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Der Israelit · 1922-09-07 · Heft 36 (7.9.1922) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 36 (7.9.1922)
Date
1922-09-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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9b. 36 Seite S 7 September IVB. muirgerr Widerstand M leisten,- die in der Po- Mk oft zu gefähilichen MgeMicksentfchWssen süH'ren. Die 6 Mandate der Orthodoxie in einem Unftigen Wehm wären,- so möchten wir glauben, jedenfalls eine dauernde Verschlechten rrung der Beziehungen zwischen der orthodoxen Masse und den maßgebenden politischen Kreisen Polens nicht wert. Mindestens müßte mit noch größerer Entschiedenheit als bisher betont werden/ daß es sich bei dem Block um ein reineA Wahlbündnis ohne jede wettere Bindung handelt. palWna-Konarrß und Zrwlsh Agency. Die soeben zu Ende gegangene zionistische ZahreZkonferenz in Karlsbad hat sich, wie zu erwarten war, mit großer Mehrheit hinter die Herren Weizmann und Sokolow gestellt und die Hoffnungen der radikalen Zionisten, wie sie insbesondere J'ewish Chronicle vertritt, zu Schanden gemacht. Das englische „Regierungsstatement"^ das die Balfour-Deklaration zu einem Wechsel aus lange Sicht und zu einer bescheidenen Siedlungserlaubnis, hinunterinterpretiert hat,- ist von der zionistischen Organisation vernünftigerweise damit endgültig, wenn auch nicht ohne Bitternis, akzeptiert worden. Vielleicht ist es gut so, daß auch in zionistischen Kreisen nach allem Uebermut und frevelhaftem Glockengeläute aus bitteren Erfahrungen eine Ahnung der Wahrheit reift, die für den gesetzt e s t r e u e n Jpden nichts Neues euthälb der Wahrheit, daß „der (wahre) Zionismus trotz Balfour-Deklaration und Mandat kein Werk ist, das von heute auf morgen verwirklicht wird, sondern ein schmerzensreicher, historischer Prozeß" (Robert Weltfch in der „Jüd. 3iuudschau"). Freilich, der Zionismus hat noch viel in ehr hinzuzulernen. Noch immer erblickt nicht nur der Verfasser des eben zitierten, von ehrlichem Wahrheitsmut getragenen Aussatzes,- sondern auch ein sehr großer Teil der in Karlsbad zum Rate Berufenen verhängnisvoller Weise in dem „Vertrauen auf die eigene Kraft" den Schlüssel zu der Pforte,- die in daS Land der jüdischen Zukunft hm entführt. Das Vertrauen zur eigenerr Kraft allein — mag es nun die Kraft des ganzen jüdischen Volles oder gar nur die der zionistischen Organisation sein — wird aber zum unvermeidlichen Zusammenbruch aller Erlösungshoffnwigen führen, die vielmehr gänzlich und ausschließlich vott dem Verhalten der jüdischen Volksgesamtheit zum göttlicher: Nationalgesetze abhängen. In Karlsbad hat man von. dieser natio- O« Lsraeltt._ nalen Grundwahrheit natürliche wieder kein Sterbenswörtchen gehört. Die Meinungen hinsichtlich der Gestaltung der „Jewish Agency" nuancierten sich vielmehr lediglich nach dem größeren oder geringerett, Maß von prttöS zur — zionistischen Partei und ihrer finanziellen Kraft. Einige Radikale meinten: der Starke ist am mächtigsten allein: die zionistische Partei solle sich der glücklich erstrittenen öffeutlich-rechtlichett Anerkennung - in gesundent Egoistnus als alleinige Inhaberin der eingetragenen Agenturfirma/ freuen, unbeschadet des Rechtes der orthodoxen und philantropifchen misera contribuens plebs, ihre Kapitalien in die zionistischen Kassen fließen zu lassen. Die Leitung und die Mehrheit