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Der Israelit · 1922-09-07 · Heft 36 (7.9.1922) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 36 (7.9.1922)
Date
1922-09-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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sssr Mmmer 18. =s 7. Keptemver 1922. VIII, Jahrgang s=a 14. tztuk 5682. herausgegeben vom Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Grganisation der Agudas Jisroel für Deutschland. Inhaltsübersicht. An unsere Vertrauensleute. — Mitteilungen bei^ Palästlnazentrale der Agudas JiSroel. — Bor den Toren Erez Israels. — Sorgen der A. I. I. O. — AuS der Bewegung. — Beleidigungsprozesse des Jeiu, salem er. OberrabbinalS. — Personalien. — Spendenliste. An unsere Vertrauensleute! Auf nufere zu Beginn dieses Wahres ergangenen Aufforderungen^ die AgudohWchfen zu leeren, haben nur wenige unserer Vertrauensleute. geantwortet. Wir bitten daher, das Versäumte schnellstens nachzuholen, umsomehr, als die Städte in aller Kürze ihr Notgeld ent* ziehen und uns dann viel Geld verloren geht. Wir haben einen größeren Posten neuer Agudohbüchsen versandtoereit stehen. Anfordermrgen sind an uns zu richten und werden schnellstens erledigt. Gvrrpperrverbairv der Agudas Jisroel Mitteilungen -er paWnazentrake der Agudas Zisroel. Wir ersuchen diejenigen Personen,^ die sich an der geplanten Gesellschaftsreise nach Palästina beteiligen wollen, um ihre Anmeldung bis spätestens den 20. September. Trotz der enormen Teuerung haben wir auch für das Jahr 5683 für unsere Mitglieder einen Kalender Herstellen lassen, der gratis durch die jeweiligen £)rts-Jugendgruppen oder Vertrauensleinte zur Verteilung gelangen soll. Die Orts- und Jügendgruppen werden um Mitteilung bis spätestens 20. September ersuch^ wieviel Kalender sie für ihre Mitglieder benötigen. Der Versand erfolgt ab 20. 0ept Bei dieser Gelegenheit gestatten wir uns der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß unsere Mitglieder uns im kommenden Jcchre mit recht namhaften^ den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechenden Spenden bedenken werden. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. Vor den Toren Erez Israels. Bon E. Botschko in Montrenx. Aus der FMe der Zuschriften, welche uns in der „Jewish Agench"-Fraze in den letzten Wochen zugingen, — und welche nur die private Meinung der Autoren wiedergeben — veröffentlichen wir im Folgenden zunächst die Meinungsäußerungen einzelner Mitglieder des Zentralrates der Agudas Jisroel. Die Red. Seit 10 Jahren ungefähr wird ein Kampf von ungeheurer Härte zwischen den zwei größten Parteien innerhalb des Judentums geführt, zwischen der orthodoxen Agudas Jisroel uiro den liberalen Zionisten. Die Erste, die Vertreterin der jüdischen Tradition, kämpft für die Erhaltung des überlieferten Judentums/ für die Erhaltung der geistigen Güter unserer Ähttten; die Zweite dagegen, vom internationalen liberalen Geist durchdrungen, ist bestrebt, dasJU-dentum in seinen alten Augen zu sprengen^ dcrs ' Traditionelle nur der Geschichte zu überlassen und denl Judentum ein neues Gepräge zu verleihen, das darin bestehen soll, .die religiösen Gewänder ganz abzulegen und das jüdische Lebe?: und die Mischen Sitten dem Leben und der Sitte der anderen Völker, innerlich wie äußerlich gleichzugestatten. Ein solches Judentum wäre gleichbedeutend mit einer vollständigen Assimilation, die zum Völligen Untergang des Judentums sichren würde. Deshalb wurde diesem modernett Begriff eine neue Idee und ein neuer Geist als Stütze zu seiner Erhaltung gegeben — „der Nationalismus", der in folgenden zwei Aspirationen gipfelt: „Land und Sprache". Die Juden sotten ein eigenes Land und eine eigene Sprache besitzen/ nicht weniger, aber auch nicht mehr als alle andern Rassen und Völker auf Erden. Sie verzichten somit auf uirsre Vergangenheit und Tradition, sie verzichten auf unseren 3000 jährigen Anspruch ein ."DUD DI? ein von Gott auserwähltes Volk zu sein. Als Sprache bedienten sie sich des Hebräischen, der Sprache der Bibel und der Tesilos (Gebete). Die neuen Jdeenträger bemühten sich, die Bibelsprache zu einer lebendigen Sprache in Wort und Schrift zu gestalten. Sie gründeten Schulen, schüfen eine reiche Literatur etc. .Sie blieben aber nicht halbwegs stehen und stellten bald eine zweite Forderung auf: eigenes Land. Das eigene Land sollte auch kein anderes sein als dasjenige, das die Bibel uns verheißen hat, das Land unserer Väter. Im eigenen Lande, in seiner eigenen Sprache sollte der Jude die Möglichkeit haben, sich! frei zu entwickeln und mit den irndern Völkew der Erde zu wetteifern. Das ist der Gipfel P u n k t und das Endziel des