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Der Israelit · 1922-04-27 · Heft 17 (27.4.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 17 (27.4.1922)
Date
1922-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der ZSraelrr. Nr. 17 Sette 8 27. April 1933. _gemeinschaft eine Menge felddienstsähiger Männer im Laufe der Jahre etngebüßt hat. Zu welchem Zerrbild der Wirklichkeit man auf Grund der Wrisbergschen Statistik gelangt, zeigt einwandfrei die „blutrote" Zahl drr jüdischen Kriegs toten und Vermißten, die 12 Prozent der eingezogenen jüdischen Mannschaften beträgt und zur Genüge von dem hohen Anteil der Juden an den Kriegsopfern zeugt. Prof. Oppenheimer fordert die Reichsregierung nachdrücklichst zu unparteiischer Untersuchung der jüdischen Statistik und zur Publikation des gesamten Materials auf, damit endlich dem antisemitischen Verhetzungsfeldzuge die Grundlage entzogen und den deutschen Juden ihr Recht werde. Ob der Appell etwas nützen wird und ob eine gerechte Statistik zur Belehrung der Unbelehrbaren beitragen könnte, müssen wir stark bezweifeln. Videant consules! Von Seminarlehrer Elias Gut in Köln. Das Elend des jüdischen Lehrerstaudes ist in jüngster. Zeit so grell beleuchtet worden, daß auch der geruhige Philister erstaunt und entsetzt aufblickte. Was soll werden? Soll die Massenflucht der Lehrerwelt zu Ende geführt unj die jüdische Ktnderwelt der völligen Unwissenheit preisgegeben werden, ohne daß eine helfende Hand eingreift? In erster Reihe wären unsere Rabbiner verpflichtet gewesen, den Weg aus diesem ungeheuren Unheil zu weisen. Zu lange vielleicht haben wir auf ihre Initiative gewartet/ da von rechts und links alles still blieb, müssen andere an ihre Stelle treten und zeigen, wie man leistungsunwillige Gemeinden zu ihrer Pflicht zwingt, wie man leistungsschwachen Gemeinden die Differenz sichert, die zwischen ihrem Können und dem Existenz-Minimum liegt. Es sind in letzter Zeit viel schwierigere Transaktionen und Probleme gelöst worden, als daß es nicht möglich gewesen wäre, auch dem letzten jüdischen Lehrer das zu verschaffen, was dem schweren Leben der Jetztzeit entsprechend ist. Lediglich der energische Wille unserer Organtsationslciier versagte. Wir stellen nun die letzte Frist. Ist in zwei Monaten die Hilfsaktion von jüdischer Seite nicht im Gange, dann werden die Vertreter des deutschen Lehrervereins und tes deutschen Beamtenbundes im Reichstage die Frage zu lösen sich bemühen und sicher ein Gesetz veranlassen, daß Mittel bereit gestellt werden, dem jüdischen Lehrer dasselbe Einkommen zu ermöglichen, das sein christlicher Kollege bezieht. Unsere Schuld ist es nicht, wenn dann Schlaglichter auf Opfe-freudigkeit und den Idealismus der Judenhett fallen, die uns nimmermehr ^erfreulich sein werden. Lange genug hat die jüdische Lehrerschaft auf Hilfe aus unseren Reihen gewartet. Gebe Gott, daß dieser letzte Appell nicht zu spät kommt! Wie mutig und herzhaft setzen sich die deutschen Bischöfe für die Erhaltung der von ihnen geförderten Schulen und für das Seelenheil der ihnen anvertrauten Kinder ein! Wie lechztön wir nach einem erschütternden Weckruf der deutschen Rabbiner: die jüdische Religions- und Volksschule, der jüdische Lehrerftand sind in Gefahr! Mannen und Vereinigungen zur schnellen Abwehr herbei! Nichts dergleichen haben wir gelesen, nichts als Notschreie gefährdeter Lehrer und ihrer Standesvereine in ihren Fachblättern. „Der Gefangene kann sich nicht selbst befrein." Das hätte erste Ehrenpflicht aller unserer großen Organisationen sein müssen, ihre Kinder in religiöser Beziehung sicher zu stellen, von deren Hauch doch der Erdball lebt. Und dazu hätte es keines Organisationsgenies bedurft, mit gutem Willen und unbeugsamer Energie wäre das Problem nicht allzufchwer zu lösen gewesen. Ob's heute noch gelingt? Videant csnsules. In Bayern kommt jede Gemeinde, die ihre Beamten eingruppieren kann, aber nicht will, auf den Index. Jeder Gemeinde, die eingruppierkn will, aber nicht kann, wird von dem zuständigen Ausschuß aus der Ausgleichskasse geholfen. Da verschwinden „jedes Kummers Falten", die Kinder bekommen ihren Thauro- Unterricht, der Lehrer braucht keine Bettelbriefe zu