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Der Israelit · 1922-05-04 · Heft 18 (4.5.1922) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 18 (4.5.1922)
Date
1922-05-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Crzid?üfjg und I>sl? Ls I ada^o^isdtye laeilacje zutn„<Jsraeiii vA Organ des Bundes gesehestreuer jüdischer Kehrer JeutlchlMds. Sund gesehestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. Der „Centralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hat der „Arbeitsgeinein schast der Mischen Lehrerverbünde und Vereine im Deutschen Reiche" die Summe von 100 000 M ark überwiesen zur Verteilung an notleidende Lehrer ohne Unterschied der religiösen oder politischen Richtung. Der Centralverein ging bei seiner Dtwendnng von der Ermäguug aus, „das;, die Erhaltung des jüdischen Letzrerstandes für den Bestand des Jiweiitnins einen wesentlichen Faktor darstellt". Er wisse \war, fo Hecht es weiter in dem Schreiben des Vereins, daß, mit der genannte» Summe der nngehenreli Rol innerhalb der jüdischen Lehrerichasl nicht gesteuert lverden könne, hasse aber mit seiner Gabe die Rotlage zu mildern. Die Vorsitzenden der ibneigvereine werden gebeten, ningehend Deren Lehrer Ll. Hirschberg, Frank i>>rl a. M., Waldschinidtstraste 115 solche Lehrer and Lehrerwilwen namhaft zu machen, die der dringenden Hilfe bedürfen und die von dem Unttnrjonds der Logen oder von den Hilssjvnds der Verbände wenig oder garnichi bedacht tvorden sind. Der Vorstand des Bundes. Die Bremer Siablmufikanlei» und die jüdischen Gemeinden. Von A. H i r s ch b erg, Schriftführer des Le.hrerbnndes, Frankfurt a. M. „Es hatte ein Mann einen Esel, der scholl lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber zu Ende gingen, sodast er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr, ihn. ans' dem snlter zu .schaffen; aber der Esel merkte, daß keil; guter Wind wehte uitb lief fort" . . . Wir eunnern uns noch gerne dieses schönen Märchens, bei dem wir so viel gelacht. Hellte möchte ich eilt ganz ähnliches Geschichtchen erzählen; uur schade, daß es kein Märchen, sondern bittere Wahrheit ist, bei dessen Lektüre sich jedes jüdische Herz krampfhaft zusantmenziehen muß: „Es hatten jüdische 'Gemeinden einen Lehrer, der 51 s h h r e u n v e r d r o s s e n s ein b e st e s W i s s e n u n d K ö n il e n seiner Schule, seiner Gemeinde uild somit bem Judelltulu geloidntel halte, desseil Kräfte aber zu Eude gingen, sodast n zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachten seine Parmssim, ihll aus dem Futter zu schaffen; aber der Lehrer merkte, daß kein guter Wind wehte, lies fort und bildete sich — zu einem Hungerkünstler aus." Vor mir liegt der Originalbrief eines Lehrervetcranen, der au mich gerichtet ist mtb beit ich wortgetreu, nur mit Hinweglassung von Wohnort und Namen, hier loiedcrgeben möchte, j „B ittgefnch. des N. N„ früher Kantor, Lehrer j und Prediger in 3E.. jetzt a. D. in I. 1 Bitte höslichsr zu verzeihen, daß ich mir erlaube den wohllöbtichen Verein mit einer dringenden Bitte zu belästigen und zwar wie folgt: Ich bin . bereits 7 5 I a h r e alt, leide au Zltcker- und Arterienverkalkung und habe, das Gehör leider auch verloren, bin D.tsv vollständig arbeits- und erwerbsunfähig. Ich ckwbe ■'> I I a y re als Kantor. Lehrer und Prediger Dem Judentum mich gelvidmet. trotz meiner 2 Lehrerseramen beziehe ich loeder vom preußischen kS i a n t e, u o ch e i u e r j ü d i s ch e u 0} e :>: eind e -e i u e M a v f P ntUu it. Ich bekomme vom Teiltlfchen Lehrervervaud 1 '200 Atark j Ü h r l i ch Pension, .lind da ich freiwillig 30 Jahre Jnvatideulnarken ge -rklebl habe, von der Versicherung etwa 1000 Mark jährlich. Mein kleines Vermögen habe ich längst ja ufgeb raucht. Bei der augenblicklich eingetretenen jTeilernng für sämtliche Lebensmittel, für Feuerung j»nd Gav leiden wir sehr, sehr große Rot. an den not- .wendigsten Gebrattchsgegenständeii. Meine Frau leide! -all Gallenstein