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Der Israelit · 1922-05-04 · Heft 18 (4.5.1922) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 18 (4.5.1922)
Date
1922-05-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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f Seite 10, Nr. 18. _ , . . Skterfmibp herrschenden .auHfcmittj’rfjo» Strömung auf irgend eine. Bevorzugung bei unserer Schulverwaltung nicht zu rechnen Huben. Auch glaubt Herr melamed tinaukos, die Stadtgemeinden vor uceiuem Werberufe .warnen, zu müssen. Auch hier sieht mein Gegner chespensier, tvo keine sind. Bi ein Appel! für die Landgemeinden war au. die breite Oefsentiichkeit und nicht au die Sladtgemeliiden allein gerichtet. Ich wünschte nur eine weitere Arlsbaunng des Hilfsfonds des Bundes gesetzestreuer Gemeinden. Ob derselbe nun voll Den schützen der' fett ge.vorde-- ncn Milliardäre n uf dem. Lande oder von den entbehrlichen Geldern der notleidenden Koinlnerzieilräte und Bankdirektoren in den Städte;! aufgefüllt wird, ist mir gleichgültig. In feinem .Kritikeifer findet der Kollege auch meinen Himveis auf die Vorgänge beim Zu stn nbdommcn des Schul nute rhn l tungSg es er, cs für abwegig. Er kann, es bcu nurtigen beherzten Wortführern der Freien Vereinigung nicht verzeihen, daß sie. sich zu einer Feit, wo ein Wort des Ministers genügte, die jüdische Volksschule von der Bildfläche verschwinden zu lassen, mit dem Weiterbestände der jüdischen. Volksschule und den in Aussicht gestellten Zuschüssen von L-taat. und Kommune zum jüdischen Religionsunterricht begnügten. Nur schade, das; Herr mGaw.ml tinaukos nicht bei der damaligen Abordnung zugegen war, wie anders hätte sich die Ge- - schichte des jüdischen VolksschnlwesenS in Preußen gestaltet! Als Beweis für die glänzenden Skeue; Verhältnisse in den. Landgemeinden stellt mein Kritiker meinen dein'Anschein nach unzutreffenden Ausführungen die ans eingehendem Stndiun! beruhende Darstellung des Kollegen Lebermann in 'Darmstadt einerseits, anderseits die;vahnsinnig hohen Stenereinschätzungen der Finanzämter entgegen. Sicherlich finden die Ausführungen in antisemitischen Kreisen Anerkennung und Würdigung. Diese wittern in jedem Inden einen Schieber und Kriegsgewinnler! Bei Ihnen finds allerdings nur die simplen Landjnoen, die sieb unter Ausnutzung der Kriegskonjnnktur auf Kosten unseres Vaterlandes bereichert haben. Die Juden aus dem Laude schwimmen überall im Gelde, und selbst der kleinsten Landgwn; inde istS eine Kleinigkeit, iiu Haudumdrehcu 20l:B0 Mk. anstergewöhnliche Ausgaben aus eignen Mitteln aufzubringen. Wir Habens, ja! Ich gebe zu, das; viele Landwirte und Geschäftsleute in Stadt ltub Land dura; den Krieg reich geworden find. Das trifft aber nicht bei jedem zu, und in manche;; biegenden, find die Verschiebungen in der Vormögensiage der Einzelnen ganz nruvesentlich! Hüten;oir uns, nufere gar nicht vorhandenen. Reichlämer der Außenwelt vorzutäufcheu! Wie;nerdcn die Antisemiten und Kommunisten sich die Hände reiben, wenn sie erfahren, wo die dein Reiche so notwendigen Schätze ausgespeichert find! Ans meiner Erfahrung kann ich versichern, das viele Landgemeinden heute viel ictpverer n.n ihre Epistenz zu kämpfen haben, als vor dein Kriege. Ich möchte nun das Beispiel einer Gemeinde he raus greifen. Die Gesamtausgaben derselben beliefen «ich vor!9!4 durchschnittlich ans.'3000 Mk. Zuschüsse von Staat und Kommunen: 1760 Alk. Sonstige. Einnahmen: . . . . _ 2000 Mk. Bei einem Gemmtstenersatz von 177 Bik. lunv die Gemeinde genötig 600 Proz.. Stenern zu erheben. Und nun daS jetzige Bild: Gesamtausgabe ohne Zuschuß an die Landesschnlkasse 4500 Black. Zn.schnß der Kommune 600 Bif. Sonstige Einnahmen . 