schreiben und keine Kollekte zu organisieren, die Gemeinde hat keine Furcht, an den Pranger gestellt und gesperrt zu werden. Ob die Juden der anderen Bundesstaaten dies schwere Werk ohne Parlamentshilfe und staatlichen Zwang gar nicht fertig bringen können? Es verlohnt sich vielleicht doch noch, einen Versuch zu machen. ntern nn Axin aj?b ^nn «nnn üx ■_ nm Dipöü Dmrm Von der Einheit, der Kraft «nd der Liede. einige»ttusgrl Seggnken zum Teste Ser öetteiung. (Schluß.) Das Verhältnis des jüdischen Monotheismus. zu dem heidnischen Polytheismus oder zum *Hrpt£77 AJ1BX läßt sich nicht durch das Rechenexempel erklären, das drei oder mehr durch Abstraktion aus eins reduziert, sondern es berührt das Grundwesen. Wir sagen: „Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde". Bei den Heiden schuf sich der Mensch seinen Gott nach seinem Ebenbilde. Die jüdische Forderung lautet: AAX *1X Kirr nv, im Gegensätze zu der der hellenischen My'thenzeit: „Wie ich, so er . . ." Wir feiern Gottes völkerbrechende und weltumwälzende Kraft und Allgewalt in hundert Liedern, wir sagen aber nicht: Set stark wie er es ist, sondern Bim aax *]X mm Kin fiö- Sei edel und erbarmungsreick wie Er! Die Griechen sind der Götter Lieblinge bet der Erprobung ihrer Kraft im Kampfe und im Gelage und in der sittlichen Ausschweifung, der Gott Israels ist NM11 7>1J? bo *01$- Darum ist mit den „Elim" stets der Menschen wie der Götter Gewalt gebrochen. Die Götter sind stets auf Seiten der Starken, des Verfolgers, Gott aber schützt den Verfolgten, *TH3P! AK Dypxni- Selbst da, wo „der Gerechte den Ungerechten verfolgt." tfan rnn P'AL 17'LX1- Der Fpn kann kein sein, so wie der *imi nicht mehr als UtSH gewertet wird. Hätte der Heide vor Hillel nicht nach der Lehre, sondern um die kürzeste Formel für den sittlichen Gehalt des Judentums gefragt, diese hätte in der Hillelschen Fassung nicht anders lauten könnten, als imb •VH *vna pbai?3 „Ein Kampf Gottes gegen die die Einheit störende Gewalt in jeder Gestalt." Alles andere ist nur Interpretation." Nitzsche bespöttelt die Moral des Judentums als Sklaveemoral. Er hat zur Hälfte recht. Es ist keine Herrenmoral, aber auch keine Moral des Sklaventums/ die eine wie die andere haßt Gott, mit dem Befreiungswerke in Aegypten hat er der einen wie der an« deren ein Ende bereitet. Und wer der Erlösungsmoral zweiten Teil noch nicht gleich begriffen hatte, mußte es in der Folge schmerzhaft erfahren: onBi? xr>i mrnv ■»» 'n 'v Nicht den Herren, noch den Knechten dient die Moral des Judentums, sie ist die Moral der an ein höheres Gesetz sich bindenden Freigeborenen, gestützt auf das -s'?^X 'a 'MX cnnr a'bb mina pxa tax^ih nwx Hier war Ausgangs- und zugleich Schlußpunkt der Erlösung. Spätere, die die Welt mit der Reduzierung einer größeren Zahl auf drei zu erlösen suchten, bleiben bei dieser rein rechnerischen Abstraktion, ohne aber das Nachstreben und das Recht der stärkeren Faust von der Summe des Weltenlebens abstrahiren zu können. In der Moral der neuen lebten die Götter der alten Welt alle weiter. Vielleicht gehörte sogar das „Hinreichen der linken Backe" zur Moral der „römischen Faust", wie das Negativ zum Posittv auf der Platte, die das Weltenbild von damals z-igte. Zum Tyrannen Denkmälern des Judentums, der eine Reihe hervorragender Wiener Gelehrter und Künstler angehören, bemüht, für öle große Zahl von sehenswerten Objekten, die sie erworben oder die ihr gespendet wurden, geeignete Räume zu finden. Früher bestand dieses jüdische Museum in der Praterstratze 23, von wo es vor einiger Zeit in die neue jüdische Schule in der Leopoldstadt, Malzgaste 16, übersiedelle. Der moderne Bau mit seinem hellen, peinlich sauber gehaltenen Stiegenhause und dem breiten Korridor, die mit Sprüchen jüdischer Weisheit geziert sind, macht einen durchaus freundlichen Eindruck. Der ganze dritte Stock ist dem jüdischen Museum gewidmet, bei dessen Besichtigung dem Besucher ein gebrühter Führer mit der Bemerkung in die Hand gegeben wird, daß es leider auch hier nicht möglich war, alle Objekte des Museums unterzubringen. Vieles mutzte noch anderswo aufbewahrt werden. Schon ein Blick im Vorsaal des Museums überzeugt, daß es hier recht Interessantes zu