Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1922-05-25 · Heft 21 (25.5.1922) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 21 (25.5.1922)
Date
1922-05-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450189-2450209--69779-2526991
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2ß. Stört 1923. Der Lsraeltt. Nr. 21 Sette 8 kriechendes Getier sich von ihm nähren. Wir aber verbrennen ihn in einem Augenblick und unmittelbar geht er unverzüglich ins Paradies ein." Zugrunde liegt hier die Vorstellung, daß die Seele bis zum Zerfall des Leibes an diesem hafte oder doch ihm nahe bleibe. Mit Grausen denkt man daher an die Umstände, die die Verwesung begleiten. Beunruhigend wirkt auch der Gedanke, es könnten die Gebeine einst in empörender Weise mißbraucht werden, wie in der bekannten Kapelle in Rom, in der das Leichengebein verstorbener Mönche als Baumaterial für die Einrichtung, u. a. auch zu elektrischen Leuchtern herhalten muß und man so recht die jüdische Religtonssatzung würdigen lernt, daß der Tote „Ossär behanooh", jedem Gebrauch zu entziehen ist. Aus ähnlichem Motiv entscheiden sich auch heute viele für die Leichenverbrennung. Man glaubt den Leichnam noch immer beseelt, mit Empfindung begabt. Dieser Vorstellung gegenüber ist die nüchterne Erwägung machtlos, daß, gleichviel, ob man an die selbständige Existenz -er Seele und ihre Fortdauer nach dem Tode glaubt, oder ob man der Materialistischen Weltanschauung huldigt und im Tode den Schlußpunkt hinter unserem Dasein erblickt, jedenfalls der Leichnam doch als unempfindlich anzusehen ist. Vom Standpunkt jenes Volksglaubens aus betrachtet, ist freilich ein Ende mit Schrecken, einem Schrecken ohne Ende vorzusehen. Wenn aber Schleichs so ansprechende Hypothese zurecht bestehen sollte, wer wird es, selbst als entschiedener Altheist, der sich über die Satzungen der Religion hinwegsetzt, über sich gewinnen, sich der völligen Vernichtung preiszugeben? Wer sein Volk liebt, dem wird der Gedanke, daß er durch Erhaltung seiner Zellkerne auch im naturwissenschaftlchen Sinne zur Höherzüchtung seines Volkes beitragen kann, einen mächtigen Ansporn zur Veredelung seiner Persönlichkeit geben, die doch seinem Nuklein die Prägung verleiht. Weist ja Schleich darauf hin, daß die Völker, bei denen die Feuerbestattung überwog, spurlos verschwunden sind, während die Anhänger der Beerdigungssitte sich erhalten haben. Selbst der hartgesottenste Egoist aber, den weder Kind noch Menschheit etwas schert, wird in der Schl eich'scheu Theorie einen bisher unerkannten Sinn unseres Daseins finden, um dessentwillen es sich doch in etwas wenigstens lohnt, die Last dieses Daseins zu tragen, und von den Kremattsten schon aus diesem Gründe abrücken. Gegen das volkswirtschaftliche Bedenken, daß durch die Verbrennung dem Boden wertvolle Stoffe entzogen werden, könnte man einwenden, daß man den * B ERLIN C * SPANDAU ER STRASSE Wäsche-Ausstattungen Damen-, Herren- und Kinder-Wäsche Anfertigung in eigenen Werkstätten Wohmmgs^EmricMungen Ständige Ausstellung eingerichteter' Zimmer . von einfacher bis zu vornehmster Art Vier Stockwerke Möbel Gardinen ♦ Möbelstoffe . Teppiche . Beleuchtungskörper Altruismus nicht so weit zu treiben brauche, mit seinem Leichnam zur Ernährung der Nachwelt betzutragen. In der neuen