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Der Israelit · 1922-09-07 · Heft 36 (7.9.1922) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 36 (7.9.1922)
Date
1922-09-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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7. September 1HZ3. Der Organisationsvorstand suchte Nun — ä ' hängig davon, ob bas Gelb schon da war oder nicht, nach Menschen, Personen, die sich für das Ziel der Organisation interessierten. Ferner trachtete er Summen zu erlangen — unabhängig davon, ob im Augenblick gerade schon entsprechende Ausgabeposten Vorlagen, damit, wenn die geeigneten Leute gesunden waren, nicht finanzielle Hrnderungsgründe eintraten, die alle Projekte zum Scheitern gebracht hätten. Hier soll nun offen einiges über den Erfolg der Anstrengurigen des H.-B. gesagt werden. Zunächst das Geld. Das Defizit, das nach der Nnrrrberger Tagung bestand, zu decken, war schwierig. Aber es gelang. Trotzdem verschlang diese Arbeit viel Zeit und Energie. Kaum aber war ein Keines Vlns erreicht, als die Valuta ihre Sprünge begann, uno so auch die Ausgabenseite erheblich vermehrte. Jeder von uns hat das vielzusehr miterleben müssen, so daß ich eine ausführlichere Darstellung nicht geben brauche. Je tiefer die Mark stand, um so erheblichere Anstrengungen mußten gemacht werden zur Deckung des Budgets. Die Hauptbeträge, die bei uns einliefen, waren Spenden. Aber längst nicht die Halste aller, die es angeht, zeigten uns das genügende Verständnis. Nie fragte man, wie das bei einer so jungen Bewegung geschehen muß, was wollt ihr, und bemaß danach sein Scherflein, sondern stets fragte man, was habt ihr bereits getan. Brieflich und mündlich wandten wir uns an Kreise, denen eine für uns große Summe Kein ist. Nie mit dem erhofften Erfolge! Unhaltbar war der Zustand, daß die Jugendorganisation der Landesorganisation Beiträge geben mußte. Die Organisation der kapitalkräftigeren Väter wurde niiterhalten von den spärlichen Belträgen, die kaufmännische Angestellte und Strwenten von ihrem Taschengeld aufbrachten. Wir lehnten von vornherein ab, dem Grupvenderband Zahlungen zu machen und stellten unserseits aus dem letzten Delegiertentage des G. V. durch unsere Delegierten den angenommenen Antrag, daß der G. V. einen Teil seiner Einnahmen, der weniger zahlungsfähigen Jugend zur Verfügung stellt. Die Beiträge der Gruppen — schon nach dem Stande der damaligen Währung zu niedrig festgesetzt — fielen kaum ins Gewicht. Sie brachten, ebensowenig wie die, Spenden, längst nicht das ein, was verlangt werden; mußte. Dauernde Einzelb riese und Rundschreiben brachten nur wenig Besserung. So blieb dem O.-V. nur die einzige Möglichkeit, sich selbst auf die Beine zu machen und das notwendige Geld auf diese Weife ^usammenznscharren. Daß die ganze Kraft, unb die ganze freie Zeit der Organisatwnsmitglstder auf 'diese Weise gebunden war, hielt sie natürlich davon ab, in notwendiger Weise für Anregungen' der Gruppen zu sorgen. Nicht als ob in der Beziehung nichts geschehen wäre. Aber viel, viel mehr hätte geschehen können, wenn nicht zu viele Zeit mit der Suche nach Geld hätte versäumt werden müssen. Es soll heute nochmals nachdrücklichst betont werden, daß die A. I. J.-O. Not leiden mutz, so lange die, die ihr vorstehen, sich um Dinge kümmern müssen, die eigentlich Aufgabe der Gruppen sind. Klar und rückhaltlos soll heute betont werden, daß die Gruppen (und vor allem gilt dies natürlich für die Vorstände!) ganz und gar versagt haben. Soll ans der A. I. J.