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Der Israelit · 1922-05-18 · Heft 20 (18.5.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 20 (18.5.1922)
Date
1922-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite « Kt. S* Der AstselA. 1« Mai IttS Mutterhaus gehörige Terrain hinter der Israelitischen Kranken-Derpflegung?anstakt zwischen verlängerter Neudorfstratze, Menzelstraße und Kirsch-Allee angekauft, um dort später einmal eine durch daS Wachstum der Gemeinde erforderliche Synagoge, ein Gemeindehaus und andere Bauten zu errichten. Ais Kaufpreis wurden rund 90V 06V Mar? genannt. Die behördliche Ge« nehmigung zu dem Eigentumsübergang steht noch aus. Schriesheim, 7. Mai. Am 1. Pesiachtaa fand hier die Einweihung der Gedenktafel für die im Wcitkricge gefallenen drei Söhne der hiesigen Gemeinde statt. Die Gedenkiafel wurde von den Angehörigen der Gefallenen gestiftet und umfaßt die -kamen: Leopold Oppenheimer, Bernhard Marx und Abraham Fuld. Herr Lehrer Heller aus Leutershausen hielt eine ergreifende Gedächtnisrede. München, 23. April. Als der „Völkische Beobachter" im September 1921 zeitweise verboten war, erschien in München ein Ersatzblati „Bayern heraus". Dieses Blatt brachte unter der Ueberschrift „Maulwürfe" einen Artikel, in dem dem „Zeniraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" vorgeworfen war, daß er mit der „deutschfeindlichen" Alliance Jsraelite Universelle eine Arbeitsgemeinschaft gebildet habe; weit.rhin wurde dem Zentralverein der Vorwurf laudesverräterischer Machenschaften gemacht und die Staatsanwaltschaft zum Vorgehen gegen ihn wegen Landesverrat ausgrsordert. Wegen dieser Vorwürfe stellte der Vorsitzende des Zentralvereins, Justizrnt Dr. Brodnty Berlin, gegen den Schriftleiter Hans Sommerer Beleidigungsklage, die vor dem Schöffengericht München zur Verhandlung kam. Der Verleidiger kündigte zuerst einen umfangreichen Wahrheitsbeweis an, erklärte sich jedoch dann auf Anregung des Vorsitzenden zu einer vergleichsweisen Erledigung der Sache bereit. Es kam dann auch ein Vergleich zustande, in dem der Angeklagte erklärte, er habe den' Artikel etngeschickt bekommen und nehme den Vorwurf, der Zevlralveretri deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens unterhalte Beziehungen zur Alliance JSraeliie Universelle und habe Landesverrat getrieben, als unbegründet zurück. Der Angeklagte verpflichtete sich zur Tragung der gesetzlichen Kosten und zur Beröffentlichung des Vergleichs in drei Münchner Blättern München, 20. April. Eine Versammlung der Bayerischen Mitteistandspariei wurde zu einer antisemitischen Hetze mißbraucht, die selbst in Bayern ihresgleichen sucht. Mir dem Namen Rathenau peitschte der Bersammlungsredner die niederen Instinkte des Pöbels derartig auf, daß fortgesetzt Ruse zu Gewalttaten gegen die jüdische Bevölkerung Münchens laut wurden. Selbst zum Totschlag an dem bayerischen Ministerpräsidenten wurde aufgesordert. Eine Anzahl Versammlungsteilnehmer drohten, die Ausweisung ihres antisemitischen Führers mit dem Pogrom in München zu beantworten. Hoffentlich findet die bayerische Regierung jetzt die Kraft zum Einschreiten. Budapest, 0. Mai. Im Sinne einer Verordnung des UnterrichtSministers Baß wurde heute den meisten