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Der Israelit · 1922-05-11 · Heft 19 (11.5.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 19 (11.5.1922)
Date
1922-05-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ster Lsxaeltt. Nr. 10 Sette 8 11 Mai 10S2.__ Auch jetzt erleben wir ja wieder das gleiche, auch für uns der Tragik nicht entbehrende Schauspiel. So lange Rabbi Chajim Sonnenfeld und sein Kreis ihren Anspruch auf die Autonomie ihres körperschaftlichen Lebens nur im innerjüdischen Kreise verkündeten und mit 5i1N'7V und GWJJMl kämpften, hat man sie totgeschwiegen, ausgelacht oder beschimpft. Nun plötzlich, da Northcliffe und die „.Times" sprechen, findet Herr Norman Bentwich zweimal innerhalb weniger Tage den Weg in in die schmucklose Klause des greisen Gelehrten auf dem Berge Zion, und Herbert Samuel bekennt ehrlich, er habe gar nicht gewußt, daß die als zionistischer Geßlerhut ausgerichtete Mazzossteuer von irgend jemand als Gewiffensdrvck empfunden werde! So trefflich also ist der Higk öommissionor von seinen zionistischen Ratgebern unterrichtet worden. Es gehört schon eine eiserne Stirn dazu, auf der einen Seite, wie es die Zionisten getan haben, die „fremde Macht" zur zwangsmäßigen Organisation einer jüdischen Steuergemeinschaft herbeizurufen und dann Gewalt zu schreien, wenn andere Leute dieser selben „fremden Macht" das von ihr nach zionistischer Vorschrift geschaffene Unrecht vor Augen führen! Was soll es heißen, wenn die „Rundschau" sagt, sie bekämpfe jeden Versuch, „aus einer religiösen Anschauung politisches Kapital zu schlagen!" Ist die „Rundschau"-Redaktion in der jüdischen Geschichte und Dogmatik so schlecht beschlagen und ist sie so sehr von assimilatorischen Anschauungen beherrscht, daß sie im Judentum zwischen Religion und Politik scheiden zu dürfen wähnt? Die Offenbarung am Sinai, also der Kulminationspunkt der jüdischen Religionsgeschichte, war ein politischer Akt in optima, forma, denn sie war zugleich die Stiftung der jüdischen Volksgemeinschaft. Grade darum geht ja der Kampf, ob — wie die „Rundschau" will — das große, volksschöpferische göttliche Feuergesetz zum Schatten des religiösen Jndividual-Erlebnisses erniedrigt werden, oder ob es bleiben soll, was es Jahrtausende war: König in Jeschurun! Diese Gottesherrschaft im jüdischen Volke, die Herrschaft des Thoragesetzes, heißt im Jargon der „Rundschau" „klerikales Diktat" —, und nun verwirren sich der verehrten Kollegin d.e -Begriffe so heillos — DK NtE, mipn, daß sie der bösen „Agudas Jisroel" in einem nnd demselben Atemzuge „klerikales Diktat" - Gelüste und „Trennungs" - Fanatismus vorwirft. Mit Verlaub — beides zusammen geht gefällt über das Wasser (den Regen)/' Nun gilt aiS bekannte Tatsache p2Pi «73 pi p« „Kein Urteil ohne strenge Piüfung der Sünden" (ji3S>i 2" pi D'pos)- Findet nun ein Gericht am ersten Sukkostage (nach dem Versöhnungstage) wieder statt, dann findet an diesem Tage notaedrungen wieder ein lljiy pwn stall. Daher 'ui p3PnS p38>n7 pp«i und daher auch die v'2'0 "i, die nur am Wasser und von Wasser gedeihen. rröKi to. Erklärung einer Raschistelle von Hauptlehrer Wolfs in Aurich. an^w no«i pn« 133 iwnan ^« 10« ntro b« 'n io«'1 >^!>3 «02' xb VL2^. „Gott sagte zu Mosche: Sage den Priestern, den Söhnen Arons und sage ihnen: An einer loten Person soll er sich nicht verunreinigen unter seinem Volke". Dieser Vers bot den Schrifterklärern viele Schwierigkeiten, insbesondere die Wiederholung des lio«l io«. Noch schwieriger wird die Sache durch die Erklärung Raschis, der zur Erläuterung, die in der Gemoroh ("pp 1103') sestgelegte Begründung — D'Jßprr by D'Siun — heranzieht. In wiefern geht dies geraoe aus dem doppelten i'0«i 10« hervor? Wir hätten die angeführte Erläuterung viel eher zu den Schriftworten pi« '13 ä’2i3i erwartet, als wäre die Sielle in dem Sinne von pn« '231 D’2131 aufzufassen. Um etwaigen Einwendungen