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Der Israelit · 1922-04-27 · Heft 17 (27.4.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 17 (27.4.1922)
Date
1922-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 17 Der Israelit. 27. April 1922 Unsere Partei wird es sich überlegen müssen, ob sie sich künftig mt Veranstaltungen beteiligen soll, wo die Früchte deutschnationaler Verhetzung geerntet werden: Veranstaltungen, an denen sich außer den Herren Wickle und Munrenbrecher nur noch ihre Gesinnungsgenossen im Anslande freuen können." Leipzig, 1. April. Eine dreifache Feier führte alle Kreise der hiesiger: jüdischen Bevölkerung iin großen Festsaale des Ecntral-Theaters zusammen. Neben der Entlassung der Schüler und Schülerinnen der jüdischen Realschule sollte die Vollendung des ersten Jahrzehnts dieser Schule und vor allein deren Erlangung der staatlichen Berechtigung zur Abnahme des Examens gefeiert werden. Ter große Saal war dicht gefüllt, die Galerien besetzt, Nach dem Ehor und Orchester, die die bewundernswerte Pflege des künstlerischen Sinnes in der Schule in hellstem Lichte zeigte, traten nacheinander die Vertreter der abgehcnden >ilassen vor, um tiefgreifende Worte des Tankes und 'Abschieds zu sprechen. Ter ganze große Erfolg der Schule aber mußte jedem zum Bewußtsein kommen, wenn er sah, wie unter den Vertretern der Leipziger Korporationen Männer, die vor 10 Jahren der Idee noch ablehnend gegenüberstanden, wie die Israel. Gemeinde, die Leipzig-Loge u. a. angesichts der sieghaften Fortschritte heute Worte der Anerkennung und Bewunderung für die zur Tat gewordene Idee fanden. Ter Direktor, Rabbiner Dr. Carlebach konnte seine innere Bewegung nicht unterdrücken, als er in seiner Rede auf das verflossene Jahrzehnt und den Dornenweg znrückblickte, den die Schule gegangen. Ten Abgehenden, die in 3 Reihen vor ihm saßen, rief er mit dem Psalmfünger zu: „Gürte Tein Schwert um Teine Lenden. Held, Deine Schönheit und Deine Pracht". Unser Schwert ist nach den Worten der Weisen die Thora, die uns schützt iurd stützt bei der Abwehr unserer Feinde und vor allem den Charakter bildet. Unsere Schönheit liegt in der Verbindung mit dem st'N "pi unü betöfs zusammen px "vi 2p mir gibt die Schule den Zöglingen mit auf den Weg. Tie L-chule hat hohe Ziele ausgestellt, für die Schüler gilt es, sie anzuerkennen, ihnen nachzustreben, dann können sie den Kampf gegen altes Schicksal getrost irnternehmen, der Sieg liegt in einer höheren Hand, und daß er gewährt wird, dafür sei der eben eingezvgene Jrühlingsmonat ein gutes Zeichen. Acit der Verteilung der Zeugnisse und Prämien schloß die eindrucksvolle Feier. Wir Leipziger aber wünschen der Schule, es möge ihr vergönnt sein, die Früchte der ersprießlichen Saat zu sehen, zirin Segelt für uns und zur Ehre unserer Thora. Karlsruhe, Io. Aptli. Der „Bund Jslaeliuscher Wohlsayrrsvereinigungen in Baden" hat sein viertes Geschäftsjahr vollendet. Aus dem in Druck erschienenen Geschäfts' ericht für 1921 geht hervor, daß der Bund in der Fürsorge für erholungsbedürftige Kinder erfreuliche Resultate erzielt hat. Durch seine Vermittlung wurde 126 Kindern ein Erholungsaufenthalt in Kinderheimen, aus dem Land und in der Schweiz erwirkt. Mangels Stellen in Familien auf dem Lande har der Bund 53 Kinder in einer Kolonie ans dem Lande unter eigener Leitung mit gutem Erfolg untergebracht. Erholungsbedürftigen Frauen und Mädchen vermittelte der Bund einen Erholungsaufenthalt in Israelitischen