Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1922)
- Date
- 1922-05-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3?tr. 11. die Motive unserer Zionisten auch sein mögen, dieses einzige, jüdische Motiv für den Aufenthalt im heiligen Lande geht ihnen ab. Deshalb bin ich überzengt, daß diese Bewegung uns trotz politischer Erfolge die Erlösung nicht bringen wird, daß ihr Name eine Blasphemie auf das Zion ist, wie es in nufer aller Herzen lebt, daß weder Kongresse, noch Kolonialbanken und Zeitnngsreklamen etwas daran ändern werden, daß es aber umsomehr unsere Aufgabe ist, für Zions Aufbau im altjüdischen Sinne zu arbeiten, seine Tora statten zu unterstützen, seine Häuser und Felder durch to ra treue Juden bauen zu lassen,' mit einem Wort die Mizwo von Jischuw Erez Jisroel als Mizwo auszuüben. Dafür habt Ihr in der Rosch-Chodeschspende, im Erez Jisroel-Fonds, im Keren Hajischulv der Agudas Jisroel Gelegenheit. Wollen wir in diesem Sinne Erez Jisroel aufbauen, dann wird der göttliche Segen auf unserem Keren Hajischuw ruhen. Umso inniger klammere ich rnich aber an Mizwas Omer, die dem Ahn unseres Volkes das Land unserer Verheißung gesichert hat und deren Geist auch uns die Er-' lösung bringen wird. In unserer Gemeinde hat sich keiner vom Keren Hajischuw 'ausgeschlossen. „Aeutralität" des Keren Hajessod. Bekanntlich versucht die zionistische Organisation im „Keren Hajeffod" einen Fonds zu schassen, dessen Verwendung zwar unter ziomstffcher Aegide zu geschehen hat, der aber auch die Beitragsleistung und das Vertrauen von nicht der Organisation angehörenden Juden verlangt. In der Erwartung, daß der Keren Hajessod lediglich wirtschaftlichen Dingen dienert soll, hat sich in der Tat eine ganze Reihe von Persönlichkeiten in den Dienst der Keren Hajeff'od-Propaganda gestellt, ohne dabei irgendwie zionistisch orientiert zu sein: insoweit diese Herren dem Lager der Assimilanten angehören, haben mir keine Veranlassung, diese ihre Stellungnahme zu bedauern. Diejenigen ges e tz e s t r e u e u Gesinnungsgenossen aber, welche glaubten, den Keren Hajessod unterstützen zu können, obwohl sie der zionistischen Organisation aus prinzipiellen Gründet! nicht angehören, im Keren Hajessod aber einen neutralen, wirtschaftlichen Änfbaufond erblicken, dürfte es nachdenklich stimmen, daß der Keren Hajessod vom Oktober 1921 bis Januar 1922 28164 Pfund (gleich 18"/« des gesamten Keren Hajessod-Budget) für palästinensische Schulen gezahlt hat. (Jnd. Rundschau Nr. 29/30 vom 11. April 1922, Seite 195.) Wir wissen nicht, ob zu den unterstützten Schuten auch das Jerusalemer Gymnasium gehört, dessen Schüler in Begleit u n g von L e h r e r n a m Samstag, den 1. April, m11 der Eisenbahn von I e r n s a l e m n a ch Haifa fuhren, aber ivir nassen, daß das gesamte zionistische Schullucrf mit Ausnahme der misrachistischen Abteiluitg wohl von keinetn gesetzestreuen Unterzeichner des Keren Hajessod-Ausruss gebilligt werden wird. Inwieweit der Misrachi die Unterstützung des nicht bloß areligiösen, sondern antireligiösen Schulwerks von Seiten der zionistischen Organisation mit dem bekannten Karlsbader Beschluß für vereinbar hält, ist seine . Sache. Wenu aber auch der Keren Hajessod \ zu beti nämlichen kulturellen Zwecken wie die übrigen zionistischen Fonds gebraucht wird, hat . die jüdische Oeffentlichkeit ein dringendes Interesse daran, nicht durch den vermeintlichen Schimmer der Neutralität und des rein wirtschaftlichen Charakters des Keren Hajessod Vinters Licht geführt zu werden. __ Ausl»«« Palästinas und die Orthodoxie. Vortrag, gehalten in der Ortsgruppe der Agudas Jisroel, Frankfurt