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Der Israelit · 1922-05-25 · Heft 21 (25.5.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 21 (25.5.1922)
Date
1922-05-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 Nr. 31 Der JSraeltt. 25. Mai 1983 leicht und bescheiden zn bezeichnen. Aeutzerft charakteristisch für die unfaire Kampfesweise des Klagers sei auch die Verwendung einer angeblichen Aeußerung des früheren Kaisers irr einem Reklameinserat für das Tinterfche Buch in dem „Bölkifchen Volksfreund" in Harnburg. Tr. Klee beantragt eine kommissarische Vernehmung des früheren deutschen Kaisers in Amerongen. Ferner den Geh. Konsistorialrat Prof. Tr. Strack von der Universität, Professor Eberhard König-Bonn und Professor Dr. Dallmann- Greifswald, also drei evangelische Theologen, darüber zu vernehmen, daß das Tinterfche Buch tatsächlich glatte Fälschungen enthält. Der Kläger Dr. Dinter beantragte seinerseits auch den Sachverständigen Dr. Bischof zu laden. Dr. Klee machte hierzu geltend, daß Dr. Bischof, wie er unter Beweis stellen werde, nicht eine Zeile hebräisch bzw. aramäisch fehlerlos übersetzen könne. — Nach weiteren längeren Ausführungen des Rechtsanwalts Dr. Fritz Cohn als Verteidiger des Beklagten beschloß das Gericht vorläufig Professor König und Tr. Bischof mit der Abfassung eines schriftlichen Gutachtens über die Frage zu beauftragen, ob das Tinterfche Buch Fälschungen enthalte, Und ob deshalb der Vorwurf der Fälschung gerechtfertigt ist. Berlin, 17. Mai. Vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte fand gestern die Verhandlung in dem Beleidigungsprozetz des Stadtverordneten Richard Kunze gegen den politischen Schriftleiter des „Berliner Tage« blatt", Erich Dombrowski, statt. Bekanntlich war im „SS. vom 27. Mat 1920 unter der Ueberschrift „Der Held von Gardelegen" ein Artikel erschienen, der fich in Form eines Frage- und Antwortfpiels mit der Tätigkeit Kunzes während des Krieges beschäftigte und dem Kläger vorwarf, daß er als „wildester Heim« krieger und Antisemit" nicht an der Front, sondern im Gefangenenlager Gardelegen als Dolmetscher und Kriegspropagandaredner beschäftigt gewesen sei. Vor beinahe einem Jahr fand bereits die erste Verhandlung statt, die aber vertagt werden muhte, da von beiden Seiten zahlreiche Zeugen benannt worden waren. Auch die gestrige Verhandlung wurde vertagt. Wien, 10. April. Die Kaufmannssrau Wanda H. erstattete gegen ihren Mann Ignaz H. und seine zweite Frau Marie eine Anzeige wegen Ungültigkeit dieser zweiten Ehe und einer zweifachen Ehe. Die Klägerin führte an, sie have im Jahre 1613 mit Ignaz H. in Rzeszvw eine gültige Ehe geschlossen und habe bis zuni Jahre 1919 in Wien mit ihm gelebt. Trotzdem habe er in diesem Jahre in der Garntfonssynagoge in der Roßauerkaserne seine jetzige zweite Frau geheiratet. Bei der Verhandlung vor dem Zivtllandesgerichte gab der Beklagte an, er sei zur Schließung der zweiten Ehe berechtigt gewesen, weil die erste Ehe in Rzeszom eine ungültige gewesen sei. Die Trauung sei nämlich nicht durch den Rabbiner, sondern durch einen RabbinalSassessor, somit eine zur Vollziehung der Trauung nicht berechtigte Person vorgenommen worden. Der Rabbiner selbst habe die Trauung abgelehnt, weil die