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Der Israelit · 1922-05-18 · Heft 20 (18.5.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 20 (18.5.1922)
Date
1922-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SGette 4. 9h. SO Der JSraeM. 18. Mai 198B dazu entschließen, diej Betriebseinschränkungen, insbesondere die Schließung der Entbindungsanstalt, wieder aufzuheben, weil ungeachtet dieser Schließung das Defizit zur Zeit 5V, Millionen Mark p. a. beträgt. Die letzte Sitzung der Nepräsentantenversammlung brachte einen erneuten Kampf um die Schaffung getrennter Kultuskommissionen. Der Vorstand wehrt sich noch immer gegen die Anerkennung der offenkundigen Tatsache, daß orthodoxes und liberales Judentum uuvereinbare Gegensätze sind und die ganze Idee eines orthodox-liberalen Einheits-Judentums wahrheilswidrig ist. In der Reprasentantenversammlung fand jedoch oer Antrag naturgemäß — allein gegen die eine Stimme der Mittelpartei — Annahme, daß aus den Synagogenvorständen der orthodoxen, bezw. der liberalen Synagogen eine Art von KultuS-Kommissionen jeder Richtung gebildet werden solle und daß diesen Kommissionen eine gewisse Autonomie verliehen werden solle. Es ist k«um zu bezweifeln, daß trotz des bisher noch andauernden Widerstandes vom Vorftandstische die Tendenz dieser Anträge schließlich durchdringen wird. Merlin, 15. Mai Die Vereinigung traditionell - gesetzeSLreuer Rabbiner Deutschlands hält ihre IX. Generalversammlung am 10. und 11. Siwan 5682 (6. und 7. Juni 1922) im „Lehrervereinshaus" (Borsaal zum großen Festsaal), Alexanderstr. 41 in Berlin ab. Die Tagesordnung lautet: 1) Bericht des Vorstandes. 2) Die geistigen Aufgaben der deutschen Judenheit hinsichtlich a) der allgemeinen Hebung jüdischen Wissens, Rabbiner Dr. Kl ein-Nürnberg - b) der Apologetik für Talmud und Schulchan Aruch, Rabbiner Dr. Lieb ermann-Berlin (stehe auch Nr. 6 der Tagesordnung). S) Allgemetnfragen der Judenheit (Ostjuden, tum- V pK 21V"), Rabbiner Dr. Kohn- Ansbach. 4) Halachtsche Referate: a) 'Vs ftijVi/ niJWn narfcö 'NX1' Rabbiner Dr. Schiffer- Karlsruheb) Mediztnisch-Halachisches. Dr. med. Biberseld-Berlin als Gastc) Feststellung des nnttO von Präparaten, Dr. Meier Munk- Berlin als Gast. 5) Aufgaben der deutschen Judenheit zur Erhaltung der Gemeindeeinrichlungen und Beamten in den leistungsschwachen Synagogengemeinden (Rabb. Dr. Horovitz- Frankfurt a. M. und Rabbiner Dr. Auerbach. Halberstadt. 6) Die geistigen Aufgaben der deutschen Judenheit (Fortsetzung) hinsichtltche) Schulen und Lehrer, 1) im Besonderen: Jüdische Allgemeinschulen, Schuldirektor Dr. Carle bach-Hamburg, 3) im Besonderen: Religionsunterricht an nichtjüdischen Allgemeinschulen und in den Religionsschulen, Rabbiner Dr.I. Bleichrod e-Berlin. Kegen Sie vlliuSen. Merlin- 14. Mat. Angesichts der ewigen Hetze der antisemitischen Organisationen gegen die Einwanderung der Ostjuden, wobei man an die Instinkte der Wohnungsuchenden appelliert und den Wohnungs- Mangel mit dem angeblich ungeheuerenZustrom oft- Sabbat-NAang and Ausgang. 'npm nm raw- Ortr Anfang Datum AuSgang Uhr Min. Ivss Uhr Wn. Frankfurt a. M. 7 40 20. 22. S 05 Berlin .... 7 30 Mai Jtar 9 08 München . . . 7 15 9 40 «öl«. 7 45 9 15 Stuttgart. . 7 — 8 55 Breslau . . . 7 SS 8 83 Nürnberg. . . 7 - 8 48 HmuSurr. . 