Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1922)
- Date
- 1922-05-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Oec äftraeiti. Nr. 18 Sette 8 4. Mai 1822. Anlaß, wie polnische Zeitungen berichten, mit einem Lichterfest, das an alte Pracht und Blüte erinnerte. Rührend war es, als der derzeitige Leiter in seiner Festrede vom Vermächtnis seines Vaters Rabbi Refoels, erzählte, der als Heimloser in der russischen Steppe gestorben ist. Sein letztes Wort an seinen Sohn lautete: „Gehe, sobald die Wege frei sind, nach Woloschin zurück und errichte die Jeschiwah wieder"! Ein früherer Woloschiner Zögling sagte: „Wahr ist, daß das Zentrum der Thora in Woloschin aufgelöst wurde, der Geist von Woloschin lebte aber überall, wo sich nur ein Woloschiner befand". Ein Anderer fügte dem hinzu: „Als vor vierzig Jahren junge Juden nach der Väterheimat zogen, hatten sie das Losungswort: -apy rP2 H3731 122,. die jungen Juden, die jetzt in die geistige Heimat zmückztehen, bleiben nicht auf halbem Wege, sondern ihre Losung umfaßt den ganzen Satz: 'n *1182 N2721 122 W rp2". Damit war das rechte Wort am rechten Platze gesagt worden. Die Judenheit der ganzen Welt darf sich der Hoffnung anschließen, daß in dieser Zeit der finsteren Not Woloschin seinen alten Glanz in dem Maße wieder erhält, daß der geistige Wiederaufbau im Judentum von dort seinen Ausgang nimmt. Mx Vaumann und die deutschen Parteien. Es hat Naumann und seiner Partei, wie wir es ihm voraussagten, die Anbiederung an die Deutschgesinnten von drüben wenig genützt. Der Fußtritt—in diesem Falle fast nicht unverdient, — bleibt nicht aus. Von der deutsch-nationalen Presse reaktionärster Observanz bis hinunter zu den Rötesten der Roten lehnen alle Naumann als zudringlich,, irreführend, auch unwürdig und gefährlich ab. Graf Neventlow, auf den man vielleicht in erster Reihe Eindruck zu machen glaubte, schüttelt ihn kurzerhand an die Deutsche Volkspartei ab. Er ist der Meinung, daß das Ganze nur eine Mache dieser Partei sei, die ja letzten Endes auch nur aus deutsch-national sich gebärdenden Juden bestehe. Diese jüdische „Untergruppe der Deutschen Volkspartei" hätte sich nach feiner Meinung vollkommen erübrigt. Reventlow traut dem nattonaldeutsch empfindenden Juden nicht. Er ist überzeugt, daß das eigentliche „Mische Ich" bet dem Juden immer durchbrechen würde, wenn nicht jetzt, so in späteren Generationen, und da der Naumann'sche Verband nach Macht und Einfluß strebt, so sei er schon deswegen gut jüdisch. Also müsse der Verband als schädlich und ge- Grundsätzen ihrer Religion nnd in der altteftamentlichen Geschichte öffentlich geprüft, und erhielt den Beifall häufiger und vornehmer Zuhörer geistlichen und weltlichen Standes. Gewiß wird es den Lesern unseres Magazins angenehm sein, hier die Rede zu lesen, mit der der Vorsteher der dortigen Jndenfchnle Joel, diese Prüfung eröffnet, und die om dortiger Freund uns mitgeteilt hat. Ich ändere nichts 'an derselben, als einige Sprachunrichtigkeiten. Eben dieser Freund hat uns zugleich folgende Handschrift: Jüdische kurzgefaßte Grundsätze von verschiedenen Gegenständen: als von Erschaffung der Welt, Glaubensartikeln, Gottesdienst, Furcht, Ehre, Liebe Gottes und des Nächsten, Geboten nnd Verboten, Tilgend tmd Sünde nicht weniger von der Buße: in Fragen und Antworten bestehend; entworfen zum Unterricht der jüdischen Jugend von dein damaligen jüdischen Lehrer Nahbi Joseph Joel zu Fulda 1784: „mitgeteilt mitt dem Anfügen, daß daraus nach Prüfung nnd Verbesserung der Kenner ein allgemeines Lehrbuch für mehrere Judcnschaften unserer Gegend gemacht werden könnte. In dem Ende können es Kenner bei dem Herallsgeber dieses Magazins zur Einsicht erhalten. ~ Es folgt nun die Rede, die mit den Worten schließt: „Ta nun Gott der Allmächtige im 19. Kapit. 