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Der Israelit · 1922-09-07 · Heft 36 (7.9.1922) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 36 (7.9.1922)
Date
1922-09-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Geste 4. Nr. 36 Dsr' JSraettt. 7. September 192$ fyattt: „Der Gott eures Vaters sprach zu mir in der vergangenen Nacht: „Hüte dich mit Jakob zu reden jn *11? 211DÖ gutes oder böses". (Gen. 31, 29). Nun hat aber, tvie weiter berichtet wird, Laban trotz des Verbots mit Jakob Reden gewechselt. Wie ist das zu erklären? Wir werden den Ausdruck verstehen, wenn wir ihn - mit Lev. 5, 4 vergleichen: „Wenn eine Person schwort mit den Lippen nnssprechend Irr a’tDVn- Die richtige Uebersetzung dieses Ausdrucks ist, wie das auch die Halacha sagt, „etwas zu unterlassen oder etwas zu tun." jni1? bezeichn er erwasMuzatmes und etwas Positives. Ebenso heißt es Gen. 24, 50: „Wir können zu dir weder gutes noch bö-ses reden", d. h. weoer zuraten, noch abraten. Nun wird uns auch das Wort Labans klar. Er dürfte mit Jakob nicht „gutes oder böses reden", d. h. seine Entschließung weder positiv noch negativ beeinflussen, dagegen über Dinge zu reden, die nichts mit der Weiterreise oder der Rückkehr zu tun hatten, war ihm nicht verboten. 29. Das Erbe. Ps. 68, 10: „Reichlichen Regen spendetest du, o Herr, ,1*031 dein Erbe, das ermattet war, richtetest du auf." Was bedeutet das „und" in 1*031? Die Antwort dürfte lauten: Hier liegt ein Wortspiel vor. Das Wort 11?13 klingt an das passive Partizipium von 1VN krank sein an. Der Psalmist will beide Bedeutungen, Erbe und krank miteinander verbinden, und es wäre daher sinngemäß am besten zu übersetzen: „Dein Erbe, das krank und ermattet war, richtetest tm ans." 30. Eine dunkle Naschiftelle Mischna Rösch Haschana 23 d enthält Bestimmungen über die, welche am Sabbat zur Rettung aus Gefahren herbeieilten, darunter auch 1131 [IS vom Strome. Hierzu bemerkt Raschi: ,^Bom Stronie, der plötzlich anschwillt und die L-tadtleute D'TTl 1kl und die Kinder überschwemmt^. Weshalb Rajchi hinzufügt: D'I^VT 181, ist rätselhaft. Vielleicht kennt einer der Leser eine befriedigende Erklärung. Deutsches Retrh. Die no( der Lehrer und Kulfusbeamten. Rerttu, 5. Sept. Der„Deutfch-Jsrael itische Gemein debund" erläßt einen Aufruf zur Zeichnung von Beiträgen für die von ihm eingeleitete Hilfsaktion zur An pass un g der Lehrer- und Beamtengehälter an die Zeitverhältnisse. Der Bund bat von der in seinen Etat eingestellten 1 Million Mark durch Umlage von lgjg auf seine Bundesgemeinden nur Mk. 460,000.— erlangt und bittet nun die Oeffentlichkett um die fehlenden Mk. 600,000.—! (Das Ganze ist e!ne°S ch m a ch für die Großgemeinden, die hier offensichtlich Boykottpoltttk treiben,' es wird darauf zurückzukommen fein. Red.) Ts djjedjxr-gtlütwakei. Die MmMschs Jahreshonferenj Karlsbad, 30. August. In der Sitzung vom Sonntag wird nach einem Berichte Löwenherzs vom Permar.enzausfchuß die Debatte eingelcitet, die sich in der Hauptsache um das Mandat, die„Jewish Agency" und die Einwanderung dreht. Goldöerg- Amerika warnt vor großen Gesten und starken Phrase.?, die der Sache der Heimstätte nur! schaden. Allgemein wird die Notwendigkeit betont, Palästina für die freie Einwanderung zu öffnen und ein Zusammenarbeiten mit den Arabern anzustreberr. De Lieme-Holland sagt, die neue und unbefriedigende Interpretation, die die Balfournote bet der Ratifikation erfahren hat, sei der Haltung der Organisation in der Legionfrage und gegenüber der planlosen Ein« wanderug zuzuschreiben und er fragt, wie sich die Leitung berechtigt fühlte, auf die Reduzierung der jüdischen Rechte ohne weiteres einzugehen. Er verlangt in der Jnnenarbeit auf Grund des Mandates, eine Aenderung des ganzen Systems. Dr. Jacobson erwidert auf die Angriffe ke Ltemes. Kaplansky von „Poele Zion" behandelt die Sache vom