Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1922)
- Date
- 1922-09-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette S. Kr. 18 lästina. Gegen die Vorschriften der Thora oder gerade tv-ohl deswegen führte der Zionismus m Erez Jsrocl, im „Altrmckaud" des Mischen Volkes die erste Weltreform durch. Das sogenannte jüdische Parlament in Palästina, „Asifas haniwchorim" maßt sich an, weitere fest eingewurzelte Gesetze des jüdischen Lebens aus-- zumerzen. So hat der „Waad leunri" neulich eine Gesetzesvorlage eingebracht/ laut welcher das jüdische Ehegesetz und die Verabfolgung der j’ipnp durch die Rabbiner völlig aufgehoben und durch die Zivilehe ersetzt werden soll. Erlegte auch seine Hand auf das jüdische Erbschaftsgesetz, um es zu vernichten und durch das internationale zu ersetzen. In seinem siegestrunkenen Wahne schreckt der Zionismus vor nichts mehr zurück und erdreistet sich mit frevlerilcher Hand die heiligsten Gesetze, altf denen die Moral und Ethik unseres Volkes beruht, zu vernichten. Hohnlächeln!) wollten die zionistischen Freigeister ein Attentat' auf das Heiligtum der jüdischen Familienmoral verüben, um dieser den Todesstoß zu versetzen. Der lauwarme Misrachi begnügte sich damit, daß sein Vertreter, der Rabbiner Ostrowski als Zeichen des Protestes aus dem Waad lemni austrat. Er tat dies auch nur aus eigener .Initiative, ohne von Seiten der Misrachileilnng hierzu anfgesordert zu sein. Der Misrachi ist leider immer noch blind und lvill nicht sehen, iras vor seinen Augen und in seiner nächsten Rahe sich übspielt. Zn seiner Verblendung beinerkt er nicht, wie die Zionisten es sich zum Ziele setzen, die Gesetze der Thora, eines nach dem andern ihrer Lebenskraft zu berauben und auszurottcn. Der Misrachi ist blind oder ohnmächtig. Das letztere mag seine Verteidigung sein. Denn wenn er alles mitiuiffenb mitansieht und schweigt, so macht er sich mitverantwortlich ftir dstt scheußlichen Kampf, der in Palästina gegen die Thora geführt wird. In Rußland schließen die Bolschewisten die Synagogen und religiösen Eczichnngsschulen und in Erez Israel, dem Brennpnnkt des jüdischen Geistes, versuchen die Zionisten, v e r f a ssu n g s g e m ä ß die Thora aus dem -Judentum zu verdrängen. Das geschieht bereits schon in dem Augenblick, wo wir kaum vor den Toren unserer Hoffnung, die uns noch verschlossen sind, angelangt sind. Im schroffen Gegensatz zu den Zionisten ftcht die Agudas Jisroel da. Sie kämpft mit aller Kraft für die Erhaltung des echten, -unverfälschten Judentums und seiner Thora, die sie als köstlichstes Erbe von ihren Vätern übernommen hat. Je mehr der Traum unsrer tausendjährigen Hoffnung sich der Verwirklichung nähert, umsomehr vergrößern sich die Gegensätze zwischen den verschiedenen Parteien und Richtungen. Statt _ daß wir verheißungsvoll alle Volkskräfte sammeln und zu einer Einheit zusammenschmelzen, zerfleischen wir einander und vergrößern im Bruderzwiste die Kluft, die Juden von Juden trennt. Dabei gehl der Ka'.npf nicht um materielle Dinge, sondern um die Erhaltung unserer besten geistigen Güter. Erez Israel, die^ Urquelle der jüdischen Heiligkeit und der Ursprung der jüdischen Leh re, ist nun zum Schauplatz und zum Mittelpunkt jüdischer Freigeisterei geworden. Das freie Leben Europas in seinen modernen Auswüchsen wurde nach