Zionisinns. Es wären vielleicht noch Hunderte von Jahren v'orbeige-- gangen, bis diese Idee im Volke Wurzel gefaßt und in die große Welt hinausgetragen und dort Anklang gefunden hätte. Die außerordentlichen Ereignisse der letzten Jahre aber begünstigten diese Idee so sehr, daß all das, was der große> Träumer Herzel und mit chm noch viele Andere erst in Hunderten von Jahren zu vierwirklichen hofften, nun schon jetzt zum greifbaren Weltproblem sich gestaltet hat. Vonseiten der englischen Regierung wurdeden Juden der Welt eine Mische Heimstätte in Palästina verheißen und hernach auch» vom Völkerbund bestätigt. Es scheint sich nun der Zionismus bedeutend seinem Ziele und der Verwirklichung seiner Idee zu nähern. Doch kann von einer völligen Erreichung des Zieles nach keine Rede sein. Im neuen, von England herausgegebenen Weißbuch stellt die englische Regierung den Weizmannschen Traum, daß Palästina so Misch werde wie England englisch sei/ völlig in Mrede. Die so bejubelte Balsoursche Deklaration ist allmählich abgebröckelt und hat beinahe ihren Wert verlören. England/ das den Juden sowohl wie den Arabern und auch dem Vatikan gerecht zu werden sucht,- bleibt niemandem gerecht. Niemand findet in der neuen Interpretation der Balfour-Deklaration seine Befriedigung. Die zionistische Exekuttve hat wohl ihr Einverständnis zum neuen Kominentqr der four-Deklaration gegeben. Sie glaubte dadurch dem Volke die Wahrheit und die große Enttäuschung über den neuen Komlnentar verheimlichen zu können. Sie muß doch Geld haben und vor allem das Prestige ihrer Machtsmlung wahren. Darum muß sie das Volk glauben machen, es sei alles in bester Ordmmg, was in Wirklichkeit leider garnicht der Fall zu sein scheint. Erklärte doch Herbert Samuel kategorisch, daß das politische Leben Palästinas auch jetzt keinerlei Aenderung erfahren' lvürde. Was die jüdische Einwanderung anbetrifft, so kann diese unter Umständen noch mehr eingeschränkt werden, als dies bereitsder Fall ist, sind doch jüngst 125 jüdische Emigranten, die im Besitze aller nötigen Bisa waren, von den Grenze Palästinas zurückgewiesen worden. Samuel bemerfte ferner, daß die vollständige Verwaltung nach wie vor in englischen Händen bleiben und ein englisches Gepräge haben werde. Es wird - lediglich zur Stütze der englischen Regierung; ein arabisch-jüdisches Council ins Leben gerufen.. In diesen; sogenannten Parlament,- das ans 25- Mitgliedern besteht,- werden die Jüden nur zweigewählte Vertreter' haben. Diese werden wie die jüdischen Vertreter im polnischen Seym vom der arabischen Mehrheit verspottet und überstimmt werden. So berief Samuel neusich den Advisory Council ein,- über den Plan einer An-' leihe zu sprechlen. Doch die arabischen Redner lehnen aus begreiflichen Gründen die Anleihe ab. Als die jüdischen Vertreter Jettin und Eisenberg auf die Dringlichkeit der Anleihe hinwiesen, wurden sie vom Araber Beirati höhnisch mit den .Worten unterbrochen: /,Jhr seid nur ein Zehntel der Bevölkerung und dürft nicht im Ncmien des Volkes reden!" So können lrir uns leicht ein Bild machen, wie ein künftiges arabische-jüdisches Parlament aussehen wird. Der Wert der Balfour-Deklaration, durch den Völker« bund bereits bestätigt, darf allerdings nicht gering geschätzt werden. Wenn wir noch nicht inr Entserntesten von einer wahren Mischen Heim?" stätte sprech>en dürfen, so schafft doch biV Balfour-Deklaration gewisse Bedingungen M ein jüdisches Heim in Erez Jisroel. Jedenfalls! war Balsonr der Erste, welcher in nnserm jahrhundertelangen Exil, erfüllt von hohem Geiste eines wahren Liberalismus', mutig: seine Stimme für die historische Einheit der in aller Welt zerstreuten Juden erhob und deren Ansprüche auf Erez Jisroel restlos anerkannt und auch alle anderen Völker dazu bewogen hat. Dafür sind wir der englischen Regierung zu Dank verpflichtet. Wenn nun auch wir unfern guten Willen zeigen, keinerlei Opfer noch Arbeit scheuen und frei von jeder egoistischen Parteipolitik uns bemühen, das. Land ökonomisch zu entwickeln und für die Aufnahme Mischer Siedlungen bereit zu machen, dann wird auch die englische Regierung nicht zögern, uns hilfreich zur Seite zu stehen uud die „papierene" Heimstätte zu einer Heimstätte der Wirklichkeit lind * Tat zu gestalten. Während der Zionismus in der »äußeren; Politik nur geringe Erfolge erzielen konnte/ ist er umso eifriger bemüht, nach innen seine Stellung zu behaupten und zu erweitern. Mit erbitterter Heftigkeit setzt er seinen Kampf gegen das traditionelle Judentum fort. Dieser setzte ein mit dem Postulat nach der Gleichberechtigung . der Frauen bezüglich des Wühlrechtrs in Pa«,

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