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Der Israelit · 1922-05-04 · Heft 18 (4.5.1922) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 18 (4.5.1922)
Date
1922-05-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 Nr. 18 Der J-raelit. der Autonomie der Nationalitäten erfahren hatte, ist Vorfrucht und Nachwrhe des Krieges) allenthalben strebt Wissenschaft und Lebenswirkung darnach den Staatsgedanken mit so überragender Wucht auszustatten, daß sich daraus sehr bald ein neuer Nationalbegriff entwickeln wird, der bewußt mit historischen Ansprüchen, mögen sie berechtigt o^er unberechtigt sein, aufzuräumen versuchen wird. Da könnte es vielleicht sein, daß furchtbar Abrechnung gehalten wird, dann wird es sich rächen, daß Streber und Ideologen unsere Religion national drapiert haben. Und was erstrebt man denn eigentlich? Was haben denn die Miniaturen von jüdischen Parlamenten erreicht? Was haben denn die sogenannten jüdischen Ministerien geschaffen? Es ist übrigens zum e:stenmale seit Barkochba, daß die nationale Emanzipation auf der Tagesordnung steht. Wenn nämlich im Mittelalter immer wieder von der jüdischen Nation gesprochen wurde, so war das kein politischer Begriff, da ja in einer Zeit, in welcher die Politik und das StaatSwollen rein dynastisch geführt wurde, mit dem Attribut der Nation keinerlei politische Ansprüche und auch keinerlei politische Verheißung verbunden war. Man vergleiche die Gedankenreihe, welche der Fiktion des römischen Reiches deutscher Nation zugrundrlag. Anders die Jetztzeit, in welcher mit dem Begriff nationaler Emanzipation ganz bestimmte Ansprüche erhoben werden, auf einer Linie, deren Konturen nicht einmal von den allerwr isesten Staatslehrern in klareren Umrisse gezeichnet werden können. In dieser Unbestimmtheit des Wollens liegt auch die große Gefahr des Mißverstandenwerdens und die unabsehbare Folge solchen Mißverständnisses. Es erhebt sich nun die weitere Frage, ob das Streben nach nationaler Emanzipation eine logische Notwendigkeit des früheren Emanzipationsstrebens ist, die wir oben als Emanzipation des Individuums und als Emanzipation der Religion bezeichneten. Die Emanzipation des Individuums bestand darin, daß man die Rechte, welche der Staat dem einzelnen Bürger verleiht, der Schutz, den er seinen Angehörigen angedeihen läßt, von dem Religionsbekenntnis des Einzelnen unabhängig macht. Die Geschichte des Mittelalters und seiner Verfolgungen zeigt zur Genüge, daß die Verweigerung dieser Rechte und dieses Schutzes lediglich von religiösen Momenten bedingt waren, und daß der Religionswechsel ohne weiters in den Besitz dieser Rechte und dieses Schutzes setzte. Und es ist und bleibt das hervorragendste Kapitel in der Golus Politik der Juden, daß sie auch die glänzendste Möglichkeit niemals mit Religions-Wechsel erkauften, ja daß man damals, als der Begriff Staats- «§■ Seid heilig! Zum Wochenabschnitt. B>mp vtri anenp. Gott verlangt von uns heilig zu lein, weil Er heilig ist. Ist daS nicht zuviel verlangt? Kann man den Matzstab der D’jvby, der göttlichen Regionen, anlegen bei dem, besten id*h O’Jinnns ist, dessen Weg durch Tiefen und Niederungen führt? Unsere weisen Lehrer schränken die Forderung ein und passen sie dem Menschen an. Sie sagen m.n nv nnK Bim. Sei gut und liebreich wie Er und du bist heilig, hast da. Gollesheiligkeit einen Strahl erlangt, soweit dies ein Mensch erlangen kann. Midrasch i.'