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Der Israelit · 1922-05-25 · Heft 21 (25.5.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 21 (25.5.1922)
Date
1922-05-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der Aöraeltt. Nr. 31 Sette 5 Aus Sem Parlamente. Warschau, 17. Mai. Der orthodoxe Deputierte Mendelsohn brachte eine Interpellation im Landtage ein, in der Beschwerde gegen die Regierung geführt wird, die die Judenfrage nicht im Geiste der Konstitution behandelt. Er verspricht namens der orthodoxen Abgeordneten Unterstützung des Kabinett Ponikowski, falls die Regierung die Resolution der orthodoxen Konferenz vom 13. bis 17. Februar d. I., die er im Wortlaute verliest, zur Grundlage für die Lösung der Judenftage machen sollte. Auf Antrag des gleichen Deputierten soll das Gesetz, das die Rabbiner wie alle anderen Geistlichen vom Militärdienst befreit, auch auf die Hilfsrabbiner ausgedehnt werden. Klauen. Die flufonomie-Srage. Kowno, 14. Mai Durch eingehende Aussprache der jüdischen Politiker mit den vier Fraktionen des christlichdemokratischen Blocks im litauischen „Seym" ist nunmehr etwas größere Klarheit hinsichtlich der Autonomie-Frage geschaffen. Das jüdische Ministerium findet noch immer entschiedenen Widerstand bei der einflußreichsten dieser Parteien. Etwas leichter wird schon die Verständigung in Sprachenfrage sein, wahrend man am meisten Verständnis der Ausdehnung der Autonomie auf die religiösen Angelegenheiten entgegenbringt. Selbstverständlich besteht die Gefahr, daß die linksstehenden Parteien innerhalb der Juden den den Versuch machen, ihre Sehnsucht nach dem jüdischen Minister auf Kosten der. ihnen ohnedies verhaßten religiösen Autonomie zu befriedigen. Mehr und mehr reift in den Reihen der litauischen Orthodoxie die Ueberzeugung, daß eine Zusammenarbeit mit den religtonsfetndlichen Elementen des Nationalrates auf die Dauer ein Ding der Unmöglichkeit ist. Man beginnt allmählich einzusehen, daß die von links-nationaler Seite proklamierte Einheit nichts weiter als ein Mittel ist, um die religiöse Entwicklung im Sinne des Radikalismus zu beeinflussen und die Orthodoxie unter Vormundschaft zu halten. Schiris. krneuter Huffdiub Ser nianSat-Rafifihafion Genf, 18. Mat. Auf französisches und italienisches Verlangen hat der Völkerbund-Rat die Diskussion des Palästina-Mandates wiederum aufgeschoben, weil beide Staaten zunächst den .Wortlaut des englisch-amerikanischen Vertrages über Palästina kennen lernen wollen. Man vermutet hinter diesen Einwendungen vielfach vatikanische Einflüsse. Balfour erklärte offiziell, der Aufschub enttäusche ihn, allein er bedeute keinerlei Gefahr für das Mandat und die jüdischen Interessen. Die gesamten Mandatfragen sollen in der am 16. Juli beginnenden nächsten Tagung des Rates zur Erledigung kommen. Holland. Sonntagsruhe in ttollanö. Amsterdam, 16. Mai Gelegentlich der Beratung eines Nachtrages zum Arbeitsgesetz wurde in der holländischen zweiten Kammer ein Antrag eingebracht, der den jüdischen Bäckern die Beschäftigung von Gehilfen an Sonntagen verbieten wollte. Der Minister sprach sich jedoch entschieden gegen den Antrag aus und bemerkte u. a.: „Ich bin stolz darauf, daß unser Land immer bereit war, bei der Arbettergesetzgebung auf die religiösen Gefühle Andersdenkender Rücksicht zu nehmen." Der Antragsteller zog seinen Antrag daraufhin zurück. Andere Regierungen und Parlamente sollten sich diese vorbildliche Auffassung von Toleranz zum Muster nehmen. SUtftlanfr. Die Bolfdteroiflen gegen Sie Sabbafruhe- Attga, 10. Mai Die jüdische Abteilung der Volkskommissariats für die Nationalitäten hat an alle