Waren ein klein wenig bescheidener und klüger. Weizmann sprach in seiner Eröffnungsrede von der Absicht, mit den jüdischen Organisationen und hervorragenden Einzelpersonen wegen Erweiterung der Jewish Agency iit Verbindung zu treten. Er hatte sich damit offenbar etwas zu weit vorgetvagt, denn die schließlich nach langem Feilen . und Kneten aus dem Kompromißjweg zustande gekontmenen Resolutionen kennet: nur einen Weg, um eines Tages aus der jetzt konstiMierten zionistischen Partei-Agentur eine .jüdische Agency zu schaffen: den des Palästina-Kongresses aus allgemeinen Wahlen. Wir haben unsre Stelluttg zu der Frage eines j ü d i s ch e n Weltkongresses überhaupt in den letzten Jahren wiederholt ausführlich dargelegt. Wir lehnen einen solchen allgemein-jüdischen Weltkongreß auch heute noch aus religiösen und politischen Gri'mden mit aller Entschiedenheit ab und Haber: zu den: gesunden Instinkte der jüdischen Politiker tu allen nichtzioniftischen Lagern das Zutrauen, daß sie die lebenbedrohenden Gefahren eirtes solchen, att sich zwecklosen Unternehmens umso erttster würdigen tverden, je mehr sie sich damit beschäftigen. Daß ein auf die Fragen des wirtschaftlichen Ausbans Erez JDroels! beschränkter Kongreß an sich wesentlich weniger Bedenken begegnen würde, geben tvir gerne zu. Allein auch ein solcher Fachkongreß für Palästinafragen müßte vor allem vor dem dreifachen Mißbrauch geschützt sein: ein propagandistisches Instrument in der Hand der zionistischenationalistischen Parteipolitiker oder die Keimzelle eines allweltlichen jüdischen Parlaments oder auch nur eine religiös-kulturelle Oberbehörde für Palästina zu werden. Mlgemeine Urwahlen für einen solchen Fachkongreß wäret: aber uttsres Erachtens sehr wohl geeignet, dieße drei Gefahren auf einmal Heraufzubeschwören,- Gefahren, die nicht einmal von dem Vorteil einer allgemein-jüdischen Jetvish Agency ausgewogen würden. Wir fürchten daher, das soll schon heute ausgesprochen werden, daß eine ehrliche Zusammenarbeit aller jüdischen Kräfte für den wirtschaftlichen Aufbau des heiligen Landes durch die Verquickung der Agency-Frage mit den: Weltkongreß keine Förderung erfahren hat. Jüdische Gedanken. Bon Rabbiner Dr. S. Kaatzln Hindenburg O.-S. (Schluß.) 25. Atter und Jugend. PN12&3 “Ijnn; Nicht rühme sich der welcher das Schwert anlegt, gleich dem, der eS ablegt." (1. Kön. 20, 11). Das ist ein Spruch, der auf die Jugend angewandt Werder: kann, die den Lebenskatttpf beginnt. In ihrer schnellen Begeisterurtgsfähigkeit steht sie die Erfolge schot: errungett, die sie erhofft. Das ist ihr Glück, aber auch ihre Gefahr. Erst, wenn inan das Schwert ablegt, wenn man im Alter auf feilt Leben zurückblickt, läßt sich ein Urteil itBer das Ergebnis der Käntpfe gewittnet:. 2V. Die Güte. In dem Segettsspruch, ben wir bei der Kunde von glücklichen Ereignissen sprechen, preiset: wir Gott S1VN „der gütig ist und Gutes erweist." (Berachot 54 a). Der 8lusdruck 2'VVN schlicht den Gedanken ln sich, daß Gott „zur Güte führt". Wie er gütig ist, will er, daß mir seine Wege Nachahmer: und gütig feiert. 