Palästina verpflanzt, um da nicht nur die heiligsten Ge-- Mle der dortigen frommen Juden aufs tiefste zu verletzen, sondern auch biejextigen der eingeborenen orthodoxen Araber und Ehristen. Kann, und darf nun die Orthodoxie still-- sch Neigend Zusehen, wie „Freunde Zions" dem alten Zion eine wüste Grabstätte bereiten und ein neues, dem jüdischen Geiste völlig fremdes Zion aufbanen wollen? Soll sie es gleichmütig ohne Kampf Zulassen, wie die Thora, das köstliche Kleinod, welches ihre Väter vor der Flammenglut bewährt haben, nun von ihren eigenen Kindern der alles Echtjüdische verzehrenden Wamme Aberantwortet wird'? ,8 lSt t erck Gleich einer Festung-. deren" 7» September i£22 Schicksal des Landes entscheidet, ist auch die Thora für das Sein oder Nichtsein jüdischen Lebens und jüdischen Geistes von fundamentaler Bedeutung. Die Thora, das Bollwerk des Judentums, hat allen Stürmren, die an sie heranbrausten, standgehalten und hat es denr jüdischen Volke ermöglicht/ allen Scheiterhaufen und Verfolgungen zum Trotze sein religiöses und nationales Gepräge zu bewahren. Stets fand Israel in seinen schweren Stunden in der Thörafestung Schutz, Trost und Beruhigung. Die Thora war die Quelle, aus der unsere dem Tode trotzenden Brüder in schicksalsschweren Tagen die unüberwindliche Seelenstärke, den Tod verachtenden Seelenschwung schöpften,- der sie freudig jeder Todesgefcchr entgegensithrte. Die Thora war der ewige Born, der unserw verfolgten Brüdern Labung bot, aus dem sie unerschütterliche Hoffnung und göttlichen Trostschlürften und von wo ihnen die Wunderkraft zuftrömte, allem Mühsal und Elend zu widerstehen. Hoffnungsvoll haben wir durch Feuer und Schwert in 2000 jährigem Galuth unsere heilige Fahne mit uns getragen, um keinen Preis sie uns ans den Händen nehmen lassend, und so weroen wir auch heute, wenn der Feilid in unfern eigenen Reihen steht, uns mit aller Macht und .Kraft gegen ihn wehren und darnach streben, das locker gewordene Band der Thora zu festigen; die Thora in das heilige Land mitznsühren und zu verpflanzen und für die Wiederherstellung nicht nur des nationalen, sondern auch des religiösen Bodens zu sorgen. (SOuß folgt.) Sorgen der A 5. 3 O. Von Fritz Cahen. Durch den lokalen Zeitungsstreik ist leider der Abdruck dieses Artikels vor der Kasseler Zusammenkunft der A. I. J.-O. nicht mehr möglich gewesen; er dürste aber trotzdem an Aktualität nichts verloren hüben. Die Red. i. (5um Kaffeier Jugenflfaa) Man hat die Tätigkeit der Jugendgruppen seit je eingekeilt in Lernen und Organisationsarbelt. Lebhafte Debatten wurden darüber geführt, wie weit man dem einen vor dem andern Raum lassen müsse, wie weit insbesondere durch Organisationsarbeit Schiurim „leiden" dürfen. Jeder von uns hat nur eine gewusst, festumgrenzte Zeit, die bei den meisten sowieso kurz genug ist. Kann man es verantworten, den jungen Leuten diese wenige Zeit des Lernens noch zn stichneiden? Darf man innen für diese berufsfreie Zeit neben dem Lernen noch Organisationsarbeit aufburden'? So lautet ‘ die Fragestellung. Daß diese Frage überhaupt gestellt wird, ist für jemaitb, der überzeugt ist von der Wichtigkeit der Organisation, Gegenstand ernster Sorge. Seht Ihr Fragesteller denn nicht, wie notwendig uns der Zusammenschluß ist'. Mo irgend heute gleiche Interessen von irgend welcher