Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 15-16 (11.4.1922)
- Date
- 1922-04-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Sette 2 tix. 8. ,« l 6 111 x* 11 April M; Plenarsitzung -es Landeskomitees -er Ägndas-ZSroel in der Schweiz. Zürichs 31. März. Heißumstritteuc Tagesfragen im jüdischpolitischett Leberl veranlassen das Larweskomitee der Agudas Jisroel Schweiz) letzten Sonntag, zu einer Plenarsitzung zusammenzutreten. Ter Präsident, Herr Rosenzweig, begrüßte die zahlreich Erschienenen, vor allen bett hochverehrten Gast, Herrn Rabbiner Dr. Klein-Nürnberg'. Ter Herr Vorsitzende betonte, daß es Zeit sei, endlich Stellung zu nehmen zu den äußerst feindseligen Ausfällen, die tum gegnerischer Seite gegen. Agudas Jisroel unternommen werden. Gleich entspann sich auch eitle, lebhafte Tebatte, an der sich die Herren Rabbiner Dr. Lewen st ein- Zürich, Brom-Luzern, Dr. Klein-Nürnberg, sowie die Herren Eis, Weinstein, Krupernik und Herr Lehrer Antmann rege beteiligten. Im Verlaufe der Tebatte wurde dargestellt, daß Agudas Jisroel von jeher sich bestrebt habe, nach außen hin eine Einheitsfront zu erzielen. Herr Dr. Lewenstein hatte seiner Zeit im Auftrag der Agudazentrale Hexrn Sokolow in Paris den Modus überreicht, auf welcher Basis AgNdas Jisroel eine Einigung zu erreichen hoffte. Das Zentralbüro der Agudas Jisroel wiederholte nun in einen! eingeschriebenen Briefe der zionistischen Leiturig in London beit von Herrn Tr Lewen-? stein bereits Herrn Sokolow persönlich überreichten Modus. Es verstrichen einige Monate, ohne daß die zionistische Zentrale eine Antwort abgegeben habe. Nachdem dann der „Haderech" diesen Briefwechsel publizierte, erklärte das offizielle zionistische Crgau „Hnolom" iu London, daß die Zionisten überhaupt nicht gewillt seien, mit Agndat-Jisroe! iu Verhandlungen zu treten. Diese in unfreundliche Form gefaßte Erklärung veranlagte die Agnda-Zeutrale zu dem Entschlüsse. fortan ihre eigensten Interessen auch nach außen hin selbständig zu wahren. In diesem Sinne handelten auch unsere Gesinnungsgenossen in Jerusalem, als sich ihnen Gelegenheit bot, selbständig ihre heiligsten Interessen zu vertreten. Es nmrde hervorgehoben, daß es unsere Aufgabe setzt sei, Herrn Oberrabbiner Svnnenfeld und mit ihm die ganze unabhängige Orthodoxie Jerusalems finanziell wie moralisch mit ganzen Kräften zu unterstützen und unseren Gesinnungsgenossen im heiligcnLand beizustehen in ihrem Abwehrkampf gegen zionistische Vergewaltigung. Wenn auch nach Ansicht einiger Redner die zionistische Gesaintorganlsation für die Schmachtaten eines ungezügelten Pöbels nicht verantwortlich gemacht Werder. kann, sv rvurde doch von allen nrit Bedauern festgestelll, daß man aus gegnerischer Seite sich hin reißen ließ, zu glauben, durch Tätlichkeiten einer unberechtigten Entrüstung Ausdruck verleihen zu müssen. Es ist beschämend, wenn das offizielle (?) zionistische Organ „Haarez" sich rühmt, daß einer unserer Gesinnungsgenossen genötigt sei, in Begleitung von Schutzmannschaften die Synagoge zu besuchen. Unglaublich klingt es, daß der greise Oberrabbiner Sonnenfeld, sowie der greise Rabbiner Diskin gezwungen seien, Tag und Nacht in ihren Wohnungen Schutzpolizisten stationiert zu sehen. Erbitterung muß es Hervorrufen, wenn man hört, daß Herr Rabbiner Bernstein, ein Mann