Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1922)
- Date
- 1922-04-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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27. April 19m2. . . - D>as I) nt teil die juVelnd aus 'der Freiheit in das Land ihrer Bestimmung Gezogenen vergessen. deicht die Zahl der zum Gesetze snhrenden Tage war der Gegenstand ihres Zählens 'andern min’ '■•?« 'M T"!i? “IDCB die Zahl feiner ^.Städte waren die Götter Judas. Deshalb spie das Land seine Bewohner ans, deshalb trug sie der Boden nicht langer, weil sie eben seine Gesetze nicht .hüteten und seine Lehren nicht bewahrten. Das ist der. Sinn des Midraschwortes, dass Mizwas Omer es war, wodurch Abraham gewürdigt wurde, das Land zn besitzen. Das Land als von Gott gewährtes und ihm jederzeit znrnckzngebendes Lehen hinzunehmen, das ivar die Bedingung, an die sein Besitz von vornhinein geknüpft war. Das spricht MizwaS Omer, das GrstlingSopfer aus, das dem ganzen Lande und seinem Ertage das Gepräge der Gotteshörigkeii ansprägt, und daher 'allein seinen dauernden Besitz dem Abrahamsvolke gewährleistet. Wenn wir daher allabendlich die Tage zählen, die vom ersten Garbenschnitt zum Ofsenbarnngsfeste der Thora führen, so knüpfen, wer an diese Zählung nicht die Bitte um Wiederbesitz des Landes,.sondern um Wiedererrichtung des Heiligtums. ■! .: Die Verwirklichung des „Frankfurter Programms/' I. Ter letzte Delegiertentag ves deutschen Gruppeuverbandes im Sommer 5681 kam bei der Besprechung des „Frankfurter Programms" zu dem Resultate, zunächst einmal die Ortsgruppe Frankfurt zu beauftragen, dieses Programm zu dem ihrigen zu machen, und so an Hand der Erfahrung zu erproben, inwieweit dieses Programm geeignet ist, die Tätigkeit der Ortsgruppe neu zu beleben. Es liegt im Wesen des Franksurter Programms, das; seine Realisierung nicht in einer kurzen, bemessene» Frist durchgeführt werden kann. Wenn also in folgenden - die Tätigkeit der frankfurter Ortsgruppe im abgelaufenen Winterhalbjahr geschildert werden soll, so kann dieses nicht mehr »nd nicht weniger bedeuteu als eine erste Etappe ans der vom' Telegierten-Tag gegebenen Marschroute, dürfte aber doch weit über die lokale Bedeutung hinausgehend, allen andern Ortsgruppen Anregung geben, einmal damit Ernst zu mache», eine eigene Tätigkeit zu entwickeln und dabei doch der in den „Blättern" bereits mehrfach herborgehobenen Eigenart der deutschen Laiidesorgaiiisatiou Rechnung zu tragen, welche bereits bei ihrer Gründung Organisationen vorsand, die scheinbar der Agudo nur noch ein geringes Betätigungsgediek innerhalb Tentschlnnd übrig lassen. Außerdem dürste gerade Frautslirt mit sei'nem blühenden jüdischen Gemeindeleben ein Ibpisrhes Beispiel für das Problem sein, inwieweit ne..en der Gemeinde »och der Ortsgruppe ein Wirciiugsseld' übrig bleibt. Ten speziellen Berichten sei noch eine Bemerkung allgemeiner Art bornnsgesll.irkt: svivvhl atis pshcholvgischen als auch ans leck,»iahen Gründen hat es sich als sehr vorteilhasl heruiisgestellt, innerhalb des Vorstandes eine Arbeitsteilung in dem Sinne borznnehmen, das; für die einzelnen Sparten .Kommissionen gewühlt wurde», in denen ein Rorstaiids-Mitglied die Führung übernahm und 'monatlich den Gesamtbvrstand Niechenschast ablegt, und die