Bedeutung bei irgendwelchen Menschen vorhanden sind, schließen, sich diese zusammen. Und uns, die wir alle das gleiche Ziel und den gleichen Bern; haben, für die Anerkennung der Gotteslehre zu wirken, wir sollten uns dieses modernen Mittels nicht bedienen? Genau wie man heute ein neu zu oauendes Bes hainedrasch mit Elektrizität und nicht mü Oel oder Kerzen beleuchten wird, wie man heute nch des Druckes und nicht des Schreibers bedient, um wisstnschaftliche Werke zu verbreiten, ist rückständig, pch mcht modernster Mittel zu bedienen, um das i)ie( der Thoratreuen, die Verbreitung der Lehre Got- . tes, zu erreichen. Gegenstand ernstester Sorge mutz ef "tzs sein, daß es überhaupt möglich war, daß eure solche Frage aufgeworfen wurde. Denn sie zeigt, day unserer Organisation bisher die ttött-e Schwungtraft fehlt. Die Frage ist wohl auch von den Rabbinern gelöst und entschieden. Sie, die ohne Einspruch die Gründung der Organisation zuließen, sie, die sogar mit ctm Ausbau der Organisation halfen, haben stillschweigend die Wichtigkeit der Organisation zugegeben und betont. In der Tat, wie stünde es um das Lernen unserer Vereine ohne die Organisation? Zugegeben wird, einige wenige Gruppen - meist in den Großstädten mit sowie,o sehr lebenskräftigem jüdischem Zentrum haben auch vor dem Bestehen der Organisation oe- ^rnt. Soweit ein Vereinsschiur, dem die individuelle Behandlung jedes einzelnen Lernenden notwendig abgeht, überhaupt Ersprießliches leisten kann, von diesen Gruppen wird es geleistet mit Und ohne Organisation. Aber zahlreiche Gruppen sind ohne die Organisation noch keine Stätte des THorastudwms gewesen. Für diese Gruppen steht und fällt das Lernen mit der Organisation. Sehr viele Vereine gibt es, die nur dadurch, daß sie Anregung von benachbarten und entfernteren Gruppen bekommen, die nur durch Anregungen von der Zentrale, oder die Nur durch Anregungen, die sie durch die Tätigkeit eines ihnen von der Gesamtheit gestellten Thoralehrers erhalten, Thornnnterricht ihrer Jugend erteilen lassen können. Da wollt ihr die Organisation als etwas Uebereflüssiges bezeichnen? Es kann Euer Ernst wohl nicht sein. Wäre das Ziel der Organisation auch nur Proaxe, wäre sonst gar nichts unser Streben, als einen im herzustellen gegen die Propaganda anderer, thoraloser, jüdischer und nichtjüdischer Bewegungen, wäre unser Ziel nur, durch eigenen Zusammenschluß unsere eigne Jugend vor ihnen zu bewahren, es wäre genug. Aber wir wollen mehr. Die Organisation soll bezwecken, daß auch Kreise, die bisher weiterem Judentum ferngestanden, die der Propaganda anderer Berstebungen bereits unterlegen sind, sich zurücksinven zum wahren Judentum. . v Wenn wir uns nach zweijähriger Pause aus der Tagung in Kassel wrdertreffen, so muß meines Erachtens unserer oberster Grundsatz sein, jede fruchtlose Diskussion über diesen Punkt zu vermeiden. Me Fragestellung von der hier die Rede ist, hat ihren Grund darin, daß die Fragenden vielleicht mehr Erfolg erhofften, tieferen und mit dem Erreichten nicht zufrieden, sich überlegen, ob es nicht wertvoller gewesen wäre, sich nur um das eigne Lernen zu kümmern. Demgegenüber nutz betont werden, daß, wenn tatsächlich bei uns, wie überall im Leben, vieles hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, dies nicht an der Unmöglichkeit unseres