nötigen Dokumente fehlten. Die Trauung sei daher auch nicht eingetragen und der Sohn aus dieser Ehe sei als uneheliches Kind bezeichnet worden. Das Zkvillandesgerlcht erklärte die zweite Ehe für ungültig, weil ein RabbtnatSafseffor als Stellvertreter des Rabbiners zur Vornahme von Trauungen berechtigt, daher die erste Ehe eine gültige sei. Aus der Gültigkeit der ersten Ehe ergebe sich aber unmittelbar die Ungültigkeit der zweiten. Die Verhandlung über die gegen dieses Urteil von Ignaz H. und seiner zweiten Frau eingebrachte Berufung wmde vertagt. Wien, 10. April. Wie aus Rußland berichtet wird, haben sich die jüdischen Tabakpflanzer, die ihre Pflanzungen am rechten Dnjestrufer haben, zuKoopetat tonen zusammengeschloflen, um die Tabakpflanzungen auch auf das russische Dnjestrufer auszudehnen. Anfangs 1932 gab es bereits eine Anzahl solcher Kooperationen mit einer ansehnlichen Mitgliederzahl. Trotz des neuen Wirtschaftspolitischen Kurses in Sowjetrußland, der das Neuaufleben des Handels zu begünstigen scheint, zeigen die jüdischen Pflanzer keine Lust, ihre landwirtschaftliche Tätigkeit auszugeben. Wien, 38. April. Der „Buczaczer fftaro"' Rabbi Meir Arak, der einer Berufung nach Tarnow Folge leistet, war dieser Tage anläßlich seiner Abreise von Wien, wo er mehrere Jahre hindurch als Krtegsflüchtling lebte und für die Erstarkung des Thorageistes mit großem Erfolge wirkte, Gegenstand großer Ovationen. Am 7. Tage Pessach fand sich ein Kreis hervorragender orthodoxer Juden von Wien tu der „Zabner Klaus" ein, deren Einladung Rabbi Arak Folge gegeben hatte, um dem geistreichen Vortrag des scheidenden Lehrers zu lauschen. Während der Verlesung aus der Thora wurde zu Ehren des Rabbi für verschiedene religiöse und wohltätige Zwecke, insbesondere für die Aktion der Aguda zur Linderung der Hungersnot in Rußland reichlich gespendet. Einer der anwesenden Augudaführer gab durch eine Spende von 72.000 Stv. den Anstoß zur Ehrung deS Rabbi durch die Gründung einer Anstalt, in der unter den Augen des Rabbi in seinem neuen Wirkungskreise Tarnow jüngere, durch Kenntniffe fich besonders auszeichnende Gelehrte mit Kost versehen werden (BeS Tawschil), um sorgenfrei ihre Kenntnisse zu vervollstündigen. Am Sabbat vormittag folgte der Rabbi der Einladung des Brth Hamidrasch des Adatz Jisro-l (Schiffschul) und hielt einen halachisch-exegetischen Vortrag von erlesener Geisttakeit. Am Schluffe seines Bortrages dankte der Rabbi für all die Gastfreundschaft, die er in Wien genossen hat und legte allen treuen Söhnen des Judentums die Förderung der Aguda ans Herz. Beim Ausgang des Sabbats versammelte sich die gesetzestreue Jugend, die chasidischen und aschkenasischen Bachurim, bei gedeckter Tafel um den großen Rabbi zur Feier der Melawe Demalko. Diesmal benützte der Rabbi die Gelegenheit, um die Jugend mit herzgewinnenden Worten zur fleißigen Erforschung der Thora und der Befolgung ihrer Lebenslehren anzueifern. Zun; Schluffe wurde das Benschen zugunsten der neu zu gründenden Anstalt in Tarnow versteigert. Der Erlös ergab 128.000 Kr. Bei der Abreise am Dienstag morgen erschienen viele hunderte Verehrer des Rabbi am Bahnhofe. Biele gaben ihm mehrere Stationen das Geleite. Eine Abordnung des Zentralrates der Aguda und der Jugendgruppe begleitete den Rabbi bis Tarnow. Rabbi Meir Arak gehört seit der Gründung der Aguda dem obersten „Rabbinischeu Rate" an. Bon seinem Wirken in Tarnow wird allseitig ein neues Aufblühen des Thoraftudiums in diesem hervorragenden Zentrum des Judentums erhofft. London, 18. April. Die große Synagoge von Kairo ist am 8. April durch eine Feuersbrunst fast vollständig zerstört worden. Posen. 