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Der Israelit · 1922-05-18 · Heft 20 (18.5.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 20 (18.5.1922)
Date
1922-05-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. S0 Sette 8 iS. Mal 1983. Der LSraeltt. ltcherweise würden sich auch die Zionisten dieser Forderung anschließen, besonders bezüglich des neunten Aw. Es stehe auch für ihn zu befürchten, daß die orthodoxen Rabbiner überhaupt eine besondere Ferienverordnun g für jüdische Volksschulen verlangen werden und damit' die Kluft zwischen der jüdischen und unjüdischen Jugend noch mehr erweitern. Becker ist auch über die zweideutige Bezeichnung „religiöse Hebungen" entsetzt. Er zetert: „Sollen die , Schüler der jüdischen Volksschule vielleicht ge- 'meinsam in die Synagoge geführt werden, gemeinsam zum „Taschlrch machen", zur Anbetung desMondeS(?) (Levone makadesch) antreten?" Er findet zwar einigen Trost im angezogenen Artikel der Verfassung, der besagt: „die Erteilung religiösen Unterrichts und die Vornahme kirchlicher Verrichtungen bleibt der Willenserklärung der Lehrer, die Teilnahme an religiösen Unterrichtsfächern und an kirchlichen Feiern und Handlungen der Willenserklärung desjenigen überlasten, der über die religiöse Erziehung des Kindes zu bestimmen hat." Aber ganz kann dieses Ventil den Herrn nicht beruhigen. Er sieht eine Fülle von Konflikt-Stoff zwischen Lehrer und Rabbiner, Gemeinde und Eltern usw. „Werden die Eltern", so sragt er, „sich nicht infolge dieser Konflikte veranlaßt sehen, ihre Kinder in die christlichen Bekenntnisschulen zu schicken? Was wird aber dann ans der jüdischen Volksschule?" Es sind noch mehr der tiefen Weisheiten, die der Berliner Satrape des Liberalismus in dieser Epistel verzapft. Wir wollen aber hier stehen bleiben und Herrn Becker bet Wort nehmen - „Was wird aus der jüdischen Volksschule" und mit welchem Rechte sollte sie noch diesen Namen tragen, wenn sie es nicht einmal wagen dürfte, die jüdischen Feiertage für schulfrei zu erklären, ihre eigene Ferienordnung so zu erlassen, daß auch Halbfeiertage berücksichtigt werden und jüdische Gedenktage dem Anlaß entsprechend zu feiern? Warum entsetzt er sich so sehr bei der Möglichkeit eines gemeinsamen Schulganges nach der Synagoge oder gar eines gemeinsamen Mondwetheqebetes auf dem Schulhofe? Warum wird er, nach einem Worte dieses Gebetes — nnai nna1« arr^ — von Angstanfällen geschüttelt bet diesem Gedanken? Er stellt seinen Gesinnungsgenossen in Berlin "W., in Söveälau und anderswo wahrlich ein trauriges Zeugnis aus, wenn er von ihnen annimmt, daß sie ihre Kinder in anderen Bekenntnisschulen an christlichen Gebetübungen und Prozessionen teilnehmen lassen, um sie vor dem drohenden Synagogengang zu bewahren. Wir sagen: Sicherte uns die von Becker beanstandeten, für unsere Begriffe noch nicht klar genug formulierten Paragraphen nicht einigermaßen die Grundlage für den jüdischen Charakter der jüdischen Schute, wir würden ansonst leichten Herzens auf sie verzichten. Denn sieht Becker in den Sätzen des Entwurfes den Liberalismus gefährdet, so müßten wir in Fehlen dieser Sätze eine Gefahr für das Judentum sehen. Oder sollten wir es so wett kommen lassen, daß in einer von keinem Staatsgesetze an die Religion gebundenen Schule von Beckrrschem Geiste Juden großgezogen werden, sdie gleich ihm, das nötige Maß von Ignoranz besitzen, um das „Kiddusch Lewonoh" als Mondänbetung zu bezeichnen? Eine Schmach für die MverW Berlin. „Eine Schmach für die Universität Berlin und eine Schande für die deutsche Wissenschaft" nennt Dr. Peters, Paderborn die letzten antisemitischen Pamphlete Deli'tzsch's. Auch andere Professoren und Theologen von Namen erheben ihre warnende Stimme gegen das demoralisierende Treiben Delitzsch's, der im deutsch-nationalem Solde den geistigen Kommunismus und religiösen Nihilismus auf die Beine bringt. Prof. Dr. Th eis, Trier weist in seiner Abwehrschrift gegen Delitzsch (Trier, Paulinus-Druckerei) auf Grundirrtümer des Berliner Orientalisten, von denen nur einige hier