jüdischen Mitgliedern des unter staatlicher Berwa tung stehenden Stadttheaters, deren Kontrakt heute abgelaufen ist, die Kündigung übersandt. Unter den Entlassenen befindet sich auch der Musikdirektor Desider Markus. Frankfurter Krrichte. Kermarm Zuntz Nach langem Leiden, das er mit Geduld und Hoffnung ertragen hat, starb am p"cnx JOB» im geseg. neten Alter von 76 Jahren Hermann Zuntz, ein würdiger Nachkomme einer der ältesten Frankfurter Familien. Hermann Zuntz, deffen Bescheidenheit sich mit tiefer Frömmigkeit und reichem Wissen paart, war keiner von denen, die in der Oeffemlichkeit nach Betätigung und Anerkennung haschten. Aber er war einer jener wirklich Frommen, die in der stillen Aus- Übung jeglicher nso immer an rechter Stelle stehen. Er war vor allen Dingen ein eifriger und beliebter 7H1», dem Tausende ihre Einführung in den nma» nns verdanken, er war eines der unermüdlichsten Mttglieder der p"fi, und er war langjähriger Vorsitzender des Minjanverrins. Schon diese selbstgestellten Aufgaben, die er mit nie ermüdender Fürsorge erfüllte, zeigen die Sinnesart, in der der Verblichene wirkte, selbstlos bis zum Aeußersten, immer hilfsbereit da am Ort, wo ihn kein augenfälliger Dank erwartete, bei Verstorbenen und Unmündigen. Dabei war er ein Lhasa«, der jahrelang in der „Niederhofheimschen Schul" das Vorbeteramr versah und peinlich die Frankfurter Traditionen beachtete. Wie er denn überhaupt ein Stück Frankfurter Geschichte bildete und jeden Minhag genau kannte und ausübte. Ein großer Freundeskreis erfreute sich an seinem Umgang, den er immer interessant zu gestalten und mit unzerstörbarem Humor zu würzen wußte. Von der Verehrung seiner Augehörigen getragen, hätte man ihm einen besseren Lebensabend gewünscht, als ihm der unerforschte Ratschluß des Höchsten beschteden hatte. Im Patriarchenalter von 70 Jahren verlor er durch einen Straßenbahnunfall einen Fuß und ein körperliches Leiden zwang ihn lange aufs Krankenlager. Seine Beliebtheit spiegelte sich in der großen Beteiligung an seiner Lewaje, dei der Herr Gross-Frankfurt am Eaohenhclaner Turm TANZ-PALAST Kaffe« ersten Ranges Wainklauss SSSKT SCHUMANN- Theater mit dem sensationellen großen VARIETE Programm ist heute das Tagesgespräch Täglich 77t Uhr: Grolle Vorstellung. Näheres siehe die Anschlagsäulen. Rabb. Dr. Horovitz in zu Herzen gehenden Worten die Wesensart des Heimgegangenen schilderte und Herr Prof. Fink den Dank des Minjanvereins für hingebende Arbeit aussprach. Krau Ada Hotttzeimer r\"v- Am Sabbat morgen verbreitete sich völlig uver. wartet die Kunde von dem Tode ber Frau Jda Gotlheimer, die allüberall im Kreise ihrer Bekannten und der Freunde der Familie große Bestürzung hervorrief. Einer hochachtbaren Lehrerfamilie entstammend, wußte sie mit den Traditionen des Elternhauses auch das Haus ihres Mannes als echte HPK zu einem Apv enpe zu gestalten, zu einer Pflanzstätte von Thora und Gottesfurcht, sodatz man an ihrer Bahre, an der auf ihren eigenen, zu Lebzeiten geäußerten Wunsch kein Laut der Klage ertönen durfte, das Wort des weiien Königs hätte anwenden können: iaj5 ,-i^N'i nf?3?s nvm'i. Wie sie es verstand, in echt jü' difchem Sinne ihrem Manne bei der Leitung ihres Hauses und Erziehung der Kinder zu Seile