Zusammensetzung der Kommissionen erfolgte ans denjenigen Mitglieder» der Ortsgruppe, von denen anzunehmem war, das; sie dem betreffenden Tätigkeitsgebiete besonderes Interest eutgegenbriitgen. Es Ivnrde boit diesem ltzesichtspunkte ans auch auf einzelnen Gebieten i»> engste» Einveriiehmen mit der Iugondgrtlppe zusammengearbeitet, ivührend andere Gebiete ausschließlich von der Ortsgruppe bearbeitet wurden. Tie einzelnett Kommissionen setzen sich.svlgenderinasten zusanuueu: ») Soz i a l e Kommissio», b) G e i st i g e Kommission, «i P al ä st i i! a - Kommission, 4) P r o p a g a ttD« - .stv-.nMission, a) F i n a n z i e l l e stvmmistivn. A. Die TäligKe.t Öer loyalen Kommifim.i. 'N' pasi 12 Ter starke Zustrom ostjüdischer Flüchtlinge sowohl, wie auch die durch die Teuerung verursachte Rot in der einheimischer Bevölkerung bera-utas;teu die Ortsgruppe, ihre soziale Tätigkeit s Hst ein at i s ch z n o r g a n i s i e r e n und zwar in steter Fählnngnahwe mit anderen Orgaitisativüen, welche ebenfalls auf diesem Gebiete arbeiteten, vor altem wurde für die notwendigsten Fälle wöchentlich mehrere Sprechstunden eingerichtet, wo in diskreter Form nach Feststellung der Bedürftigkeit wöchentlich regelinästige Geldunterstützungcn gewährt wurden, und zwar wurden im Jahre etwas über 5 0.0 0 0 Mark für diesen Zweck gesammelt und berlvendet, es handelt l 811 e t.“ sich hier in erster Linie nicht n»n einmalige Gaben an Turchreisende, sondern um die Gewährung eines Eristenzminimnms an dauernd in Frankfurt wohnende Bedürftige.' außer diesen Geldspenden aber wurde irr einem eigner! Raum e i » e K leid e r s a rrr in r lstelle eingerichtet, welche dank der Freigebigkeit verständnisvoller Spender in der Lage war, in geradezu vorbildlicher Weise Notleidenden zu Helsen; einige Zahlen mögen den reichen Umfang dieser Tätigkeit illustrieren: Es wurden iw Laufe eines Jahres ausgegeben 248 Röcke und Westen, 152 Beinkleider, 62 Mäntel, 110 Stück Herrenwäsche, 86 Stück Tnmenwüsche, 75 Stück .stinderwäsche, 150 Paar Schuhe und Strümpfe, 90 otück Tamenkleider, 115 .ziinderkleider, 35 Ätiicl Erstlingswäsche, austerdeui eine groste Allzahl Hüte, .Handschuhe, .stragen, Krnbntteu, etwas Bettzeug und lkuit.but Iwi least Tnlessim, Tefillin und 4lrba Kansoth, selbstverständlich erforderte die sorgsame Behandlung der Kleidungsstücke und der Wäsche (Säuberung, Reparaturen) eine Anzahl williger .Helferinnen aus unserer Mädrhengruppe; aber auch die ganze Verteilung, welche von einer Anzahl von Mitgliedern der Jugend- und Mädchengruppe in überaus dankenswerter und hingebungsvoller Weise vorgenommen wurde, vollzog sich keineswegs rein schematisch, sondern .individuell; so wurden z. B. des öfteren die Wohnungen verschämter Armen von Vertrauensleuten ausgesucht und ihnen die Kleidungsstücke ins Haus gebracht; es wurden ganze Anstalten zu gegebenen Zeiten mit. Wäsche siir ihre Zöglinge bedacht. Als ein Haupterfolg dieser Tätigkeit ist nicht blos die Linderung der Rot, sondern die soziale Erziehung der Helfer und Helferinnen zu buche», ihre Tätigkeit ist eine Schulung wie sie schöner nicht gedacht werden kann, n»i den nltjüdischcn echten Zdokogeist fürs Leben anzucrzieheu. es ist keine Uebertreibung, wenn wir behaupten, daß dieser seelische Gewinn, welcher sich