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Der Israelit · 1922-04-27 · Heft 17 (27.4.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 17 (27.4.1922)
Date
1922-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. Str. 17 Der Israelit. 27. April 1932 mit der geballten Faust gehört der Unterdrückte mit der hingereichten Backe. Ueber all dem steht das Judentum mit der Lehre: Keiner, der sich unter Mißbrauch der Gewalt und Mißachtung der Menscheneinheit an Leib oder Leben eines Anderen vergreift, geht ungestraft aus.- Die 9! euzeit hat mit vielen Götzen aufgeräumt, andere füllen die Lücken. An deren Spitze der des nationalen Chauvinismus, -er für das Volk all das sanktioniert, was den Einzelnen zum Verbrecher stempelt. Der Einzelne als Glied der Volksgemeinschaft ist an Gesetz und Recht gebunden und durchleuchtet sein Tun mit den Strahlen moralischen Empfindens, die Nation innerhalb der Völkergemeinschaft geht aber auf Raub und Mord aus und ist Helden nation, je mehr sie ihr Herrnrecht, von keiner Macht und keiner Moral gehemmt, gegenüber dem unterlegenen Volke geltend zu machen weiß. So lange Götzen solchergestalt die Einheit des Schöpfers und seines Werkes stören, zünden wir die Sederlichter an und erzählen einer Welt vom ersten und letzten Sinne des Auszuge aus Mizrajim. roitpö m nn naD8 man bzi- €orre$pondenzen u. Nachrichten Deutsches Reich. Die Ju9en in 9er „Deuffchen Delegation“. Werttn, 22. April. Mehrere antisemitische Abgeordnete haben im Reichstage eine Anfrage angebracht über die starke „Verjudung der' deutschen Delegation in Genua". Zu 31°/° setze sich die Delegation aus Juden zusammen. Selbstverständlich finden die Interpellanten nicht nur in der eigentlichen Partei-Presse, sondern auch in allen rechtsgerichteten Blättern den stärksten Rückhalt. Immerhin haben es die bekannten Führer der Deutschnationnlen für gut gefunden, die Anfrage nicht mitzuunterzeichnen. Mit gutem Grunde, denn Menschen von selbständiger Denkart und einigem Verantwortungsgefühl werden sich wohl hüten, der Delegation, die unter den widrigsten Umständen so schwierige Aufgaben zu lösen hat, auf diese niederträchtige Art in den Rücken zu fallen. Uebrtgens könnte man mit den Juden in der Delegation, vorausgesetzt, daß die antisemitische Parteibrille nicht wieder aus einer Mücke einen Berg macht, bis dahin ganz zufrieden sein . . . Rusroan9erung nach Cuba- Berlin, 26. März. Vom Zentralbüro für jüdische Auswanderungsallgelegenheiten beim Hilfsverein der Deutschen Juden wird uns berichtet: In letzter Zeit macht sich eine starke Neigung zur Auswanderung nach Cuba unter den Juden des Ostens geltend. Vor der Auswanderung nach Cuba muß dringend abgeraten werden. Die wirtschaftliche Lage ist dort z. Zt. äußerst ungünstig. Es herrscht eine große Teuerung und die Arbeitsrerhältnisse liegen äußerst schlecht. Diese Faktoren machen sich für die osteuropäischen Neuankömmlinge, die der spanischen Sprache nicht mächtig sind und erst versuchen müssen, festen Fuß im Lande zu fassen, umso schlimmer fühlbar, als in den letzten Monaten ein verhältnismäßig sehr bedeutender Emigrantenzufluß aus Osteuropa stottgefunden hat, so daß Cuba augenblicklich für Neueinwanderer absolut nicht aufnahmkfähtg ist. Es befinden sich dort auch viele Emigranten, die sich nach Cuba in der falschen Voraussetzung begeben hatten, von diesem Lande aus leichter llach den Vereinigten Staaten gelangen zu können und fanden sich sehr enttäuscht. Es sei noch aus folgendes hingewiesen: Einwanderer nach Cuba, auch Frauen und Kinder, müssen im Besitz von mindestens je 30 Dollars sein. Personen, deren Einwanderung als unerwünscht angesehen wird, werden von der Cubanischen Einwanderungsbehörde, gegen deren Entscheidung es keine Berufung gibt, zur Landung nicht zugelassen. Nach den letzten zuverlässigen Nachrichten werden dem Einlaß neuer Einwanderer in Rücksicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse des Arbeitsmarktes Schwierigkeiten bereitet. von 9er Ju9en-JTiiffion. Kawöirrg. 5. April In geradezu unheimlicher Weise beutet die Juden-Mission gewisse unvorsichtige, manchmal auch in der Tat gefährliche Aeußerungen von jung-zionistischer Seite aus. So finden wir im März Heft des in Hamburg erscheinenden Missionsblattes „Z t o n s f r e u n d", 'auf dessen Vorderseite ein Mogendovid mit der hebräischen Inschrift „Jeruscholajim" prangt, einen Artikel über die religiöse Sehnsucht der modernen jüdischen Jugend, der eine Blütenlese von Aeußerungen aus der vorjährigen Casseler Delegierten-Konferenz der neutralen jüdischen Jugendvereine enthält. Er zitiert dann Adolf Böhm, der erklärte, daß „der moderne Zionismus die traditionelle jüdische Scheu vor dem Stifter des Christentums und seinen Lehren nicht mitmachen könne, vielmehr den Fortschritt anerkennen müsse, beit es bedeutete, als das Christentum den Kern der religiösen Sittlichkeit ins Innere der Menschenbrust verlegte." Auch Büber habe den „schöpferischen Charakter des Ur-Christentums" dem starren Formalismus