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Der Israelit · 1922-06-01 · Heft 22 (1.6.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 22 (1.6.1922)
Date
1922-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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i, HuM iM Nationalismus und der teuflichen Grausamkeit gebe es nur etn Mtttel: die Mobilisierung der öffentlichen Meinung. Die öffentliche Meinung müffe das Problem in seiner Liefe ersoffen und sich klar darüber werden, daß der einzige Schutz gegen den Kriegsgetst die Erziehung zum Völkerbundgedanken sei. Cectl schilderte dann eingehend den inneren Aufbau, die Maschinerie des Völkerbundes, die wohldurchdachl und durchaus geeignet sei, künftige Kriege sowohl unmittelbar als mittelbar auszuschließen. Auch wenn dem Völkerbund keine autoritativen Zwangsmittel zur Verfügung stehen, um die Entschließungsfreiheit einer Großmacht über Krieg und Frieden zu beschränken, kann doch durch ein Verfahren, das alle Mächte zwingt, vor einer Kriegserklärung — bet Gefahr der automatischen Boykottierung durch alle anderen — ihre Streitfragen mit dem Gegner zunächst dem Forum des Völkerbundes zur gründlichen Erörterung zu unterbreiten, ein moralischer Zwang von unnennbarer Bedeutung geschaffen werden. Mittelbar pflegt der Völkerbund dadurch, daß er die Nationen zu gemeinsamer Arbeit im Dienste humanitärer und sozialer Ziele gewöhnt, den Geist der Solidarität, der tief in der Seele der Menschen die Gefühle des gewollten Mißverstehens und Haffes entwurzeln soll. Ceeil sprach ausführlich über das Schicksal der Juden in der Ukraine, wobei der Völkerbund leider, da die Ukraine noch im Chaos liegt und dem Völkerbund nicht angehört, so wenig nutzen konnte. Cecil schloß: „Soll ich Sie nicht an Ihre Geschichte erinnern, an die Geschichte Ihrer großen Männer? Wie Ihr größter König in der Vergangenheit den Namen des „Friedensmannes" trug, wie Ihre große Stadt, der religiöse Mittelpunkt eines so großen Teiles der Welt, die „Stadt des Friedens" ist, wie Ihre Propheten und Psalmisten, Ihre Dichter und Seher voranschritten, wenn ich so sagen darf, von dem Gedanken des Sieges zu dem Gedanken des nationalen Friedens und von dem Gedanken des nationalen Friedens zu der Idee des Weltfriedens? Christen und Juden weichen in manchen Hinsichten stark voneinander ab, aber wir haben mancherlei Gemeinsames, und die großen Sätze des Propheten Jesaijas, sie sind das gemeinsame Erbe beider: Von Zion soll dein Gesetz ausgehen und das Wort Gottes von Jerusalem. Und er wird richten zwischen den Nationen und entscheiden für viele Völker und sie werden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Sperre zu Winzermeffern umschmieden. Kein Volk soll gegen das andere mehr das Schwert erheben und sie werden keine Kriegskunst mehr lernen." (Lauter tanganhaltender Beifall!) Nach Cecil sprachen u. a. Lionel de Rothschild, Claude Montefiore und Dr. Jochelman von der Ukrainischen Liga. Es gelangte eine Entschließung zur Annahme, worin die Versammlung sich zur Unterstützung der Völkerbund-Liga verpflichtete. Die jüdischen Redner brachten ihre besondere Dankbarkeit dafür zum Ausdruck, daß Cecil in hervorragender Weise an der Schaffung der zum Schutze der Minderheiten in den Friedensverträgen geschaffenen Klauseln mitgewirkt habe. §abbat-Msang und Umgang. rwoar mar- Ortr Anfang Datmn Ausgang UhrjMtn. 