a. M-, am 27. Nissan 5682 vort Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner I. H o r o v i c z (Jerusalem), Frankfurt a. M. (Schluh). Geehrte Versammlung! Wir könnten es lange erzählen, was nach menschlicher Berechmuig wieder aus prx geworden wäre wenn lvir diesem weitausschauenden Ruf schon vor 60—70 Jahren Folge geleistet hätten. Wir könnten es länge erzählen, was selbst in den jüngsten 30 Jahren aus den neuen Siedelungen in^2X2V'>pX geworden wäre, aus jenerüSiedelnngen, wo unser Einfluß nicht hingedrungen ist, weil wir überhaupt nicht, oder nur mit unzulänglichen Mitteln eingesprungen sind. Wir könnten es lange erzählen, was noch in den jüngsten 15 Jahren atrs px geworden wäre, wenn unsere Brüder in der Diaspora, die Lebensmöglichkeit und damit auch die Würde und das Ansehen ihrer heimatlichen Thoragelehrten in Erez Jisroel, in ausreichendem Maße gefördert hätten! Wir könnten es lange erzählen, was noch iit den jüngsten 3 Jahren in ideeller Hinsicht aus Erez Jisroel geworden wäre, wenn wir in letzter Minute noch, die Gelegenheit hätten erfassen können, wenigstens die offiziellen Rabbiner, Maure Hauraoth und Mitglieder der Bothe Dinim, so auskömmlich zu versorgen, daß diese in pekuniärer und moralischer Unabhängigkeit, ihren heiligen Obliegenheiten hätten genügen können! Wir könnten es lange erzählen, welche Gefahr dem Ansehen^ des thoratreuen Jischuw auch heute droht, wenn wir VT! nicht imstande sein sollten, den letzten Rest unserer unabhängig gebliebenen Schulen der Pekidim, die von der westeuropäischen Orthodoxie gegründeten, mustergültigen Lehrstätten der mm/ wie nicht minder die übrigen T."T-Schulen unb in auskömmlicher Weise, zu erhalten. fo'wpxs mmr rrxi ax D’Jtttsi on^o “Dtpa ip'm sh- .^ölpBÖ Wenn Tn in Erez Jisroel Ortschaften siehst, die von ihrer Scholle entwurzelt sind, wisse, daß sie es an der Fürsorge für ihre Lehrer und Thoragelehrten haben fehlen lassen. Jawohl, meine geehrten Zuhörer, auch wir haben in den jüngsten Jahren viel versäumt, und man hat auf uns nicht gewartet. Die Tore Zions sind durch göttliche Fügung weit geöffnet. Allerdings ist die Einivandenlng großer Massen durch verschiedentliche behördliche Maßnahmen, trotz der Deklaration, leider mit großen Schwierigkeiten verbunden. Doch haben die Völker der Erde unser Anrecht aus ein nationales .Heim in Palästina grundsätzlich anerkannt. Diese Errungenschaft wollen wir nicht geringschätzen. pal 'ns ^2 ">2V napö n"3pn Kein persönliches Verdienst darf geschrnälert werden. Die zionistische Organisation hat in dieser .Hinsicht unstreitig bemerkenswerte politische Erfolge erzielt. Deswegen soll aber eine andere schwerwiegende, fast könnte man sagen, maßgebende Wahrheit, nicht unterdrückt werden. Die zionistische Organisation ist ihrem ursprünglichen Programm insofern nicht ganz treu geblieben, indem sie sich nicht damit begnügt, lediglich den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas in die Wege zu leiten, sondern seltsamerweise mit allen Mitteln bemüht ist, ansgerechnet auch die kultuelle Autorität, letzten Endes hie Autorität der Thora, für welche unter ollen programmatischen Zielen der zionistischen Organisation, bis auf den heutigen Tag, kein bescheidenes Plätzchen ausfindig gemacht werden konnte, ihrem Patronate zu unterstellen. Ich bitte mich nicht mißzuverstehen. Nicht der Umstand, daß hervorragende Zionistensührer in ihrer praktischen Lebensäußerung, das nationale Gottesrecht so gründlich kompromittie- _ _25. Mai 19BV reit, verhindert die in Agudas Jisroel organisierte Orthodoxie, die zionistische Leitung als offizielle Repräsentanz des Gesamtjudentums