daraus ergibt, mindestens dem materiellen Werte der Gaben gleichkommt, mit welchen den Notleidenden geholfen werden konnte; ein weiterer Zweig der Sozialen Tätigkeit bestand in Stellenvermittlung für Arbeitslose, wodurch erfreulicherweise in einer großen Zahl von Fällen ans verzweifelten unglücklichen Flüchtlingen arbeitssreudige Menschen gemacht wurden, die von ihrer Hände Arbeit zu leben imstande sind. Tie letzte 'Aktion der Sozialen Kommission bestand in der Sammlung von Geldern für P e s a ch s p e i s u n g. Es ist klar, daß nur die Opferwilligkeit der Gruppe eriuöglicheu tonnte, daß die Soziale Kounnissiuu bei ihrem geräuschlosen, stillen Wirken Erfolge aufzriweisen hat, welche an und für sich betrachtet, schon die Existenz einer Ortsgruppe rechtfertigen könnten, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die*Tütigkeit Zeugnis dafür ablegt, daß die Aguda mehr ist als etwa eine „politische Kaiiipfesvrganisativu". lieber die Tätigkeit der übrigen Kommissionen soll ein weiterer ''Artikel berichten. Sachnoffas Orchim. nmtrn ^a nmpa D'nm« r>D»n nbr\: (mp mir) Es ist zwar alt, wird aber noch nicht genügend gewürdigt, das; das Gmilus chessew, das an Begüterte gewendet wird, noch verdienstvoller nnd größer ist, als dasjenige, das den Armen tstlfl. Berstäildlich ist dieser Grundsatz besonders, wenn man erwägt, daß die sonst vom Glück Begünstigten, die gewohnt siild, sich jedes materielle Bedürfnis durch Geld befriedigen zu können, schlimmer^ als die Armen daran silld, wenn eine kleine Not an sie herantritt. Wer an Entbehrungen durch Armut gewöhnt ist, trägt sie leichter als die Reichen, die empfindlich leiden, wenn Geld nicht hilft, ein Verlangen zil stillen. Sieht sich, um als Beispiel einen scheinbar lächerlich kleiriell Notfall zu betrachten, eine kleinbürgerliche Familie plötzlich ohne Bedienung, dann greisen Frau nird Töchter mit arbeitsgeübter Hand zu. Verliert aber eine reiche, verwöhnte Frau, die zeitlebens keinen Kochtopf angerührt hat, ihre .Köchin und findet nicht gleich Ersatz, so leidet sie empfindlich darunter; wer kochen kann ltnb ihr da hälfe, beginge eilt Gmillns chessed. Lächelt nicht, es i st so. Nun ein ernsteres Beispiel. Jüdische Stauf* feilte reisen in Deutschland. Am Sonntag fahren sie von Hause ab, kehren am Freitag heim oder müssen auch über Sabbat ausb!eiben. Ihr Berns verweist sie in Gegenden, wo ein Koscherbissen weit und breit nicht aiffzntreiben ist. Mit Brot, geräuchertem Fisch, Eiern und Tee behelfen fie sich oder essen „ans dem Koffer" hastig cut totiief Dauerwurst. Oh, wenn man so einmal aus einem Ansslug lebt, ist das eine nette Abwechslung. nnd so ein Mahl, im Walde zusam- Nr. 9 Sette 3. mengestellt, schmeckt besser als die drei häuslichen Gänge am Familientisch. Wird aber ans dem Einzelsall die Regel, welche Wochen, Monate, Jahre lang andauert, dann wandelt sich das Vergnügen in Qual, verkorkst sich der Magen, leidet das Gemüt, erlahmt die Tatkraft, nimmt die Lebensfreude ab. Reden wir gar nicht von jenen Aermsten, die von .Hans aus guten Willens, doch schwach an Entsagnngskrafl sind und nach einer mehr oder weniger langen Entbehrungszeit das lockende, hellerlenchtete nichtjüdische Restaurant erst zögernd, dann immer beherzter betreten, um gleich den jenseits von Jssur