Beleuchtung durch die Vererbungslehre der Zellenwanderung fallen aber Egoismus und Altruismus letzten Endes in eins zusammen. Wie diese Idee, -aß die Rückkehr zur Mutter Erde das Naturgemäße ist, wenn auch noch so schwach und dunkel, selbst bei Leichen verbrennenden Völkern wirksam war, beweist der altrömtsche Brauch, bet einer Feuerbestattung wenigstens ein Glied des Körpers, etwa einen Finger abzuschneiden und besonders zu begraben. Ja, bereits auf dem bekannten praehtstorischen Gräberfelde von Hallstatt findet man in 13 Fällen einen Kombinierung beider 'Beisetzungsarten, nämlich Bestattung eines Teiles des Körpers und Verbrennung des andern. Beachtenswert ist hierbei eins Erscheinung, die uns wieder in den jüdischen Borstellungskrets zurückführt. Bei 6 der Hallstätter Leichen zeigt sich der Körper in 2 gleiche Hälften geteilt, der Oberkörper war verbrannt und nur die Asche vorhanden, vom Unterkörper waren die Knochen intakt, ihn hatte man also beerdigt. C i ch o r i u s (in der „Festschrift zur Hundertjahrfeier der Universität zu Breslau" 1911, S. 570 ff.) vergleicht hiermit Berichte aus dem klassischen Altertum über Hinrichtungen innerhalb der phöniktschkarthagischen (!) Kultürwelt, bei denen der Unterleib eingegraben, der Oberleib verbrannt wurde. Hier fällt einem sogleich die Sanhedrin, 52 at geschilderte Art der geschilderte Exekution durch „Serefa" ein, bei der jedoch die „Verbrennung" im eigentlichen Sinne nicht durchgeführt, sondern, wie a. O. ausdrücklich hervorgehoben wird, (haguf kajjam) der ganze Körper intakt blieb. Während somit im Prinzip — man denke wieder an Schleich! — der Verbrecher durch Verbrennung seines Leichnams auch für die Nachwelt unschädlich gemacht werden sollte, hat die Thora selbst den Delinquenten nicht durch Feuertod im strengen Sinne der völligen Vernichtung überantworten wollen! Haben wir bereits erwähnt, daß die jüdische Bestattungsart den modernsten hygienischen und national-ökonomischen Anforderungen entspricht, so steht es für jeden, der einmal ein Krematorium besucht hat, oder gar von seltsamen Schicksalen mancher Aschenurnen zu erzählen weiß, außer Frage, daß auch die von den Krematisten mit Vorliebe herangezogene Aesthetik nirgends schlechter alsbet der Verbrennung auf ihre Rechnung kommt. Die Gerichtspflege muß vollends gegen die Feuerbestattung Stellung nehmen, da diese die nachträgliche Untersuchung des Leichnams zur Festellung eines Verbrechens unmöglich macht (vergl. Frrybe „Erdbestattung und Leichenverbrennung" 89). Der Jude wird am offenen Grabe ähnlich, wie bet der Bestattung einer unbrauchbar gewordenen Thorarolle empfinden. Eine Gedankenverbindung, die auch richtung eines Juden? Die „bessere soziale Schichtung" der Judenheil rann hier nicht als Erklärung angeführt werden. Denn in Rußland haben wir ein nach Millionen zählendes jüdisches Proletariat und auch dort find jüdische Mörder völlig unbekannt. Bedenkt man, daß die Judenhett ihre Existenz nur im Jahrtausende langen zähen Festhalten am Sinaigefetze behauptete, so wäre es psychologisch völlig unerklärlich, wenn eine „Religion der Rache" die Psyche eines ganzen Volkes nicht im Lause solch langer Zeit höchst ungünstig beeinflussen sollte. Also auch die Wissenschaft der Psychologie wirft die Theorie des „Gottes der Rache" an der