.ht durch Anführung verwandter Sätze aus dem Ho r liebe durchblicken, daß hier der Konnex der menschli c i Seele mit ihrem Urquell gezeichnet und zur G n dlage der nwnp-Forderung gemacht wird. Der Mensch ist gut, ist heilig. Alles Böse und Gemeine ist s.iner Seele fremd und zuwider und beraubt sie ist.c ursprünglichen, ihr von Haus aus gegebenen Reinheit. kirche ungefähr derselbe Faktor war, wie etwa heute die herrschende Staats« ation gar nicht daran backte und denken durfte, die, Emanzipation brr Religion zu erstreben. Es bedurfte der geschichtlichen Tatsache der Entwurzelung des ganzen Begriffs der Staatskrrche, ehe man an die Emanzipation der Religion dachte, ehe man erreichen konnte, daß auch die jüdische Religion als geistiges und sittliches Gebilde sich der Anerkennung und des Schutzes durch den Staat erfreuen konnte. Damit war und ist Garantie geboten, daß sich Judentum und Judenheit in ihrer Eigenheit erhalten konnten, das war die beste Wehr gegen die Gefahr der Assimilation. Das aber ist neben dem Streben nach dem Schutze des Individuums der tiefste Sinn und das letzte Ziel der Golus-Politik, daß in gegebener Stunde die jüdische Gesamtheit zu der Aufgabe Bei eit ist, die ihr als dem Faktor der Menschheitsbefreiung klar vorgezeichnet ist. Wochenmndschaii. Die Ausgrabun-en In Mn- Wir haben bereits in jüngster Nummer über die bei den Erdarbetten in Köln bloßgelegten Särge, Leichen und Grabsteine des altjüdischen Friedhofs, auf dem die mibp 'V2N, nifiDVl '^2, und andere minn ihren Ruheplatz gefunden hatten, berichtet. Näheres darüber erfährt man aus der am 24. April in Köln stattgehabten Repräsentantensitzung. Nach dem Berichte des Vorstandes handelt es sich zunächst darum, die zwei Meter tief liegenden Gebeine, nach Abgrabung der Schicht mit der Hand zu bergen, wozu große Mittel von der Gemeinde aufzubringen sind, da der Fiskus wohl entgegenkommend die Arbeit erlauben will, aber für die Mehrkosten nicht auskommt. Das Gutachten des Herrn Justizrat Dr. Bodenheimer geht nach Beleuchtung der juristischen Seite der Sache dahin, daß die jüdische Gemeinde keinen zivilrechtlichen noch öffentlich rechtlichen Anspruch heute mehr auf den sett 40 Jahren unbenutzt liegenden Friedhof habe und lediglich auf das Entgegenkommen der Behörde angewiesen sei. Er wies daraus hin, daß auch noch andere Friedhöfe im Rheinlande ohne Schutz und Pflege dalägen, die man vor dem Schicksal des alten Kölner Friedhofes bewahren müffe. Demgegenüber mutet aber sein Rat mehr wie befremdend an, „die Verwaltung möge überlegen, ob die Mittel nicht für Zwecke der Lebenden bester angelegt wären." Aber das Empörende kommt erst. Herr nüVü ‘■p™ V2VV. Es zieht die jüdische Seele bet allen Ketten des Erdendaseins hinauf zum Lichte, dessen ein Teil sie ist. Die Sünden häufen sich wie Steine zu einer Mauer, die trennt zwischen Gott und Israel. Mit jeder Guttat wird aber ein Stein von dieser scheidenden Sündenmauer abgetragen. Die Schechinah indes steht hinter der Mauer — inx nvip nt ron — und zählt die Lücken und Löcher, die Breschen, die wir mit der Mizwohtat in die Scheidemauer gelegt haben.?ü n'itPö D»snnn }ö pto nii^nn. Ist die Mauer ganz abgetragen, dann ist die Vereinigung zwischen „den Geliebten" — »Tni nnf? »jx — hergestellt, dann ist Israel geweiht nach der höchsten und zugleich einfachsten und natürlichen Anforderung: "1 L>np '2 'Wl D‘B>Hp. kleines Zenilleton. Sprüche der Väter. Der heutige Jahrzestsiag Rabbiner Dr. M. Lehmanns V'8), dos Begründers des „Israelit?, scheint mir besonders geeignet, auf eines der herrlichsten Werke des großen Volkserziehers hinzuweisen, das lange vergriffen war und erst seit dem vorigen Jahre wieder teilweise zu haben i'<: seinen großen Kommentar zu den „Sprüchen der Väter". Die „Sprüche der Vater" geleiten uns von der Freiheit zum Gesetz, sie wollen uns den Weg lehren, der zu dem 7p min ninAn führt und sie tragen dann diesen Geist der Omerzeit weit hinein in den strahlenden Sommer _4. Mai 1938^ S ch neilt rig stellte die bescheidenen Anträge: 1) Die Verwaltung möge alle nur möglichen Schritte unternehmen, um wenn irgend möglich den Friedhof in seinem jetzigen Zustande wieder als dauerndes jüdisches Eigentum in den Besitz der Gemeinde zu bringen