zu stehen, so wußte sie auch, sich durch ihr stilles, freundliches Wesen und stete Hilfsbereitschaft die Liebe und Achtung aller zu erwerben. Stummer Schmerz vereinigte am Sonntag nachmittag eine große Trauergemetnde in der Friedhofshalle um die Bahre der herrlichen Frau. Wir werden ihr ein ewiges, ehrendes Angedenken bewahren. n"sa:~ Iran Louise Izialoszpnsky Am Sabbat p'cns folgte zwei Monate nach dem Tode des Louis DzialoszynSky, Frau Louise DzialoszynSky plötzlich und unerwartet ihrem Manne in den Tod. Einem echt jüdischen Hause entstammend, stand sie ihrem Gatten, der als Meister des stillen WohltunS allbewundert war, tapfer und wacker zur Sette, sodatz seine unve^xoilchlichen Verdienste zum guten Teile auch ihr zu gute kommen. 2'v'p^n; w2nrun. vnw kS arm»! crr'na Welch großer Beltebheit sie sich erfreute, davon legte das große Trauergefolge bei der ''1? Zeugnis ab. Möge das N127 der Eltern den in echt jüdischem Sinne erzogenen Kindern beistehen. Kammtung des Gumperchfcheu Siecheuyaufer. Mit Beziehung auf den im Anzeigetetl unseres Blattes veröffentlichten Ausruf zu Gunsten des Gumpertzfchen Siechenhauses bittet Herr Rabbiner Dr. S. Breuer um die Feststellung, daß er zwar der zu Gunsten des GtechenhauseS eingeleiteten Sammlung vollen Erfolg wünsche, daß er aber seinen Beitritt zu dem Hilfskomitee nicht erklärt habe. Agudas Zisroel-Iu-euhgru-pe Die Generalversammlung der Agudas JkSroel- Jugendgruppe fand am 16. Jjar dei guter Beteiligung statt. Der Tätigkeitsbericht, aus dem besonders die Betätigung auf sozialem Gebiet hecvorzuheben ist, wurde von Herrn Dr. Ehrmann erstattet. Nach einer ausgedehnten Diskussion wurde über eingelaufene Anträge beraten. Er wurden auf Grnnd der Anträge beschlossen: 1. Die Gründung einer „Aule Erez JiSrol-- Gruppe", die sich mit der Vorbereitung junger Leute am: Einwanderung nach Erez JiSrorl befassen fall; 3. eine sofortige Aktion gemeinsam mit der Ortsgruppe zugunsten GowjebRutzlands einzuleiten; 3. einen AuS- 1 chuß zu gründen, deffen Aufgabe eS ist, jungen Leuten von auswärts in jeglicher Weise (Beschaffung von Zimmern, Stellen, Einführung in Familien) behilflich zu sein; 4. ebenso eine Beratungsstelle für Limud Thauro, umfassend die Schiurtm sämtlicher gesetzeStreue» Vereine Frankfurts. Ferner wurde beschlossen, unverzüglich mir allen in Frankfurt bestehenden gefetzestreuen Vereine, gleich welcher gemeindepoltttschen Richtung in Verbindung zu treten, um den Zusammen, schlutz der gesamten gesetzestreuen Jugend Frankfurts zu erwirken. Die Wahl ergab folgendes Ergebnis^ Dr. Ehr mann, Vorsitzender, Ernst Adler, Ludwig Frank, Theoder Klein, S. Obern dörser, Gersorr Schnerb, Fritz Stern und Siegfried Wreschuer; für die Mädchengruppe: Fanny Sänger, Vorsitzende, Rosel Cohn, Hanna Flörsheim, Frieda Hirsch, Sara Land sberg, Hedwig Oster und Jda Rothschild. Jüdische KarrdmerLer. In imposantester Weise tagte diese Woche in unserer Stadt der „Verband jüdischer selbständiger Handwerker und Gewerbetreibender Deutschlands.'' Die Eröffnungsfeier am Sonntag vormittag wie der Festabend am Montag in der Frankfurt-Loge brachte« künstlerische Darbietungen ersten Ranges, dank der Mitwirkung hervorragender Kräfte der hiesige» städtischen Theater und des Gesangvereins