointierten Konturen, sondern auch seine Radierungen aus dem letzten Jahrzehnt vortrefflich reproduziert. Auch der Einband, was man heutzutage feststellen mutz, präsentiert sich gediegen und würdig. Ltliens Lebenslauf ist einigermaßen typisch für das Schicksal des aus dem galtzischen Ghetto nach Westen verschlagenen kunstbegabren jüdischen Jünglings, nur daß in seinem Falle offenbar von vornherein wenig jüdtsch-religiöle Tiefe weszuschwemmen war. Das Jüdische scheint von Hause aus immer nur Oberfläche gewesen zu sein, sodaß nicht nur Plakate und Exlibris, Buchschmuck und Buchillustratton, selbst dort, wo sie jüdische Stoffe zum Inhalte haben, der lebendigen jüdischen Wärme entbehren, sondern auch die in dieser Hinsicht doch als Gipfelpunkt zu bezeichnende Ltlienfche Bibel- Illustration das jüdische Gemüt nur selten recht eigentlich packt. Eine Ausnahme machen nach unserem Empfinden die radierten palästinensischen Landschaften. Hier ist die sonst oft störende Steifheit völlig verschwunden und eS schwebt wahrhaft andachtsvolle Stimmung über manchem dieser herrlichen Blätter. Auch in der Porträt-Radierung hat Lilien im letzten Jahrzehnt bemerkenswerte Fortschritte gemacht, sodaß mancher seiner orientalisch-jüdischen Köpfe vorn künstlerischen Standpunkte den Vergleich mit Strucks beseelterer Kunst aushalte» dürfte. Im großen Ganzen lst es die Entwicklung eines dem jüdischen Stamme zugehörigen, an jüdischen Dingen stark interessierten deutschen Graphikers und Radierers, die hier vor dem Auge des Beschauers ersteht,' allein das Werk ist darum nicht minder wertvoll gerade für deutsch-jüdische Kreise, und es wird sicherlich als Geschenkbuch seinen Weg machen. S. M. Die Juden von Borin. Roman von Ludwig Bär- Berlins, lö,Oesterheld u.Co. Pr.4»M Eine kleine Stadt in Ungarn im Jahrhundert der Reformation. Ein Häuflein Juden fristet kraft tiefen Glaubens und emsigen Fleißes inmitten erdrückender Ueberzahl Andersgläubiger sein Leben. Aber Neid und Gier, abergläubische Dummheit und religiöser Fanatismus verfolgen mit wachsendem Grimm dies Blühen und Gedeihen. Da findet man ein Kind auf seltsame Weise ermordet. Im Nu flammt verborgener Haß zu mächtigem Brand auf. Die Juden werden vor Gericht geschleppt und erleiden unschuldig den Tod. Eine Rtiualmordgeschtchte, eine von so unendlich vielen. möchte man glauben! Aber nein! Denn Bazin unb Ungarn find nur Symbol! Dahinter steht Europa, der Kontinent, die ganze bewohnte Erde! Und Mittelalter? Ein Ewigkeitsbild steht vor uns! mit blutig roter Farbe auf düsteren Grund gemalt, ein furchtbar wahres Bild von menschlicher Dertierthett. Das Buch sei hiermit aufs angelegentlichste empfohlen. Eingegangene Bücher. Lehrbuch der jüdischen Geschichte. Von Dr. H. Fuchs. Frankfurt a. M. I. Kaufsmann Verlag. Buch der jüdischen Weisheit. 2 Bände (Parabeln, Legenden und Gedanken aus Talmud und Midrasch). Gesammelt von Giuseppe Levi. Men und Leipzig. R. Löwit Verlag. Aus zum Kampf für die freie konfessionelle Schule. Eine Flugschrift für alle Krerse unseres Volke». Von 'Heinrich von Hähling, Weihbrschos von Paderborn. Paderborn 1922. Bonisazius-Druckerei G. nr. b. H. R. Simon ben Lakisch als Lehrer der Halacha und Aguda. Bon Dr. Jsak Unna. Rabbiner tu Mannheim. (Sonderabdruck aus dem Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft). Heimaterde. Jugendlieder von Marek Scher l a n g 1922. R. Löwit Verlag. Wien und Sechzig. Kierkegaard als Philosoph. Von Harald Höfsding (mit Bildnis) 1922. Fr. F r o m m a n n s Verlag (H. Kurtz) Stuttgart. Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft. 1921. Frankfurt a. M. I. Kaussmann Verlag. Friedrich Wilhelm Förster als Ethiker, Politiker und Pädagoge. Von Dr. Ludwig Pilger. 1922. München. Arche-Verlag. Seeeüio Judaiea. Von Hans Blüh er. 1922. Berlin. Der Weiße Ritter-Verlag. Loschaun Limudim. Lehr- und Selbstunterricht der hebräischen Sprache. Von Dr. Daniel Fink. 1921. Berlin-Wilmersdorf, Güntzelstr. 44. Zionismus und Jndenheit. (Krisis und Lösung). Von Dr. Alfred Nossig. 1922. Jntetterritorialer Verlag „Renaissance". Berkn-Men- Newhork. Integrales Judentum. (Vom Integralen Programm der jüdischen Bewegung. Der Mederaufbau Palästinas. Sozialismus und Mosaismus). Von Dr. Alfred Nossig. 1922. Interterritorialer Verlag „Renaissance". Wien-Berlin- Newhork. Reise durch bas jüdische Palästina. Bon Arthur Höllischer. 1922. S. Fischer. Verlag Berlin. Die Wett des Mittelalters und Wir. Ein geschichtsphilosophischer Versuch über den Sinn eines Zeitalters. Von Paul Ludwig Landsberg. 1922. Verlag von Friedrich Cohen- Bonn. Das jüdische Bolk in Ziffern. (Jiddisch). Von Jacob Leschinski. 