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Der Israelit · 1922-05-18 · Heft 20 (18.5.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 20 (18.5.1922)
Date
1922-05-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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IS Mar vm »er JsraeiU. Ht. 20 Betas tore Ostgaliziens hat ihre Beratnngen.abgeschloffen. Die Konferenz protestiert aufs schärfste gegen den jetzigen rechtlosen Zustand in den jüdischen Kultusgemeinden, die von Bolksfremden, nämlich von ernannten Regterungskommissären, rerwaltet worden, und nennt es ein Attentat auf die Jahrzehnte alte Autonomie der jüdischen Kultusgemetnden. Die Konferenz fordert für das jüdische Volk in Ost-Galizien die national-personale Autonomie auf der Basis der jüdischen Volksgemeinde. Hierzu müsse die jüdische Kultusgeweinde in eine aus demokratischen Wahlen hervorgegangene Volksgemeinde umgestaltet worden. Diese müsse, damit sie ihre Wahl erfüllen könne, die Steuerhoheit zuerkannt werden. Die jüdischen Volksgemeinden bilden eine zentrale Organisation mit einem jüdischen Nationalrat an der Spitze. Ueberdies wird die Errichtung eines Staatssekretariats für jüdische Angelegenheiten verlangt. Die Konferenz verlangt die eheste Ausschreibung von Wahlen zu den jüdischen Kultttsgemeinden und die Reformierung des jetzigen Wahlrechtes im demokratischen Sinne. Srhrvei;. SabbafSispens In Ser Sdiufe- L«z«r>», 10. Mal Im Luzerner Erziehungsgesetz vom 22. April 1922 hat §11, der den Dispens der jüdischen Schüler etc. betrifft, folgenden Wortlaut: „Die jüdischen Kinder sind an Samstagen und. israelitischen Feiertagen von allen manuellen Arbeiten (Schreiben, Zeichnen, Handarbeiten etc.) dispensiert. Das Paldflinamandaf vor dem Völkerbund. Genf, 11. Mai Die heutige geheime Eröffnungssitzung des Völkerbundes war zu einem Teil der Frage gewidmet, ob die Genehmigung des britischen Mandats über Palästina auf die Tagesordnung dieser Tagung des Rats gesetzt werden soll. Lord Balfour stellte den Antrag namens der englischen Regierung, er erklärte, daß die Verhandlungen mit der Regierung der Vereinigten Staaten über dieses Mandat beendigt seinen und daß die Vereinigten Staaten keinerlei Einwendungen gegen die Erteilung dieses Mandats an Großbrttanien erhoben hätten. Die Washingtoner Regierung verlange lediglich, daß für den Fall, daß einmal Großbrttanien nicht mehr das Mandat ausüben sollte, die früher in Palästina wie in der ganzen Türkei bestehenden Kapitulationen wieder eingeführt werden sollten. Lord Balfour führte aus, daß das Palästina- Mandat aus praktischen Gründen unbedingt so bald als möglich vom Völkerbundsrat genehmigt werden müsse. Die Lage in Palästina sei infolge der Gegensätze zwischen Juden und Arabern, , die zum guten Teil nur infolge der ungeklärten Rechtslage des Landes entstehen und verschärft werden könnten, so schwierig geworden. Es sei daher im höchsten Maße wünschenswert, daß der beständigen Bedrohung des Landes durch Unruhen und durch das Fortbestehen der ganz überflüssigen Besorgnis wegen der Zukunft des Landes ein Ende gemacht werde. Der Völkerbundsrat, der für den Frieden in der Welt besorgt sein solle, könne in diesem Teil der Welt dazu am besten beilragen, wenn er das britische Mandat über Palästina genehmige. England. Lands», 12. Mai. Das vom jüdischen Kriegserinnerungsfond eingesetzte zentrale Erziehungs-Komitee hat Herrn Herbert M. Adler zum Erziehungs-Direktor ernannt. In dieser Person sollen sich die Bestrebungen zur Hebung und Zentralisierung des religiösen Erziehungs- und Schulwesens in ganz England konzentrieren. In der letzten Sitzung der Schechtta- Kommission