1922 5682 Uhr Min. Frankfurt a. M. 7 45 6. 7. s 25 Berlin .... 7 30 Juni Siwan 9 18 München . . . 7 89 8 57 CSln. 7 45 8 35 Stnttgart. . . 7 — S 14 Breslau . . . 7 55 8 55 Nürnberg. . - 7 15 S 07 Ha«bneg. . . % 42 S 42 Der Mraeltt. Korrespondenzen u. Nachrichten. Deutsches Reich. NguSss Jsroel und Ba[four-&rhlärung. Arankfurt a. W., 30. Mai. Wir sehen uns gezwungen, entschieden gegen einen Artikel der sonst trefflich geleiteten Wiener „Jüdischen Presse" Stellung zu nehmen, der eine in London stattfindende Besprechung der Aguda-'Fnhrer mit Sir Herbert Samuel (siehe Korrespondenz London) mit einem gänzlich unangebrachten journalistischen Aufputz versieht und Vorschußlorbeeren windet, die allen guten Traditionen bescheidener orthodoxer Klall-Tätigkeit widersprechen. Noch schlimmer ist, daß der Artikel Gedankengänge in die Politik der „Agudas Iisroel" hineinträgt, die ihr durchaus sernliegen. Die positive .Stellung der „Agudas Iisroel" zur Balsonr- Erklärung ist durch bindende Beschlüsse des Zentralrates und des rabbinischen Rates längst über allen Zweifel hinaus festgelegt und kann durch noch so geistvolle Aphorismen eines unautorisierten agndistischeu Schriftstellers nicht erschüttert werden. Bilfsnerein der öeuMen Juden. Merlin, 22. Mar. Unter Vorsitz von Dr. James Simon fand 'gestern die Iahres-Bersammlung des Htlfsverein der deutschen Juden statt. Wie bekannt, konzentriert sich die Tätigkeit des Hilfs- Vereins zur Zeit auf die Fürsorge für die Durchwanderer. Er unterhält zu diesem Zwecke eine Zentrale tn Berlin, Zweigstellen in Hamburg und Bremen, sowie Komitees an der Ost- und Westgrenze. Der Hilfsverein arbeitet dabei in enger Fühlung mit der „JCA" und der amerikanische „Hias." Die Ukraine-Sammlung des Hilfsvereins hat nahezu 3 Millionen erbracht. In aller Kürze sollen 50 ukrainische Waisenkinder vom Htlfsverein nach Deutschland gebracht werden. Dem Vorstande wurde Entlastung erteilt. Neugewählt in das Zentral-Komitee wurde Rabbiner Dr. Emil Cohn in Bsnn. sssbbinerkonkeren; über sngebücbe jüdilcbe 6ebeimvvrscbr!tten. Merlin, 26. Mai. DerZentralverein -eutscherStaatsbürger jüdischen Glaubens teilt mit: „Eine ständig wiederkehrende Behauptung der Antisemiten geht dahin, daß nicht zu kontrollierende jüdische Geheirnvorschriften beständen. Obgleich von jüdischer Sette schriftlich und mündlich, öffentlich und privatim vielfach das Anerbieten gemacht ist, alle unsere Schriften durch eine unparteiische, des Hebräischen mächtige Kommission prüfen und übersetzen zu laffen, haben wir trotzdem dahin gewirkt, daß eine Rabbinerversammlung zunächst in Berlin, später vielleicht im größeren Kreise, Zusammentritt, um die vorerwähnten Aufgaben zu lösen. Ist die begonnene Arbeit vollendet, dann müssen alle Vorwürfe über jüdische Geheimlehren oder -gesetze verstummen." Die Absicht ist gut, aber die Ausführung sollte der Zentralverein Kreisen übertragen, die mit derlei Dingen besser vertraut sind. Rührend st übrigens der Optimismus, mit dem der Z. V. hofft, daß danach alle Vorwürfe rc. verstummen werden. ftt. 38 Sette L r Fehlurteile. Merlin, 23 Mai. Bei der Weiterberatung! des Justizetats im Landtag führte Mg. Kuttner (Soz.) verschiedene Beweise für die Fehlurteile der letzteren Zeit an. Aus vielen Urteilen spricht glanz unverhüllt antisemitische G e s i n n u n g. So wurde ein jüdischer