sehen gibt. Abgesehen von den teils sehr kostbaren, gestickten Kanzeldecken, Thronmänteln, Altar- und Thronvorhängen und Schulchandecken, die ausgestellt sind, fällt hier wie im Hauptsaal die große Zahl bemerkenswerter Gemälde und Büsten aus, so zum Beispiel des Erbauers des Leopoldstädter Tempels, Prof. Ludwig Förster, Salomon Freiherr von Rothschild u. v. m. Eine eigene Ecke des Saals ist Prof. Salomon Sulzer gewidmet. Anläßlich des hundertsten Geburtstages Sulzers spendete der österreichischungarische Kantorenverein ein Oelporträt des berühmten Kantors, von dem noch andere Bilder und eine überlebensgroße Büste sowie verschiedene Reliquien ausgestellt sind. In einem Kasten sieht man eine Reihe von Münzen und Medaillen, die zu besonderen Anlässen geprägt wurden, unter anderem zum 40 jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Joses eine Simeon-Münze, Porträtmedaiüons re. für Wiener Forscher und die Daistellungen der alten Judenstadt im ersten Bezirk und der jüdischen Friedhöfe, bemerkenswert darunter eine plastische Abbildung des Judenviertels hinter dem Hohen Markt vor seiner Aufhebung im Jahre 1421 und Zeichnungen vom Judentor in Wien. Sehr hübsch sind mehrere Stickereispenden, so der Gobelin Adam und Eva im Paradies und die Aufforderung Mosis, dann ein Ei, beschrieben mit dem Hohenltede Salomons, silberne Chanukalampen, Becher zum Seder und Schaddai in Gold, Sederschüsseln, Chanukaleuchler aus dem 17. Jahrhundert, Sabbatlampen, historische Kethuben aus dem 17. und 18. Jahrhundert, ein Schofar mit geschnitzten Ornamenten und andere Kultusgegenstände. Schier zahllos sind die bildlichen Darstellungen aus der biblischen Geschichte, die an allen Wänden versehen sind, sowie die Ansichten jüdischer Denkmäler in anderen Ländern, so zum Beispiel des Tempelbaues in Jerusalem, Reste eines Turmes am Berg Zion, dann verschiedene an Juden verliehene Dekrete, die Stammtafel des sreiherrlichen Hauses Rothschild in hebräischer Schrift, ein Judenleibmautzettel aus dem Jahre 1748, sowie ein von der Kaiserin Maria Theresia ausgestellter Judenschutzbrief auf Pergament. Aus der neueren Zeit stammen die Porträts von Adolf Ritter v. Sonnenthal, Baurat Wilhelm Staßny und vieler anderer Persönlichkeiten aus der Wiener Gesellschaft. Im nächsten Museumsraum sieht man alte jüdische Eheverträge auf Pergament mit Symbolen und Zeichnungen aus italienischen Städten, sowie englische Marken aus Jerusalem mit hebräischem Ueberdruck und verschiedene Bilder. Ein besonderer Raum, „Die gute Stube" genannt, wurde von dem Kuratorimnsmitglied Isidor Kaufmann erbaut und eingerichtet. Mit Benutzung von jüdischen Einrichtungsgegenständen aus dem^ 18. Jahrhundert wurde ein jüdischer Wohnraum dargestellt. Aus dem Korridor sind außer vielen bemerkenswerten Bildern aus der jüdischen Geschlrhle und Porträts auch Plastiken zu sehen, sowie eine große, aus drei Holzarten zierlich geschnitzte Darstellung Jerusalems, an der der jüdische Drechsler, der sie gemacht hat, sein ganzes Leben lang arbeitete. Bemerkenswert sind schließlich noch die Grabsteine, die vom Judensriedhof stammen, der sich seinerzeit beim Kärntnertor ungefähr an der Stelle der heutigen Oper befand. Um all die vielen interessanten Gegenstände des Museums, die hier unmöglich alle erwähnt werden können, im Detail zu betrachten, bedarf es eines mehrmaligen Besuches dieser reichhaltigen Sammlungen. (Eine neue Hagadah). Der bekannte Verlag Louis Lamm, Berlin, brachte zu Pessach eine neue, hervorragend ausgestattete Hagadah auf den Markt. Die Hagadah hat vollständig neue, von dem jüdischen Künstler M. Kunst«dt in Wien, hergestellte Bilder erhalten. Sie ist reich mit Mtnialurbildern, Rnndbordüren, Zierleisten usw. geschmückt und wirkt durch den doppelsarbtgen Druck wie ein kostbares Monumentalwerk, als das sie auch bezeichnet werden kann. Die neue von Dr. Königsberger in Berlin verfertigte Uebersetzung ist in gutem,, zeitgemäßem Deutsch abgefaßt. Da sowohl zum Druck als zum Einband nur bestes Jriedensmaterial verwendet wurde, wird diese Hagadah wieder — wie in früheren Jahrhunderten — durch viele Generationen in den Familien erhalten bleiben.

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