Erholungsheimen und brachte,- wenn erforderlich, auch die Knrkosten auf; die Fürsorge sür Lungenkranke lieh sich der Bund, soweit als möglichangelegen sein. Ein weiteres ersprießliches ArbettSgebiet des Bundes ist die Gewährung und Beschaffung von Ausbildungsbeihtlsen) in 13 Fällen wurden Ausbildungsbeihilsen gewährt. Auch spenden an Mittelstandsfamilien, Witwen und Waisen sind in zahlreichen Fällen gegeben worden. Der Bund steht in Fühlung ml! der Zentralwohlfahrisstelle der deutschen Huden in Berlin und arbeitet dauernd mit dem Landesverein zur Erziehung israelrtischer Waisen zusammen. Bei allen allgemeinen Sammlungen wirkt der Bund mit und erreicht dadurch weitgehendste Berücksichtigung aller jüdischen Organisationen in Badener ist auch der „Badischen Landesgemeinschast von Hauptverbänden der freien Wohlfahrtspflege" angeschloffen. Die Mitgltederzahl hat sich auf 161 erhöht, die Zahl der Vertrauensleute auf 61. München, 2. dlpril. In München sprach dieser Tage Umversüütsprvfeffor Tr. Hehn aus Würzburg im „Verein akademisch gebildeter Katholiken Münchens" vor eineln iltustren Publikum über Telitzfch's letztes Werk. Er sagte n. a.: Delitzsch wollte in seinem „Babel und Bibel" beweisen, daß der Inhalt des Alten Testaments, seine Erzählungen, seine religiösen Vorschristen und Lehren, wie die Sabbathheiligltng und der Glaube an einen Gott, großenteils nicht spezifisch israelitisch seien, sondern aus Babylon zurückgingen. Alke diese Fragen sind jetzt längst entschieden, und zwar gegen Delitzsch. Dr. Hehn hat speziell die Frage des Sabbats eingehend selbständig geprüft, nirgends sonst findet sich ein Sabbat im israelitischen Sinne. Jnbezug auf die Frage des Monotheismus ist Delitzsch in der neuesten Auflage von „Babel und Bibel" sehr kleinlaut geworden. Sein Buch „Die große Täuschung" ist aber eine aulisemitisckie Tendenzschrift, durchaus cum ira et stndio geschrieben, die sich schon in der Form des Buches, des Buches, den vielen Kraftausdrücken und Superlativen zeigte. Tie Inden find danach ein absichtlich baterlandslvfes Volk, ihr Gott ein nationaler Götze, die sittlichen und rechtlichen Anschauungen des Alten Testamentes minderwertig, besonders wieder im Vergleich »nt den babylonischen. Tie „große Täuschung" ist also eine große Selbsttäuschung und eine Täuschung des Publikums; aber das Alte Testament wird immer die bedeutendste religiöse Urkunde der Menschheit bleiben. — Ten Ausführungen des Redners, die eine stets maßvolle, dafür aber um so treffendere Kritik und Zurückweisung des Telitzschen Buches bildeten, wurde lebhafter Beifall gespendet. Sprechsaal. Gesucht wird ...Samstag frei. Auf die Zuschrift des Herrn N. in einer der letzten Nummern Ihres Blattes wäre zu bemerken, daß dieser Herr anscheinend zu dem bekannten falsch orientierten Kreise gehört, der der Meinung ist, aus einem Jeschlwah- Bochur könne man rach dem bekannten Worte alles machen. Wenn Herr N. sich aber in seinem Kreise genamr umsehen würde, so würde er wohl manchen den Thora finden, der trotz seiner großen Kenntnisse in Grmoio samt Meforschtm dem praktischen Leben hilflos gegenübersteht. Wenn andererseits Herr N. darüber jammert, daß er sür seine Beteiligung am Krieg keine besondere Belohnung oder Berücksichtigung findet, so verrät dieses Verlangen keinen rechten Zusammenhang mit talmudischer Denkweise, die doch sür eine unter staatiichem Zwange geübte Pflicht keine besondere Belohnung voraussttzt. Wichtiger allerdings als tiefes