7. Vers Jeremias ven Juden, welche nach Babel ins Gefängnis gebracht wurden, befohlen, daß sie für den Frieden der babylonischen Staaten zu Gott bitten sollten, ob sie gleich Götzendiener wareli, wie vielmehr ist es unsere heilige Pflicht für unseren besten LandeSvnter, dessen gnädigsten Schutz wir genießen- und durch dessen weiseste Fürsorge wir zu diesem Zwecke gediehen sind, nndurch vor allen Dingen unser unaufhörliches Gebet zu Gott zu versichern, nnd unsere wärmste Tunkbegierde vor altem, hier öffentlich zu erstatten. jährlich abgelehnt und bekämpft werden. Nebrtgens sei es (solange das „Germaueuserum" nicht erfunden ist D. Red.) technisch unmöglich, die neuen Mitläufer auf Herz und Nieren zu prüfen Der Verband wäre nach Reventlow sogar dazu angetan, die Tatsache zu verschleiern, daß Deutschland von den Juden beherrscht sei. Vor dieser „jüdischen Täuschung" müsse man auf der Hut sein. — So weit Graf ReLentlow in dem auf Tön und Anstand noch ein" wenig haltenden führenden Organe der Konservativen, der „Kreuzzeitung." In der Sprache der Radau-Antisemiten lautet die Sache schon etwas wuchtiger und klangvoller. Fritsch schüttet in seinem „Hammer" ganze Kübel voll Gift nnd Galle auf die Leute, die glauben, „das alte Erbübel des Judentums vergessen machen zu können und dabei erst recht mit ihren jüdischen Instinkten Deutschland ruinieren." Es hänge nicht vom Willen des Juden ab, seine jüdische Natur zu verleugnen usw. Das hat Naumann sicherlich nicht erwartet und man könnte sogar ein Gefühl des Mitleides verspüren, würde man nicht an das in diesem Falle doppelt wahre Talmud-Wort denken ra orr£ "1D8 njn 12 pkip ’ö ^2 Weniger unerwartet dürfte ihm die entschiedene Gegnerschaft der Sozialdemokra tte kommen. Aber gerade aus diesen Kreisen wird ihm so manch vernünftiges Wort ins Stammbuch geschrieben, daß man sich darüber freuen könnte, wäre es hier nicht ein Jude, der sich aus nichtjüdischem Munde solche beschämende Wahrheiten ag n lassen muß. So lesen wir zum Beispiel in einer vor kurzem erschienenen „Eine Lösung der Judenfrage" betitelten Brochüre von Johannes Friedrichs (mit einem Vorworte von Brodt- Werder, Detmold) u. a. : . .„Mich will es nur dünken, als ob H»rr Naumann den Antisemitismus politisch zu leicht und gefühlsmäßig zu ernst nimmt. . . . Was ich aber als deutscher Christ nicht verstehen kann, ist die politische Unbefangenheit, mit dec Sie die antisemitische Geste zu Ihrer eigenen machen, indem Sie dem größten Teil des deutschen Judentums national-deutsches Bewußtsein absprechen, eben, weil dieser jüdischen Stammes ist. Diese Konzession an den Antisemitismus, die Ihnen, sehr geehrter Herr Naumann, wie Sie bald erkennen werden, wenig nutzen, der deutschen Judenhett in ihrer Gesamtheit in dem Kampfe um ihre politische Gleichberechtigung aber viel schaden muß, wird sich als ein großes Bleigewicht erweisen. Sv liegt es mir als deutschem Christen ob, warnend meine Stimme zu erheben vor dem Beginnen des Herrn Naumann, die Judenfrage dadurch zu lösen, daß man von jüdischer Sette aus dem Antisemitismus Brücken baut. Solche Judenheit kann nicht kriegSoerwendungSfähtg im Kampfe gegen den Antisemitismus sein." Das können wir Wort für Wort und Punkt für Punkt unterschreiben. Es deckt sich ungefähr Diesem vorgüngig danke ich auch allen hochansehnlichen Zuhörern für die Ehre ihrer hohen Gegenwart, und bitte nnterthänigst mich für das erstemal, bei gegenwärtigem Geschäfte, bei vorgehender Unordnung, zu entschuldigen, weisen die Gegenstände vielfältig, und meine Zöglinge schlvach, auch besonders zu dergleichen öffcnttitfjcn Handlung nicht gewöhnt st'lglich, gleich ihrem Lehrer, der das Schicksal von alten Lehrern, die neue Gegenstände lehren, auch wegen sonstigen Umständen, noch weit härter empfunden habe, schüchtern sind." (Endlich wissen wir es. . .) „Mßt ihr liebe Leut', was Purim bedeut'?" Wer es noch nicht