gegen obige Fragestellung zu begegnen, mutz als Voraussetzung für unsere ru gebende Erklärung das Folgende als wahr gellen: Lascht verfolgt bei seinen Sacherklärungen zu den Gemorohstellen ganz andere Zwecke als mit seinen emetischen Bemerkungen zu den Schriftworten; diese schon nicht. Die Trennung, d. h. die rechtlich selbständige Constitutierung jüdischorthodoxer Gemeinschaften auf Basis des Gottesgesetzes bedeutet zeitweiligen Verzicht auf „klerikales Diktat", d. t. nämlich zeitweiligen Verzicht auf Unterwerfung der Gesamtheit unter dieses Gesetz. Nur weil Rabbi Chaim Sonnenfeld und seine Genoffen es in absehbarer Zeit als Realpolitiker für zu schwierig halten, das gesamte jüdische Leben Palästinas in voller Reinheit und Ehrlichkeit dem min p*T zu unterwerfen, weil sie Rabbiner Kuks Hoffnungen in dieser Richtung für utopisch und darum für gefährlich erachten, darum wollen sie autonom bleiben im Interesse des ganzen jüdischen Volkes. Und wenn trotzdem „Agudas Jisroel" nach ernster Prüfung ihren Anspruch verkündet und ihre Bereitschaft erklärt, aus eignem Rechte und eigener Pflicht (nicht von der Zionisten Gnaden) an der Jewish Agency teilzunehmen, so gibt sie sich dabet keineswegs irgendwelchen Illusionen hin. Sie glaubt nur, daß die Jewish Agency weder eine religiöse Behörde, noch überhaupt eine Beschlußbehörde, sondern vielmehr ein Gutachter-Organ für wirtschaftliche und politische Angelegenheiten werden soll. Sie glaubt, daß in diesen Angelegenheiten die Wahrung des jüdischen Religionsgesetzes ohne nennenswerte intellektuelle und materielle Opfer denkbar ist, und sie hält darum unter gewissen Kautelen den Versuch nicht für aussichtlos, in diesem enge begrenzten Bezirke wenigstens eine jüdische „Einheitsfront" für den Aufbau Erez Jisroels herzustellen. Scheitert dieser Versuch, noch ehe er praktisch wird, an dem Dünkel^ Her zionistischen Machtpolitiker a la „Rundschau", oder später an inneren Unmöglichkeiten, für die nicht einmal böser Wille verantwortlich zu sein braucht, , so wird die Orthodoxie eben auch hier, wie schon so oft, vorerst ihre eigenen Wege wandeln müssen und auf die Zeit harren, da die wahre, innere jüdische Einheit vom Quell der Wahrheit selber hergestellt werden wird. Wir werden niemals — das möge sich die „Rundschau" gesagt sein laffen — ohne den „Hintergedanken" für die nationale Heimstätte wirken, daß biere Heimstätte eine Stätte des Thyragesetzes werde, ganz einerlei, ob es dazu auch auf dem Boden von Erez Jisroel gesonderter selbständiger Organisation der Juden alten Schlages bedürfen, oder ob die Gesamtheit sich in Erneuerung des Sinaischwures dem „klerikalen Diktate" d. i. 'dem Diktate des Gottesrechtes freiwillig zu unterwerfen bereit ist. brauchen sich mit jenen ihrem Sinne nach nicht immer > zu decken. Die grotze Kunst unseres Meisters besteht eben darin, datz er neben anderem auch das Talmudwort für exegetische Zwecke zu verwenden versteht und es stets an die Sielle setzt, wo es oft blitzartig eine Schwierigkeit aufkiärt. So ist es auch hier, wenn er zu dem Thorawort no«i io« das o^opn by o'bm -prnr6 einzeichnet. Unseres Erachtens will hier der grotze Bt^elerklärer — wie aar oft zu Beginn eines anderen p2l? — das 113'Od erklären, das heitzt die Verbindung des 1iö«i 10« mit dem vorhergehenden Schriftwort Herstellen. Das vorhergehende 20. Kapitel setzt nämlich die li'ip.Gesetze fest und nachdem es noch deren Folgen angedeutet hat, wiederholt der Schlußvers 27 ganz unvermittelt eine Bestimmung über31« und ’2iyT (S. 19,31; 20, 6). Dieser Vers lautet: 0.13 'M’ »3 .18»« 1« v"«i '21 »21m» 1« 31«. „Wenn unter den Männern ein Ob oder Jidonie sein wird, so sollen sie getötet werden, man soll sie steinigen, ihr Blut komme über sie". Unmittelbar daran schlicht sich nun die .11.11« an die Priester mit den Worten D’2i3i b« max „Sag's den Kohanim "! das helht lege es den erwachseneu Priestern besonders