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Der Israelit · 1922-04-27 · Heft 17 (27.4.1922) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 17 (27.4.1922)
Date
1922-04-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 2 nt. 0. - „BIS Sine neue Jalschmeldnng des Z. S. V. .^crr Tr. Raihan Birnbaum schreibt uns: „<iin jüdische» .^orrespvnbenzbnio druckt iu sei lu'iii „Bulletin" Uyut ly. d. 'Mit*, folgende Rd'ipnua ab: „Tr. 'Jl a i l; a u B i 1 n b a u m » n » t r i t t n ii » 91 fl udut ls Ts t * r o e l. 9'o i e u. Tr. 9intbuu Birnbaum hielt Var turzem einen Bvrtraa,, iu dem er bekannt gab, das; er seine Perbiudnugru mit der Agubatl) Iiswel gelöst habe.^ Tr. Birnbaum schlug die (Gründung einer ^rganisatwu var. die die Gläubigen aller Religionen bereinige» und die Bildung einer Cinlieitsfwnt bau religiösen Inden. Mohammedanern und Christen gegen die sich immer mehr «itfDreifCHOC Ungläubig leit in der Welt borbereiien still. Tr. Birnbaum erklärte, er suhle sich einem sronunen .ncnhvltten mehr berwandt als einem jüdischen „9lpttores". Taranshin sandte ich an da» xiorrcspvndenchiüro solgende Berichtigung ein: „Cs ist nicht wahr, das; ich aus der 9lgudas Iis roel ausgetreten bin, bezw. meine Verbindungen mit ihr gelöst habe und ebenso ist es nicht wahr, das; ich diese Lösung in einem vor fm.ji'm in Wien gehaltenen Bort rag detanutgab. Wahr ist, das; ich, wenn auch schon ein halbes Jahr, nickt mehr besoldeter Beamter der 9lgudas Iisroel, doch weiter ihr tätiges Mitglied bin, wie ich denn auch den in Rede stehenden Bortrag in ihrer W i e n e r I u g e n d g r u p h e hielt, llnd wahr ist ferner^ das; ich in meinem Bortrag - dem einzigen, den ich seit sieben Monaten hielt - meine Beziehungen zu Agudas Iisroel überh n n Pt ni ch t e r w ä h n t e. Cs ist nicht wahr, das; ich die Gründung einer Organisation borschlng, die die (Gläubigen aller Religionen bereinigen und die Bildung einer Einheitsfront bvn religiösen Juden, Mohammedanern und Christen gegen die sich immer mehr ansbreitende Unglünbigteit in der Welt borbereiten soll. Wahr ist, das; ich an; die Bedingtheit der jüdischen „Ireigeisterei" von der außer jüdischen, allgemeinen hinwies und daran die Warnung an' die gläubigen Juden t'nüpste, sich nicht ans lanter Angst vor dem Antisemitismus zu einer den frommen Christen uiisrenndliche.i Trientieinng bestimmen zu lassen, woraus nur der Welt-Atheismus Ruhen ziehen tönne. Bon Cirändnng einer Organisation, in der die tatsächliche religiöse Interessensolidarität gegenüber dom Unglauben wirksam werden solle, war nicht mit e i nein Wo rte die Rede. Cs ist nicht wahr, daß ich erklärte, das; ich mich einem frommen .b'athvliken mehr berwandt fühle, als einem jüdischen „Apikores". Ich habe bon '.»einen persönlichen chesühleir gegenüber den „Apikorsim" überhaupt nicht und. im Besonderen nicht von diesen lsesnhlen im Vergleich zu meinen lsefiihlen gegenüber den sromme» Richtjuden gesprochen. Ich ftnune das gar nicht, ineil ich mich in den betressenden, vom Thema i.,Ter Linn des Judentums") etwas abweichenden 9lnssül;rnngen meines Vortrages nur mit der Cinstellnng der frommen Inden zu den allgemeinen, nichrjüdischen Weltanschnnnngslagern, nicht aber init ihren seelischen Beziehungen zu den nnglänbige» Inden besagte." .Boist'nilich ist das Ziorrespondenzbüro lapal, diese meine Berichtigung in sein nächstes „Bulletin" attizuneh'.uett und so allen Blätter», die es mit Rachrichten versorgt, zugänglich zu machen. 9lber auch, inenn es dies tut, ist kaum zu erwarten, das; alle Blätter, die der Tache der gesenestrenen Inden oder mir unfreundlich gegenüberstehen,, von der Berichlignng Avliz nehmen. Ich bitte daher alle besrenndeten Blätter, diese Berichtigung nachzndrncken, tind meine Irennde in allen Ländern, mir von jedem Halle Mitteilung zu machen, in dem ein Blatt wohl die Lngenmeldnng über mich, nicht aber lueine Berichtigung bringt. Tr. Rathan Birnbau»', Berlitt Charlokrenbnrg, Hvrstweg 241 (24. April 1022.)" Omer-SetrMnnren eines Kleinstädters. Wem; wir mrs iu diesen Frühlingsabende'.; zur Sefirazeit aNabendlich zusammensinden, um