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Der Israelit · 1922-06-01 · Heft 22 (1.6.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 22 (1.6.1922)
Date
1922-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite« Hx. 2g _ _ KatzenberFer, Alfred Klugmann, Meier Stern Moritz Ullmann und Hirsch Wißm a n n. Den dritten Punkt der Tagesordnung bildete die Statutenänderung!. 'Sie alten Statuten entsprachen nicht mehr der Größe der Gemeinde, so hatten sie z. B.: über das Rabbinat der Mas-Iißroel, das ja bei der Gründung des seinerzeitigen kleinen Betvereins nicht in Betracht kommen konnte, keinerlei Bestimmungen. Mit den neuen Statuten hat sich die Adas- Jißroel eine Verfassung gegeben, die nach menschlicher Voraussicht die Tendenz als orthodoxe Gemeinde sichert und auch inbezug auf Verwaltung und praktische Handhabung wesentliche Verbesserung bedeutet. Die nach fast lOstündiger Beratung angenommene neue Verfassung gibt Veranlassung, einen Blick ans den jetzigen Stand der Adas-Jißroek zu werfen. Mit Befriedigung kann festgestellt werden, daß die Mas- Iißroel mit Gottes Hilfe sich in aufsteigender Linie entwickelt. Sie hat neugegründete Institutionen, wie zum Beispiel: die Jüdische Volksschule mit gegenwärtig vier Klassen, die aber in den kommenden Jahren weiter ausgebaut wird, ferner die Jeschiwoh, an der bereits eine ganze Anzahl von Nürnberg-Fürther und auswärtige junge Leute ein halbes, oder ein ganzes Jahr, oder noch länger gelernt haben und lernen. Man darf mit begründeter Hosfnung in die Zukunft Miefen, daß unter der bewährten Führung unseres verehrten Rabbiners, Herrn Tr. Klein bei der Opferfreudigkeit der Mitglieder und der hingebenden Arbeit der Vorstandschaft, die Adas-Jißroel mit Gottes .Hilfe weiter ihren Weg erfolgreich gehen wird. fMemifismus in der Schule. Körrigsöerg i. Pr., 24, Mai. Es wird über unerfreuliche Vorgänge an der Staatlichen Friedrich-Schule in Gumbinnen berichtet. Neuerdings macht sich unter den Schülern, wie vielfach auch anderwärts, ein recht übler antisemitischer Geist bemerkbar. Die paar jüdischen Schüler werden nicht selten von nichtjüdischen Mitschülern belästigt. Bereits haben sich jüdische Väter veranlaßt gesehen, ihre Kinder aus der Anstalt wegzunehmen, um sie vor Kränkungen zu schützen. Einer dieser Väter beschwerte sich vor einiger Zeit bei dem Anstaltsleiter. Als Antwort soll er ungefähr folgende Belehrung erhalten haben: „Unter den Schülern sei eben derzeit eine den Juden ungünstige Simmung vorhanden und diese habe noch zugenommen, nachdem Inden an die Spitze der Regierung getreten seien." Dazu bemerkt die „Hart..Zeit.": „Man liest soviel vom Schutz der völkischen Minderheiten, den wir — mit gutem Grunde — für unsere Volksgenoffen gegenüber den Schikanen und offenen und heimlichen Bedrückungen seitens der Polen, Tschechen und all der anderen verlangen. Wie wäre es aber, wenn der deutschnationale Jugendbund darüber nicht den Schutz der Minderheiten innerhalb der deutschen Reichsgrenze vergäße?-" Aus 9er Pro*in? Posen. Posen, 23. Mai. Die Losreißung! der Provinz Posen durch Polen hat namentlich den jüdischen Gemeinden stark geschadet. Durch die rapide Abwanderung nach anderen Gebenden haben die Gemeinden ihre .Selbständigkeit verloren. Synagogen sind fast geleert, Schulen aufgelöst, Wohlfahrtsanstalten geschlossen, Friedhöfe wüst und öde. Mit dem Propheten Jeremias auf den Trümmern Jerusalems können die noch zurückgebliebenen Juden der Provinz Posen klagen: „Wehe uns Verlassenen!" — 23 Rabbiner zählten die Gemeinden in der Provinz, jetzt , mögen