spielten die Beschwerden über die hohen Fletschpretse wiederum eine große Rolle. Es kam indessen zu keiner greifbaren Aktion, weil die Disziplinlosigkeit des Publikums selbst jeden Einstuß der gemeindlichen Behörden auf die Metzgereien illusorisch machte. Ualästtna. Effenbskn Jaffa-Pefadi Tihroah- Jaffa, 1. Mai In der Kolonie Petach Tikwah herrscht großer Jubel infolge der Eröffnung der Kleinbahn, die nun täglich von hier nach Jaffa und zurück fährt. Der Bahnhof befindet sich nördlich der Kolonie, wo auch Fabriken gebaut werden. Man verspricht sich von der Verbesserung des Verkehrs vtel für die wirtschaftliche Hebung und Vermehrung der Industrie in Petach Tikwah. Die neue paläifinenfifcfte öendameriegerufatem, 21. April. Nach einer Meldung des „Daily-Telegraph" ist die Rekrutierung der neuen britischen Gendamerie für Palästina nunmehr abgeschlossen. Die Truppe zählt. 700 Offiziere und Manschaften und wird von Colonel A. Mc. Ncil geführt. Nach Auflegung der Rekrutierungslisten hatten sich nahezu 5000 Mann um die Eintragung bemüht. Die Formation befindet sich gegenwärtig in einem britischen Südhafen, wo sie noch Train, material, Automobile, Wagen und Fahrräder empfangen wird. Die Kosten, die die Gendamerie jährlich verursachen wird, betragen noch dem genannten Blatt 300000 Pfund. Wie erinuerlich, ist die Aufstellung dieser halbmilitärischen Truppe erfolgt, weil ein Teil der britischen Garnison aus Palästina zurückgezogen wird. Die palästinensische Regierung hat der jüdischen Kolonie Chedera als Ersatz für die bet dem arabischen Ueberfall im Mai 1921 erlittenen Verluste 3000 Pfund Sterling überwiesen. Wie aus Oman gemeldet wird, ist der arabische Feldherr Rida Pascha Jl Rakabi zum Regierungschef von Trans jordanien ernannt worden. In arabischen Kreisen hat diese Maßnahme große Befriedigung hervorgerufen. Der neue Regierungschef ist unter Faisuls Herrschaft Gouverneur von Damaskus gewesen. (Ziko). Amerika. AerwHork, 1. Mai. Die Union Amerikanisch-jüdischer Gemeinde in Cmcinatti ersucht uns, ganz besonders auf die geltenden amerikanischen Einwanderungsgesetze hinzuweisen, wonach idiotischeKinder, selbst wenn die Eltern amerikanische Bürger sind, unter keinen Umständen in Amerika zugelaffen, sondern deportiert werden. Dadurch, daß bas Vorhandensein dieser Gesetzesbestimmung vielfach nicht beachtet wird, kommen furchtbare Tragödien zustande, die den amerikanischen Behörden sehr peinlich sind, nach Lage der Gesetzesbestimmungen aber nicht von ihnen vermieden werden können. Die ostjüdische Presse wird dringend gebeten, diese Warnung zu verbreiten. Amerika undldas PaMina-Mandai. Washington, 6. Mai Der Senat hat auf Antrag Lodges einstimmig eine Resolution angenommen, wonach die Regierung der Vereinigten Staaten die Errichtung eines „nationalen Heimes" für die Juden im Sinne der Balfour-Erklarung be* günstigt. Oie nnfi-Jmmigrafionsberoegung in fimeriha. Washington, 31. März. Der bekannte Kämpfer für Jmmtgrationsbeschränkungen und Verfaffer des im Kongreß eingebrachten, bis jetzt noch nicht angenommenen Immigrations-Gesetzes, Abgeordneter Johnson, hat dem Kongreß einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach alle Fremden, die bisher noch nicht'naturalisiert sind, verpflichtet werden, sich bet den Regierungsbehörden registrieren zu lassen. Es besteht die Aussicht, daß das Gesetz angenommen werden wird, da die die Administration beherrschende Republikanische Partei, wie auch das Arbeits-Departement der Regierungen unermüdlich daran arbeiten, das Gesetz noch in dieser Sitzungsperiode durchzubringen. Der jüdische Kongreß-Dtlegierte von Chicago Sabbat hat durch das I. C. D. in New-Uork