und kann auch nichts verdienen: ich UK'if! iit meiner groben Bedrängnis keine Hilfe und tuende mich an den lvohllövlichen Verein, mit der höflichen Bitte, mir, wenn eS je möglich ist, eine einjinalige Unterstützung zur Bekämpfung des Hungers und der Kälte gütigst zu bewilligen. Hunger im Lütter tut wehe. Ich Witt das Judentum, welches ich .von .Kindheit an hvchgehalten Habe, nicht im hohen -Alter herabwürdigen, dentt wenn ich hier Armennulersti'itznng von der Arinenwmnnssion beantrage, würdige h;lch den jüdischen Lehrerstand, evtl, das ganze Judentum herab. Deshalb flehe ich nochmals, meiner Bitte .Gehör zu schenken. In guter Hoffnung, daß Sie dn- 'durch eine große roso ausüben, verharre ich ganz untertänigst X. N. Ich glaube, die Wirkung des Briefes aus jedes empfängliche Gemüt zu beeinträchtigen, wenn ich auch nur ein Wort hinznfüge! Und doch kann ich mich nicht enthalten, diesem erschütternden Notschrei ein anderes Bild gegenüberznstellen. Vor 1 Wochen fand hier in sämtlichen Räumen des Zoologischen Gartens ein „Timbukiosest" mit vorgeschriebenen .Kostümen nnd großer Toilette zu Gunsten der Frankfurter Künstler nnd Künstlerinnen an den hiesigen Theatern statt. Unsere jüdische Bevölkerung, liberal und orthodox, hat sich auch an diesem Wohltätigkeitsfest stark beteiligt. Von einer glaublvürdigen Persönlichkeit lverden mir die Ausgaben eines jüdischen Parvenüs für dieses Fest berechnet: 6 Eintrittskarten für die Familie n 140 Jk 840 ein seidener Timbuktoanzng für Frl. Tochter — 2000 „ Für Garderobe, Tombola, Getränke, An tos 6 Personen n 800 Jk —_4800 „ ,46.40 Jk Ob mir wohl dieser Parvenü beim Lesen dieses Artikels das seiner Ausgaben für meinen Künstler — den Hungerkünstler — schicken wird?! Anrechnung -er Dienstzeit an privaten Volksschulen. Nach einer Verfügung des Ministers sür W. K. u. V. vom 23. Dezember 1021 wird beim Uebertritt in den öffeiitlicheit Schuldienst selbstverständlich auch die vor Erlaß des Gesetzes (1. 4. ,20) an einer privaten Volksschule zu rückgelegte Dienstzeit ungerechnet. Die ($uW scheidniig darüber, .ob die private Volksschule als den öffentlichen Volksschnlen gleichberechtigt nnd anznerkeiiiien ist, obliegt der zuständigen Schnlanfsichtsbehörde, d. h. also der zuständigen Regierung, (ll. III. E. 4380.) Am Grabe der jüdischen Volksschule in Preußen. E i n.c E n l g e g n n n g von S. F r e n d e n b e r g r r in F l i e d e n. Unter obiger Ueberschrist erlaubte ich mir vor einigen Wochen in diesen Blättern einen. Ausblick über die unserer jüdischen Volskschnle drohenden Oiefahren. Ich gab auch einige Hinweise, wodurch es möglich lväre, die zur Zeit sehr gefährdeten jüdischen Schulen in den Klcingemeinden zu erhalten. Mich leitete dabei kein weiterer Oiedanke, als die Volksschule, dieses Juwel unseres Jndentums, vor dein Untergange zn retten. Auch die Redaktion dieser „Blätter" erachtete es für geboten, daraus hillzuweisen, daß die den Fortbestand der jüdischen Schulen in den Kleingemeinden drohenden Gefahren nicht unterschätzt werden dürfen und forderte dazu ans, mit Ratschlägen heranzntreten, wie der zur Zeit der jüdischen Schule drohenden Gefahr begegnet lverden könnte. Ein Kollege, der dein Anschein nach keine Ahnung hat, mit welch großen finanziellen Schwierigkeiten die kleinen Landgemeinden zn kämpfen haben, tritt nun meinen Ansführungen entgegen, lvagt es aber nicht, seine Gegnerschaft, gegen die Kleingcmeinden mit seinem wirklichen Namen der Oeffentlichkeit gegenüber zn verantworten, sondern er zeichnet als wGnin.R tinaukos. Mein Gegner macht mir unter anderem den Vvnvurf, ich arbeite ans ein Ansnahmerecht für die jüdischen Schulverbände hin. Wo in aller Welt steht auch nur eilte solche Andeutung in meinem Artikel? Nicht im Entferntesten dacht.' ich daran, beit jüdischen Schnlverbänden eine besondere Vorzugjsstellnng zit erkämpfen. Ich weiß wohlxdaß lvir Ntomentan bei der in unserem

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