nur noch .4 vorhanden sein und auch diese sehnen sich nach einem Zufluchtsorte, wo sie ihre Existenz finden können. Die Unsicherheit nimmt von Tag zu Tag immer mehr zu. So wurde in der Pro- Der JSraeltt. vinzialhauptsiadt Posen der Kaufmann 'Salomon Panke am HMchten Tage in seinem Geschäfte auf einer verkehrsreichen Straße überfallen und beraubt und so schrecklich mißhandelt, daß er infolge der Verwundung bald daraus starb. Das Knaben- und Mädchen-Waisenhaus haben sich vereinigt, in dem feergewordenen Mädchenwaisenhaus befindet sich nun das jüdische Krankenhaus, Roß'sche Stiftung, welches zu anderen Zwecken seitens der Stadt benutzt lvird. Die Gemeinde in 3c. ließ ihre Synagoge niederreißen, damit nach dem Wegzüge der Mitglieder das Bethaus nicht zu profanen Zwecken gebraucht werde. Legate Stiftungen usw. haben nach jahrelangem Bestehen eingestellt werden müssen Die abwandernden Juden müssen die Hälfte ihres Vermögens als Emigrantensteuer an die polnische Behörde entrichten. — In M. ließ dir Gemeinde eine Synagoge bauen. Der Gras lieferte Holz und Ziegel gratis hierzu, machte jedoch die Bedingung, die Synagoge müsse einen Turm haben und darin einen Leuchter. Vor Eintritt des Dchabbos sollte der Leuchter mit brennenden Lichtern in die Höhe 'gezogen werden. Sobald die Frauen es sehen, müssen sie die Schabboslichter anstecken. Mole«. Men, 26. Mai. Der polnische Außenministee Sklrmunt, der z. Zt. hier weilt, hat einem Vertreter der „Wiener Morgenzeitung", der ihn interviewte, erklärt, er trete selbstverständlich für die volle Gleichberechtigung der Juden in Polen und für die Befriedigung ihrer kulturellen Bedürfnisse ein. Dies könne jedoch nicht so weit gehen, daß die Juden einen Staat im Staate bildeten. Er sei kein Anhänger der nationalen Autonomie für die Juden und wünsche in Bezug auf sie die Schaffung von Zuständen in Polen, die denen in West-Europa gleich seien. Jedenfalls müßten die kulturellen Bedürfnisse im Rahmen der vollen Gleichberechtigung befriedigt werden. Knr4crnd. 3erlföruiig5wsrh an den religiösen Gemeinden. Liöan, 20. Mai. Das Bestreben der Zionisten, die religiösen Gemeinden um jeden Preis in religionsfremde „Volksgemeinden" umzuwandeln, hat ein neues Opfer zu verzeichnen.!T-ie jüdische Gemeinde in Li b au, eine der schönsten jüdischen Gemeinwesen Kurlands, ist gesprengt. In einer Gemeindesitzung, die am 8. Mai stattfand, wurde über das Budget der Gemeinde verhandelt. Bei dem Posten des Gehaltes an den Rabbiner Epstein stellten die Mitglieder des „Bund", der „Volkspartei", der „Zerre Zion" und ein Teil' der Fleischhauer die Forderung auf, diesen Pasten nicht in das allgemeine Budget, sondern unter „rituelle Angelegenheiten" einzustellen. Dem Antrag wurde Folge gegeben. 'Darauf haben die in der „Achdus"-Partei vereinigten religiösen GemeindeverLreter ihren Austritt aus der Gemeindeverwaltung angemeldet. Nachdem die Libauer Gemeinde durch die Annahme des erwähnten Antrages sich den Standpunkt der zionistischen „Volksgemeinde" zu eigen gemacht hat, schreiten nun die religiösen Kreise zur Wiedererrichtung einer eigenen religiösen K e h i l l >a in Libau. England, tierberf Samuel In England. Eine geheime Versammlung im Unterhaus. — Empfang einer Agudas Jisroel-Deputation. — Ehrenabend der Zionistischen Organisation für den Oberkommissar. — Norman Bentwich. London, 27. Mai Trotzdem es anfänglich hieß, daß Sir Herbert seines Gesundheitszustandes wegen, den Aufenthalt in England lediglich zu seiner Erholung brn;<‘§en werde, scheinen die Ereignisse doch stor- .r ^u sein, alsHle Absichten