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Der Israelit · 1922-09-07 · Heft 36 (7.9.1922) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 36 (7.9.1922)
Date
1922-09-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Privatinitiative zu überlaffen, wenn es ' eine Privatinitiative großen Stiles gäbe. Sie existiere aber heute nur in kleinstem Maße. Unter den für Palästina interessierten Juden gäbe es solche, die Geld geben, aber nicht nach Palästina gehen und solche, die nach Palästina gehen, aber kein Geld haben. Man müsse also zum größten Teile das Geld für die Arbeit in Palästina von jenen nehmen, die etwas für Palästina tun wollen, aber nicht selbst htngehen, und mit diesem Gelbe diejenigen ansiedeln, die selbst kein Geld haben. In der Debatte wurden" gegen den Bericht Ruppins mancherlei Einwendungen erhoben. — Lewite nennt das bisherige Ansiedlungssystem ein rurfehlles Experiment, das nicht fortgesetzt werden dürfe. — Hausner (Misrachi) sagt, für den Mißerfolg des Keren Hajessod liegen außer den vom Referenten angeführten, noch innere Gründe vor. In Palästina gehen Dinge vor, mit denen ein großer Teil des jüdischen Volkes nicht einverstanden ist. — Die Debatte über das Referat Ruppins und den Keren Hajeffod füllt auch noch die Nachmittags- und Abendsitzung vom Mittwoch aus. Aus eine Anfrage der Poale Zion über die Stellung Pros. Pick zu der „Assefath Haniwcharim" antwortet Prof. Pick^ daß er der Ansicht sei, die Arbeit habe nur dann einen Wert, wenn sie auch den alten Jischuw umfasse. Redner möchte die Frage des Frauenwahlrechts durch eine Umfrage bei der männlichen Bevölkerung entschieden wissen. Seine Stellungnahme gegen die Arbeiterküche in Jaffa erkläre sich damit, daß diese Küche den religionsgesetzlichen Anforderungen nicht entspricht. Eine Interpellation in Sachen Jabottnskys wird auf Antrag Weizmanns von der Tagesordnung abgesetzt. In der Donnerftagssitzung legt Weizmann namens der Exekutive zur Frage der I ewish Agency und des Jüdischen Kongress es eine Resolution vor, die mit folgenden Aenderungen angenommen wird: 1. Die Zionistische Johrekko? ferenz begrübt mit tiefer Befriedigung die Bestimmungen des Artikel 4 des Palästina-Mandates. 2. Die Jahreskonferenz erklärt, daß die Zionistische Organisation die Rechte und Pflichten der Jewish Agency übernimmt. Ais Organ der Jewish Agency fungiert die Zionistische Exekutive. 3. Die Konferenz beauftragt die Exekutive, Vorbereitungen für die Einberufung des Zionistenkong'esses im Frühfommer 1923 zu treffen. 4. Der Zentral rat erllört, datz es der Wunsch der Zionistischen Organisation ist, datz die Jewish Agency das gesamte jüdische Volk repräsentiere. 6. Der Zentralrat anerkennt die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses für den Wiederaufbau Erez Israels als den Weg zur Verwirklichung dieses Prinzips und beauftragt die Exekutive als das Organ der Jewish Agency die notwendigen Schritte zur Vorbereitung dieses Kongresses zu unrernohrnen und bis Ende dieses Jahres dem Aktionskomitee' Bericht zu erstatten, um eine Wahlordnung vorzuschlagen. Zur Begründung der Resolution führte Weizmanü u. a. aus: Welches die Rechte sind, die der Artikel 4 der Agency verleiht, ist im Artikel angezeigt. Wir haben düs Recht, beiden Teilen der Regierung in Jerusalem, und in London unsere Vorschläge zu unttrhreiten, unsere Projekte zu befürworten und die Interessen des jüdischen Nationalheimes zu vertreten und zu verteidigen. D.'e Pflichten sind, daß wir das an Menschen und an Dingen herbeischoffen, was für den Aufbau notwendig ist. Ich möchte behaupten, datz dadurch, datz der Artikel 4 in das Mandat ausgenommen wurde, unsere Handlungsweise vielleicht weniger frei ist, als sie es vorher war. Dosür, datz wir eine halbosfiziellc Körperschaft geworden sind, werden wir auch einen Preis zu bezahlen haten. Es wird nicht ohne Reibungen und nicht ohne Schwisrigkeitkn gehen. Infolgedessen Halle ich diöse Pfl chien und diese Rollesür eine sehr schwierige und sehr ernste. Wer n wir von „Partnerschaft" sprechen, so dürfen wir