imd) aörtlid;rr Weisung die Tage vom Feste unserer Freiheit zum Teste der Oieseugcbnng zu zähien, da fehlt so leicht keiner aus der ganzen Gemeinde. Iu früheren Jahren hatten sich die Gcmeiv.demitgtteder schon vorher eingesnnden, um vor der Synagogentüre noch ein Biertelstnndchen in vertraulicher Unterhaltung zu verplaudern. Als noch die „gelernten" Alten lebten und ihren erziehlichen, fittigenden Einfluß ans die ganze (Gemeinde geltend machten, war auch diese Unterhaltung lehrreich uizd ungemein anregend. Da erinnerte ein Gran ko Pf daran, wie es in alten, vergangenen Zeiten, gerade diese Tage und Wochen zwischen Pessach und SchownoS waren,, in toelchen Vorurteil und Haß gegen Inden und Judentum sich am fühlbarsten bekundeten, wie wir doch heute unter anderen Umständen und Veihältnissen die Tage zählten, die zum Oiseubarnngvfest der Thora führten, wie wir für diese Thora zu leben hätten, für welche, unsere Ahnen freudig in den Tod gingen. Unfern Vätern in jciu'ii trüben und harten Zeiten, schienen die Tage und Stunden bereits gezählt und dennoch Zählten sie in Heiterer Zuversicht ihre Tage nud Wochen^ Ein Fttigelschlag dieses Geistesadels und dieser Seelengröße unserer Altvorderen ist es, der sich noch in ihrer; Enkeln und Urenkeln regt, -und sie allabendlich an die gemeinsame Stätte des Gebets zieht, um heute, wie einst die Tage nnd Wochen zu zählen, wie es die Väter und Großväter gehalten haben. Aber mit dem allmählichen Wegsterben der ehrwürdigen Alten . hatten auch die Unterhaltungen vor der Synagogenttire ihren anregenden Charakter verloren. Sie waren ans das gewöhnliche, alltägliche Niveau einer Besprechung der Tagesereignisse, der Begebenheiten im Ort und der Gemeinde heralWsunken und oft in Bemerkungen über Leben und Treiben von GemeindemitgUedern ausgeartet, die nicht geeignet waren, das gute Einvernehmen zu erhöhen. 'Das hat der Scharfblick unseres Vorstehers, der gleichzeitig nufere Agndaortsgrnppe leitet, richtig erkannt.und seitdem hat er dieses Unterhaltnngsstündchen dadurch aufgehoben, daß er den. Lehrer bestimmt hat, , allabendlich vor dem Abendgebet einen Schinr zu lernen, den alle gern besuchen; und unser wackerer Parnes ist immer der erste unter diesen Besuchern. Aber gestern Abend sing er die Gemeindemitglieder an der Synagogentreppe ab, und hielt selbst den Lehrer zurück; er hatte etwas besonderes auf dem .Herzen. Er hatte ein Bündel Drucksachen, Reden, Prospekte, Zeichnnngslisten and eine ganze Anzahl sonstiger papierner Taten des Keren hajesod in .Händen, die ihn; heute durch die Post zugegangen waren, und die es ihm doch so weit angetan hatten, daß er' dem Lehrer den Vorschlag macht, die Drucksachen heute. Abend in der Synagoge vorzulesen, statt den gewöhnlichen Vortrag zu hatten. „Das fehlte auch noch, daß .man solche Sachen in Schul verhandelt, dazu ist doch der Ort zu heilig", erwiderte' der Lehrer ans 'diese Aufforderung. „Wir sind hier um zu zählen, nicht um zu ' zahlen. Aber wenn ich von den gedruckten Zetteln einmal absehe, so ist Mizwas Sefiras Hoanmrr vielleicht ganz geeignet, um an ihr das Falsche, Irrige und Gefährliche der zionistischen Bestrebungen in aller Kürze darzutnn. Jedenfalls molken wir darüber unser „Lernen" nicht anssatten lassen." Mit diesen Worten trat der Lehrer in die Synagoge und die Gemeinde folgte, ihm. Er sprach über Sinn und Bedeutung des Oinerzählens in seiner schlichten, klaren Weise und flocht dabei seine Bemerkungen über Sinn und Bedeutung des Zionismus ein und zwar — wie mir scheint — in so zutreffender Weise, daß ich mir nicht versagen kann, seine Ausführungen. hier in aller Kürze folgen zu lassen. Unser Herr Lehrer leitete seine Betrachtungen mit dem Ansspruch des Midrasch ein: j "prin mp roir rvrao rrnn brr mim "löiotp pxn nx w-m orrox m? -jouti nixo’ ’nns nx nnxi nao bv ch-inx ~p Tirol •-iöutt mxö iT nrw -NVLT' „Niemals möge in Deinen Augen die Omerpslicht als etwas geringes gelten, denn durch Nkizwas Omer wurde 9lbraham getvürd.igt das Land Lanaan zu besitzen. So ist es gesagt: Ich habe dir tind deinen Nachkommen nach dir, das Land deines Irerndlinganfenthaltes gegeben — unter der Bedingung .