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Der Israelit · 1922-04-27 · Heft 17 (27.4.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 17 (27.4.1922)
Date
1922-04-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 17 Seite 6 27. April 1928 nur, daß diese Declaration etwas anderes bedeute, als eine Art jüdischer Minderheits-Autonomie in Palästina. Aus dieser Zelle faun sich nach Percys Meinung zwar in 100 Jahren weiteres entwickeln, vorläufig aber müsse man die Selbstbeschränkung üben, sich auf den Boden der durch die gegenwärtige Bevölkerungsschichtung in Palästina gegebenen tatsächlichen Voraussetzungen zu stellen. Jedenfalls wird man Lord Percy Unrecht tun, wenn man ihn etwa in eine Reihe mit Lord Ehdenham oder gar dkr „Morningpost" stellen wollte. *—r—-- Palästina. luöenDerfölsungen in Persien. Jerusalem, 30. März. Flüchtlinge aus Persten bringen Schreckensnachrichten über die Lage der Juden im persischen Re ch. In mehreren Städten sind sie schweren Verfolgungen von Seiten der mohamedanischen geistlichen Behörden ausgesetzt, sodaß sie unter Zurücklassung von Hab und Gut die Flucht ergreifen, die meisten flüchten nach Palästina, aber v.ele gehen unter der mangelhaften Ausrüstung auf dem weiten Wege zugrunde. In der Stadt Schiras in Persien ist den Juden eine besondere Kleidung mit einkin Judenzeichen vorgeschrieben. Sie dürfen sich bei Regenwetter nicht auf der Straße blicken lassen und es ist ihnen der Handel mit vielen Gegenständen des täglichen Bedarfes verboten. Auf die kleinste Uebertretung dieser Verordnungen steht die Todesstrafe. Personalien. Dr. Ludwig Warszawski Fürth, 8. April. pnantya pnajn iv ^sn. Einen schweren unersetzlichen Verlust hat unsere Israelitische Realschule durch den Heimgang unseres treubewährien ReligtonSlehrers Dr. Ludwig Warszawski erlitten. Am *nx ns p"ip hauchte er seine reine Seele aus. Ein a'öb pnit trx ist mit ihm bahingegangen, ein Mann von seltener Bescheidenheit und Selbstlosigkeit, dessen Bestreben nur darauf gerichtet war, mw und nsv zu verbreiten. Nach Anerkennung und Geltung hier auf Erden hat er nicht gestrebtbescheidentlich wandelte er seinen Weg, ohne nach rechts oder links zu schauen; nur seinem himmlischen Vater wollte er gefallen. Jeder, der mit ihm in Berührung kam, war aufs tiefste durchdrungen von der Wahrhaftigkeit und Lauterkeit seines Wesens, von der Geradheit und Unbestechlichkeit seiner Gesinnung. Auf seinem lauteren, vornehmen Charakter nicht minder als auf der Fülle seines tiefgründigen nim-Wtssens beruhte auch die Macht seiner Etnwtrkung auf die Jugend, beruhte die hochgeachtete Stellung, die er mehr als 21 Jahre lang als Lehrer an der Israelitischen Realschule einnahm, die allgemeine Liebe und Verehrung, die ihm von der ganzen Schulgemeinde entgegengebracht wurde. Wie bei jedem Lehrer der Jugend, so gilt es ganz besonders bet dem Lehrer des göttlichen Wortes, daß der Erfolg seines Wirkens von seiner Persönlichkeit abhängt, von der Art wie er die Grundsätze, die er in seiner Erziehungsarbeit den Schülern nahebringt, ihnen selbst vorlebte. Da war Dr. Warszewskt gerade der rechte Mann, der durch sein ganzes Wesen vorbildlich wirkte, bet dem kein Widerspruch zwischen Lehre und Leben, zwischen Wort und Tat vorkam. Mild und duldsam gegen seine Nebenmenschen, war er von äußerster Strenge gegen sich selbst. Er hat an sich gearbeitet, an seiner sieten Vervollkommnung und Heiligung, sein ganzes Leben lang, seitdem er in seinem Geburtsort, der altehrwürdigen Gemeinde Posen, das Gymnasium absolviert und sich entschlossen harte, seine