8. April. Es wird uns aus Posen mitgeteilt, daß die Meldung in Nr. 13 betreffend die dortige Meffe, nicht den Tatsachen entspricht. Jüdische Firmen wurden ebenso zugelaffen wie alle anderen. Im Gegenteil habe die Beteiligung der Juden an der Ausstellung einen großen Prozentsatz ausgemacht. Genf, 17. Mai. Der Völkerbundrat ernannte die Mitglieder des neu gebildeten zwölfgliedrigen Ausschusses zum Studium der Internationalen geistigen Zusammenarbeit, darunter Professor Einstein, Berlin. Sprechsaal. Wenn nidjt teilt... Die Gefühle, welche den Verfasser des Leitartikels „Wenn nicht jetzt .. /' in Ihrem Blatte Nr. 13 beseelen, weiß ich hochzuschätzen. Die trostlose pekuniäre Lage einer großen Anzahl jüdischer Kultusbeamten, hervorgerufen durch unzulängliche Besoldung, selbst seitens notorisch gutsituierter Gemeinden, ist in einem früheren Artikel des „Israelit" bereits eingehend behandelt worden und das allgemeine Mitgefühl mit den, in materiellen und seelischen Druck geratenen Beamten ist ebenso groß wie die berechtigte Entrüstung über den krassen Egoismus, der hier in die Erscheinung tritt. Was ich aber in diesen Artikeln vermisse, das find Vorschläge, wie hier Abhilfe zu schaffen ist und so dürfte vielleicht folgende Idee der Herbeiführung einer Remedur aus diesem Gebiete dienlich sein. Unter Hinweis auf die in Israel zu allen Zeiten betätigten Devise n» m bi sollte seitens der verschiedenen Organisationen (Israelitischer Gemeindebund, Verband der deutschen Juden, Agudas JtSroel rc.), unterstützt durch die Presse angeregt und daraus hingewirkt werden, daß alle gutsituierten Gemeinden, um den hochachtbaren, in seiner Existenz gefährdeten KultuSbeamtenstand zu reiten in ihrem Budget alljährlich einen namhaften dem guten Zwecke angemessenen Posten einzusteüen, der einer zu organisierenden Zentrale zur Verfügung zu stellen ist und welche mit dem gesammelten Fonds schwachgestellte Gemeinden zwecks Befferbesoldung ihrer Beamten zu subventionieren hat. Andererseits wäre durch die Presse belehrend auf diejenigen Gemeinden einzuwirken und ihnen vor Augen zu führen, daß sie mit der der Teuerung der Zeit in gar keinem Einklang stehenden Besoldung ihrer Beamten, welche mit der Tendenz der wahren Frömmigkeit tm Gegensatz steht, nur sich selbst schädigen, weil eine richtige Aroeitsfreude bei Hungerlöhnen nicht aufkommen kann. Außerdem müßte im Interesse der Kultusbeamte« eine Liste solcher Gemeinden in zweckdienlicher Weife veröffentlicht werden. Ich bin, wie der mannigfachen Schwierigkeiten der Ausführung der ganzen Idee wohl bewußt, aber mit Entrüstungsrufen allein ist einer guten Sache nicht gedient, sondern mit positiven Borschlägen und Bemühung zu deren Verwirklichung, und — wo ein Wille, da ist ein Weg. A. S. Frankfurter Berichte. Der Scheloh, sein Leven und seine Wirksamkeit. Der Zyklus der