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Der Israelit · 1922-09-07 · Heft 36 (7.9.1922) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 36 (7.9.1922)
Date
1922-09-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite § Nr. 86 Der Israelit MWWW zeigen Kolonien zugetragen. Eme Vesbndsre Delegation/ die im Hinblick auf diese Borfäll« beim Oberkommiffar vorsprecherr wollte, wurde von diesem unter Hinweis auf allzugroße Inanspruchnahme nicht empfangen, doch sicherte der Zivilsekretär Deetz es die größte Wachsanrkeit und Strenge der Regierungsorgane zu. Erfrmlich ist, daß es bei dem Mordanfall in der Nahe Jerusalems der Polizei gelungen ist, durch rasches und geschicktes Eingreifen der mit einem Automobil versehenen Räuber habhaft zu luerbeu. Es steht nunmehr fest, daß das transjordanische Gebiet, der alte Wohnsitz der Stämme Rüben, Gad und Menaffe, in keinerlei Beziehung zu der jüdisch-nationalen Heimstätte stehen wird. Von arabischer Seite hatte man in dieser Hinsicht aufreizende Nachrichten verbreitet, die zu einem raschen und energischen Dementi der Regierung führten. Zn wirtschaftlicher Hinsicht ist die ansrdückliche .Loslösung dieser Kornkammer Palästinas von dem für die jüdische Siedlung prinzipiell in Betracht kommende Gebiet ebenfalls eine starke (Stitettgitttg der Balfour-Erklärnng. **■- Das innere Leben der Jerusalemer jüdischen Bevölkerung wird noch immer durch die Slmtdalassäre Semnitzcr-Hoffmann beherrscht. Immer mehr zeigt sich,- welch schlechten Dienst das Oberrabbinat nicht nur sich selbst, sondern dem rabbinischen Ansehen überhaupt .geleistet hat, durch die unüberlegte Anwendung von Gewaltmaßregeln, die den besten Traditionen der jüdischen Geschichte widersprechen. Es nützt wenig, daß dem Rabbinat offenbar nach^ träglich das Gewissen pocht, daß man durch den Rabbinatsanwalt gewisse Vergünstigungen fiir die Gefangenen zu erwirke:: strebt, ja sogar ihre Begnadigung beantragt Hut.' Die Be? rufung der Verurteilten ist jetzt verworfen Md die inzwischen aufgehobene Haft, wiederum am Freitag Abend, erneut verfügt * worden. Die Intervention des Chacham Baschi Jacob Meir, über die bereits berichtet' wurde, zeigt deutlich wie man in sefardischen Kreisen über die unglückselige Aktion denkt. Ebenso auch ein Aufsehen erregender Artikel von Almalech im,,Daor Hajaum'b worin feurige Kohlen auf das Haupt der Politiker des Oberrabbinats gehäuft und ihnen vor allem bittere Vorwürfe gemacht werden, daß sie gegen ihre persönlichen Gegner gleichzeitig sowohl mit dem Cherem alten Stiles, als mit gerichtlichen Klagen neuester Fasson vorgegangen sind. Die neuerdings vom Oberrabbinat ein gereichten sieben Ehrenbeleidigungsklagen geigen übrigens, daß der streitbare Rabbinatssekretär, der hinter dem Ganzen steckt, noch immer nicht geneigt istr auf seinen zweifelhaften Lorbeeren auszuruhen. SCHUMANN- Theaiai» Die große Modenschau mit dem neuen internationalenVarieteprogratiifli Sonntag, 3 Uhr: Große Fremdenvorsfellung Gross Frankfurt Weinklause. Tanzpalais. Das führende Kabarett Das vornehme Westdeutschlands. ABENDLOKAL. Wiener Kaffee Ungarische Kapelle. Eigene Konditorei. Semnifeer unfl Hoffmann hegnaliat — : Neue Beletölgungsprojeiie? Jerusalem, 28. August. > Den Rabbinern Semnttzer und ^Hoffman n ist der Rest ihrer Gefängnisstrafe unter Erhöhung der Geldstrafe von 20 Lst. auf 50 Lst. erlassen worden. Die immer mehr anwachsende Erregung der öffentlichen Meinung über das gewaltsame Vorgehen des Oberrabbinates hat dieses selbst veranlaßt, ein Begnadigungsgesuch einzureichen. Der Ingrimm der Rabbinatspolitiker richtet sich nunmehr gegen das trefflich redigierte Organ der palästinensischen Aguda, Kol Jsroel. Dem Vorsitzenden der Jerusalemer Jugendgruppe, Rafael Katzenellenbogen, droht das Oberrabbinat mit gerichtlicher Klage, wenn er seine scharfe Kritik an dem Oberrabbinat in dem genannten Blatte nicht einstelle. Arrrerika. vegen öle Befrfiränhung der Immigration nach öen Vereinigten Staaten- Nerv-YorL, 20. Aug. (J.C.B.) Das auS Vertretern der Anglo Jewish Association und den