8 18 9 18 jüdischer Elemente erkläret, find die Angaben über die tatsächliche Zahl der Einwanderung, wie sie in der soeben dem Reichstage zugegangenen Denkschrift deS Ministeriums des Innern enthalten ist, doppelt interessant. Diese Denkschrift kommt auf Grund sehr eingehenden Materials zu dem Ergebnis, daß der Ueberschuß der Einwanderung der Kriegs- und Nachkriegszeit über die Abwanderung rund eine Million Köpfe beträgt. Von dieser Million kommen aber auf die ostjüdische Einwanderung nur 50000 J6tS 60000 Köpfe, d. h. 5 btS 6 Proz. Aber selbst diese Prozentzahl ist noch zu hoch, denn die Denkschrift kennt merkwürdigerweise nur Ausländsdeutsche, Elsaß-Lothringer, Flüchtlinge auS den abgetretenen Gebieten, Deutschstämmige, Balten und — Oftjuden, während z. B. der Strom der russischen Einwanderung mit keiner Silbe erwähnt wird. Sicherlich aber ist die Zahl der Kernrussen, die vor dem BolschewiSmus nach Deutschland geflohen sind, weit höher, als die Zahl der in Deutschland noch ansäsfigrn Ostjuden. Was nun diese speziell anbelangt, so ist bemerkenswert, daß bereits eine sehr starke Rück- und Abwanderung eingesetzt hat. Die Denkschrift nimmt an, daß während des Krieges und in der Nachkriegszeit 100000 bis 10S00S ostjüdische Arbeiter nach Deutschland eingewandert sind, davon sind — so drückt sich die Denkschrift aus — 80000 während des Krieges „eingrwandert". Während des Krieges waren die Grenzen bekanntlich fest geschlossen. Diese 30000 (die Zahl ist in Wirklichkeit zu niedrig) sind die von Ludendorff zwangsweise aus Polen importierten ostjüdischen Arbeiter. Von der Gesamtheit der Eingewanderten sind nun aber in der Nachkriegszeit bereits 47000 wieder ausgewandert, meist nach Amerika. Es verbleiben danach etwa 55000 ostjüdtsche Zuwanderer, die dank der Tätigkeit des Arbetterfürsorgeamtes über die gesamten Industriegebiete Deutschlands verteilt sind, von denen also nur ein Bruchteil auf Berlin kommt. w wm in ' l i —... Das jüöifche flrbeiterfürforseamf. ' Merlin, 4. Mai. Am 11. April fand in Berlin die Vertreterversammlung des „A r b e i t e r f ü r so r g e - amteS der jüdischen Organisationen Deutschlands" statt. Nach Eröffnung der Tagung durch den Boritzenden, Herrn Dr. Siegfried Moses, erstattete rer Generalsekretär, Herr Alfred Berger, den Bericht über die Arbeit des vergangenen Jahres, owie über die Lage der Ostjuden in Deutsch, land. Aus dem umfangreichen Bericht, der starkes Interesse fand, seien hier nur die Zahlen erwähnt, die von dem Umfang des Hilfswerks des Arbeiterfürsorgeamts eine gewisse Vorstellung geben. Im Flüchtiingsheim in der Wiesenstraße zu Berlin wurden im Jahre 1221 104 000 Betten ausgegeben. In Berlin allein wurden 175000 Eßportionen verteilt. Die Zahl der durch das Arbeilersürsorgeamt behandelten Paß-Angelegenheiten usw. im Jahre 1921 beträgt 17200. Der Umfang des Geschäftsverkehrs wird durch die Zahl der aus- und eingegangen Briefe in Höhe von 22392 gekennzeichnet. Insgesamt wurden durch daS Arbeiterfürsorgeamt im vergangenen Jahre ca. 6,5 Millionen Mark für Fürsorgezwecke vereinnahmt und verausgabt. Diese außerordentlich hohen Summen sind zu einem großen Teil der Hilfe unserer ausländichen Freunde zu verdanken. Insbesondere der Zoint, dessen Direktor Dr. Bernhard Kahn dem Arbeiterfürsorgeamt immer besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge widmete, hat sich mit außerordentlichen Summen beteiligt. Aber auch andere Institutionen, wie z. B. die Jca haben sich mit größeren einmaligen Spenden am