ans Herz: denn gerade sie kommen am ersten in die Lage oder in die Versuchung, sich als 112« oder o»2UH’, das heitzt als mit Totenbeschn örung verbundene Orakel dem Laien zur Verfügung zu stellen. Nach der Erklärung des V2«i zu 3"i piß 3"1 bedurfte der 31« zur wirksamen Totenbeschwörung eines Totenschädels und der '211H’ rineS Knochens von einem l«0v l'l mit Namen yvr, beides Mittel, die bet der Erfassung oder Berührung den Beschwörer in den Traumzustand versetzen. Wenn darum Priester v'7ii2 — alS 1131« oder QWl — austreten, so haben sie ein chwerwiegendes Verbrechen begangen, das uur mit Me Krisis in Litauen. Dem innerjüdtfchen Streite in Litauen über die Ausgestaltung der Autonomie hat das Litauische Parlament ein jähes Ende bereitet durch Ablehnung der Anträge Rachmilewitsch und Soloweitschik. Esterer verlangte, wie bereits kurz berichtet, daß die Organe der nationalen Autonomie auch die religiösen Angelegenheiten umfassen sollten, letzterer wünschte die Kompetenz-Erweiterung der nationalen Organe durch Gesetz zu sichern Mit Ablehnung beider Anträge ist die ganze nationale Autonomie der litauischen Judenheit, von der man sich anfänglich auch in orthodoxen Kreisen manches Gute versprach, zu einer Farce herabgewürdigt, die des harten Meinungskampfes, wie er bet der letzten Gemeinde-Konferenz ausgefochten wurde, kaum noch wert erscheint. Was man heute noch nach dieser Haltung des Parlamentes in Litauen jüdische Autonomie nennen wird, ist nichts anderes, als eine staatlich legalisierte Steuerkompetenz der einzelnen Gemeinden und möglicherweise einer dir Gemeinden umfassenden nationalen Grsamtorganisatton, die aber ihr Budget unter Ausschluß alles Religiösen ausstellt. Das heißt mit anderen Worten: Die großen und kleinen Gemeinden in Litauen werden zwangsweise zu Steuerbeiträgen für alle möglichen, ihnen gleichgültigen, iPrem Geiste zuwiderlaufenden, vielleicht sogar ihr religiöses Empsinden verletzenden sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Zwecke herangezogen werden, natürlich auch für die „nichtreligiöse" Schule, die aber ihrer ganzen Struktur nach eine anti-religiöse sein wird. Werden aber die einfachen Leute vom alten Schlage in Stadt und Land, was sie im Interesse ihrer geistigen Selbsterhaltung ja tun müssen, daran denken, ihre Synagogen, Chedarim, Talmud- Thoraschulen und Jeschiwaus am Leben zu erhalten, so werden sie neben „den staatlich legalisierten Judensteuern" noch ganz horrende Summen aufzubringen haben, da sie von den Organen der konfessionslosen nationalen Autonomie in dieser Richtung nichts erwarten dürfen. Sie werden wohl froh sein müssen, von dieser Seite in ihrer opfererheischenden Selbstversorgung nicht gestört zu werden. So sieht die „jüdische Autonomie" von heute aus — eine die Entthronung der Thora widerspiegelnde Verweltlichung des Judentums und es ist — sub specie acterni — nur eine Art höherer Nemesis, daß man hintennach auch den Posten deS jüdischen Ministers — wie der anderen nationalen Minderheiten — aufgehoben und die Anerkennung der Minderheits-Sprachen (also des Jid 1^’pD gesühnt werden kann. Damit nun der |13 von Jugend auf gewöhnt werde, sich von allem, was zu f]Ul l«vlv führen könnte, fernzuhalten, wird noch ganz besonders durch das weitere iio«i den v'^112 zur Pflicht gemacht i«ov' «^B> D’25api 7p i’iii7, wenn sie auch sehen, datz Ntchiprtester den levien Dienst an Verstorbenen als 1130 üben. Eine solche Erziehung der ll'2vp wird dann zur Folge haben, datz der herangewachsene }13 es weit, weit von sich weisen wird als 31« oder '2'pi' aufzutreten. Sabbat-H«fang «na Mzga«g. Ort: Anfang Datum AuSgang UhrjMtn. IttSSi 5Ö§&~ Uhr Min. Frankfurt a. M. 7 30 13 15. 8 55 Berlin .... 7 30 Mai Iiar 8 41 München . . 7 15 8 28 Eöln. 7 iÖ 9 05 Stuttgart. . 7 — 8 44 Breslau . . . 7 21 8 21 Nürnberg. . . 7 — r 37 Hambnra. . . 8 05 9 05

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