der rabbinischen gesetzestreuen Religion entgegengeftellt. Der Artikelschreiber, Pastor E. Moser erklärt es dann für die Aufgabe der Missionäre, „der Sehnsucht der moderne Juden entgegenzukommen" und fordert diese auf, „die Evangelien zu lesen!" giianen♦ Die Ms 9er nationalen Autonomie in Litauen. Koivrro, 10. April. Die Mittwoch-Sitzung des litauischen Gründungs-Parlaments hat bei der Beratung der Verfassung zu einem Beschlüsse von geradezu katastrophalem Charakter für die anfänglich auch von orthodoxer Seite für wertvoll erachtete nationale Autonomie der jüdischen Minderheit geführt. Gestützt auf die Autorität der eben beendeten Gemeindekonserenz hatte der Abgeordnete Dr. Rachmilewitsch beantragt, daß die Kompetenz der Organe der nationalen Autonomie sich bei den Juden auch auf die religiösen Angelegenheiten erstrecken müßte. Der Antrag wurde unter Stimmenenthaltung der Rechten durch eine sozial-demokratische Mehrheit, der sich auch die zwei „jüdischen" Deputierten Ftnkelstein und Landau anschlossen, abgelehnt. Ebenso wurde der alsdann gestellte Antrag des jüdiscken Ministers Dr. Soloweitschik verworfen, eine Kompetenz-Erweiterung der nationalen Organe durch Gesetz zuzulassen. Ueber die Konsequenzen dieses verhängnisvollen Beschlusses, der die ganze nationale Autonomie zur Farce macht, wird noch zu sprechen sein. Kowno, 14. April. Der Gründungs-Seym hat in zweiter Lesung der Verfassung die besonderen M i n i st e - r i e n für nationale Minderheiten g e st r i ch e n } ebenso auch die Anerkennung der Minderheitssprachen als Staatssprachen beseitigt. Dr. Soloweitschik hat sein Amt niedergelegt. Safabatruhe für jüöifche Regierungsbeamle in Litauen. Kowno, 20. April. Nach einer Verordnung der litauischen Regierung sind die jüdischen Beamten in den staatlichen Behörden am Sonnabend dienstfrei. Da aus diese Weise die jüdischen Beamten zwei Tage in der Woche feiern, wurde bestimmt, daß man in demselben Verhältnis die Sommerferien für die jüdischen Beamten kürzen soll. (J.C.B.) England. eine neue Idee?ur Lösung 9es Palästina-Problems. London, 16. April. In der New-Jork „Times" wird der Plan entwickelt, ein größeres arabisches und ein kleineres jüdisches Territorium, jedes für sich . als Nationalheim einzurichten, und beide Kantone zu einem palästinensischen Staatswesen zu vereinigen. Der Plan soll angeblich die Sympathien von Sir Alfred Mond haben. Der Ruf nach llmgefTaltung 9er Jeroisfi Agency- London, 21. April. In der „Times" hat der palästinensische Korrespondent, Mr. Graves, die im Anschluß an die Northclisse-Reise angekündtgte Artikel-Serie über die Lage in Palästina nunmehr beendet. Der abschließende 8. Aufsatz gipfelt in der Forderung, das Mandat in § 4 derart abzuändern, daßdteJewishAgency aufhört, eine einseitige Partei- Vertretung der ztoniftischenOrganisatton zu sein, daß sie vielmehr auf breite ft erVasis allediejeuigen Gruppen und Schichten des jüdischen Volkes um fasse, die ein Interesse am Wiederaufbau Palästinas haben. Die „Timks"-Artikel finden selbstverständlich weitestgehende Beachtung und man diskuttert anch in zionistischen Kreisen neuerdings mit größerer Lebhaftigkeit die Agency-Frage. Lin parlamentarischer Antrag auf Rbän9erung 9es Paläflina-ITianbatentrourfes. London, 4. April Der bekannte Lord Eustace Percy, der vor kurzem einen auch im „Israelit" auszugsweise wiedergegebenen, dem Zionismus durchaus sympathischen Vortrag im Londoner „Misrachi" über die Bedeutung des „Nationalen Heimes" hielt, hat folgenden Antrag im Unterhaus eingebracht: „Das Haus wolle beschließen, daß nach seiner Meinung die Bestimmungen der Artikel 4 und 6 des Mandatentwurses weder von der Balfour-Declaration gefordert, nach mit der zweckmäßigen Verwaltung Palästinas vereinbar sind,' daß zur Zeit einzig und allein die Einwohner von Palästina berechtigt sind, an der Regierung des Landes teilzunehmen und daß kein derartiges Recht irgend einer jüdischen oder anderen Agentur zugestanden werden kann, die Gemeinschaften außerhalb Palästinas vertritt; daß die Einwanderung nach Palästina als frei betrachtet werden solle, ohne irgend welche Verschiedenheit nach Rasse, Religion oder Sprache, lediglich abhängig von den Erwägungen der oeffentlichen Ordnung und der gesunden ökonomischen Entwicklung und daß das Mandat in einer Weise umgearbeitet werden soll, daß es diese Prinzipien verkörpert und Sr. Majestät Regierung von jeder solchen Verpflichtung gegenüber der zionistischen Organisation befreit, . welche unvereinbar ist nüt der vollkommenen Verfügungsfreiheit der britischen Verwaltung in Palästina, solche Maßregeln zu ergreifen, die sie für geeignet hält, um den in Artikel 1, 2 und 3 des Mandates ihr auferlegten Verantworltchketten Rechnung zu tragen." Es ist seltsam, daß „Jewish Chronicle" den Antrag Percy's als bezeichnend für die Ansichten der „Änti-Zionisten" betrachtet. In Wirklichkeit steht Lord Perey durchaus auf dem Boden der Balfour-Declaratton. Er bestreitet

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