1922. Klall-Verlag Berlin. nv ivpv p)b niwa jwä *>"i w» 1)7 mmm *f;rn npno^. Haifa 5681. oss Zwanziger in den Tefillinbeurel, damit er, sein und der Seinen Leben zu fristen vermöchte. Seither wuchs der Wohlstand des Mannes von Mal zu Mal. Je mehr er besaß, um so mehr gab er an Suhja, und je mehr er ihm gab, umsomehr besaß er. Einmal besann er sich aber-daß Sutzja etn Jünger des großen Maggtds war, und es geriet ihm in den Sinn: wenn schon die Gabe an den Schüler so vielfällig gelohnt wurde, welch ein Reichtum würde über ihn kommen, wenn er den Meister selbst beschenkte. So fuhr er nach Mesritsch und erwirkte von Rabbi Bär mit vielen Bitten, daß er eine ansehnliche Gabe von tbm annahm. Don diesem Augenblicks an schwand sein Wohlstand mehr und mehr, bis aller Gewinn der gesegneten Zeit dahin war. Da kam er in seiner BetrübniS zu Rabbi Sutzja, erzählte ihm alles und befragte ihn, was dies sei: habe doch er selbst ihm gesagt, daß der Meister unmeßbar größer sei als er. Sußja antwortete ihm: „Sieh, solange du gabst und nicht htnsahst, wem du gibst, sondern Suhja war dir recht oder ein anderer, so lange gab auch Gott dir und sah nicht hin. Als du aber begannst, dir edle und < auserlesene Empfänger zu suchen, tat Gott desgleichen». Die umgestürzte Schüssel. Es wird erzählt: Einmal faß Rabbi Elimelech mit den Schülern beim Sabbalmohl. Der Diener stellte die Suppenschüssel vor ihn. Rabbi Elimelech hob sie und stürzte sie um, daß die Suppe den Tisch übergoß. In diesem Augenblick schrie der junge Mendel, der nachmalige Rymanower: „Rabbi, was tut Ihr? Sie werden uns ja gefangennehmen!' Die Schüler lächelten über die unsinnige Redefie würden laut aufgelacht haben, wenn nicht die Gegenwart des Lehrers sie bezühmt hätte. Er aber lächelte nichter nickte dem jungen Mendel zu und sprach: „Fürchte dich nicht, mein Sohn!' Einige Zeit danach wurde bekannt, an jenem Tag sei dem Kaiser ein gegen die Juden des ganzen Landes aerichleter Erlaß zur Unlerschrtft vorgelegt worden. Mal um Mal setzte der Kaiser die Feder an r aber immer wieder kam irgend eine Stiftung dazwischen. Endlich unterschrieb er. Dann griff er nach dem Sandfaß - aber statt seiner hob er das Tintenfaß und stürzte es über das Schriftstück. Hierauf zerriß er das Blatt und verbot, ihm den Erlaß noch einmal vor die Augen zu bringen. Dein Zuname. Der Zuname Rabbi Levi JizchakS war „Barmherzig", und mit diesem Namen, der aber nicht der seines Valens gewesen war, bezeichneten ihn die.Bücher der Behörden. DaS war so gekommen. Ein königlicher Erlaß Hatte befohlen, daß jedermann seinem Namen einen Zunamen beifüge, und da die Inden zögerten, ging der Büttel in Berdilschem von HauS zu Haus, um die Eintragung zn erzwingen. Als er Rabbi Levi Jizchaks Schwelle betrat und seine Frage hersagte, sah ihm der Zaddtk als einem Menschen ins Angesicht und sprach ihn über die Frage hinweg also an: „Hefte dich an Gottes Eigenschaft. Wie er barmherzig ist, so sei du barmherzig". Aber der Büttel zog das Verzeichnis hervor und trug ein: Vorname Levi Jizchak, Zuname Barmherzig. Am OffenbarungSfeft. Einst ging am ersten Tag des SchewuotfesteS, am Morgen, ehe man den Abschnitt der Schrift zu verlesen begann, Rabbi Mendel aus dem Betsaal in seine Kammer. Nach einer Weile kehrte er in den Betsaal zurück und sprach: „Dem Zwang zur Annahme der Thora, der euch meisterte, als der Berg umgestürzt ward und über euch hing wie eine Mulde, dem Zwang und der Verantwortung enthebe ich euch heute. Von neuem habt ihr die Wahl". Da riefen alle: „Auch jetzt nehmen wir die Thora an." _ Ein Schüler deS Lubliners, Rabbi^ossel, der zugegen war, weil er in jenem Jahr nicht wie sonst über die Festtage zu seinem Lehrer fahren konnte, pflegte, wenn er dies erzählte, htnzuzufügen: „Und all ihre Unreinheit war weggeschmolzen wie damals am Sinai/ Die gute Gottesleugnung. Rabbi Mosche Leib sprach: Es gibt keine Eigenschaft und keine Kraft am Menschen, die umsonst geschaffen wäre. Und auch alle niederen und verworfenen Eigenschaften haben eine Erhebung zum Dienste Gottes. So etwa der Hochmut: wenn er erhoben wird, wandelt er sich zu einem hohen Mut in den Wegen Gottes. Aber wozu mag wohl die Gottesleugnung geschaffen sein? Auch sie har ihre Erhebung in der hilfreichen Tat. Denn wenn einer zu dir kommt und von dir Hilfe fordert, dann ist eS nicht an dir, ihm mit frommem Munde zu empfehlen : „Habe Vertrauen und wirf deine Not auf Gott", sondern danr sollst du handeln, als wäre da kein Gott, sondern auf der ganzen Welt nur einer, der diesem Menschen helfen kann, du allein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.