doch nie vergessen, datz der andere Partner viel stärker ist. . Zu Punkt 3 sagte Weizmann: Wir wünschen in allem Ernst "und mit aller Aufrichtigkeit dre Heranziehung anderer Elemente und anderer Kräfte, gleichgültig, wer sie siud und aus welchen gesellfchastlichen Schichten sie sich rekrutieren, wenn sie nur ebenso ernst und ebenso aufrichtig für den Ausbau Palästinas find und arbeiten wollen wie wir. Ich kann mich aber aus der vielleicht begrenzten bisherigen Erfahrung des Eindrucks nicht erwehren, datz hie Verhandlungen mit , WrrJUrärm. Ar. 36 «ettr S diesen anderen Elementen desto erfolgreicher sein werden, je stärker und bester die Zionistische Organisation selbst sein wird. Nur mit einer gestärkten, mit einer wohlorganisierten und arbeitenden Zionistischen Organisation, die aus ihrer Stärke und nicht aus ihrer Schwäche heraus den Appell an die anderen richtet, werden sie wirklich Zusammengehen. Nun zu Punkt 4, der erklärt, datz es der Wunsch der Zionisten fei, datz die Jervich Ag'cp das gesamte jüdische Volk repräsenirert. Es ist uns allen klar, datz dieses Ideal sehr langsam zur Verwirklichung gelangen wird und die Jewish Agency wird vielleicht nur dann alle Juden repräsentieren, wenn eine starke und blühende Judenheit in Palästina ist. Das streben wir an und wollen nach bestem Wisten und Können daraushinarbeiten. Ich mache mir keine Illusionen darüber, datz wir die sogenannten anderen schnell gewinnen werden, auch darüber nicht, datz die anderen uns alles geben werden, was uns fehlt. Wir dürfen ihre Mitarbeit nicht als das rettende Heilmittel hinstellen, das Heilmiitel ist noch immer nur unsere eigene Anstrengung. Und zuletzt, datz nur, wenn die Zionistische Organisation selbst gestärkt wird, wenn sich an sie langsam die anderen Elemente zur Mitarbeit angeschiossen haben, durch die gemeinsame Arbeit es gelingen kann, den Weltkongreß zu einem Erfolg zu machen Ich betone, datz wir uns die Mitarbeit der anderen auch so denken, datz sie nicht nur die Rechte, sondern auch die schweren Pflichten der Jewish Agency mit uns teilen und die finanziellen Lasten zum Teil auf sich nehmen. Die diesbezügliche Tätigkeit ist in den Paragraphen 4 und 5 vorgezeichnet. Das ist ungefähr der Rahmen der Arbeit, die uns für die nächste Zeit vorschreibt: mit den anderen und der Mandararmacht zu verhandeln, eine Balls für die Jewish Agency zu schassen, Kräfte und Finanzen mit heranzuzlehen. Wir verschließen unS nicht der Ansicht, daß das schwierig sein wird, aber ich glaube nicht,' datz es schwieriger sein dürste als das, was bisher geleistet wurde. Die Resolutionen der Exekutive werden Punkt 1 und 2 ohne Widerspruch, Punkt 3 mit allen gegen die Stimmen des Misrachi, Punkt 4 und 5 fast einstimmig angenommen. Struck begründet üte ablehnende Stellung des Misrachi zur Resolution 3. Mit der Einberufung des Weltkongresses habe die Zionistische Organisation eine ungeheure Aufgabe auf sich genommen, die alle unsere Kräfte in Anspruch nehmen wird. Durch Einberufung des Zionistenkongresses könnte der Weltkongreß gefährdet und vielleicht unmöglich gemacht werden. Darum trete der Misrachi dafür ein, daß der Zionistenkongreß sobald als möglich nach dem Weltkongreß etnberufen werde. Die Schlußsitzung findet Freitag Nachmittag 3 Uhr statt und wird mit der Abstimmung über das Budget eingeleitet. Alle Vorschläge gelangen zu Annahme, ebenso ein Antrag auf Bildung einer Studienkommission, die die Reorganisation aller zionistischen Jnstitulionm zu prüfen hätte. Nach Verlesung mehrerer Begrüßungstelegramme wird die Iahreskonferenz mit Schlußreden Weizmanns und Sokolows geschloffen. Segen Sie llvwskilclie Nsvlogle. Aratiskar»«*, 25. August. Wie bekannt, haben sich vor einigen Wochen die Neologen- und einige Status quo-Gemeinden in der Slowakei unter dem irreführenden Namen „Jüdischer Grmeindebund" organisiert und dabei ebenfalls mit wenig Aufrichtigkeit den Schulchan Aruch als Basis ihrer Organisation angenommen. Die Rabbinerkommission und die Landeskanzlei der orthodoxen Landesorganisatton versenden nun ein Rundschreiben