Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1922)
- Date
- 1922-04-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Blätter her a®u sgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Grganisation der Agudas Iisroel für Deutschland. VIII. Jahrgang 29. Wißan 5682. : Wummer 9. 27. ApriL 1922. Inhaltsübersicht. Memorandum des Waad hoir und der palästinensischen Agudas Iisroel an den Völkerbund. — Eine agudistifche Wochenschrift in Jerusalem. — Die litauische Orthodoxie und die politischen Forderungen der Agudas Iisroel. — Die Verwirklichung des „Frankfurter Programms". — Hachnossas Orchim. — Eine neue Falschmeldung des I. C. V. — Omerbeirachtungen eines Kleinstädters. - NeueAguda-Ltteratur. — Aus der Bewegung. — Spendenlisten. . Memorandum des Maad hoir und der palästinensischen AaudaS Iisroel an den Völkerbund.!Ter Waad Hoir Hoaschkenafi hat in Gemeinschaft mit der palästinensischen Agüdas IIsrael Ende März ein Memorandum an den Rat des Völkerbundes in Genf gerichtet, lvorin es nach kurzer Einleituirg wie folgt heißt: „Wir bringen unsere tiefe Dankbarkeit dafür zum Ausdruck, d aß der Völkerbund in die Sphäre seiner Tätigkeit die Bestätigung des britischen Palästina-Mandates 'einbegriffen hat, auf Grund jener hochherzigen Erklärung, die dem leidenden, wanderirden, jüdischen Volke die Möglichkeit gibt, ein sicheres Heim in dem Lande seiner zweitausendjährigen Sehnsucht zu erbauen, in jenem Lande, dem es ungeachtet einer zwangsweisen Trennung von nahezu zwanzig Jahrhunderten allezeit innig verbunden blieb. Tie Bemerkungen, auf welche wir die Aufmerksamkeit des Völkerbundes irr aller Ehrfurcht lenkerr möchten, sind folgende: - 1. In dem Entwürfe des Mandates wird die ziouistische Organisation als die Vertreterin des ganzen jüdischerr Kolkes anerkannt. Demgegenüber ist jedoch die Tatsache feftznstellen, daß ungefähr eine Million orthodoxer Juderr es aus religiösen Gründen für notwendig erachtet haben, sich gesondert unter dem Banner der „Agudas Iisroel" zu organisieren, urrd daß diese die zionistische Organisation nicht als ihre Vertreter anerkennen. Infolgedessen ist ein großer und wichtiger Teil - des Kolkes tatsächlich in der jüdischen Agentur für Palästina nicht vertreten. Einen bedeutenden Teil des jüdischen Volkes jedoch seiner.Vertretungsrechte zu berauben, ist nicht nur eine Verneinung der grundlegenden Prinzipien der Gerechtigkeit, sondern es verzögert dies auch in gewissem Maße den Wiederaufbau des Landes, das ihren Herzen und Seelen so teuer ist.. Wir bitten daher den Völkerbund, diesen Paragraphen des Mandates, derart abzuändern, daß er den Wünschen aller Teile des jüdischen Volkes annehmbar erscheint, die bas Recht haben, die Vorteile der Balftmr- Deklaration zu genießen. 'Dies sollte geschehen durch .Cooptierung von Vertretern der Agudas Iisroel in die Jewish Agency. 2. Die orthodoxen Juden, in ihrem Eifer für die Erhaltung des jüdischen Glaubens, der ihnen der Leitstern ihres.ganzen Lebens ist, waren von jeher immer bereit, diesen Glauben zu verteidigen, wenn er nach ihrer- Ansicht in 'Gefahr war. Und weil unsere Gemeinschaft, die sich , aus den Pionieren der gegenwärtigen Ansiedlung und ihrer Institutionen zusammensetzt, diese Gefahr neuerdings für gegeben erachtet, haben sie sich veranlaßt gesehen, ihre Gemeinde unabhängig zu organisieren, von der Ueherzene gung durchdrungen, daß nur durch dieses Verfahren die zukünftige Erhaltung der jüdischen Religion im Laiche gesichert werden kann, und daß nur auf dein Wege der Unabhängigkeit Streit und Zwistigkeiten vermieden werden können. Ein ähnliches Verfahren wurde voir vielen jüdischen Gemeinschaften, in verschiedeneir Ländern beobachtet, wann immer das Judentum durch Irreligiosität tntb die Gegner der Religion bedroht war. Kraft der vorstehenden Bemerkungen und im Namen der religiösen Freiheit bitten ivir, daß eine spezielle Klausel irr das Palästina-Mandat eingefi'lgt werde, welche die absoluten Rechte und die Freiheit der irr Palästina unabhängig mit eigenen Rabbinat bestehenden jüdischen Gemeinden sichert, und daß geeignete Anerkennung ihnen sowohl in ihren inneren Gemeindeangelegenheiten, als auch in ihren Beziehungen zu den Behörden nach außen gewährleistet wird. Eine derartige Schutz-Klausel würde einen unerwünschten und nutzlosen Zwang, äitsgeübt von einem Teile der Gemeinschaft auf den andern Teil verhindern, sobald ein Teil aus Gründen des Prinzipes die Autorität des andern nicht anzuerkennen imstande ist. Ein solcher Zwang, abgesehen von den Schwierigkeiten und der Verbitterung, die er schasst, gefährdet