Hilfswerk in Deutschland beteiligt. Doch auch die Deutsche Judenheit hat zu diesem Hilfswerk erhebliche Summen beigetragen. Rur die opferwillige Zusammenarbeit aller Kreise war emöglich, das Erreichte zu leisten. Besonderes Interesse weckten die Ausführungen über die politische Seite der Arbeit und über die Abwehraktton. Mit besonderer Genugtuung wurde die Mitteilung über die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen ostjüdischen und deutschen Arbeiten ausgenommen. Ebenso fanden die Zeugntffe der Arbeitgeber über die Leistungen der jüdischen Arbeiter sichtliches Interesse. Zum Schluß wurde ein besonders wichtiger Beschluß für die Zukunft deS Hilfswerks in Deutschlands gefaßt: der Arbeitsgemeinschaft mit der Zentralstelle für Wanderfürsorge wurde einstimmig zuge stimmt. Die Vertreterversammlung beschloß, erneut die gesamte deutsche Judenheit, insbesondere die jüdischen Gemeinden und Institutionen zur tatkräftigen Mitarbeit und finanziellen Unterstützung des HilfSwerkS des Arbeiterfürforgeamtes aufzurufen und drückte die Hoffnung aus, daß dann auch unsere ausländische Freunde, insbesondere der Joint, ihre erneute Mithilfe nicht versagen werden. Die 5teuem klir öle Berliner jüöifche kemelnSe- Merlin, 10. Mat Der Vorstand und die Reprösentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde haben die Steuern für das Steuerjahr 1922 (April 1V22 bis März 192S) auf 8 */, der Reichseinkommensteuer für April bis Dezember 1921 festgesetzt. Dabet sollen Reichseinkommensteuersätze bis einschließlich Mk. 300.— von der Veranlagung zur Gemeindesteuer für 1922 fretgelassen werden. (J.C.B.) Nus Ser Breslauer SvnaaogengemelnSe. Mreotan, 7. Mat Die Ergänzungswahlen für die Repräsentanten ergaben am Sonntag folgendes Resultat: Es wurden gewählt an Stelle des verstorbenen Prof. Dr. Wohlauer zum Vorsitzenden der Repräs entantenvers ammlung Justizrat P e t s e r, bisher stellvertretender Vorsitzender, zum Stellvertreter des Vorsitzenden der bisherige Schriftführer Justizrat Kalisch und Kaufmann Max Gins zum Schriftführer. In der gleichen Sitzung wurden Erhöhungen der Teurungszulagen für die Beamten und Angestellten vom 1. April d. IS. ab, die einen Mehraufwand von 602000 Mk. erfordern, genehmigt. Der „Israelischen Krankenverpflegungsanstalt" bewilligte man für 1931/32 eine weitere einmalige Beihilfe von 300000 Mk. und dem SiechenhauS für daS EtatSjahr 1921 eine solche von 30000 Mark. Kauzig, 10. Mai Auf einer Sitzung des Danziger jüdischen Gemeindevorstande» stellten die zionistischen Repräsentanten den Antrag, daß die Gemeinde demonstrativ 10000 Mark für den Keren Hajeffod zeichnen solle. Der Antrag wurde abgelehnt. Voten. Buk Ser lllanSerlckakt. LemSerg, S. Mai Alle Bemühungen, die in Polen und Galizien Ich befindenden Hetmlofen aus Rußland vor rem Geschicke der Austreibung zu bewahren, scheitern am üblen Willen der Behörden. Nach Verordnung der Polizetdirektion in Lemberg kann der Aufenthalt der Emigranten in Galizien noch ein wenig verlängert werden, jedoch müssen sie spätestens innerhalb eines MonatS das polnische Gebiet verlassen. Die Verordnung stützt ich auf eine Entscheidung des Ministeriums, die auch für Warschau und ganz Kongreß-Polen maßgebend ist. Die Konteren? 9er jü9ifdi-nafiona[en ITianöafare in Lemderg. ^emöerg, 10. Mat Die Konferenz der jüdisch-nationalen Manda-

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