herausgegriffen seien: Im Buche Josua (Kap. 6) wird erzählt, daß das israelitische Heer 6 Tage um die Stadt ziehen sollte, am 7. Tage aber siebenmal und alsdann würden unter dem Blasen der Trompeten durch die Priefterschast und dem Geschrei des Volkes die Mauern der Festung in sich selbst Zusammenstürzen. Delitzsch will nun wissen, daß das Heer Josues genau 531150 Mann stark gewesen sei und der Umzug um die Mauer habe 15 Stunden 10 Minuten gedauert, sodaß es für Josua unmöglich gewesen sei, am 7. Tage die Stadt siebenmal zu umkreisen. Die ganze Berechnung fußt, wie Theis ausführt, auf allerhand zweifelhaften Faktoren, u. a. auf der Annahme, daß eine von der deutschen Orientgesellschaft bei ihren Ausgrabungen in Jericho bloßgelegte Mauer von 750—800 Meter Umfang diejenige sei, die unter Josue zerstört worden — eine 9lnnaf}me, die umso willkürlicher erscheint, als eine noch ältere im 14. Jahrhundert v. d. ü. Ztr. umgestürzte Mauer für bte biblische Erzählung in Betracht kommt. Dann aber — so fügt die Schrift hinzu — hat man in Berlin noch nie etwas vernommen und was der eine als Tugend hinstellt, tadelt der andere als Laster. Das sind „böse Leiden", gegen welche es kein einheitliches Mittel gibt und deshalb weinte auch R. Jochanan, als er diesen Vers in der Thora las. Und doch gibt es ein Mittel gegen Israels Leiden: TjÄK "1 mm „Die Rückkehr zu Gott und der felsenfeste Glaube an seine Hilfe und Rettung". Kleines Zeuilleion. Zu ^npra nrn* Rabbiner Dr. Kanter in Zwittau (Mähren) richtet an uns folgende Frage mit der Bitte um Veröffentlichung: msiaa I2jm n? 2im (Kap. 28, 6) übersetzt der Targum mit p2)nxö jn'p' *6 xmro pbüpi „und die, welche mit dem Schwerte töten, werden aus eurem Lande nicht verschwinden", was keineswegs eine 71212, sondern direkt eine nbbp bedeutet, pmy* nb bkdeuiet im Aramäischen „nicht aufhören" vgl. Taanith 18s ltn>nix }D sN'p' tfn und Raschi das). Man vergleiche auch die Übersetzung des Targum zu toätf tt? rrnmo (1. B. M. Kap. 49, 10). Abgesehen davon, daß die Targumübersetzung in unferm Wochenabschnitte im Gegensatz zur Auffassung unserer Talmudwetsen steht (rnbiv bv 2in ib'LX), widerspricht sie auch direkt der Verheißung deS SegenS, Mit dem unser Wochenabschnitt beginnt. Vielleicht ist einer der Leser dieses Wochenblattes in der Lage, diese in der Tat äußerst schwierige Targumftelle zu erklären und zwar ohne Vornahme einer Korrektur (anst. pmr xb pmjn Das Waisenhaus in Ems. In den letzten Wochen war ich vielfach Gast des Emser Waisenhauses und möchte von dieser Stätte der Barmherzigkeit und der Menschenliebe weiteren Kreisen erzählen. Wenn unsere Weife» sagen, daß die Erhaltung und Versorgung von Waisenkindern die Verwirklichung des Satzes ny bsz npmt nw)y bedeute, so darf der Schöpfer des Hauses, der verehrte Herr Rabbiner Dr. Weingarten, das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, dieses Wort buchstäblich zu erfüllen. In den hohen und luftigen Räumen des Hauses sind zur Zeit etwa 30 Kinder untergebracht, die die hiesige Schule, (zum Teil die höhere Schule) besuchen, im übrigen aber in alle Zweige der Hausarbeit etngefübrt werden. Ich war am Freitag abend, am Schabbos und an Wochentagen im Waisenhaus und jeder Besuch erfüllte mich mit neuer Befriedigung. Ob die Schabboslichter ihren freundlichen Glanz über die frischen und frohen Ktndergestchter leuchten ließen, ob der große Garten des HauseS von Spiel und Scherz widerhallie, ob die Köpfchen eifrig über Tafeln und Hefte gebeugt waren (die Erwachsenen sind der Jüngeren Lehrerinnen) oder ob die Größeren und Stä keren voll Eifer häusliche Pflichten erfüllten, immer war ich freudig überrascht von dem friedlichen Bilde, das diese heimatlosen Kinder in ihrer Gesamtheit darstellen. Was mir aber unvergeßlich bleiben wird, waren die Seder-Abende, die ich ebenfalls im Waisenhause verlebte. Hier war das Wort der Hadagoh b2N W' p»2-i bü wirklich zur Wahrheit gewordenhier saßen am Tische deS Rabbiners (eine seiner Töchter vertritt zur Zeit in selbstloser Weise die fehlende von den Erfahrungen, die