an alle jüdischen Zeitungen die Bitte gerichtet, alle noch nicht naturalisierten Juden aufzufordern, sofort die erforderlichen Schritte einzuleiten, damit sie die ersten Dokumente zwecks Naturalisierung ausgefolgt erhalten. Dadurch würden stie unter das oben erwähnte Gesetz nicht fallen. (I. C. B.) SndA^lka. 6eneral Smufs und die Emigration nach Südafrika- IohLMÜsSnrg, 24. April. Bekanntlich sind aus Anlaß der unlängst vorgekommenen Unruhen im Rand-Gebiet (Kap- Kolonie) starke Einschränkungsmaßnahmen gegen gegen die Emigration nach Südafrika getroffen worden. Dieser Schritt ist auf die weitverbreitete Meinung zurückzuführen, (aß der Aufstand von Ginge wanderten aus Osteuropa einen starken Anstoß erhalten habe. Im südafrikanischen Unterhause nahm die Debatte über die infolge der Unruhen zu treffenden Maßnahmen zwölf Tage in Anspruch. Im Verlauf der Debatte gab der englische Gouverneur, General Smuts, die Erklärung ab, die Regierung beschuldige keineswegs die Juden, daß sie die Führung in den Unruhen innegehabt haben; die bevorstehenden JmmigrattonSbeschränkungen werden deshalb nicht in judenfeindlichem Sinne ausgelegt werden. Der Abgeordnete Barlow fragte im Aufträge seiner jüdischen Wähler, ob der Paragraph bezüglich Emigrationsbesckränkungen nur Asiaten (lies Juden) betreffe. Darauf antwortete der Minister des Innern, Herr Doncan, davon könne gar keine Rede sein. Die Beschränkungen richten sich gegen Europäer, Asiaten, wie auch gegen Einwanderer aus allen anderen Weltteilen. (I. CB. Vermischtes. Berlin, 4. Mai. Der preußische Minister des Innern richtete an die Orts- und LandeSpolizeibehörden eine Verfügung, in der er aus die Zunahmeder Fälle hinweist, in denen Flugblätter öffentlich verr trieben werden, die in Wort und Bild den „Charakter antisemitischer Hetze" tragen. ES sei Pflicht der Polizei, bei Verbreitung derartiger Flugschriften nachzuprüfen, ob ihr Inhalt den Tatbestand einer straf, baren Handlung darsteüt und gegebenenfalls auch durch Beschlagnahme der Flugblätter einzuschreiten. Berlitt, 7. Mat. In der Alhambra am Kurfürstenüamm fand vor geladenen Gästen die Aufführung des auf Veranlaffung des «Jüdischen NattonalfondS" gedrehten Films des neuen jüdische Palästina statt. Berlin, 8. Mai. Eine charakteristische Geschichte teilt die „W. a. M." aus dem Dorfe Zippnow, Kreis Deutsch.Krone mit: Ein Fremder besichtigte die dort ausgestellte Tafel mit den Namen der im Weltkrieg gefallenen Einwohner des Dorfes. Auf seine erstaunte Frage nach der großen Zahl wurde ihm gesagt, daß es eigentlich sogar noch mehr wären; nämlich außer den Verzeichneten sei noch ein Jude geallen. Den habe man aber nicht auf die Gedenktafel gesetzt, weil man mit den Juden nicht» gemein haben wollte. Uns wundert das nicht. Hier ist nur im Kleinen geschehen, was die berüchtigte „Judenstalistik" des KriegsminifteriumS im Großen gemacht hat. Berlin, 10. Mat. Eine recht kostspielige antisemitische Rüpelei war es, die im März vorigen Jahres gelegentlich der Enthüllung eines Denkmals für die Gefallenen der Landwirtschaftlichen Schule in Dahme (Mark) vor sich ging. Nach der Denkmalsenthüllung fand damals in einem Hotel zu Dahme eine Feier statt, in deren Verlauf ein zufällig anwesender jüdischer Herr von zwei.etwas angeheiterten Festteilnehmern tätlich angegriffen wurde, als ein anderer Gast sich ins Mittel legen wollte, erhielt er von Festteilnehmern Ohrfeigen. Das Schöffengericht verurteilte die beiden „angesehenen Landwirte", zu einer Geldstrafe von je 75.000 Mark. Breslau, 2. Mai. Die Breslauer Synagogengemeinde hat das - dem Lehmgrubener Diakonissen-

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