-O. je eine wirkliche, lebendige Organisation werden, so muß dies gründlich anders werden. Abgesehen von einigen kleineren Gruppen, die hier lobend erwähnt werden müssen, trifft dieser Borwurf alle. Sogar die sonst arbeitsameren Großstadtgruppen, denen es ein Leichtes ist, falls nur von den Vorständen dieser Gruppen etwas geschieht, Unsummen Geldes zusammenzubringen. Trotz alledem ist zwar das Geld, das benötigt wurde, noch Selei-igurig-prozeffe -es Jerusalemer O-errah-inals. Der Redakteur des AgudaorganZ „ Ko l- I i s r a e I", Rabbiner Katzenelnbogen, wurde von einem Mitgliede des OberraMnats und seinem bekannten Sekretär verwarnt, die Kritik gegen das Rabbinat zu unterlassen^ sonst würde das M i s r a d R a b a n u t h gerichtlich gegen ihn Vorgehen. Redakteur KatzenelnL-ogen gab. zur Antwort/ daß er bereit sei, bei einem Kstschien Schiedsgericht vorstellig zu Werden. Das Oberrabbinat hat diesen Prozeß einstweilen zurückgestM. Rabbiner Schnorr, der auch mm Oberrabbinat verklagt war, wurde freigesprochen. Dem Vernehmen nach hat das OberrabUnak selbst den Freispruch beMwortet,- um die wegen der Beleidigungsprozesse aufgeregten Gemüter nicht weiter zu beunruhigen. Die Geldstrafe im Betrage von 61 Lst. egypt. für die vom Sir Herbert Samuel begnadeten Rabbiner Senmitzer und Hoffmann hat Herr I. L. Chäais, ein Mitglied der Sonnenfeldschen Gemeinoe erlegt. ,JB IS H e r." stets aufgebracht worden. Aber die Gruppen haben hieran kein Verdienst und keinen Anteil. Die Gruppen find zum größten Teil doch zufrieden, wenn sie chr eigenes Budget in Ordnung haben, ohne zu bedenken, was die .Unterhaltung auch nur eines Bezirkssekretariats heute kostet. Doch scheiterte die Einrichtung weiterer Sekre- > tariate bis heute noch nicht an finanziellen Schwierigkeiten, wenn auch der O.-V. bei den dauernd steigenden Preisen stets größere Schwierigkeiten hat, dem Bedarf gerecht zu werden. In der Erwägung dessen, daß benötigte Geldsummen stets noch aufgebracht Wurden, hat der O.-V., wie schon .erwähnt, sich, sobald sein Geldhaushalt einigermaßen ins Gleichgewicht gebracht war, sogleich auf die Suche nach geeigneten Männern für die in Aussicht genommenen Posten gemacht. Besonders wurde intensiv nach einem zirkssekretär für Sachsen gesucht. Doch für alle andern Stellen, (Generalsekretär, Sekretäre für Unterfranken, Friesland usw.) wurde ebenso eifrig Umschau gehalten. Und Wieder haben die Gruppen versagt. Sie haben uns nicht unterstützt in unserem! Suchen. Sie haben nicht ihnen selbst geeignet erscheinende Persönlichkeiten, aus die Wichtigkeit dieser Stellen aufmerksam gemacht. Sie haben nicht einmal uns Persönlichkeiten genannt, damit wir uns mit diesen in Verbindung setzten. Und nicht nur die Gruppen als Ganzes haben versagt. Auch ihre einzelnen Mitglieder! Jeder Einzelne von ihnen, der geeignet ist, emen dieser Posten zu bekleiden, hat die Schuld, die er zu tragen hat, daß er sich nicht zur Verfügung stellte. Wieviele solcher jugendlich-begeisterter Jünglinge, die sich doch nickt zur Tat anstasfen können! Woran es liegen mag? Sei es, daß man der Organisation als solcher immer noch nicht die angemessene Bedeutung beilegt — sei es auch, daß man solchen jmrgen Männern, die sich dem Klall zur Verfügung stellen und ihm mit ganzer Hingabe