erscheint mir die Frage: Wo bleibt der Israelitische Stellenvermittlungs- Verein, den wir vor 25 Fohren mit soviel Hoffnungen gegründet haben? Er schläft in guter Ruh' — Der Cassier zieht die Beiträge ein und alle Jahre ist Generalversammlung. Zu früheren Jahren brachte er sich wen gstens durch Anzeigen im „Israelit" in Erinnerung, doch selbst diese habe ich schon lange Zeit nicht mehr gesehen. Wo bleibt in diesem Falle die Organisation? Erste Pflicht dieses Vereins wäre es, sich durch Annoncen — nicht nur im „Israelit", sondern auch in den großen Tageszeitungen wieder bekannt zu machen, sein Adreffcnmaterial zu vervollstandtgenwozu die Aguda und sonstige gesinnungsverwandle Vereine und Freunde gewiß bereit sein wü den und dann ungeachtet der gegenwärtigen großen Kosten die Firma und die jungen Leute auf seine Existenz aufmerksam zu machen, um so die sabbattreue Gehilfenschaft und die sabbattreuen Firmen um sich zu sammeln. Ich erkläre mich bereit, die Adressen meines Wohnorts zu sammeln und zweifle nicht, daß unsere Gesinnungsgenossen das gleiche zu tun bereit sind. Meine Adresse ist bei der Redaktion dieses Blattes zu erfahren. Jsak ben Josef. Briefkasten. L. L. in Metz» Wir wissen nicht, was Ihnen an unserem Verhalten gegen Sowjet-Rußland nicht gefällt, nachdem Sie uns ja selbst „erlauben", Uebergriffe zu rügen. Was hätten wir denn bis jetzt anderes getan? Und selbstverständlich haben wir es nur vom jüdischen Standpunkte aus getan. - Dr. B. in Wien. Wenden Sie sich an den Verein für rituelle Speisehäuser in Hamburg, Königstraße 31,23. Ostfriesland. Der am 27. Nissan 6670 geborene Junge wird im nächsten Jahre Parschas Schemint Barmizwoh. I. K. in Brünn. Die angefragte Firma lautete S. Frank u. Sohn, Leipzig-Plagwttz, Abt. I. L. F. in Faiustina. Wenden Sie sich entweder an Gebr. Rom in Wckna oder an deren deutsche Vertretung, Verlag „Jalkut", Berlin, Kamstrahe 139. E. Czarnvcha. Der Wohnort ist unleserlich. Falls Sie zu abonnieren wünschen, erbitten die Einsendung von 16 Mk. deutschen Reichsmark sür ein Halb« jahres-Abonnement. F. L. in Daueudorf. Betrag ist seinerzeit eingegangen und wurde verbucht. Sv. H. in Ladenburg. Die Lieferung des noch rückständigen Restes von Hirsch, Pentateuch ist uns für die nächsten Tage zugesagt. Wir müssen daher noch um ein klein wenig Geduld bitten. Frankfurter Kerichtr. Siegmund Wokrauer Ein Mann von Geist und Güte, eine jener Persönlichkeiten, die überallhin warme Sonne verbreiten, war Stegmund Mo kr au er, den wir hier am ü"nn zu Grabe trugen. Geboren in Schlesien, kam er in jungen Jahren nach Frankfurt a. M., wo ihn das frisch jüdische Leben ganz gefangen nahm. Diese warmen jüdischen Impulse blieben bei ihm, als er bald sein Domizil in Bukarest aufschlug und dort zu hochangesehener Stellung gelangte. Jahrzehntelang war dort sein Haus ein Sammelpunkt aller awi», besonders aus Deutschland, wo sie Rat und jede Art von ideeller Hilfe und eine Gastfreundschaft ohnegleichen fanden. Viel Liebe hat Siegmund Mokrauer gesäet und viel geerntet, im eigenen Kreise, wo er in Gemeinschaft mit einer gleichstrebenden lÄattin, prächtige Kinder im Geiste der Thora und in den guten Traditionen des Hauses heranwachsen sah und auch in ferneren Kreisen, deren Achtung und Dankbarkeit er sich erwarb. Während der Kriegszeit kehrte die Familie nach Frankfurt zurück und die Stadt, in der er allezeit die gdfitge Heimat gesehen, wurde Siegmund Mokrauer nunmehr, im Alter von erst 56 Jahren, letzte Heimat. Mit