45p Mk. Bei dem jetzigen Gesamtstenersatz von 522,50 Bck. erhob die Genunnde pro 1920;utb 1.92L je l000 Proz. Stenern. Die Rechnung pro 1920 schloß mit einem Defizit von 550 Bck. und nun meint ein Besserwissender, die Gemeinde Hütte nicht von der Hand in den Mund leben und beizeiten MriJsraektt._ für Rückstellungen Sorge tragen sollen! Ich frage' jetzt, ivohdr soll nun. eine solche Gemeinde ans einmal die Kraft schöpfen, 48—20.000 Mk. an die Landesschulkasse einzusenden und außer den übrigen Ausgaben von ca. 4200 Mk. ihr Jahresbndget um ca. 14—15.000 Mk. zu be-, lasten. Kann inan einer Gemeinde zmmtten, alljährlich 4000 Proz. Stenern zu erheben? Ich halte cs für meine Pflicht, diese Frage vor dem Forum der Oeffentlirhkeit zu klären. Nicht, mit' allgemeinen Redensarten von den groß gewordenen. Landlenteu ist die schwierige Frage, gelöst. Wollen wir verhindern, daß eine größere Anzahl Schulen infolge finanzieller Schwierigkeiten aufgelöst iverden muffen, wollen wir eine weitere Anzahl Kollegen vor de;n niederdrückenden, beschämenden Lose eines Proletariers bewahren, dann ist es nufere Pflicht, dieser Angelegenheit die größte Ausmerksanlkeit zu schenken? Zedokoh statt Zedek. In der jüdischen „Freien Lehrerzeitmyp' (Bayern) greif; ein Anonynius unter obiger Ueberschrift den Bund gesetzestreuer jüdischer Gemeinden in Halberstndt wegen eines AnsschreibenS zur Einreichung von Gesuchen um Beihilfe in unerhörter Weise an. Ohne ans den Inhalt einzugehen, in der Organisationsfrage stimme ich mit dem Einsender überein, inus; man doch, auch aus Lchrcrkreisen, entschieden gegen die Fvrin protestieren. Gewiß kann der 5>nmpf gegen leistungsfähige, aber widerspenstige Genreinden inch; schar; genug geführt werden, auch Perbände müssen sich gerechte Kritik gefallen lassen, aber all das -berechtigt uns nicht, Beleidigungen, besonders gegen solche Organisationen anSznstößen, die minvestens das Gwe wollen. Welch' roher Vergleich liegt doch in den; Satze . . . „Diese Notiz kommt einem vor, wie die Gepflogenheit von irgend jemand, der zehn Finger mit 1t Brillantringen recht sichtbar von sich spreizt/' Wer, wie ich, der durch seine Tätigkeit für die Fürsorgekasse der .anltnsbeainten mit dem Halberstädter Bund arbeitet, weiß, in welch v o r u c 1; m c v unt diskreter Weif e dieser Gemeindebnnd den Lehrern bcizustehen sucht, der muß besonders über diesen Artikel empört sein. Wenn zum Schlüsse der Einsender, der den Gemeindcbund coram publico beleidigt, diesen noch ans den Mttel- und Endteil von Misrhnah, 15. Pcrek 3 in Pirkeh Owaus hinweist, so erbringt er damit den Beweis, daß er nicht ernst zu nehmen ist. a. Hg. HWbrSi Was lesen unsere Kinder? Von Dr. Elia s. III. Wir kommen zur historischen Dichtung, Ivo die Lektüre der Jugend sehr leicht mit der der Envachsenei; zusainmentreffen kann. Tie übrige Literatur;nnß den Kindern vielfach versagt bleiben, weil inanche darin behandelten Ergebnisse der kindlichen Seele, freind sind. Geschlechtsliebe und Weltschmerz, Mystik und znm- Teil auch das Naturgefühl kann das kindliche Bewußtsein nicht fassen. Aber Darstellungen der Geschichte sind meistens verständlich, sie müßten dem dichtenden Pädagogen daS dankbarste Feld der Betäaignng abgeben. Aber Ueberflnß, wir haben auch den nicht. Ich habe schon oben ans Lehmanns Erzählungen hingewiesen, und wenn wegen der eben erwähnten, dent Kinde fremden Gefühle, so manche seiner Skizzen nicht für Kinder sind, die historischen sind es sicher. Rabbi Ioselinann und Bostanai, das Licht der Diaspora und die Farnilie y Aqnillar, Parthcnope, nild vor allein sein Akiba, erfüllen alle-' Vorbedingungen Inner guten Ingendlektüre. Von den Sippurin; ist manches sowohl der Darstellung als auch der Handlung wegen nicht geeignet. Aber gerade die historischen Erzählungen bieten der Jugend so große Anregung! und .Wissenswertes, daß sie die Mängel, der eAvM nachlässigen Darstellung vergessen lassen können. Typisch für die Darstellung jüdischer Stoffe bei Nichtjuden ist „Ein'König von Inda", ein historischer Roman voil Trampe aus der Zeit Iirmijahus, und „Ivanhoe", der berühmte Roman Scotts aus der Zeit von Richard Löwenherzw „Ein König von Juda" führt mit der Anick Wal 1822.; fchanlichkcit eines