dienen — einige wenige solcher hat es ja bei uns auch gegeben — noch nicht die genügende Hochachtung zollt. ' Jedenfalls ist die Tatsache betrübend, daß wir nicht die Leute gefunden, die sich dein Organisationsvorstand zur Unterstützung seiner Arbeit zur Verfügung stellten. Mag man noch bersteben, wenn auch nicht billigen, daß der eine oder andere zögert, ein paar Jahre lang sich zur Verfügung zu halten, obwohl die ausgeschriebenen Stellen den Zeitverhältnissen entsprechend hoch honoriert werden, eine Schmach ist es, daß sich auch zur Abhaltung von Vorträgen — einzelnen Vorträgen, die in den Gruppen gehalten werden müssen, um namentlich den Keineren Anregungen zu geben, daß sich auch zu solchen Vorträgen niemand, aber auch gar niemand bereit fand. Natürlich konnte der O.-V. selbst hier nur viel schwerer in die Bresche springen, denn abgesehen von der mühevollen Tätigkeit für das Kassenwesen — kann inan im Berus stehenden Menschen nicht zumuten, dauernd ans Reisen zu sein. So ertönt aus den kleinen und großen Gruppen stets der Ruf: „Sendet uns Redner!" Mer, wie die Dinge heute liegen, ist es unmöglich, diese Wünsche irgendwie zu befriedigen. Brauchten wir eben nicht eigentlich über Geldnot zu klagen (nur hie Art und Werse, wie es aufgebracht wird, ist unpassend), so müssen wir ganz entschieden von einer Menschennot sprechen. Wäre es nur allein das Geld, so könnte man entschuldigend in den Zeitverhältmssen die Ursache suchen. Aber beim Mangel an geeigneten Leuten, gilt diese Entschuldigung — besonders bei den hohen ausgesetz-- ten Honoraren — ganz und gar nicht. Die Ursachen dieser Menschennot müssen tiefer liegen. Man leidet in Deutschland an einer- Jnteressenlosigkeit für die Belange des KlaU, wie sie ja auch bei andern Gelegenheiten zum Vorschein kommt. Wer noch Lehrer Personalien. New Uork. Der bekannte amerikanische Agudo- Fnhrer, Herr Rabbiner Dr. Jung, hat einer ehrenvoUen Berufung Folge leistend, einen Nabbinats- Poften in einer der größten Synagogen Newhorks angetreten. Wir sind überzeugt, daß der verdienstvolle Vorkämpfer des Agudismus in Newhork mit dem nämlichen Erfolg seine Wirksamkeit ausüben wird, wie in Cleveland, seinem bisherigen Rabbinatssitz. Wien. Herr I. I. Thum im, Präsident des Kriegswaisenfonds mtb Vizepräsident der Agudas Jrsroel in Wien, beabsichtigt im Lause der nächsten Woche nach seiner Heimat nach Przemhfl zurückzukehren. Er kam mit der großen Schar der Kriegsflüchtlinge, und er ward ihnen ein Helfer in ihrer Not. Als Vorkämpfer der Agudas-Jisroel-Beweaung in Galizien hat er auch in Wien die galizische Landesorganisation austechterhalten Und werter ausgebaut. Als Präsident derselben hat er Gelegenheit gehabt, nebst der Linderung des fürchterlichen Flüchtlingselendes auch Zur Milderung ihrer geistigen und religiösen Not beizutragen. Wir hoffen, daß er in seiner alten-neuen Heimat die Fahne der Agudas Jisroel zu neuen Siegen tragen wird. Nr. 18 SMe 4. j mit 400 Mark Monatsgehalt (?) für ausreichend honoriert hält und nicht sieht, daß das Judentum in Deutschland dabei zugrunde geht — und wieviele Gemeinden trifft solche Schuld — zeigt doch ebenfalls eine Verständnislosigkeit für die Notwendigkeiten der Zeit. Sollten wir Mitglieder der A. I.