der Weltkrieg gerade in derartigen Dingen uns Deutschen gebracht hat? Weiß Delitzsch nicht, daß die Amerikaner alle „Berechnungen" unserer Fachleute hinsichtlich der Truppentransporte über den Haufen warfen, indem sie abf einem Schiffe, das z. B. nach Berliner Berechnung nur 3000 Mann über See schaffen konnte, mindestens die doppelte Zahl unterbrachten dadurch, daß sie die Mannschaft abwechselnd schlafen und wach sein ließen? Und die „Berechnungen" der amtlichen Stellen betr. die Verminderung des Schiffraumes und dessen Versenkung — waren sie alle richtig? Also bitte, Herr Professor, etwas vorsichtiger mit „Berechnungen"! Geradezu albern nennt Theis die Behauptung des Berliner Gelehrten, daß es für Israel unmöglich gewesen sei, in der Wüste ein Kunstwerk wie die Stiftshütte herzuftellen, weil es im ersten Buche Samuel 13, 19 heiße: „Kein Schmied war zu finden im ganzen Lande Israel." Hat Delitzsch noch nichts davon gehört, daß auf dem sinken Rheinufer sämtliche Waffen beim Einzüge der fremden Truppen abgeliefert werden mußten und daß auf deren Besitz zurzeit noch schwere Strafen gesetzt sind? Ganz genau so war die Lage, die im Buche Samuel geschildert wird. Die Philister hatten Israel niedergeworfen und um eine Erhebung des Landes unmöglich zu machen, durste das Schmtedehandwerk eine Zeitlang nicht ausgeübt werden. „Damit die Hebräer ja nicht Schwert oder Spieß machen." Cs handelt sich also um einen Ausnahmezustand der Entwaffnung, aus dem man für die Zeit des Wüstenzuges nichts schließen darf. In der katholischen „Niederrhetnischen Volkszeitung" richtet Pfarrer Dr. Doergens, Krefeld die Frage an die deutschnationalgesinnten Männer der Wissenschaft, ob sie nicht schon einmal über die Wirkungen dieser Detttzschen Gotteslästerungen auf die politische Gesinnung des einfachen Mannes nachgedacht hätten und ob es wohl keinen gibt, dem „die Schmach der Berliner Universität und Schande der deutschen Wissenschaft" ein wenig ans Herz ginge? Dieser Frage schließen wir uns an. eorrerponäenren «. Racbricbtcn, Deutsches Reich. Aus 9er JU9i[dien OemeinOe- N«rki». 10. Mai Die Hilfsaktion zur Rettung des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinden in Berlin hat bisher etwa 2V< Millionen Mark ergeben. Trotzdem will sich der Vorstand nicht Leitörin) die Kinder des Waisenhauses gleich einer großen Familiesie fragten und sangen und freuten sich und als die Kleinsten in später Stunde schläfrig wurden — die größeren hielten wacker bis zum Schluffe aus und sangen xn inn daß eS eine wahre. Freude war. Und als sie dann strahlenden Auges die. Hände zum Gute Nachtgruß reichten, da war mir ein neuer Zauber der nniönP b'b erschlossen worden. Schwer ruht heute die ungestörte Fortführung des Hauses auf den Schultern seines Gründers und Erhaltersmöge die deutsche Judenheit — wenn wieder an sie die Bitte ergeht, für „Ems" zu spenden — das Waisenhaus reichlich bedenken. Hier, in dem reizenden Städtchen, das von Bergen liebevoll behütet und von der Lahn durchrauscht wird, haben verlassene Kinder unseres Volkes eine neue, schöne Heimat gesunden. H. Sch. (Jüdische Farmer in den BereinigtenStaaten). Als die Jüdische landwtttschaftiiche und Industrielle Hilfsgesellschaft (Jewish Agricultural and Industrial Aid Society) in New.York vor 22 Jahren tnS Leben gerufen wurde, gab es in den Vereinigten Staaten 216 jüdische Farmerfamilien. Die jetzt in der Landwirtschaft tätige jüdische Bevölkerung übersteigt die Za^t von 60.000die im Besitz jüdischer Farmer befindliche Anbaufläche belief sich tm Jahre 1900 auf 13.029 Acres, heule, wo es in jedem Staate jüdische Farmer gibt, auf über 1 Mill. Acres tm Werte von über 100 Mill. Dollars. Im letzten für die Land- Wirtschaft doch so ungünstigen Jahre wurden jüdilcherseits 364 Formen neu gegründet, darunter 190 mit Hilfe von Darlehen der vbengenannten Ge,ellschaft, die zur Information ihrer Glaubensgenoffen den „Jewish Farmer", das einzige landwirtschaftliche Blatt der Welt in Jiddisch, veröffentlicht.

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