- Dl aber hüte nleinen Bund. Meinen Bund? Das ist Mizivas Omer." Da lvären wir ja scholl in nredias res. Unser Ah;; sehnte sich vor 4000 Jahren schon nach dem Besitz des Landes, in dem er nur als Fremdling lebte. Seine Nachkoinmen erhielten es imd'' ^. - . 37. April 193L Verloren es wieder, .haben es seit nun inehr als 1800 Jahren verloren und sehnen sich wieder nach seinem Besitz. Durch die Erfüllung der Omerpslicht erhielt der Ahn das Land und die Enkel werden es ganz gewiß auf keinem andern Weg wieder erhalten. Schlagen unsere Zionisten diesen Weg ein? Ich möchte wissen, wie viele von ihren begeisterten Wortführern . auch nur mtc. wir allabendlich zusammentreten, um die Omerzählung vorzunehmen. Sie zählen ihre - Zeichnungen, ihre Anteilscheine, ihre Pfund Sterlinge und glauben aus diese Weise in den Besitz des heiligen Landes gelangen zu können. Und wenn ihre Sub-skriptionslisten hundertnral überzeichnet und die Sterlinge ihnen in Strömen znslicßett tv'ürden,' wenn sie das Bündnis zwischen Gott und Israel nicht respektieren, lvie cs in Mizivas Omer zunr Ausdruck kommt, werden sie nie gewürdigt werden, das Laich Kanaan z u .besitzen. - Wir müssen uns den Sinn und Geist dieser Mizwa klar inachen, um die tiefe Kluft zu veranschaulichen, die uns Jehudim alten, schlichten, redlichen' Schlages, welche die' Aguda Israel organisieren null, von den Zionisten und ihren Bestrebungen trennt. Mizwas Omer besteht in Folgendem: Im heiligen Land hat um die Pesachzeit das erste Getreide — die Gerste — bereits seine Reife erlangt. Es durfte aber nicht geschnitten und genossen werden, bis in der Nacht des 16. Nissan, der zweiten Pesachnacht, der erste Garbenschnitt, für ein ain anderen Morgen, zu vollziehendes Erstlingsopfer und dieses selbst erfolgt war. Dann folgte die Pflicht, von diesem ersten Garbenschnitt an, die Tage und Wochen bis zum Schowuosfest, dein Feste der Gesetzoffenbarung am Sinai, zu zählen. 'Der erste Teil dieser Mizwa kann von uns heute nicht mehr erfüllt werden, aber die Zählung der Tage Zjvischen dem ersten Garbenschnitt und dem. Gedächtnistage des Gottesbundes am Sinai, vollziehen wir auch heute noch. Es ist dies eben Mizivas Sefiras Hb- Omer. Der Sinn dieses Gesetzes ist: über den Besitz. über den Erntesegen, nicht denjenigen zu vergessen, dem Nur ihn verdanken, den; wir daher die erste Garbe in den;. Erstlingsopfer huldigend in sein Gesetzesheiligtiun brachten. Aber daß Besitz und Genuß nicht der Güter höchste find, daß die Freiheit, die uns Pesach, daß die Segens- , fülle, welche uns die Ernte brachte, ihren wahren, einzigen Wert, ihre volle Bedeutsamkeit erst crhaltem, wenn sie sich dein Gesetze Gottes fügen, wenn fte zur Anerkennung der Gottesgesetze führen, das sprechen wir dadurch ans, daß wir die Tage und Wochen zählen, lvelchc von den; Feste der Freiheit, von; Segen der Ernte, zum OssenbarungStag des Gesetzes führen. Soziale Freiheit, politische Selbständigkeit und materieller Besitz und Genuß des Bodens, sind somit nicht die Errungenschaften und Güter, aus welche wir zählen. Wir zählen allein auf der Güter höchstes, auf das Gut, das uns Gott selber gereicht, als der Himmel die Erde küßte und 'Gottes Acajestät auf den: Gottesberg sich offenbarte, um uns. das Gesetz zu reichen, nach ivelchem wir Freiheit und Besitz verwenden und genießen sollen. Alle menschlichen Gesetze, Verfassungen und Einrichtungen sind für das Volk und Land sind nur vorhanden, u;n Gottes Ge- Bei den; Gottesgesetz ist es umgekehrt. Volk und Land sind nur vorhanden um Gottes Gesetz in ihnen zur Bernnrklichung zu bringen. Die Thora ging der Schöpfung der materiellen Welt voran. . man« om im i mna nx nna wpbo lor «acri rnmmvpn 2'Qixb> bon dvu 'Tmn iriD' „Er führte sein Volk jubelnd in die.Freiheit, mit Jauchzen seine Ernnihlten, gab ihnen die Länder und Völker und ließ sie die Errungenschuft von Nationen in Besitz nehmen, d a m i t , s i e s e i n e Gesetze h len u u £r feine L e hx m b e w a h r e n, H a l l e l n j a!" (Psalm 105. V. 43, 44, 45.)

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