- Jugendgruppen, die wir samt und sonders wohl das '■ Vorgehen eines solchen Gemeindevorstandes verurteilen und uns doch erhaben über ihn dünken, nicht ähnliche Verständnislosigkeit der Klallnotwendigkeiten gegenüber haben? Der Gemeindevorsteher, der seinen Lehrer nicht bezahlt, vernichtet das Thoraleben seiner Gemeinde, indem er der Jugend des OrteS ihren Thoralehrer ninimt. Das Atttglied der A. I. Jugendorganisation, das imstande ist, durch seine Person die Organisation zu stärken, die für das Lernen an kleinen Orten besorgt ist, das Mitglied der Jugendorganisation, das sich für die A. I. J.-O. zur Verfügung stellen könnte und tut dies nicht, ist nicht erhaben über jenen Gemeindevorsteher. Jener vernichtet das Thoraleben an seinem Orte. Er aber schwächt und unterbindet es an vielen anderen. Wenn also die A. I! J.-O. sich weiter entwickeln soll, wenn sie die Bahnen, die ihr der Nürnberger . Tag vorgezeichnet, einschlagen will, so ergeht an ' jeden Einzelnen die Mahnung: Sorgt uns für größere t Bereitwilligkeit der Organisation gegenüber. Nehmt. ' uns die Sorgen ab Uno stellt Euch selbst und einen Teil Eurer finanziellen Kräfte zur Verfügung!! Aus der VÄesung. Riga. Die lettische Landesorganisativu der Agudas Jisroel hat endlich! einem längst gehegten Wunsche ihrer Mitglieder durch Gründung eines eigenen Organes der Wochenschrift -,Das jüdische Wort" Rechnung getragen, welches, wie die bereits erschienenen Nummern beweisen, über einen Stab von Mitarbeitern ver- ' fügt, welche es verstehen, die Aguda-J deale ihrem Leserkreis in eindrucksvoller Weise zu vermitteln. Wir wünschen dem neuen Aguda- Blatt auch für die Zukunft eine „Ksiwv Tauwo". Kischirrew Die beßarabische Laudesorganisation der Agudas Jisroel hat eine große .Sammlung zwecks Erwerb von 2000 Dunam Land in Erez Israel begonnen. Das Grundstück soll den Namen des Vorsitzenden der beßarabischen Landesorganisation, Rabbiner Zirelsohn, tragen. Warschau. Zu Beginn des Monats Elul hat unsere polnische Landesorganisation einen groß-zügigen Ausruf für Palästina- Arbeit veröffentlicht. Die Beteiligung an Keren Hajischuw und an Jawne (Erziehungsfond für Schulen und J'efchirviot in Palästina) wird jedem Agudisten als unaülveiZbare Pflicht auferlegt. An die Spitze der Sammlung für den Keren Hajischuw stellt sich der bekannte Rabbiner Plotzki mit einer Million polnischer Mark. Jerusalem. Am 7. Am fand hier eine große Propagandaversammlung der Agstdas Jisroel-jOrtsgruppe unter Vorsitz, des Herrn Selig Lieder statt. Nachdem der Vorsitzende der Freude über die Mandatsbestätigung Ausdruck verliehen hatte, sprach er die Hoffnung aus, daßj allmählich der Gedanke der Selbständigkeit der Orthodoxie immer weitere Kreise der Gesetzestreuen um die Fahne der Agudas Jisroel sich scharen lasse. Speziell in Jerusalem müsse die Ortsgruppe der Agudas Jisroel — nicht im Kamps gegen andere Richtungen,, sondern zur Sicherung ihres eigenen Besitzstandes — mit aller Energie die Bestrebungen zur Schaffung einer autonomen orthodoxen Gemeinde unterstützen. Eine diesbezügliche Resolution wurde mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Majorität angenonunen. Kassel. Am Sonntag, den 10. Elul, fand in Kassel aus Einladung des Organisationsvorstandes eine Aussprache von etwa 70 Delegierten unserer Jngendgrupsten über schwebende Fragen statt. Näherer Bericht folgt. Ukraine. Saarbrücken: Frau Wolfs 50. Ukraine-Waisenkinder: Saarbrücken: Herr Fleischinann 5V. Für unsere Hungernden in Sowjet-Rußland. Abterode: NR. 500.

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