Hand der Statistik und offenen Tatsachen über den Haufen. Wir sind wohl bald Zeugen des großen Krieges um die Wahrheit. Im Areopag der Kulturmenschheit führt sie das Zepter und wird sich nicht entthronen lasten. Für uns Juden mit dem geschärften Rechtsempfinden ist der Kampf mehr als ein interestantes Schauspiel. Er berührt unser Innerstes. Vor unserem Geiste flattert die altjüdische Fahne des Propheten Maleachi: v.irr vvxn; Liebet die Wahrheit und — den Frieden. Ohne Wahrheit kein dauernder Weltfrieden. Unsere Gefühle weilen im Lager der stärksten Wahrheitssucher, bei den Kämpen gegen Schuld lügen und Erblügen. Die schwierige Targumslelle. V2L1X2 -oyn K7 2im. Bezüglich der Anfrage des Herrn Rabb. Dr. Kanter erlaube ich mir aus die Erklärung des u? »u'iu hinzuwetsen, der darauf aufmerksam macht, daß die Grundbedeutung des aramäischen niy nicht aufhören, sondern hindurchgehen 12p bedeutet, z. B. 1., 15,17 ami p2 ny rrvdv pa su? n. Demgemäß muß die Targumstelle zu 111,26,6 übersetzt werden: „Die mit dem Schwerte töten, werden nicht durch Euer Land ziehen." Seminarlehrer E. Gut,'.Köln. * * * Die von Herrn Rabb. Dr. Kanter aufgeworfene Frage gestatte ich mir, aus folgende Weise zu beantworten: „Der Targum des betreffenden Verses heigt nicht föjnjws sN'p' >6 sondern jamo, worin gerade der Unterschied liegt. Dos Verbum pi'p' bedeudet wohl, verbunden mit der Präp. v abweichen, sich entfernen, dagegen mit der Präp. 2 ähnlich dem D212P Gen. 19, 2 (bei den zu Lot kommenden Engeln) „Einkehren, Halt machen" (eigentlich von der Marschroute abweichen). So heißt es auch hier, r„sie werden in Eurem Lande nicht ein lehren-, ist also die 1212.. Auch die Übersetzung 85112 phvpl die (sonst) mit dem Schwerte töten, nicht das Schwert selbst, dürste sich mit der Talmudstelle ovfo? bv 211 auch „neutrale Truppen" decken. Rabb. Dr. Ansbacher, Stuttgart. * * * Auf die Frage des Herrn Rabbiner Dr. Kanter, die Svin-Uedersttzrmg das #2X182 i2pv a*? aim betreffend, gibt bereits das Wort des isb rwn: Aufschluß, in dem er mit Recht daraus htnwetst, daß im Aramäischen die Wurzel nj> sehr oft in der Bedeutung von 12p, durchziehen, vorkommt, so u. a. D'lian pa *Dy 1i?X - X’rie J’2 tnjn. Ich möchte noch auf 2 Stellen aufmerksam machen, DJ>1 12p' 1p in Jesaja 26, 20 übersetzt mw buii vilipn ip, und in pB>mi 88a heißt es ii"?p iij>i '«proin iv2, wozu '"en bemerkt sl'ip Il2p-;i^p HP. Rabbiner Dr. Schiffer. (Briefe und Gutachten Rabbiner Chaim alberstnmms von Zauz). Herr Rabbiner MoseS ubin in JaSlo (Galizien), ein Enkel des „Diwre Chajim" beabsichtigt, die noch in der Welt verstreuten Briefe und Rechtsgutachten des gefeierten Rabbi zu sammeln und herauszugeben. Er bittet alle diejenigen, in deren Besitz sich Briefe deS „Diwre Chajim" befinden, ihm gewiffenhaft angefertigte Abschriften dieser Briese für die Zwecke der Herausgäbe zu überlasten. SabbakRnfang und Ausgang. 12102 N2W- Ort: Anfang Datum AuSgang UhrlMin. 1922 S«8K Uhr Mtn. Frankfurt a. M. 7 45 27. 29. 9 15 Berlin . . . . 7 30 Mai Ätar 9 08 München . . . 7 15 8 49 Löln. 7 45 9 30 Stuttgart. . - 7 — 9 05 Breslau . . 7 45 8 45 Nürnberg. . 7 -■ 8 58 &««&««* . 8 Bi 9 31 Familiennachrichten. Barmizwohfeier. Karl, Sohn des Herrn Ludwig Greils he im er, Homburg (Saar).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.