Kaufmann in Breslau, der einen Mann mit einem.Hakenkreuz ausforderte, dasselbe zu entfernen, aufs schwerste verurteilt. Die Breslauer Richter erklärten, daß es sich um eine gemeingefährliche Beschränkung der persönlichen Freiheit handle, der man nicht energisch genug entgegentreten könne. Diese Gesinnung zeige sich auch in vielen Maßnahmen von Staatsanwälten, besonders in Ostpreußen. Ein RegierungsVertreter geht aus einzelne Beschwerden des Abg. Kuttner ein. Wegen des Liedes „Judenblut muß fließen" hat der Staatsanwalt in Glatz allerdings die Erhebung der öffentlichen Klage abgelehnt, aber der Generalstaatsanwalt in Breslau hat diesen Bescheid aufgehoben. (Ruse links: „Was geschieht mit dem Glatzer Staatsanwalt?" — „Der wird befördert!") Die enlwickiung der Orthodoxie in Nürnberg. WürnVerg, 15. Mat. Am 7. und 14. Mai fand eine General- Versammlung der hiesigen Adas-Jißroel statt, in der besonders wichtige Gegenstände zur Beratung standen. Tie Tagesordnung umfaßte drei Punkte: 1. Berichterstattung, 2. Ersatzwahlen, 3. Statutenänderung. Der Vorsitzende, Herr Nathan Goldberger, berichtete über den mit der Knltusgemeinde abgeschlossenen Vertrag, der im Rahmen der Kultusgemeinde der: weitmöglichsten Grad von Unabhängigkeit der Adas-Jißroel sichert. Tie religionsgesetzlichc Besorgung der Nürnberger Schechitoh ist völlig in die Hände der Adas- Jißroel gelegt, irgendwelcher Einfluß auf die Angelegenheiten der Adas-Jißroel steht der Kultusgemeiude nicht zu. Bon der, von den Mitgliedern der Adas-Jißroel durch das Finanzamt erhobenen Kultusfteuer werden 90»/« der Adas-Jißroel zurückerstattet, während die restlichen 10o/o zur Deckung der gemeinschaftlichen Institutionen (Schechitoh und Friedhof) verwendet werden. Wer die früheren Verhältnisse und die ganze historische Ueberlieferung der bayerischen jüdischen Verhältnisse kennt, lvird diesen Grad der Unabhängigkeit als einen Sieg der Orthodoxie betrachten müssen. Der Vorsitzende teilte in diesem Zusammenhänge mit, daß unser Herr Rabbiner, der bekanntlich in den vergangenen Generalversammlungen, wie in der Oessentlichkeit den Standpunkt der orthodoxen Autonomie vertritt, erst nachdem auf die Bitte der Vorstandfchaft um gutachtliche Aeußeruug sich für sein Fortwirken in der Adas- Jißroel geäußert hatten, sich entschloß, das Amt weiterzuftthren unter der Bedingung, daß er nadj wie vor für die Idee der Autonomie fortarbeiten kann. Dementsprechend wurde auch in dem Begleitschreiben des Vertrages an die Kultusgemeinde diese Stellungnahme ausdrücklich präzisiert. Wenn nun auch dieser Standpunkt unseres Herrn Rabbiners unter den gegenwärtig gegebenen hiesigen Verhältnissen unerreichbar war, so bildete gerade diese hochgespannte Forderung! die Grundlage für das tatsächlich erreichte Maß von Unabhängigkeit. Vom Standpunkte vieler Mitglieder unserer Adas-Jißroel wäre es sehr wünschenswert, daß die. Forderung der Autonomie sich mit irgend einer Form verbinden ließe, die dem stark ausgeprägten bayerischen Einheitsbedürfnis Rechnung trägt. Der zweite Punkt der Tagesordnung war die Ersatzwahl. Die Vorstandschaft und Verwaltung setzt sich nach der Neuwahl folgend zusammen: Vorstandsmitglieder sind die Herren: Nathan Goldberger, Prof. Dr. I. Dachauer und Baruch Marx. Verwaltungs- Mitglieder die Herren: Mrman Adler, Letz

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