suchen) 2) bet der Ueberführung der Gebeine soll eine würdige Bestattung am äußersten Ende des Friedhofes stattfinden. Beide Anträge wurden ab gelehnt. Der letztere Antrag bedeutete einen Protest gegen die Art und Weise, wie man den Ort für die jetzige Beisetzung auf dem Bocklemünder Friedhof bestimmt hat. Man hat die Ge-' beine zwischen Aschenresten, zum Mindesten an solcher Stelle des Friedhofs, wo auch Urnen mit Aschenresten begraben werden, Leigesetzt.' Von der Verwaltung ist der verlangte Begräbnisplatz an der Militärringstraße verweigert worden, und zwar aus finanziellen Gründen. Die Großgemeinde Köln hat für diesen heiligen Zw ck überhaupt nicht mehr als '100000 Mark übrig. Nunmehr sollte es eine Ehrensache der gesamten Judenheit sein, das zu vollbringen, wozu die Kölner Großgemeinde aus Eigenem die Mittel, auch den Willen nicht aufzubrlngen vermag und den heiligen Gebeinen, unter ihnen 71? noor Dmntel ö’tfHp VVN fWVTp/ eine würdige Ruhestätte zu verschaffen. Wenn es noch irgendwie mit Geld zu machen ist, dann soll kein Jude in Ost und West zurückftehen, sich an diesem großen Werke der jüdischen P^elät zu beteiligen. Und ist es nicht mehr angängig, den alten Friedhof in jüdischen Besitz zu bringen, so soll durch die allgemeine Sammlung wenigstens ermöglicht werden, die iwnon rfiöXP in würdiger und jüdischer Weise zu bergen. Das altneue Wolvschin. Vor 115 Jahren hat im Austrage des Wilnaer Gaon und in Ausführung seines heiligen Vermächtnisses, dessen Schüler Rabbi Chaim die Woloschiner Jeschiwah gegründet, die nach hundertjähriger Blütezeit in den letzten Jahrzehnten im Kampfe gegen widrige Umstände unterlegen ist. Einmal und noch einmal fegte der Sturm des Weltkrieges über das historische Thorastädtchen dahin und es schien, als hätte er ihr das Lebenslicht gänzlich ausgeblasen. Nun erblüht nach siebenjährigem Stillstände neues Leben aus den Ruinen. Auf Initiative des Rabbi Jakob Schapiro, des Sohnes des letzten Jeschtwahleiters, wurde der Lehrbetrieb kurz vor dem Pessachfeste in dem alten neuhergerichteten Jeschiwahbau wieder voll ausgenommen. Woloschin und die Gemeinden der Umgegend feierten den weiter. Wer sich und seinen Kindern die ganze Fülle d s geistigen Gehaltes nutzbar machen will, der in diesem Mischna-Traktat geborgen ist, der greife zu Lehmanns Werk. In klarer, schl'chter Sprache, in buntem Wechsel von Philosoph scher Erörterung, poetischer Ausmalung, scharfsinniger Untersuchung und ethischen Exkursen fließt die EAäaierung dahin, niemals ermüdend, B lehrung und Anregung in reichstem Ausmaße spendend. Band l und ll die fertig vorliegen (Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M), kosten broschiert zusammen 122.85 Mk., gebunden 164.25 Mk., wozu noch der Teuerungszuschlag des Sor.imenterS tritt. Der dritte Band soll in Kürze erscheinen. Aus altenUtschristeu. Das 23. Stück des „Hanauischen Magagin",^Jahrgang lf8ö, enthüll unter dem Titel „Beispiel der Aufklärung" folgende Nachricht ans Fulda, welche das Verhältnis des Fürsten Heinrich zur Fnldaer Judenheit kennzeichnet: Fulda, den 3. Mai 1783. Auch Fulda zeichnete sich mit 'seinem verehrungSwürdigen Fürsten (gewiß ist das kein leeres Ko in pliment. sondern eine Benennung, die dieser' Fürst in jeder Rücksicht verdient) durch Beförderung der vernünftigen Ausklärung des Volkes ans. Tavon hat es schon manche Beispiele gegeben. Tie Aufmerksamkeit des Fürsten in dieser so nötigen und wichtigen Sache hat sich auch bis aus die Israeliten erstreckt, das Volk, das bisher fast durchgehends nicht nur vernachlässigt, sondern leider! auch ungerechter Weise verachtet wurde. . Am Z. Mai d. Js. wurde die Jugend beiderlei Geschlechts der Judenschaft in Fulda in verdeutschen, und i hebräischen, sowohl schlechten als guten Sprache, in den

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