der Gattin und den Kindern weinen viele um den herrlichen Menschen, den sie nie vergessen werden. jrnxjn. Iran Dorothea Zuritz Am Abend des zweiten Pessachtages verschied nach kurzem schweren Leiden in ihrem Heime, dem historischen Rothschildstammhaus in der Börnestraße, Iran Dorothea Zuntz, geb. Abraham, die Witwe von Leopold Zuntz ^"87, der ihr vor sechs Jahren im Tode vorauseilte. Nicht nur ihre Kinder und Verwandten trauern um den Heimgang dieser seltenen Frau, die ganze Reltgionsgesellschaft, ja noch weitere Kreise der Frankfurter Gemeinde empfinden ihren Heimgang als einen schweren Verlust. War sie doch eine echtjüdische Frau, die ihre freudige Befriedigung fand im Erfüllen aller r.utö und ihre Frömmigkeit überall in alle Kreise trug,mit denen sie zusammenkam. Sie verstand es, ihre Kinder zu echten Jehudim zu erziehen und wandelte selbst in all ihrem Tun und Handeln nur den geraden rechten und von vorgeschrtebenen Weg. In früher Jugend war sie von ihrem Heimatort Treysa nach Frankfurt gekommen als Gattin des verewigten Herrn Leopold Zuntz VST, dessen Andenken noch ungeschwächt als das eines unter uns lebt. Sein Amt als Verwalter der Frh. M. A. von Rothschildschen Armenftistung fand in ihr eine verständnisvolle Helferin und als ihr Gatte von hinnen gerufen wurde, widmete sie sich mit voller Kraft in seinem Sinne der lebendigen Ausübung von n"öZ, die damit verbunden war. Mit Rat und Tat, mit jeder Unterstützung, die in ihren Kräften stand, stand sie allen bet, die an ihre Türe pochten und das waren so viele, daß die Türe niemals stille stand. Jeder fand sie bereit zum Helfen und keiner ging von ihr, ohne von ihr eine wirkliche Förderung erfahren zu haben. Die bescheidene Frau, die am liebsten ganz tm Hintergründe blieb, wurde so von selbst der Mittelpunkt eines großen Kreises, der ihr vertraute und unermüdlich tätig war ihr Tageslauf, von frühester Morgenstunde an, wo sie Sommer wie Winier für das in ihrem Hause befindliche Roth, schildsche ,L2 sorgte. Schwere Schicksalsschläge sind ihr in den letzten Jahren nicht erspart geblieben. Aver alles nahm sie mit dem unerschütterlichen Gottverirauen auf, das sie bis zur letzten Stunde auf ihrem schweren eigenen Krankenlager beseelte. So bedeutet ihr Tod im frühen Alter von 58 Jahren für ihre Kinder, Enkel und ihre einzige Schwester, die Witwe des Rabbiners Dr. Munk d"2t in Marburg einen Verlust, der nicht abzuschätzen ist. An der '^b nahm fast die ganze rfrnp teil. Ganz im Sinne ihrer Bescheidenheit war es, daß der v"' von selbst jeden Nachruf verbot. Aber lauter als Worte drückt die stumme Trauer der Hunderten die Anteilnahme aus, die sich hier ausprägte. Möge ihr JVDt uns allen betstehen, halfen. Kunstausstellung. Die Kunsthandlung Heinrich Trittler, Göthevlatz, zeigt in ihrer dtesmonatltchen Ausstellung Radierungen und Lithographien von Lesser Ury, dem Meister der Berliner Secession. Sowohl als Schilderer deS modernen Berlins als auch besonders wegen seiner alttestamentarischen Vorwürfe ist er allgemein bekannt. — Sehr reizvoll sind auch die Arbeiten des Münchener Radteres Paul Vahrenhorst, die in der Zartheit und Dustigkeit der Ausführung sehr wirkungsvoll find. Gross Frankfurt am Eschenheimer Turm TANZ-PALAST Kaffee ersten Ranges Weinklause Iffir SCHUMANN- Theafei" mit dem sensationellen großen Programm ist heute das Tagesgespräch Täglich 7% Uhr: Große Vorstellung. Näheres siehe die Anschlagsäulen.

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