Standpunkte der Arbeiterschaft. Auf all die Einwendungen erklärt dann Motzktn namens der Exekutive: „Die unangenehmen Teile des Stareurc-ltts, auf die in der Diskussion ltzugewiesen wurde, hat die Exekutive sehr genau erkannt und hat Versuche gemacht, diese Stellen zu verbessern. Aber da die Bestätigung des Mandates ans dem Spiele stand, so mutzte die Exekutive ihre Bedenken zurückstellen. Bei der vorausgegangenen Völkerbundstagung in Genf hat sich gezeigt, welche Gegnerschaft sich gegen uns herausbikdet. Es waren Mächte erwacht, die viel stärker sind als wir, und sie suchten das Mandat zu verhindern.' Dazu kommt, daß nicht einmal das ganze Iudrnium mit uns war, nicht einmal der ganze Zionißmus, obwohl wir wenigstens bis zum Mandat eine geeinte Front hätten baben müssen. In einem so wichtigen Zentrum wie Paris haben sehr bekannte zionistische Persönlichkeiten in einer Weise von der zionistischen Leitung gesprochen, die die Leitung in den Augen der Welt he: absetzen mußte. Wir mutzten fürchten, datz auch die englische Regierung es schließlich satt bekommt, wegen des Zionismus den Kampf gegen diese Faktoren zu führen. Obwohl ich selbst gegen den Inhalt des Statements Bedenken hatte, übernehme ich die solle Verantwortung dafür, daß unter diesen Umständen die Zustimmung gegeben wurde? Nachdem A ellin die Stimmung in Palästina wiedergegeben, ergreift H. Färb stein namens des Misrachi das Wort und wendet sich u. a. in scharfer Form gegen die Haltung der Exekutive in Sache des Eherechtes. Die Englische Regierung hatte vorgeschlagen, für das jüdische Eherecht das jüdische' Gesetz in Anwendung zu bringen,' Dr. Weizmann aber hatte, ohne sich mit den maßgebenden Instanzen zu verständigen, den Vorschag abgelehnt und gefordert, daß nur dann das jüdische Gesetz gelten soll, wenn Mann und Frau zustimmen. Das wäre ein Attentat auf die heiligsten Gefühle des religiösen Judentums, ein Attentat aus die künftige jüdische Gesetzgebung in Erez Jisroel. Hier war eine Gelegenheit, Fühlung mit geeigneten Vertretern der - Orthodoxie zu finden, es sei aber von der Exekutive versäumt worden. "Es sei ein großer Fehler, den man immer wieder begehe, daß man nicht mit den Forderungen der Orthodoxie rechne. Im Namen des Misrachi gibt er folgende Erklärung ab: „Der Misrachi drückt der Exekutive Dank und Anerkennung für ihre politische Tätigkeit aus, die zu dem Erfolge der Bestätigung des Mandates für E'.ez Israel und der Schaffung der Jewish Agency geführt hat, welche dem jüdischen Volke die Möglichkeit zum Wiederaufbau seines nationalen Heims in Erez Israel geben wird. Mit Rücksicht auf die bedauerliche Erklärung der Zionistischen Organisation betreffend das Statement des britischen Kolonialministertums über die britische Politik in Palästina, sowie auf die durchaus falsche und unjüdische Haltung der Exekutive in derFrage des P ersonalstatus in der künftigen Verfassung für Palästina bedauert der Misrachi, au dem Ausdruck des Vertrauens der Leitung gegenüber nicht teilnehmen zu können." Es sprechen noch Kleinmann-Kowno und Grünbaum-Polen, die beweisen, daß der Zionismus heute weniger wie früher die Massen innerlich beherrsche. Meronminsky von „Zeire Zion" bringt einige Illustrationen, wie das Mandat im Leben aussieht: Am Tage der Ratifizierung hat man 135 Einwanderer, die mit englischen Bisen imch Palästina kamen, zurück geschickt. Wenn man 600 Hümlose nach Palästina schicken will, braucht man eine Fürsprache der Nansen-Kommission. Die italienische Regierung hat die Visa-Gebühr ermäßigt, das englische Visum beirägt bis heute ein Sechstel der Reisekosten und man konnte noch keine Ermäßigung erzielen. Er polemisiert ferner gegen Misrachi, dessen Vertreter in der palästinensischen Leitung sich sehr für die Errichtung neuer koscherer Küchen interessiere, aber bei der'Ausgabe der Einwanderungszertifikate allerlei