Liedertafel. Auch Begrüßungen, Ansprachen und Prologe feierte» den Anlaß, der daS jüdische Handwerk zu Ehre» bringen soll. Die geschäftlichen Verhandlungen fanden Montag und Dienstag vormittag statt und brachte« neben den Geschäfts- und Kaffeberichren Referate der Herren Wolfs und Silberberg, Berlin, über „Wirtschaftliche Handwerkerfragen" und „Propaganda", ebenso der Herren Heinemann, Hamburg und Goldmann, Hannover. Ersterer sprach über „Die Bedeutung der jüdischen Handwerker für das Judentum" und letzterer über LehrlivgSfragen und Berufsberatung. Ein kunstvoll ausqestatlettS Programm- Heftchen mit einem hübschen Geleitwort stellt dem Geschmacke des Frankfurter Vereins selbständiger israelittfcher Handwerker und Gewerbetreibender, der als Herausgeber zeichnet und auch die festliche Beranstallungen organisiert hatte, daS beste Zeugnis aus. Verein-kalender. Verei« Mekor Chaji«. SamStag vorm, nach Schluß der Synagoge „Dintm"; Herr Rektor Falk. — mittag 12 Uh? „Melochim"; Herr Prof. A. Wey l. — nachm. 7,5 Uhr im Vereinslokale: „Mikro"; Herr Dr. Rothschild. — Eine Stunde vor Nacht im Hörsaale Friedberger Anlage: „Midrasch"; Herr Rektor Falk. Sonntagvorm. 9 */4 Uhr: „Gemoro"; Herr R. A. G. Posen, — abends präzis 8l/t Uhr: Geschichtsvortrag über „Der M a h a r t l und sein Einfluß auf unsere Mtnhagim und Synagogenmelodien''; Herr Redakteur Schachnowitz. Montag und Mittwoch abend 7 Uhr: „Gemoro"; Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. Dienstag abend 6 Uhr: „Gemoro"; Herr R. A. G. Posen. Donnerstag abend 6 Uhr: „Mischnah"; Herr Rektor Falk. Allmorgendlich „Mischnalernen". Allabendlich „Schatz-Lernen"; Herr H. H a l p e r » Jahrzeitstiftungslernen: SamStag vorm.: Oberkantor Julius FrieSländer- Stiftung. Dienstag früh: Israel Roos-Stiftung. Mittwoch früh: Abraham Fürth-Stiftung. Dgndas JiSroel-Jngendgrnppe. Samsiagvorm. 7,U—7,12 Uhr: «Chaje Odom"; Herr Dr. W. H o f m a n n, Eschenheimer Anlage 1. — 117, Uhr: „Schatz"; Herr H. Halpern. — 11-/. Uhr: „Mischna"; Herr «.Htrschberg.- nachm. 1 Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Hofmann. — */* Stunde vor Nacht: „Seftroh- Lernen"; Herr Dr. Ehrmann. Sonntag vorm., 8 Uhr: „Chmntsch mit Nascht"; Herr Leopold Oppenheimer. — 7t Stunde vor Nacht: ^Sefiroh-Lernen"; Herr Rachelsohn. Montag norm., sowie an allen anderen Wochentagen von %7—7|8 Uhr: „Sanhedrin - Schiur"; Herr Dr. Ehr mann. — 7, Stunde"oor Rächt: „Sefiroh-Lernen"; Herr Dr. Markus Lange. — 9 Uhr: „Mischna" für Fortgeschrittene; Herr erm. Htrschberg. — 9 Uhr: „Newijtm"; err S. Unna, Kleine Wbermainstr. 30. Herren und Damen. Dienstag abend V, Stunde vor Nacht: „Sefiroh- Lernen"; Herr Dr. Hofmann. — S Uhr: „Gemoro"; Herr Dr. Hofmann. Mittwoch abend 7, Stunde vor Nacht: „Seflroh- Lernen"; Herr Prof. Sulzbach. — 9 Uhr: „Sukkoh"; Herr Leop. Oppenheimer. Donnerstag abend 7» Stunde vor Nacht: „Sestroh« Lernen"; Herr 91 Atom. — 7,9 Uhr; BüchsvauSgabe. — 9 Uhr: „Mifchna" für Gortgrfchrittene; Herr Her«. Htrschberg. Ngrrdas Fisroel-Mädcherrgrnpye. SamStag vorm. 117, Uhr: „Tehtllim"; HerrLouiS Kahn. — nachm. S Uhr: „Thauro"; Hers Lehrer Hirschberg. Montagabend Vs#Uhr:„HebräischerSprachkursus"; Frl. E. Horostcz.

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