Programms, sondern an den schwierigen äußeren Verhältnissen siegt. Die Frage, die wir in Kassel lösen müssen, tautet: Wie helfen wir unserer unbedingt notwendigen Organisation hinweg über die in den heutigen Zeitverhältnissen siegenden Schwierigkeiten? II. Was sollte unsere Organisation geleistethaben? Der Nürnberger Delegiertentag hatte ein bestimmtes Programm für die Arbeit der Organisation ausgestellt. Bis zum Nürnberger Delegiertentag war der Stand der Orlanisation so, daß in ganz Deutschland verstreut zahlreiche Gruppen existierten. Diese Gruppen waren aber nur zum kleinsten Teil irgendwie zusammengesaßt. Dadurch fehlte ihnen die Möglichkeit, sich gegenseitig Anregungen zu geben, sich gegenseitig zu beeinflussen. Nur in einer Provinz war.es anders. Dort, in Hessen nämlich, gab es bereits einen Provinzialverband. Das dortige Bezirkssekretariat vermittelte den Austausch zwischen den einzelnen Gruppen. Der Bezirkssekretär brachte Anregungen in Hülle und Fülle an jedem Ort, sorgte, daß von geeigneten Leuten gelernt wurde und lernte selbst mit der Jugend. Zugleich war die Möglichkeit, durch Verrmittlung deS Dezirkssekretürs an vielen Orten Gruppen zu gründen, wo sie sonst in Ermangelung geeigneter Führer bald wieder eingeschlasen wären. Dort in Hessen war. allerdings auf kleinem Raume und dazu in verhältnismäßig thoratreuer Gegend, bereits die Organifatwnsarbeit so geleistet worden, daß sie als Muster dienen konnte, für andere Gegenden. In der Art müssen auch in anderen Gegenden die Gruppen zusammengefaßt Und gegliedert werden. Es ist also weiter nicht sehr verwunderlich, daß der Nürnberger Jugendtag dem Organisationsvorstande eine Ausdehnung der Arbeitsweise, wie sie dort erprobt worden und sich bewährt hatte, auch für die übrigen Gaue Deutschlands empfahl. Es wurde beschlossen, zunächst in Sachsen und Untersranken — im übrigen aber in möglichst vielen Provinzen — Bezirkssekretariate zu gründen. Nachdem so eine richtige, straffe Organisation aufgebaut werden sollte, wäre es ein leichtes gewesen, den Gruppen geistige Anregungen zu geben, ohne daß die Gefahr bestanden hätte, daß die Bewegung versandete. Trage Gruppen sollten mit Hilfe des Generalsekretärs „getreten" werden. Propaganda zu machen ist für eine Bewegung, die Wirklich Bewegung ist, fast überflüssig. Wo gearbeitet wird, melden sich Leute zur Mitarbeit von selber. Mit einer festgefügten Organisation hätte mgn mit Leichsigkeit auch uns nahestehende Flügel anderer Organisationen zn uns herübergezogen. Bor den kräftig blühenden Gruppen wären sogar Anregungen ausg'eaangen an Vereine, die unsere Gegner sind, weil sie Gutes mit übernommen hätten. So waren ganz kurz wiedergegeben die Programme und Reden der Nürnberger Tagung, soweit sie sich aus rein praktische Fragen bezogen.' III. as hat der O.-V. zur Verwirklichung dieses Programms getan? Dem O.-V. fiel also zunächst die Aufgabe zu, die Organisation auszubauen. Dieser Aufgabe suchte der Kölner O.-V. möglichst schnell gerecht zu werden. Zum Organisieren aber gehört zweierlei: Menschen, auf die man sich stützen kann und Geld, mit dem man die Menschen, die sich dem Klall zur Verfügung gestellt haben, bezahlen kann. Hat man das Gew nicht, wird man keine Menschen finden. Findet man die Menschen nicht, hat man auch kein Geld, weil niemand es eintreibk.