Provinzsektionen nachstehendes, von den Lettern Merejine und Karkline gefertigtes Zirkular zur Bekämpfung der Sabbatruhe versendet: „In allen Ortschaften wird gegenwärtig eine große Kampagne gegen die Sabbatruhe geführt, da sie für die Produktion schädlich ist, in der Führung von Unternehmungen überflüssige Kosten verursacht und die Verwendung jüdischer Arbeiter für produktive Arbeiten hindert. Um einegute Führung dieser Kampagne zu ermöglichen, ist es angezeigt, über genaue statistische Daten zu verfügen betreffend die Lage der jüdischen Arbeiter in den einzelnen Unternehmungen, ihre Zahl und Teilnahme an der allgemeinen Arbettermasse, ebenfalls ob ein oder zwei Ruhetage gehalten werden und welche Kosten zwei Ruhetage verursachen, sodann Daten über das Alter und Geschlecht der Arbeiter und dergleichen. Die jüdischen Unternehmungen könnten auf diese Weise den Organen, die die Propaganda gegen die Sabbatruhe führen, wertvolle Daten ausfolgen. Demzufolge ordnet die Zentralsektion an, diesen Agitatoren die vollste Unterstützung zukommen zu lassen." — Der Sabbat wird den Kampf mit dem Bolschewismus bestehen. Verurteilung eines Rabbiners- Odessa, 16. Mai. Das Odeffaer Revolutionstribunal hat den Rabbiner Gurowics wegen Beleidigung der Kommission zur Beschlagnahme der Kirchenkleinodien zu zwei Jahren Gefängnis, beziehungsweise zu einer Geldstrafe von 300 Millionen Rubel verurteilt. gvankveitfy. Die Lehrer in der Alliance- Aaris, 2. April. Nach langen Verhandlungen hat die Alliance endlich ein Regulativ für die Lehrer in Ost- und Nordafrtka, die bis jetzt ganz der Willkür der Verwaltungen ausgeliefert waren, aufgestellt, in dem Kündigungsrecht und Altersversorgung geregelt sind. Für die Penstonskasse zahlt jeder Lehrer Fr. 60.— jährlich. Die Alliance führt gleiche Beträge der Kasse zu, aus der dem Lehrer nach 35 jähriger Tätigkeit die Pensionen ausgezahlt werden. Anrecht auf die Vergünstigungen des Normal-Vertrages erwerben die Lehrer nach dreijähriger Tätigkeit im Dienste der Alliance. Ualästlna. Aerufakem, 1. Mai. Seit einiger Zeit macht sich bei den Muselmanen das Bestreben bemerkbar, am Freitag alle Läden und Geschäfte geschlossen zu halten. Hoffentlich lernen dir jungen Juden was davon. Leider merkte man im Gegenteil bei einem Teile der jüdischen Arbeiter den heißen Wunsch, am ersten Mai zu feiern und es wurde rührig Propaganda nach dieser Richtung, hin gemacht. Das Oberrabbinat warnte die Arbeiter eindringlich und die Warnung war, bei einem Teile wenigstens, von Erfolg. ArneviN«. Die ameribanifdien Krlegsoeleranen gegen Henry SorS. New Y»r«, 15. April. Das Exekutivkomitee des Verbandes der Kriegsveteranen der Vereinigten Staaten faßte eine Reihe von Beschlüssen gegen die von Henry Ford geführte Juden hetze. In einem der Beschlüsse wurden Präsident Hardtng und der Konkreß aufgefordert, auszusprechen, daß Henry Ford infolge seiner gefährlichen, die Ruhe und den Freden bedrohenden Hetzpolttik das Recht verwirkt habe, den Staat Michigan im Senat der Vereinigten Staaten zu vertreten. Ein anderer Beschluß geht dahin, den Kongreß , zur schleunigsten Beschließung eines Gesetzes zu veranlaffen, durch welches die systematische Verhetzung gegen eine Konfession, Klaffe oder Nation aufs strengste bestraft wird. Ferner wurde in einer Resolution die Postverwaltung aufgefordert, die Zeitung Fords „The Deaborn Independent" die Postbeförderung so lange zu versagen, bis das genannte Blatt die Vergiftung der öffentlichen Meinung und der Bevölkerung aufgibt. Die Beschlüffe wurden in einer Versammlung gefaßt, in welcher nur eine verschwindende Zahl Juden anwesend war. China. Don der