27. Ans dem Rafchiko mitten tat. Auch die gramrnatischen Bemerkungen, die Raschi in seinem Pentateuchkommentar bringt, körnten bet Zuhilfettahme des Drasch eine Anknüpfung zu erbaulicher: Zwecken bietet:. Hiersttr ein Beispiel. Anfang nw sagt Nascht zu bem Wort n*onn Mühsal (Ex. 18, 8) ,/ks7»K Nv? gehören zum Grundwort, während vr. ein Bildungskonsonant ist. der oft absällt." Das Gmrtdwort von Mühsal ist also „nicht". Man hält für Mühsal, was im Grunde nichtig ist. Erft dadurchdaß man der Mchtigkeit ein n anhängt, eilten Buchstaben, der den höchsten Zahlenwert hat, wird aus einem Nichts Mühsal. Wenn die große Zahl, die große Bedeutung, abfällt, dann wird aus der vor- Mi'hsal X- „nichts". 28. Gutes oder Böses. Laban sagte zu Jakob, als er ihn eingeholt Leben- und die Verwirklichung unserer Ideale zeigt, so daß das Wort des Propheten zur Wirklichkeit reift: „Und Böker gehen zu deinem Lichte und Könige zu deinem Strahlenglanze." Bon solchen Gedanken beseelt, können wir nur hoffnungsfroh und lebensmutig vorwartSblicke^ und voll edler Triebe und guter Vorsätze mit dem Willen zum Judentum uns dem Höchsten weihen. Das neue Jahr findet uns dann gerüstet zum LebenSkanrpf und gefestigt zum Tragen und Dulden, bis schließlich die Erlösung naht n *ib '»ni «W und dir Gott zum ewigen Lichte wird und dein Herr dir zu deiner Herrlichkeit .... ^>2# „und vollendet sind die Tage deiner Trauer." Kleines WAeton. Der Lhasa«. Bon Jacob Wechsler in München. 1. Er war nicht stattlich von Figur Und ach! Der Mädchen Fantasien Sie konnten doch ihn denken nur Als Romeo oder Lohengrin. 2. Und freilich war er auch kein Held, Geschaffen für das Rampenlicht. — Theaterspiel war nie sein Feld Und Pose, die verstand er nicht. 3. Doch wenn er stand ans der Empore, Mit Kahal im Gebet vereint, Dann wuchs er über sich empor Und wahrhaft groß »r jetzt erscheint. 4. Er singt nicht nur mit Kraft der Kehle, Sein Sang von Herz, zu Herzen zündet. .Die heiße Inbrunst seiner Seele In jeder Brust ein Echo findet. 5. Und aus dem unbegrenzten Meer Der jüdischen Leid- und Freudentränen Die schönsten Perlen schöpfet er Und reicht sie dar in gold'nen Tönen. 6. Und sieh! — Aus ihren Gräbern steigt Der Ahnen Reih' in weißen Linnen, Und an der Spitze Mose zeigt Nach Kanaan mit ernsten Sinnen. 7. Dort glänzet auf Morijas Höhn Das Beth-Hamikdasch hoch und hehr. Und fromme Pilger in ihm stehn Und singen Psalmen Gott zur Ehr'/ 8. Doch weiter geht der Zug nttb weiter Nach Babylon und Rom hinan; Das Galuth-Leid ward sein Begleiter, Märtyrer zeichnen seine Bahn. — - 9. Zehn heil'ge Männer sind's vor allen, * Rabbi Akiba in der Mttep, Die für die Thora einst gefallen Und tausend Martern um sie litten. 19. Da horch! Erlösungston erklingt Jetzt jubelnd aus des Chasans Munde. Die traute Sukkoth-Weis' er singt. Und einstimmt auch die Geisterrunde. 11. Und wend't sich dann mit sel'gem Blick Dahin, von Wannen sie gekommen; Zum heil'gen Land wallt sie zurück, Dar Gott verheißen seinen Fromme«. l 12. So zieht des Chasans mächtig Lied k ' In seinen Bann der Andacht Geister. — | Es jauchzt und schluchzt das Bolksgemüt, Mit ihm als Gottesdienstes-Meister. 13. Sein Sang hat in des Bolkes Herz Ein herrlich, Denkmal ihm gegründet, Das dauernder als Stein und Erz, Pon seinem Ruhme ewig kündet. Sabbat-Mkaug and Jftsgatg. man naitf* O 11: Z? fang Min. D 1022 ä §i\ Hang Mnl Frankfurt a. M. 6 ao e. 16. 7 40 Berlin . . . 6 35 Sepr. El»! 1 20 München . . 6 30 7 30 Eölu.... 6 35 7 50 Stuttgart. 6 30 7 32 Breslau . . 6 01 7 0l Nürnberg. 6 20 7 33 6 36 7 36 Kamiliennachrichlen. Geburten. Eiue Tochter: Leopold Oppenheimer und Frau Recha, geb. Tachauer, Kttzingen am Main, Rosenstratze IS.

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