Karl Mast. Menschen Nnd/Sze-; neu ans der Zeit vor dem Fall Jerusalems I. j 586 vor. So hat sie der Schüler noch nie ersehen. Ein furchtbares Strafgericht, das wird dem Leser schaurige Gewißheit, eine furchtbare Strafe nur kann ein solch verdorbenes Geschlecht erwarten. Die traurigsten und unerbittlichen. Drohüngen Iirmijohns werden verständlich, und das iftdas Wertvolle an dein Buche. Aber Jirmijahu hat auch anders gesprochen, Jirmijahu hat auch Lichtblicke gehabt, Zuknnftssaaten gesehen, Hoffnungscmker gekannt, die!ans den Schattenseiten und Riedentngen und Sctflnpswinkeln des Lasters ins Freie führen: den ,,R e st" Treugebl; ebe n e r, b erg n a 11p r. Z e i t c n, a u ch d c r g r ö ß te n E n t a r tN n g d i e T r a d i t i o n h ö ch g e halten, in harmonischem Sinne nach, allen Seiten hin erfüllt hat, und den kennt Trampe nicht. So sehr wir auf Grund der Verhältnisse, wie er sie schildert, das Strafgericht Gottes in seiner Gerechtigkeit oerstehen, so unfaßlich bleibt, wie ans ihnen, nachdem nichts, aber auch gar nichts mehr von der Thora wirksam war, eine Judenheit weiter vegetieren konnte, an die sich Jirmijahu in seinen Hoffnungen klammern, aus der später ein. Esra und Rehemja, Schimon. Hazaddik und Inda Hanass; hervorgehen konnte. Ohne daß in den; Roman, wie etwa am Schlug von Ebers „Iosua", eine chriftologische Tendenz zun; deutlichen Ausdruck käme, habe ich das Empfinden, daß der Verfasser zeigen will, wie in jener Zeit bereits das ulte Israel u;;d das alte Judentum für alle .» Zeiten algewirtschaftet hätte. Rein historisch be- . trachtet entsteht rin v illständig falsches Bild durch die Ausschaltung des für die Weiteren;- n.ickiung des Judentums w notwendigen Iochanan, der als der Einzige in die neue Zen und das neue Geschlecht hinübergerettet wird, ist ein Jüngling mit schwarzgelocktem Haar, kohlschwarzen Augen,, schön, tapfer, gewandt und .brav. -Aber rin Jude ist er nicht. Im ganzen Buche sehen wir ihn nicht einmal eine, wen;; auch nnr Allgemeinste spezifisch jüdische Pflicht erfüllen. Vermutlich weil der Verfasser selbst Zeine kennt. Von einer Begeisterung für ein das ganze Leben beherrschendes und im einzei-; neu regelndes Gesetz kann demnach nicht die Rede sein. Wenn der jüdische Leser aber;üch! einmal bei;;; Helden Beispiel, Ideal und Gesetzestreue finden kann, wo denn? Etwa bei iZidkijohu, der das Zerrbild eines jüdischen Königs bietet, bei Jirmijahu, der als'ein krankhast-hysterischer Sonderling erscheint? Höchstens .käme noch Gedalja in Betracht, der aber ebenso wenig «spezifisch jüdische Züge zeigt, wie Iochanan. ßTazu wird statt des wirklichen Lebens, ein Bilo 'von Extrencen entworfen, sn den; das Gute uber- 'mäßig belohnt, das Schlechte übermäßig bestraf; '-wird. j Ein' zweites Bild für jüdische Helden von plichtjüdischer Feder bietet „Ivanhoe", ein -historischer Roman von Walter Scott, den; Bec grüudcr dieser Erzählungsgattuug. Zwei'Juden, sodcr vielmehr ein Jude Isaak von Dork und Ressen Tochter, interessieren uns vor. allein. /„Ivanhoe", der Begleiter von Richard Löwen- -Herz, wird von Isaak unterstützt, von seiner ^Tochter geheilt und vom Tode errettet; Rebekka ]— so heißt diese — und ihr. Vater erfahren 'Pie größten Demütigungen; sie bewahrt aber jMut und Ausdauer. Daß sie jenen Nichtjuden iIvanhoe geheilt, wird aber in der Hand ihres Feindes zum Auklugegruud. Sie wird von ihm Twr dein Tearplerordei; als Zauberin hiugestelll ’unb znm Tode verurteilt. Da, an ihrer Rettnnz .bereits verziveifelnd, lvird sie da;rch die Hich' Ivanhoes befreit Und verläßt mit ihren; nunhandelten und ausgeplünderten Vater das int* wirtliche. England.! Lauge noch beschäftige;; Isaak und. Rebekka die Gedanken der Jugend nach der Lektüre des spannenden Ronmns. Die Bewunderung für Rebekka, das Ac'itleid für den Vater, der AB 'scheu vor ihren Verfolgern, hat dazu beigetragenl viele Vorurteile zu zerstreuen, die auf dem

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