weiß, kann es ans dem Feuilleton in Nr. 13 des „Hamburger Familienblattes" erfahren, wo ein Herr Tr. I. Weißblum aus Karlsruhe folgende Reminiszenz znm Besten gibt: „In Breslau hatte ich bei G r ä tz , Bibeleregese. Grätz erklärte das Wort Purim folgendermaßen: Die Griechen feierten um diese Zeit des Jahren unter großen Schmausereien das Dionysosfest. Die Perser feierten um dieselbe Zeit als Nachahmung das Fest des „Weinfasses", gleichfalls uittee außerordentlichen Lustbarkeiten. Auch die Inden suchten nach einer Gelegenheit, ein derartiges Fest feiern zu können. Das im Buche Esther stehende Wort Pur hielt Grätz für eine Kvrrtlption des persischen Wortes Kur, das bedeutet Weinfaß. Pnr heißt nach ihm niemals LvvS. Ten Ausdruck Pnr hi hagorot im Buche Esther hielt Grätz für eine willkürlrche, grundlose Nebersetzrmg. ' Ta um diese Zeit das Märchen von der Königin Esther erzählt wurde, benutzten die Juden die Gelegenheit und feierten auf ihre Weise ebenfalls ein dem persischen Weinsaßfest ähnliches Fest. mit dem, was schon ein Anderer von der Sozialdemokratie, Eisfeld, in seiner Broschüre „Jü- .bischer Antisemitismus und Arbeiterschaft" Herrn Naumann zu sagen weiß. In ähnlicher Weife hält auch der „Vorwärts" Naumann die vielen Entgleisungen seiner Politik vor, die geeignet seien, „völlig falsche Vorstellungen über die Denkweise der großen Mehrheit der deutschen Juden .zu erwecken und dadurch der antisemittschm Hetze Vorschub zu leisten." Käme es auf einzelne Entgleisungen an, so gäbe es noch mchr, von denen der „Vorwärts" nichts weiß: Die wilde Hetze gegen die Ostjuden, die Denunzterung der Jüdisch-Nationalen in Deutschland als innerlich Landfremde und Verräter und so fort. Und dennoch ist es nicht richtig, von Entgleisungen zu sprechen. Hier gibt es nur eine einzige Entgleisung, nämlich die Gründung des Verbandes. Sie war die Entgleisung aller Entgleisungen, alles andere ergab und ergibt sich dann naturgemäß von selbst. Lsrmpsnäenren u. Nachrichten Deutsches Reich, flnlifemitsmus und sseclilLspreckung Merlin, 28. April Das Urteil einer Strafkammer in Glogau, die das kommandomäßtge Aus spuken einer deutsch-völkischen Jugendrotte am jüdischen Friedhof für straflos erklärte, macht Schule. Im Gymnasium zu Franken st ei n , wo der deutsch-völkische Radauantisemitismus eine besondere Pflegestätte zu besitzen scheint, besteht eine Wandervogelgruppe, die Ende vorigen Jahres unter Führung eines Studienrates die Stadt mit einem Gesang durchzog, dessen Kehrreim lautet: „Blut muß flüßen, Judenblut!" Wegen dieses Gesanges wurde gegen den Studtenrat und seinen Sohn, den Bundesleiter, Strafanzeige wegen Aufreizung zum Klassenhaß erstattet. Der Oberstaatsanwalt in Glaz lehnte, aber die Erhebung der Anklage ab mit der Begründung, daß die Juden ketneKlasse, sondern eine Rasse seien, weshüb eine Aufreizung zum Klassenhaß nicht vorltege. Daß das Reichsgericht mehrfach den Klassenbegriff da- Dns Wort „Märchen" in diesem Sinne hat Grätz direkt für die Megillath Esther damals airgewendet." Nun ist Purim nicht „Pnr", Pur nicht „Kur" und K ur kein Weinfaß. Aber was in acht's? „Neun ist eins, und zehn ist ke ins, das ist das Hereneinmal- Wir wundern uns nicht über Grätz, aber wundern muß marr sich mtiy wie ein svlch' blühender Unsinn sich Im Kopse eines Herrn Doktor für tätige Jahrzehnte konservieren kann und dann nocf} ca einem jüdischen Blatte Absatz findet, Auf alle Fälle sei die Notiz denen, die den großen „GeschichtSdichler" nnd Bibelkritiker Grätz noch nicht genügend rennt, bestens zur Lektüre empfohlen. $abbar>Anfang und Ausgang. tfEnp nns rozp Ort: Anfang Uhrjvtin. D ir»22 atum AuS Uhr 'gang Min. Frankfurt a. M 7 15 6. 8. 8 40 Berlin. 7 3U Mat Jjar 8 27 München . . . 7 15 8 L7 Eöln. 7 30 8 50 Stuttgart. . 7 - 8 33 Breslau . . . 7 08 8 08 Nürnberg. . . 7 - 8 25 Hamburg. . . 7 40 8 49