Geschichtsvorträge des Herrn Red. Schachnowitz im Mekor Chajtm, Langestraße 18, kommt diesen Sonntag mit einem Referate über „Den Scheloh und seine Frankfurter Wirksamkeit" zum Abschluß. Der Vortrag beginnt um V-v Uhr. Anschließend ums Schorvrraitskernen. Wie .alljährlich, wird auch dieses Jahr in der ersten Schowuausnacht im Mekar Chajim in üblicher Weise gelernt. Das Lernen beginnt '11V« Uhr nachts. Die Beiträge sind auf 10 Mk. für Mitglieder und 15 Mk. für Nichtmilglieder festgesetzt. Anmeldungen nimmt der Vorstand entgegen. Berufsberatung und Kr-eltsuachiveks. Es existiert in Frankfurt a. M ein Verein unter dem Namen „Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden", Börnestraße 51—56. Dieser Verein sucht arbeitslosen Juden, sowohl Handwerkern, Kaufleuten, wie ungelernten Arbeitern Arbeit zu verschaffen, damit sich die Leute durch eigene Kraft ernähren können. Das Motto dieses Vereins heißt, „Gebt Arbeit statt Almosen. Deshalb werden alle Glaubensgenossen gebeten, diesem Verein jede Art von Arbeit auzuzeigen. (Tel. Hansa 7085 und Hansa 1527). Ausflug. Die Agudas Jisroel Jugendgruppe veranstaltet Sonntag, den 28. Mai, ihren ersten diesjährigen Ausflug. Treffpunkt, Uhrtürmchen, Friedberger Anlage, 37» Uhr pünktlich. Führer Herr Fritz Srauß. Familiemiachrichlen. Barmizwohfeier. Josef, Sohn des Herrn Dr. Jacob Feuchtwanger, BockenheimerLandstraße 45, in der Synagoge Friedberger Anlage._ Cross Frankfurt am Etohcnhtlmep Turm TANZ-PALAST Kaffes ersten Ranges Weinklaus« EÄS SCHUMANN- Theater mit dem sensationellen großen Programm ist heute das Tagesgespräch Täglich 71/* ültr: Große Vorstellung. Näheres siehe die Anschlagsäulen. Vmlnskaleover. Berri« Mekor Chajim. Samstag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dinim") Herr Rektor Falk. — nachm. 7,5 Uhr im Bereinslokale: „Mikro"- Herr Louis Kahn. — Eine Stunde vor Nacht im Hörsaale Friedberger Anlage: „Midrasch") Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Sonntagvorm. SV« Uhr: „Gemoro"; Herr R. A. G. Posen. — abends präzis 8*/* Uhr: Geschichtsvortrag über „Der Scheloh, sein Leben und Wirken") Herr Redakteur Schach» nowitz. Montag und Mittwoch abend 7Uhr: „Gemoro") Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 6 Uhr: „Gemoro") Herr R. A. G. Posen. Donnerstag abend 6 Uhr: „Mlschnah"; Herr Rektor Falk. Allmorgendlich „Mischnalernen". Allabendlich „Schaß-Lernen") HerrH.H a lp er n Agudas Jisroel-Jugeudgruppe. Samstag vorm. *1,11—%12 Uhr: „Chaje Odom"; Herr Dr. W. Hofmann, Eschenheimer Anlage 1. - 11»/, Uhr: „Schatz") Herr H. Halpern. - 1174 Uhr: „Mischna"; Herr A.Hirschberg. — nachm. 4 Uhr: „Gemoro") Herr Dr. Hofmann. — 7* Stunde vor Nacht: „Sefiroh- Lernen"; Herr Dr. Ehr mann. Sonntag vorm., 8 Uhr: „Chumisch mit Raschi") Herr Leopold Oppenheimer. — '/, Stunde vor Nacht: „Sefiroh-Lernen") Herr Rachelsohn. Montag vorm., sowie an allen anderen Wochentagen von 747—7,8 Uhr : „Sanhedrtn - Schiur") Herr Dr. Ehr mann. — % Stunde vor Nacht: „Sefiroh-Lernen") Herr Dr. Markus Lange. — 9 Uhr: „Mischna" für Fortgeschrittene; Herr Herm. Hirschberg. — 9 Uhr: „Newijtm") Herr S. Unna, KleineObermatnstr.30. Herren und Damen. Dienstag abend 7, Stunde vor Nacht: „Sefiroh-

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