Hauptlebensarbeit dem Thorastudium zuzuwenden. Angeregt durch den verewigten Posener Rabbiner Dr. Wolf Fetlchensetd ^"2t7, der in fernem Herzen zuerst den Funken der Liebe zum Gotteswort entzündet hatte, wählte sich der junge Student trotz der entgegensteyenden Anschauungen der Seinen selbst seinen Weg und ging auf das Rabbiner-Seminar nach Berlin, wo er sich in a"^ und apais vertiefte und bald ein Lieblingsschüler großer Meister, insbesondere des erst kürzlich dahingeschiedenen Meisters der Halacha, Prof. Dr. D. Hofsmann b"T, wurde. Daneven vernachlässigte er die UniversitätS studien nicht, als deren Gebiete er sich Philosophie und orientalische Sprachen erwählt hatte. Seine Abhandlung über die syrische Bibelübersetzung (Peschita) legt Zeugnis ab von seiner emsigen Arbeit und verschaffte tym die philosophische Doktorwürde. Bis zum Aller von 27 Jahren setzte er seine rabbinischen Studien teils in Berlin, teils in Posen fort, ehe er sich um die n.s*Tn mrin bewarb. Das Diplom des Rabbiner- Seminars rühmt seine reichen, gründlichen Kenntnisse Der JSraeltt. auf allen Gebieten des jüdischen Schrifttums. Aber von der Berechtigung, die ihm hierdurch erteilt war ein Rabbineramt anzunehmen, machte der bescheidene Mann leinen Gebrauch. In seiner Demut hieit er sich nicht für würdig, Führer einer Gemeinde zu werden. Er wollte nur — was ihm allerdings mit Recht als die Hauptaufgabe eines Rabbiners erschien — das Gotteswort in die Seelen der Jugend einpflanzen und in bescheidener Stille als Lehrer wirken. Nach kurzer Tätigkeit an der Religionsschule in Posen kam er zu uns nach Fürth und wir haben es seiner Bescheidenheit und seiner Anhänglichkeit an die hiesige Gemeinde zu danken, daß er während der 21 Jahre seines Wirkens Hierselbst nicht den Uebergang zu einem Rabbineramt suchte, sondern mit unentwegter Liebe und Treue an seinem Lehramt festhielt. Voll und ganz widmete er sich der Arbeit mit der Jugend, die ihm ans Herz gewachsen war und die ihn genügend ausfüllte. Wie leuchteten seine Augen aus, wenn er Verständnis fand für seine gründlichen Erläuterungen des Gotteswortes. ' Wie leuchteten die Augen der Schüler, wenn er ihnen die heiligen Lehren in klarer, eingehender Weise nahebrachte oder wenn er ihnen in schlichten Worten die Erzählungen der Bibel vortrug. Wie gewann er sich das Vertrauen der Schüler durch seine strenge Unparteilichkeit und Gerechtigkeit, mit der er jedem sein Verdienst zuteil werden ließ, durch die Sicherheit und Ruhe, mit der er sie zu lenken und zu beherrschen wußte. Auch die schulentwachsene Jugend hatte ihm viel zu danken; die tüchtigsten unter seinen ehemaligen Schülern suchten auch als junge Kaufleute oder Studierende noch seine Belehrung und er gab mit Freuden auch späte Abendstunden dazu her, um mit ihnen zu „lernen". Gerade das, was außerhalb der Pflichten seines Amtes lag, was er aus freien Stücken tat, bereitete ihm ganz besondere Befriedigung. Es ist kein Wunder, daß eine solche Persönlichkeit die Liebe und Anhänglichkeit der Jugend in höchstem Maße besaß und datz viele Generationen ehemaliger Schüler ihm aufs herzlichste nachtrauern. Die ungewöhnlich große Beteiligung an der Uebersührung vom Israelitischen Krankenhause zum Friedhof und an der Bestattung selbst legten Zeugnis ab von der außerordentlichen Beliebtheit des teuren Entschlafenen. Sämtliche Schüler der Israelitischen Realschule unter Leitung ihrer Lehrer, viele ehemalige Schüler und zahlreiche sonstige Gemeindemitglieder und auswärtige Freunde gaben dem Heimgegangenen das letzte Geleit. Auf dem Friedhof sprach