an die Rabbiner des Landes, worin festgestellt wird, daß die neue Organisation und die täuschenden Beschlüsse der konstituierender Versammlung an der bisherigen entschieden ablehnenden Haltung des gesetzestreuen Judentums den neologen Gemeinden gegenüber nicht das geringste zu ändern vermochte, und daß der Jffur, der seinerzeit bei der offenen Lossagung dieser Gemeinden vom Schulchan Aruch gegen sie, ihre Rabbiner, Schochtim und Institutionen verkündet wurde, auch fernerhin uneingeschränkt in Kraft bleibt. Das Zirkular ist unterzeichnet für die Nabbinerkommission von Oberrabbiner Schreiber (Bratislava), Oberrabbiner Katz (Nttra), Oberrabbiner Tiegermann (Novs Zamky, Oberrabb. Weinberger (Dunasla Sheda) und Oberrabbiner Jungreis (Kosiee)/ für die Landeskanzlei vom Präses Oberrabbiner Weber und Vizepräses Rabbiner Hirschler. Das Zirkular wird seine Wirkung auch auf neologe Kreise nicht verfehlen und jedenfalls dazu beitragen, daß in Zukunft mit offenem Visier gekämpft wird, wenn Neologe und Zionisten sich zur gemeinsamen Bekämpfung des gesetzestreuen Judentums zusammenschließen. Molen. Muser MMe Warschau, 31. Aug. Eine jüdische Delegation aus Wilna, angeführt von den Herren Dr. Wigodsky und Dr. Schabbath, wurden vo n Ministerpräsidenten Nowak und dem neuen Vildungsminister Dr. Kamunicki empfangen, die die jüdischen Wünsche in Zentrallttauen, besonders bezüglich der Anerkennung und staatlichen Subventionierung der jüdischen Schulen aufmerksam anhörten. Die Minister versprachen, die Frage zw prüfen und ihr volles Interesse zuzuwendeu. England. ver Ab 9er Jewlfft flgency «London, 31. August. Das britische Colonial Office hat ein Schreiben an die zionistische Organisation gerichtet,- worin zwecks Vorbereitung der ansfichreuden Bestimmungen zu Paragraph 4 des Palästinamandates verschiedene Aufklärungen über die Beziehungen der zionistischen Exekutive in London zum palästinensischen Waad erbeten werden. Das Colonial-Amt regt an,- als Sitz für die Jewish Agency nicht Jerusalem,^ sonberu vielmehr London zu wählen. Die Verhandlungen der Karlsbader Konferenz haben mit einem Siege der Weizmannschen Anschauungen geendet,- wonach die Jewich Agency durch Gewinnung von Vertretern anderer jüdischer Organisationen, sowie hervorragender an Palästina interessierter Einzelpersönlichkeiten erweitert werden soll. Infolgedessen .haben die Herren Soloweitschik, Jabotinski, Motzkin und Lichtheim als Vertreter be£: Monopo't--Ziionismus ihre Aemter in der Exekutive medergelegt. Natästtna. 3eru[alemer Brief- (Arabiche Agitationen. - Die Mekka-Pilger. - Ueb erfülle. — Die Stellung TransjordanienS. — Das Oberrabbinat und seine Beleidiger.) Iernsatem, 25. August. Wie nicht anders zu erwarten war,- hat die Rückkehr der arabischen Delegation aus London nach Palästina das Signal zu erneuter Unruhe unter der arabischen Bevölkerung und zn ntöivcherlei rednerischen, aber auch tätlichen Ausfälle:: gegen die Juden gegeben. Der in NMus (dem alten Schechem) tagende arabische Kongreße hat die Delegierten enthusiastisch begrüßt und u. a. den Beschluß gefaßt, eine Delegation nach Amerika zu entsenden, um unter den dortigen Arabern die nötigen Geldmittel zur Fortsetzung der anti-englischen und anti-jüdischen Propaganda in den moslemischen Ländern auszubringen. Auch ans Mekka kommen beunruhigende Nachrichten. Die dort um de« König Hussein versammelten arabischen Pilger aus allen Länder:: des Ostens werden, gegen alles Jüdische, darüber hinaus gegen alles Europäische, mit allen Mitteln einer geschickten, nationalistischen Propaganda fanatisiert. Eine eigens gewählte Kommission soll die Pilger ständig politisch beeinflussen und unter der Parole: „Der Orient den Orientalen" zur Unabhängigkeit von den europäischen Einflüssen erziehen. Man spricht von einem Boykott gegen Engländer, Franzosen und Juden. Raubmorde und sonstige Ueberfälle gegen Inder: haben sich in den letzten Wochen und Tagen an verschiedenen Orlen des Landes^ bei Haifa? in der Nähe von Jerusalem und ein-

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