Board of Deputies zusammengesetzte englische Joint Foreign Committee wandte sich vor kurzem mit einem Schreiben an den amerikanisch-jüdischen Kongreß und an das amerikanische Jewish Committee mit dem Vorschlag, an die amerikanische Regierung wegen einer zeitweiligen Aushebung der Jmmigrationsbeschränkungen nach den Vereinigten Staaten heranzutreten. In dem Schreiben schildert das Joint Foreign Committee die traurige Lage der in vielen Großstaaten Europas angesammelten jüdischen Emiarantengruppen, die infolge der in mehreren Ländern bestehenden Jmmigrationsbeschränkungen ihre Reise nicht fortfetzen können, und fordert die beiden amerikanischen Organisationen auf, alles zu unternehmen, um dieser unerträglichen Lage ein Ende zu mache:». Wie das J.C.B. erfährt, hat sich der amerikanisch-jüdische Kongreß mit Mitgliedern der Repräsentantenversammlung und des Senats wegen dieser Angelegenheit bereits in Verbindung gesetzt. Welches die Ansichten des American Jewish Committee in dieser Frage sind, ist derzeit noch nicht bekannt. Personalien. David Levi Straftburg i. Elf./ s. Septemb. Am 21. ax eruö, am Tage der Vollendung seines 75. Lebensjahres, starb David Levy, ein Mann, der roelt hinaus über feine Wirkungsstätte gekannt und hochverehrt wurde. Um dem Verfall des jüdischen Lebens tu Stratzburg Einhalt zu gebieten, vereinigte er sich vor 40 Jahren mit 5 gleichgesinnten Männern und gründete eine Religionsgesellschaft unter dem Namen pp. Er weckte dadurch neues jüdisches Leben in Straßburg, das belebend auf das ganze Land wirkte. Bon dem Tage der Gründung an war David Levy der rund und u.nm der Reltgionsgeschaft ununterbrochen, fast 40 Jahre ununterbrochen; überaus schwer waren die Kämpfe, welche die verschwindend kleine Vereinigung zu bestehen hatte. Aber David Levy ließ sich im Vertrauen auf die gute Sache nie entmutigen. Mit bereiter, vollendeter Hingabe kämpfte er weiter und weiter und wußte alle Schwierigkeit aus dem Wege zu räumen. Es war nichts Kleines und nichts Großes, >as ohne ihn ausgeführt wurde. Ausgerüstet mit einem selten klaren Verstand, mir einer außergewöhnlichen Arbeitskraft führte er die Religionsgesellschaft in ungeahnter Weise. Er strebte nicht nach eigener Ehre, ondern sein ganzes Streben war daraus gerichtet, rorvi min zu fördern. Dieses Bewußtsein gab ihm auch den Mut, den größten Schwierigkeiten, die sich der Entwicklung der Gemeinde cntgegenstellten, entgegen zu treten une sie aus dem Wege zu räumen. Unauslöschlich lief hat sich mir eine Unterredung mit ihrn eingeprägt. Bor 30 Jahren teilte er mir mit, daß er den Plan habe, eine Synagoge zu bauen. Als ich ihn fragte, woher die Mittel dazu zu nehmen feien, erwiederte er mir, Geld sei nicht vorhanden, aber der Bestand und die Entwicklung der Religionsgesellschaft erforderten gebieterisch den Bau einer eigenen Synagoge und da habe er das Vertrauen auf '"P, daß der Plan verwirklicht werde und in ungeahter Weise wurde der Plan verwirklicht. Nach Jahresfrist wurden die würdigen Synagogen- und Schulräume erstellt und eingewetht. Roch in späten Jahren ssineS segen-reichen WirkenS, mitten in der KrtegSzett, mußte eine neue rosa errichtet mevbeti. Die Ausführung, welche das - ihum für alle Zukunft garantieren sollte, erschien als Überaus große Bürde für die mnp. Da bedurfte eS nur des Hinweises auf den Synagogenbau und die Sache war sofort in günstigem Sinne erledigt. Mit Recht kann die Entwicklung der Religionsgesellschaft in Stratzburg als das Lebenswerk von David Levy betrachtet werden. Sein Wirken kann vorbildlich für andere Führer werden. Aber auch in seinem privaten Leben konnte David Levy vorbildlich wirten. ri"2l man min übte er in mustergültiger Weise. Neben der emflgsten Geschäfts, täügkeit fand er immer noch Zeit zum Lernen. Er rersäumte keine Synagoge und beteiligte sich bei allen Werken von nfta. Mit Recht kann auch aus ihn das finnige Wort des a>?,nn tmo zu Psalm 118 Anwendung finden. „Im zukünftigen Leben befragt man den Menschen: „Was waren Deine Leistungen?" Wenn er antwortet: „Ich habe Hungrige