anzuerkennen — obwohl es ja in letzter Lösung nicht gleichgültig sein kann, ob die führenden Männer irgend einer Körperschaft, die Satzungen derselben auch ftir sich als verbindlich anerkennen — sondern die Tatsache, daß der Zionismus durch die nunmehr auch in praktischer Hinsicht eingeleitete Verwirklichung seines Dogma, von der neutralen jüdischen Nation, nach der Art aller übrigen Kulturvölker, deren nationale Bedeutung nicht von dem Lehrinhalt der Thora bedingt, nicht auf dem ewigen Fundamente der Thora aufgebaut ist, das historische, das gesetzestreue, das wahre Judentum in feinen Grundfesten erschüttert. Der moderne Zionsgedanke, man könne ein erstklassiger Nationaljude, ein ausgezeichneter Erez Jisroel-Patriot sein, auch ohne Thora und ohne Mizwoth, und die Gesamtheit solcher Glieder — das wäre ja eine zwingende logische Konsequenz dieser Ideologie — würde das gesamte Judentum. die jüdische Nation repräsentieren können, ja wäre das Judentum selbst- und die Exekutive, der offizielle Höchste Rat eines solchen, der Autorität des Thoragesetzes entrückten, Judentums, könnte und dürfte seine g em eindepo litis che Hoheit auch auf diejenigen Gebiete ausdehnen, welche lediglich von der 7!O22 nach den Vorschriften des ewigen Thorarechtes geregelt werden müssen: ein solcher Gedanke, meine sehr Geehrten, und wenn er noch fo ehrlich gemeint ist, und wenn seine Vertreter und Liebhaber noch so zahlreich und noch so hochachtbare, einflußreiche Persönlichkeiten sind, und wenn wir ihnen noch so viel zu danken hätten — involviert eine radikale, prinzipielle Umwälzung des historischen Judentums. Sollten wir uns aber deswegen von den Arbeiten an dem Aufbau Palästinas, aus Aengstlichkeit oder aus Verzweiflung, schmollend zurückziehen? Meine sehr Verehrten! Das wäre das Schlimmste vom Schlimmen. Das wäre eine schwere Versündigung gegen das gesamte jüdische Volk, eine schwere Verfehlung gegen die gottgebotene Mizwah von Jischuw Haa° rez, die eine Hauptpflicht der gesamten jüdischen Nation ist und der sich kein gesetzestreuer .Jude jemals entzogen hat. Wir dürfen nicht ängstlich sein und für ,Y'2p,°7 haben wir kein Recht zu verzweifeln. Im Gegenteil! Unsere heiligste Pflicht ist es, den Dingen ins Gesicht zu sehen und uns nicht bange machen zu lassen. . Mit jedem Wort und mit jeder Tat für px ^XIV' — das will der Aguda-Gedanke uns lehren — müssen wir immer aufs neue beweisen und laut verkünden, was br-sV' px, was jüdische Nation, jüdisches Volkstum, jüdische Volksgemeinde für uns bedeutet, für uns, die lvir niemals, auch in der Zerstreuung nicht, ts»x~) ty, unnax üxs ^mttnnow, nicht in Freud und nicht in Leid, ausgehört haben, ein nationales Gottesvolk zu sein. Das Vaterland ruft seine ihm treu gebliebenen Kinder! 'P3 s'x! Es kann sich keiner frei machen. Man kann kein en aus schließen. Geehrte Versammlung! Ich kenne SOE»'' px und kenne unsere dortigen Brüder und Schwestern in allen ihren Gruppierungen. Ich kenne ihre Wünsche und ihre Notwendigkeiten, ihre Schwachen und Irrungen, die uns in der Seele weh tun, und ihre Vorzüge, auf die wir alle stolz sein können. Und diese Kenntnis gibt mir das Recht, den Satz auszustellen, daß bas ideelle und materielle Geschick dieses kleinen Häufleins, „jüdische Nation", in '"X, dieser vorzüglichen Auslese des jüdischen Volkes auf geheiligtem Väterboden, mit dem Geschick der großen Judenheit der Diaspora, aufs engste verknüpft ist. Und ich glaube an den großen, erhebenden, mit der Unbesiegbarkeit der sittlichen Kräfte wirkenden Seelenzwang, der über kurz oder lang in allen Reihen sich durchringen wird. Das ist der tiefe Sinn des drei-