Wischen öemeinöe in Shanghai. SHarrgyai, l. Mai Seit den Kriegsjahren ist die hiesige jüdische Gemeinde auf etwa 2000 Seelen angewachsen. Es sind zum größten Teile russische Einwanderer, die vereinzelt zu ansehnlichem Vermögen gelangt find. Doch liegt die Groß-Jndustrte in Händen von Engländern und auch englischen Juden. Es existiert hier eine -gutgeleitete Talmud Thora-Schule sowie andere jüdischen Schulen, mehrere Wohltätigkeitsvereine und sogar eine kleine jüdische Zeitung. Zwei Rabbiner, Schächter und sonstige Gemeindebeamte sorgen für das religiöse Leben, und in der Synagoge fühlt man sich oft in ein litauisches Städtchen versetzt. Ein eigentliches Juden-Ehetto gibt es hier nicht. Die Juden wohnen in allen Stadtteilen und stehen durch wirtschaftliche Beziehungen den Chinesen weit näher als den Engländern. Vermischtes. Berlin, ü. Mai. Ein neuer Prozeß um das anii--- semitische Diutersche Buch „Die Sünde wider das Blut" kam gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mtte zur Auslage. Der Schriftsteller Dr. Arthur Dinter, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Barteli klagte gegen den Redakteur des „Berliner Tageblatts", Tr. Bernhard Birnbaum, welcher von den Rechtsanwälten Dr. Fritz Cohn und Dr, Klee verteidigt wurde. — Der Beleidigungsklage, welche sich schon über zwei Fahre hinzieht, liegt ein am ö. November 1918 in der Wochenausgabe des „Berliner Tageblatts" erschienener Artikel mit der Uebeofchrift „Antisemitismus als Geschästsobjekt" zugrunde. Zn diesem Artikel, der eine scharfe Kritik des Dinierjchen Buches enthält, wurde u. a. gesagt, daß Dinter einen versteckten Kampf mit vergifteten Waffen treibe Antisemitismus sei heute Trumpf. Am widerlichsten von allen diesen Angriffen sei aber derjenige, der sich mit einem wissenschaftlichen Anstrich zu geben verstehe, wie dies in dem Buch „Die Sünde wider das Blut" geschehe. Es wurde dann weiter festgestellt, daß das Buch ein Schmutzwerk sei, welches von Fälschungen wimmele. So sei z. B. bei dem „Kolnidre-Gebet" der hebräische Text richtig wiedergegeben, bei der Uebersetznng jedoch gerade die Stelle weggelassen, auf die es ankomme, so daß es den Anschein habe, als sei es einem Juden von seiner Religion erlaubt, einen Meineid zu leisten. Der wirkliche Text sei also hier in das direkte Gegenteil gefälscht, wie Professor Delitzsch und 'Geheimrat Pros. Dr. Strack bereits erklärt hätten. In seiner gestrigen Vernehmung erklärte der Beklagte Tr. Birnbaum, daß er in seiner Eigenschaft als Redakteur des „Berliner Tageblatts", welches auch in dem Tinterfchen Buche angegriffen worden fei und auch wegen seiner eigenen jüdischer Abstam-- mung den Schutz des § 193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen) für sich in Anspruch nehmen müsse. Zn dem Buche würden nicht nur Angehörige des jüdischen Glaubens beleidigt und in ihrer Ehre aus das tiefste gekränkt und durch den Schmutz gezogen, sondern es enthält auch Einzelheiten, die so ungeheuerlich sind, daß sie aus Leute, die etwas von jüdischer Religion und Rasse verstehen, geradezu lächerlich wirken. Ten Rechtfertigungen Dinters trat Rechtsanwalt Dr. Klee in scharfer Weise entgegen, indem er ausführte, daß seitens des Klägers in einer Weise gekämpft werde, welche an die mittelalterliche Rohheit erinnere. Von dem Kläger werde unter Zuhilfenahme der sonderbarsten Mittel gegen 690990 deutsche Staatsbürger gekämpft, welche im Kriege bewiesen haben, daß sie für ihr Vaterland einzutreten stets bereit sind. Die Abwehr dieser unerhörten Angriffe durch den inkriminierten Artikel sei als sehr zatzw^

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