auch unsere religiösen Anschauungen und Bestrebungen. Nur die Sicherung vollkommener Freiheit wird in dieses Land Juden aller Richtungen und Schattierungen hineinziehen, hie alle von dem Eifer beseelt sind, die Ruinen aufzubaneu und die Oede in einen Garten Edeu zu verwandeln zum Besten des Landes und aller seiner Bewohner." Eine agudistifche Wochenschrift in Jerusalem. Kaum ist ein halbes Jahr seit Erscheinen, der agudiftischeu Monatsschrift „Kot Iisroel" in Jerusalem verstrichen und schon hat sich dieselbe derartige Sympathien erworben, daß sich unsere rührige Jugendgruppe dort entschlossen hat, nunmehr den „Kol Iisroel" wöchentlich erscheinen zu lassen. Die drei letzten Nummern, die uns oorliegen, zeigen zur Genüge, welches Märchen es ist, wenn von gegnerischer Seite behauptet wird, daß die Agnda in Jerusalem eine von außen importierte Treibhaus pf.anze darstelle. Mir wünschen, daß in der Diaspora über-', all dieser freudige Bekennermut zum Agudagedaukeu und dieses reife Verständnis für die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der selbständigeu Orthodoxie anzutreffen, wäre, wie bei unseren Jerusalemer Gesinnungsgenossen. Der Idealismus, mit welchem eine JngendgruPpe, bis jetzt ohne jede Unterstützung von außen, es nnteruimmt, eine Wochenschrift herauszugeben, verdient besonders Hervorgehaben zu werden. Durch diese Wochenschrift ist nunmehr eine längst von uns als schmerzlich empfundene Lücke ansgefüllt worden. Agudas Iisroel besitzt ihr eigenes palästinensisches Organ und ist nicht auf mehr oder minder tendenziös gefärbte Berichte Außenste h c n d e r a n g c w i esie n. Wir sind überzeugt, daß die Agudisten in der Diaspora mit Freude die Gelegenheit ergreifen werden, die in klassischem Hebräisch geschriebene Zeitung selber zu lesen. (Abonnementsbcstelluugen nimmt die Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel, Frankfurt a. M., Eschenheimer Anlage 31, entgegen. Das Jahresabonnement beträgt für Länder mit niedriger Valuta rr Pfuird.) Äie litauische Orthodoxie und die politischen Korderungen derAgudas Moel. Unter Vorsitz des ehrwürdigen Gaon von Slöbodke, Rabbi Mosche Mordechai Epstein, fand am ersten Tage Chol hamoed eine Plenarsitzung der li t auisch eit Agud as Iisroel- Leitung statt, worin nach einenl Referate des Herrn Wolk, das alle schwebenden politischen und wirtschaftlichen Fragen ausführlich behandelte, die Gründung einer litauischen Palästina-Zentrale der „Agudas Iisroel" beschlossen wurde. Die Zentrale soll sich den Sammlungen für den Keren Hajischmv sowie insbesondere auch der Unterbringung von Anteilen der neu gegründeten Baugesellschaft Binjan Haaretz in Jaffa widmen. Der Vorsitzende betonte irr einer von hoher Begeisterung getragenen Ansprache die Notwendigkeit stärkerer Propaganda- und O rganisationsarbeit in Litauen. Zur Unterstützung der orthodoxen Forderungen in der inneren Politik Litauens, insbesondere beim Autonomie-Gesetz, wird ■ Agudas Iisroel auf den letzten. Tag Pesach eine größere Versammlung einberusen. Ans Grund des p o l i t i s che it Referates beschloß die Zentrale, der p a l ä sti n c n s i s ch e it A guda s I i s r o e l .und dem W a a d hoi r h o a s ch k e n a s i ein warmes Dankschreiben für deren energische Arbeit zu Gunsten des orthodoxen Jischulu und zu G u it st c n b c r g c r e cht e n politischen Fordernngesi der A g u d a s I i s r o e l h i n s i ch t l i ch i h r e r Vertretung in der Jewish Agency zu übermitteln.^ ' Der Ko wnoer Oberrabbiner, Rabbi Abr. Bär Schapiro sowie .Rabbi Mosche Mordechai Epstein veröffentlichen eine Erklärung, worin sie sich g egen die v o m „ I ü d i s ch e n K o r r e - s P o n d e n z - B ü r o " v o r g e n o m m c n e mi ßb räuchXicf)c Berwendu ng ih rer b e k a rr n t e n Erk l ä r u n g in Sa ch c n der Northclifse - Deputation wenden. Sie verwahren sich dagegen, daß man ihre Erklärung, die. lediglich die Selbstverständlichkeit unterstrich, ' daß die Orthodoxie und insbesondere Agudas Jisro el mit allen Fascrn thres H erz e ns an de m u f b a u E r e z I i s r o e i s h ü n g e, in eine Erklärung g e g e n Agudas Iisroel umgefülscht habe. Die neue Erklärung betont die Notwendigkeit selbständiger Arbeit der Orthodoxie für Erez- Iisroel, gleichzeitig aber auch die Nottvendigkeit, die Bedingungen für eine gemeinsame Arbeit auf breiter Basis zu schaffen. Damit ist das über die ganze Welt gegangene Manöver des „Jüdischen CorresPondcnz-Büros" und der „Wiener^ Morgenzeitnng" endgültig in seiner ganzen Erbärmlichkeit enthüllt. Beschämend genug, daß ein solcher Vorgang möglich war.