gespeist, so verweist man ihn auf eine bestimmte Halle, durch die er eintreten kann. Ein anderer erwtederr auf die an ihn gerichtete Frage: „Ich habe Durstige gelabt". Man verweist ihn auf eine andere Halle, und so verfährt man mit denen, die Nackte gekleidet hadeL Walsen erzogen haben und andere Mildtätigkeit geübt hatten, und so ist eine Halle für alle, übrigen guten Taten. Darauf hin sagte David: „Ich habe alle Arten guter Werke geübt, öffnet mir alle Hallen. Deshalb sprach er: Oeffnet mir alle Hallen der Gerechten, ich darf in sie eintreten." ii*35tan Fünfzigjähriges Jubiläum eine* DbcrrabbjüerS. Oedenbnrg, 27. Aug. Die altehrwürdige Oedenburger isr. orthodoxe Kultusgemeinde 'feierte heute im Rahmen eines ebenso innigen als imposanten Festgottesdienstes das 50-jährige Jubiläum ihres verdienstvollen Oberrabbiners Emanuel Grün Wald. Die Gemeinde wollte den denkwürdigen Tag, an Welchem vor einem halben Säkulum der einstige Vorzugshörer der Preßburger Nabbinatsschule als Leiter der kaum 40 Mitglieder zählenden kleinen Gemeinde hierher berufen wurde, nicht vorüberziehen lassen, ohne jenen Mann zu feiern, der seither ununterbrochen von dieser heiligen Stätte segensreich wirkend, diese zu einer der mächtigsten und angesehensten Ungarns auszugestalten verstanden hat. Die Feier wird jedem Teilnehmer unvergeßlich bleiben. Der Oberrabbiner, von sechs heute noch am Leben befindlichen Mitbegründern der Gemeinde abgeholt, wurde am Eingänge der ans diesem Anlasse reichdekorierten Synagoge von der Repräsentanz und älteren Talmudgelehtten mit den der Bnndeslade entnommenen heiligen Torarollen in den Händen empfangen und an seinen Ehrensitz geleitet. Hier hielten dann Kammerrat Friedmann als Präses der Gemeinde, Siegfried Goldschmiedt, Weingroßhändler und Ludwig Müller Rabbinats-Assessor namens vieler Wohlfahrtsanstalten, die alle mit dem Namen des Jubilars verbunden sind, schwungvolle Ansprachen, welchen dann die gedankenreiche Festrede des Oberrabbiners folgte. Es war ergreifend, wie der nahezu 80jährige Greis — bekannt als einer der größten Talmudgelehtten der Jetzzeit — der, göttlichen Vorsehung für die Gnade dankte, daß sie ihn diesen Freudentag erleben ließ, und schließlich den Segen Gottes auf alle Gemeindemitglieder und ihre Familie herabflehte. . Ä r ■ Die Feierlichkeit, an welcher auch die OedenbUrger Statusquo-Gemeinde unter Führung ihres Rabbiners Dr. Pollak und des Präsidenten Dr. Schönberger teilnahm, endete mit einem Festmahle, bei welchem Oberrabbiner Grünwald in vielen Toasten herzlich gefeiert und mit schönen Ehrengeschenken bedacht wurde. Der Bürgermeister der Stadt Oedenbürg, Dr. Michael Thurner, fuhr zur MittcmSstunde beim Jubilar vor, um ihm im Namen der Negierung und der Lokalbehörden zu gratulieren. Berlin, 28. August. In hiesigen Börsenkreisen erregt das tragische Ende des Devisenhändlers der Darmstädter Bank, Fritz Rosenbaum, große Teilnahme. Fritz Rosenbaum, der erst im 24. Lebensjahre stand, ist in Westerland bei dem Versuchs ein ertrinkendes Ehepaar zu retten, verunglückt. Kitzingen, 28. August. Einen schweren Verlust erlitt unsere Nachbargemeinde Mainstockheim durch den Heimgang der Frau Josef Stern geb. Schloß. Die allzufrüh Dahingeschiedene war eine jüdische Frau im wahrsten Sinne des Wottes. Ihre Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit und Menschenliebe waren mustergültig. Keine Gelegenheit bei Tag oder Nacht versäumte sie, ihren leidenden Mtmenschen Trost und Hilfe zu spenden. An ihrer Bahre schilderte Herr Rabbiner Dr. Feinberg, Würzburg in Vertretung des beurlaubten Herrn Dr. Hannover in einem warm empfundenen Nachruf die Verdienste der Verstorbenen und Herr Pfarrer Lnttenberger hob ganz besonders hervor,'daß 'sie Wohltätigkeit gegen jeden ohne Unterschied des Standes und Konfession übte und bezeichnete ihren religiöse» Sinn sowie regelmäßigen Besuch der Synagoge als nachahmungswett für alle. Möge die allgemeine Teilnahme aller, die sie kannten, ein Trost.für die Hinterbliebenen fein, rrasfon

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