zuerst im Namen der trauernden Gemeinde der Direktor der Israelitischen Waisenanstalt Herr RabbinerDr.D eu t s ch tief zu Herzen gehende Worte. Sodann würdigte Herr Direktor Dr. Feilchenfeld die unvergänglichen Verdienste des Heimgegangenen Kollegen und Freundes um die Israelitische Realschrrle und pries die beispiellose Arbeitsfreudigkeit und Pflichttreue des Entschlafenen. Herr Jsak Königshöser sprach darauf namens des Kuratoriums der Israelitischen Realschule dem Heinlgegangenen den Dank der Schulverwaltung für sein treues Wirken aus. Im Namen der ehe maligen und der jetzigen Schüler des Entschlafenen sprach Herr eand. jur. Sigm. Landau ergreifende Worte des Dankes und gelobte feierlich, daß sie alle in den Wegen des teuren Lehrers wandeln und die zuletzt von ihnen gesprochenen Thoramorle ’mxa rx cjit’jJi ns?n ihr ganzes Leben beherzigen würden. Für die derzeitigen Schüler? der Israelitischen Realschule sprach der Absolvent Ernst Birnbaum warmherzige Worte treuen Gedenkens. Als Schüler und Freund widmete sodann Herr Rabbiner Dr. Michalski, Burgpreppach, dem Lehrer seiner Jugend innige Abschiedsworte. In besonders herzbewegenden Worten gab zum Schluß noch vor der Halle, wo der pix niedergestellt worden war, der Heimaisgenosse und Jugendfreund des Entschlafenen, Herr Rabbiner Dr. Mannes, Schwabach, seinem tiefen Schmerze um den Verlust seines liebsten Gefährten Ausdruck. Dann wurde die sterbliche Hülle des teuren Mannes in die Gruft versenkt. n"a^;ri. Cggittgen, 15. April.' Am Mittwoch (*n\3 '7 verstarb hier ein guter Jehudi und großer Menschenfreund, Marum Weil, im Alter von 83 Jahren. Der Verstorbene war noch einer vom alten Schlag, der neben seiner großen Allgemeinbildung, treu an seiner nitas* festhielt und durch sein edles Vorbild, das Gemeindeleben religiös befruchtete. Zu seiner Beerdigung hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden, auch die Angehörigen der christlichen Konfessionen. Herr Lehrer Bravmann hielt eine eindrucksvolle Rede, worin er ein Lebensbild des Verstorbenen zeichnete und den großen Verlust beklagte, den die Gemeinde erlitten. Möge ‘n der betrübten Gattin und den trauernden elf Kindern ein Tröster sein in ihrem tiefen Schmerze. n''Mün. Mergentheim, 20. April. Am 4. März verstarb hier an einem Herzschlag dev besonders in Königsberg und München bekannte Privatgelehrte und -Lehrer Abraham Pakelnischki. Einer Gelehrtenfamilie in Litauen entsprossen, hat er sich von Jugend auf mit Thauro befaßt und ein großes, umfaffendes und tiefes Wissen in Talmudieis besessen; sich auch eine schöne weltliche Bildung angeeignet. In Königsberg (Preußen) und München war er vielfach als Talmudlehrer tätig und hat sich großer Beliebtheit erfreut. Auch am hiesigen Platze,' wo er in den letzten Jahren öfters zur Kur weilte, war er geschätzt und beliebt. Die hiesige Gemeinde veranstaltete ihm eine sehr ehrenvole Bestattung, der Rabbiner feierte ihn in seinem warmen Hesped als Talmndgelehrten und braven gebildeten Menschen. n"am Guxhagen, 21. April. Nach langem, schwerem, mir großer Geduld getragenem Leiden ist Frau Sara Neu Haus, Witwe des verewigten Lehrers Moses Neuhaus n"p, im seltenen Alter von 86 Jahren, in die Ewigkeit abberufen und am 5. v. Mts. unter zahlreichem Trauergefolge zu Grabe getragen worden. Im Trauerhause, der Wohnung ihres Sohnes, des Lehres A. Neuhaus zu Fritzlar, würdigten die Herren Lehrer Perlstetn-Gudensberg und Hecht-Wildungen und am Grabe Lehrer Kranthal-Guxhagen die Verdienste der Entschlafenen. Der Heimgang dieser wahrhaften jüdischen Frau, die sich die