und Hetter stehende» .Kollegen an allsprechend gedecktem Tisch sich satt zu essen. Sich fall zu essen, ist wahrlich feilt unbillig Verlangen des jüdischen Reisenden. Er kann nicht gut verlangen, daß seine .Knuden allesamt just an die Kurplätze ziehen oder in die Städte mit zahlreicher orthodoxer Bevölkerung, wo es Koscher-Speisehüuser gibt. Ebenso wenig kann man verlangen, daß der verdienstvolle Hamburger „Speiseverein", wie er im Volksmund heißt, etwa rituelle Restaurants an allen den kleinen Jndustrieorten in Württemberg, der Pfalz, dem Saargebiet, in Sachsen, Thüringen anlegt, wo es meilenweit kein frommes Haus nnd außer dem Reisenden keinen Reflektanten ans Koscherkost gibt. Zudem ist das Wort Koscherkost leider so dehnbar geworden, ivie der Begriff Judentum viekgedeutet wird. Es ist ja bekannt, daß emesoi disant Koscher-Wirtin ans die sondierende Frage, wo sie ihre Geflügel-Schalaus entscheiden lasse, geantwortet hat: „Bei uns kommt so etwas nie vor". Nnd wie mancher herzlich gastfreie Hausherr, der ernstlich auf Kaschrns in seinem Hause sieht, dessen Gattin nur zuweilen „schopping" geht, während das Mädchen (jüdisch oder nicht, gilt meist gleich) inder Küche mirE schäftet, fühlt sich verletzt, wenn der am Freitag Abend in der Synagoge freundlich von ihm zu Tisch geladene Fremde unter einer Ausrede ablehnt. Derselbe gutherzige Hausherr aber ernnese demselben Fremden eine unsägliche Wohltat, wenn er ihm sagte: „Bei mir ists »ach meiner Ueberzeugnug zwar so koscher wie bei Rabbi Ehaini Sounenseld in Jerusalem; das können Sie indessen nicht ans eigener Kenntnis beurteilen. Wenn Sie darum bei mir Fleischkonserven der Aguda nehmen uitb im übrigen an »reinein Schabboslisch .Kiddusch hören und ein Stück Challobrot mitgenießen wollen, dann sind Sie willkommen." Das märe echtes Gmilus chessed, noch erhöht, wenn der Gastgeber sich den Preis der Konserven vom Gaste vor dessen Abreise zahlen ließe, sodaß dieser dem wirtlichen .Hanse nicht für die Mahlzeit selber sich verschuldet fühlt, sondern mir zu danken hat für die warme Ausnahme nnd brüderliche Ansmerksamkeit. Dafür, für die Mühewaltung, kann sich der Gast erkenntlich zeigen: er kann viel erzählen, was bei Tisch interessiert, nnd oft durch ein gutes Thorawort die dankbar aufhorehende Familie belehren. So etwa mag das bekannte erfahrene Vorstandsmitglied des Grnppenoerbands unserer deutschen Aguda gedacht und empsnnoen haben, als es dieser nahe legte, sich des geplagten, hungrigen 'Reisepnbliknms aiiznneljinen. Daraus ist die „Bekanntmachung" in den jüdischen Zeitungen (Nr. Z dieser Blätter) gewiß znrnckznsühren. Dem Vernehmen nach cst die Wirkung hochersrenlich. Wie nicht anders zu erwarten, melden sich allenthalben Häuser, die zur Abgabe von .Konserven bereit sind, und freudig sind die Kundgebungen der gesetzestreuen Kanflente, die davon Gebrauch zu machen münschen. Tie Adressen werden hoffentlich bald in Buchform erscheinen. Einstweilen erhalten die Reisenden brieflich von Halberstadt Nachricht. Die Bitte um Unterstütznnng möchte ich aber an weitere .Kreise richten, als der Gruppenverband angernfcn hat. Auch die Ortsn»d I n g o» d g v u P p o n möchte» in möglichst weiter Umgebung ihres Sitzes nach Häusern fahnden, die diese moderne Art von Hachnossas orchim