Protektionen walten lasse. Nach Warschau, wo über 1000 Immigranten auf die Einreisebewilligung monatelang warten, wurden von 450 Zertifikaten nur 70 geschickt. Dann könne man nicht im Volke sagen, daß Erez Jtsrael eine konkrete Sache sei, für die man Keren Hajeffod zahlen muß. Der Misrachi habe auch die Affefath Niwcharim geschwächt. Er wünscht eine Rekonstruktion der zionistischen Leitung, aus der mehrere Personen beseitigt werden müßten. Nach einer Bemerkung Aellins erhält das Wort Dr. Weizmann zu einer großen Schlußrede. Er betont nochmals, daß die Mchtannahme des Weißbuches den Abbruch der Beziehungen zu England bedeutet hätte. Auf die Erklärung des Mtsracht führte Weizmann wörtlich aus: Die erreichte Rutenberg Konzession steht aber auf dem Papier. Wir waren noch nicht imstande, sie zu einer Wirklichkeit zu wachen. Da liegt unsere Schwäche und ich könnte Ihnen noch eine ganze Liste von Dingen auszählen, die wir hätten machen können, wenn wir dies und das gehabt Härten. Seit 25 Jahren will die Zionistische Organisation einen verzauberten Kreis durchbrechen, aber es ist ihr noch nicht gelungen. Unser- Wollen ist unvergleichlich größer als unser Können und es ist die Kunst des Staatsmannes, zwischen Wollen und Können zu lavieren, um nicht — und damit sage ich bas traurigste — den Eindruck zu erwecken, datz wir nur eine leere Faffade präsentieren, hinter der nichts steht. Unsere Freunde vom Misrachi, haben mich, oder besser uns gerügt für das Mand-lt, für die Immigration, für dies und jenes und darunter für ein schweres Vergehen, für ein „Atttn'al gegen die jüdische Religion." Wenn wir der englischen Regierung den Vor- 1 schlag machten, vorläuMnoch nicht dem nicht-fundierten palästinensischen Rabbtnat Staatsgewalt einzuräumen, so war das kein Attentat auf die Religion. Dü ich mich in diesen Sachen wirklich nicht für kompetent halte, so habe ich dem Präsidenten des englischen Misrachi konsultiert — und ich teile die Rüge des Misrachi mit dem Präsidenten des englischen Misrachi... Als das A. C. diesen Versuch der Exekutive als unrichtig ansah, wurden alle Schritte getan, um die Sache rückgängig zu machen. Trotzdem bin ich bereit, die Rüge des Misrachi anzunehmen. Meine Herren vour Misrachi, Ihr Präsident hat uns, als wir im Kampfe standen, einen Stich versetzt. Ich habe den Misrachi aufgefordertdazu Stellung zu nehmen und der Misrachi hatte nicht den Mut dazu, weil es ein hochgestellter Herr ist. Ich rüge den Misrachi für einen Mangel an politischem Mut. Andere Leute, die nicht Zionisten waren, haben den Fehler gutgemacht, Sie aber haben nicht die politische Mannhaftigkeit gezeigt, es zu tun. Es folgen persönliche Bemerkungen, bei denen Sokolow die „politische Debatte" sehr unpolitisch nennt. — Struck (Misrachi) wendet sich gegen Dr. Wetzmanns Bemerkung über das Interview mit Sir Stuart Samuel. Sir Stuart Samuel sei niemals Präsident des Misrachi, und zur Zeit des erwähnten Vorganges auch nicht mehr Mitglied der Exekutive des Welt-Misrachi gewesen. Redner protestiert gegen den Vorwurf politischer Feigheit. Nach einem Berichte von Dr. Emil Morgulies gelangen Bestimmungen der Geschäftsordnung zur Abstimmung und teilweisen Annahme. * * « Ka?ts-ab, 3. September. In der Nachmittagsfitzung der Jahreskouferenz vom Dienstag referierte Dr. Rupptn über „die wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina". Er spricht von dreierlei Aufgaben in Palästina: Rein geschäftlichen, bei denen das Kapital sicher angelegt und ein Zinsenertrag mit Bestimmtheit zu erwarten ist/ ungeschäftliche, bei denen keine neuen Sachwerte geschaffen werden und halbgeschäftlichen, bei denen zwar das Kapital in Sachwerten angelegt wird und einen Aktivposten hinter sich läßt, die Verzinsung aber unsicher bleibt. Er wäre sehr dafür, möglichst viel der

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