der Aerzie Unter dem Vorsitz von Lord Robert Ce eil 1. Auni Wß fand am letzten Dienstag im Unterhause eine Versammlung von 150 Parlamentmitgliehern statt, vor denen Sir Herbert Samuel über seine Politik und ihre Erfolge berichtete. Obgleich die Presse nicht zugelassen war, sind über den Inhalt des Referates und der sich daran anschließenden Aussprache doch einige Mitteilungen in die Oeffentlichkeit gelangt. Ueberraschungen haben sich dabei natürlich nicht ergeben. Der Oberkommissar rückte sehr energisch von dem „Vollblut"-Zionisten ab, während er andererseits den Standpunkt vertrat, daß die englische Regierung sich eine Unterbindung der jüdischen Einwanderung von den Arabern, in keinem Falle aufoktroyieren lassen dürfe. Der Geschichte müsse es überlaffen bleiben, ob und wann jemals eine jüdische Mehrheit in Palästina existieren werde. Am Abend des gleichen Tages speiste Sir Herbert Samuel bei Lord Swaythling. Am nächsten Dienstag empfängt Samuel eine Delegation der Agudas Jisroel, an der sowohl Vertreter des Londoner Exekutiv-Büros, als auch einige vom Conttnent herüvergekommene Mitglieder des Zentralrates tetlnehmen. Der Aguda-Empsang findet unmittelbar vor dem von der Zionistischen Organisation Sir Herbert Samuel, veranstalteten Ehren-Bankett statt. Norman Bentwich wird den von ihm innegehabten Posten des Justiz-Sekretärs, der abgeschafft werden soll, mit dem Amte des General-Staatsanwalts vertauschen. RnM anü> Heue Msssscres in 9er Uhraine? London, 26. Mat. Hierher gelangte Telegramme aus Lemberg melden, daß eine neue Welle von Pogromen über die Ukraine dahinraft. Unter anderm werdrn die Orte Winter und Um an genannt. An einer Anzahl von Plätzen seien ganze jüdische Familien samt den Kindern hingemordet worden, wobei sich Plünderungen nicht abgespielt haben sollen. Die Pogrome werden von einer geheimen Organisation geleitet, die nach Art der Schwarzen Hundert gebildet sei und die unter dem Schlachtruf kämpft: „Tötet die Juden, rettet Rußland". Die Organisation habe in den Gouvernements Tschernigow, Kiew und Podol.en festen Fuß gefaßt. Die jüdische Bevölkerung flüchtet in großen Massen. Vatästincr. Die Brüder Crou bei Rabbi Chalm Sonnenfeld. Jerusalem, 5. Mai Zwei Welten waren es, die sich einander gegenübertraten, als vor einigen Tagen die bekannten Pariser Romanschriftsteller, die Brüder Tro u auf ihren dringenden Wunsch von Rabbi Chaim Sonnenfeld empfangen wurden. Die Herren bereisen Palästina, um Material für ihre nächsten Romane zu sammeln, und sie waren klug genug, um sich zu sagen, daß derjenige kein auch nur im künstlerischen Sinne wahrhaftiges Bild vom Erez JiSroel der Gegenwart gewinnen könne, der von dem innersten We,en drs sogenannten alten Jtschuw keine Vorstellung gewonnen hat. Die Herren kamen dem greisen Führer der Jerusalemer Orthodoxie mit einer Fülle von Fragen. Interessant war es, daß dieser nun seine Ausführungen mit einem Hinweis auf den sogenannten neuen Jtschuw, auf die Kolonien, begann. Dort in den Kolonien sollten sich die Herren davon überzeugen, wie es die jüdische Arbeit verstanden habe, auch die Oede fruchtbar zu machen. Auf die Frage nach den Beziehungen der Orthodoxie zum Zionismus antwortete Rabbiner Sonnenfeld ausführlich. Die Orthodoxie empfinde es überaus schmerzlich, daß die zionistischen Führer die Ktndererzreyung in einem areligiösen oder antireligiösen Sinne gestalten. Trotzdem gebe die Orthodoxie die Hoffnung nicht auf, daß die Lust von Erez Jlsivt\ auch die Abgesallenen allmählich zurückführen

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