Wertschätzung weiter Kreise erworben, bedeutet für die Familie, sowie für alle, die sie gekannt, einen schweren Verlust. rDJttri. Posen, 11. April. Am x’tp'i 'b mtP verschied eines dev alten Mitglieder der ehrwürdigen Gemeinde Posen, Herr Josef Kemp e. Biedere jüdische Frömmigkeit, die besonders in seiner wahren Liebe zu seinen Mitmenschen ihren Ausdruck fand, zeichnete diesen seltenen Mann aus. Bei seiner Beerdigung, an der beinahe sämtliche Gemeindemitglieder teilnahmen, rief Rabbiner Dr. Jreimann, den Hinterbliebenen zu Herzen gehende Trostesworte zu. Die allgemeine Teilnahme zeugte beredt von der Beliebtheit, deren sich der Entschlafene erfreute. Sein Name wird dauernd mit der Gemeinde Posen verbunden sein. Vermischtes. Frankfurt a. M., 23. April. Der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands, Sitz Berlin, hält am 14, 15. und 16. Mat in Frankfurt a. M. seinen 5 Verbandstag ab. Auf der Tagesordnung steht eine große Reihe von Referaten über das jüdische Handwerk. Berlin, 5. April. Ein Jüdischer Elternbund Groß-Berlin ist ins Leben gerufen worden, der den Schutz und die Wahrnehmung der Interessen aller jüdischen Schüler, die Groß-Berliner Schulen besuchen, zum Zwecke hat. Der Jüdische Ellernbund bildet an allen von jüdischen Schülern besuchten Groß-Verliner Schulen Gruppen, welche den engeren Zusammenschluß der Mitglieder bewirken sollen und durch Delegierte im Vorstand vertreten sind. Vorsitzender des Bundes ist Herr Georg Lach mann, Berlin N. O. 55, Prenzlauer Allee 49. Berlin, 4. April. Das Doppelgrundslück in der Markctraf-Albrecht-Straße. am Leyniner Platz ist für den Neubau einer geplanten Synagoge erworben worden. Mit dem Bau, der 1500 Plätze erhält, wird sofort begonnen werden, sodaß die Einweihung noch Ende dieses Jahres stattsinden kann. Entwurf und Gesamtausführung ist der Berliner Raufirma G. u. E. Gause übertragen. Berlin, 2- April. I. dl l t in e i c r schreibt an den Vorwärts": „Bei den Temonstralionen, die am 2unutoa im Lustgarten gegen die geplärrte Wegirnhrne der fiinf Wcchchseldvrfer protestierten, hatte ich als Ver tiTter der ^luialiu'iuoti'qtic den Austtag. im Minen unserer Partei gegen die zweifellos ungerechte nrrd völlig unberechtigte Entscheidung Verwahrung einzn legen. Bereits auf beut Wege zu in Lustgarten sah ich .eilte Gruppe von RowdieS, die Schinährtlfe gegen die Regierung, gegen die Juden und gegen die 5step:rblik ansstießen. Ich mußte an jene vier meiner jüdischen .urirgskainercwrn denken, vre neben mir bei Rohe, bei Peronne, bei Massiges nird bei Verdun von den Granaten „für Freiheit, Recht und Ehre des Vater taubes" zerfetzt worden sind. Ich tnußte an Deutsch land beuten, an die Millionen der Armen, Verzweiselten und Notleidenden unseres Volkes, die, im Verein mit den Gegnälten aller Nationen, im Namen der Zivilisation, der Menschlichkeit ttnd Gerechtigkeit die Gewalthaber der siegreichen Staaten zur Vernunft mahnen. Ich mußte an die Opfer und Mühen unserer Partei unt> all derer denken, die tu diesem Ringen um Recht, Völkerversohnung und Brot unablässig ihr Bestes geben — und ich bin unigekehrt uub habe' ver zichtet, dort ztl sprechen, wo der Name Deutschlands uub fernes Volkes vor die Hunde gekonnnetl Iväre. ZabbatHnlang und Ausgang. inxo nin rotp- Ort: Anfang Datum AuSgang UhrjMtn. i;»22I 6«82 Uhr!Mtn. Frankfurt a. M 7 05 29. 1. 8 30 Berlin .... 7 10 April Isar 8 — München . 0 45 7 r.r, Eöln. 7 05 8 25 Stuttgart. . . 7 — 8 10 Breslau . . . 6 43 7 43 Nürnberg. . . 7 — 8 01 Hamburg. . . 7 20 8 20 x>

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