von über 70 Jahren, aus offener Straße mit einer Eisenstange zu Boden geschlagen wurde, sodaß sich ba$ Herbeiziehen ärztlicher Hilfe als notwendig erwies. Unter Zustimmung der ganzen Versammlung wurde Herrn Oberrabbiner Sonnenfeld der Tank ausgesprochen für seine mutige Haltung. In diesem Sinne faßte man eine Resolution, die durch das Zentralbüro weitergeleitet werden wird. Billige Zizitz. Wir geben an unsere Gruppen freibleibend Ziziß guter Qualität das Bündel (für 1 Tallis) zu 1« Mark. ab. Ta wir nicht allzu großen Vorrat haben, andererseits aber bei dem billigen Preis die Nachfrage sehr groß sein wird, erbitten wir Bestellungen baldigst an unsere Adresse aufzugeben. Agudas Jisroel JugendorgaitisaLwu, Köln, Händelstraße 19. Die slvvakische Orthodoxie und die Vorgänge in Zerusalem. Wien, 29. März. Anläßlich der Tagung der Landespräsentanz der orthodoxen Gemeinden in der Slowakei, die am 21. März unter starker Beteiligung der orthodoxen Rabbiner und Gemeindevertreter des Landes in Preßburg stattfand, wurde auch zu den Hetzereien der Zionisten gegen die Vertretung der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem.und gegen die Forderungen der Agudas Jisroel um 'gesetzliche Sicherung der jüdischen religiösen Gemeinschaften in Erez Jisroel und um bk Ermöglichung der Anteilnahme der selbständig in der Aguda organisierten Orthodoxie au der „Jcwish Agency Stellung genommen. Es wurde auf Antrag der eigens zu diesem Zwecke eingesetzten Kommission folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heute in Bratislava tagende Landesrepräsentanz der orthodoxen israelitischen Gemeinden in der Slowakei spricht ihren . Schmerz und ihre tiefste Empörung über die persönliche Bedrohung und tätlichen Angriffe gegen führende Persönlichkeiten des Judentums in Jerusalem aus. Die Versammlung gibt ihr vollstes Vertrauen zu dem „Waad Hoir Hoaschkenasi" in Jerusalem und zu seinen rabbinischen Führern Rabbi Diskin und Rabbi Sonnenseld kund, identifiziert sich mit ihren Forderungen und dankt für ihr mutiges Eintreten für die Interessen des orthodoxen Judentums." Sine elementare Wahrheit. Wien, 29. März. Endlich beginnt es auch? bei redlich denkenden Zionisten zu dämmern. Das zionistische Schauermärchen vom „Verrat der Aguda" und von der Palästina-Gegnerschaft der nicht in die zionistische Organisation eingetretenen orthodoxen Juden hat neben dem Unheil, das es in politischer und organisatorischer Beziehung für die Palästinasache angerichtet hat, auch etwas Gutes gestiftet, dadurch, daß manche Zionisten über die richtigen Wege zur Anteilnahme der gesetzestreuen Judenheit an einer zweckdienenden Besiedlung Erez Jisroels ernstlich nachzudenken versuchen. Els Erster unter diesen meldet sich, Hillel Z e i t f i u , bekanntlich ein grundfester Zionistenführer, in Nummer >66 des Warschauer „Moment" zum Worte. Er schreibt n. a.: „Die offiziellen Zionisten betrachten das eigentliche Verlangen der „Aguda" nach einer Vertretung in der „Agency" als „Verrat". Wie ist aber dieses Verfangen ein Verrat? Saget über mich was ihr wollt, ich fange es nicht an zu verstehen. Die Zionisten arbeiten für Erez Jisroel und die Agudas Jisroel will ebenfalls für Erez Jisroel arbeiten. In der gleichen Weise wie die Zionisten in der „Agentur" vertreten sind, so kann und soll auch eine andere Partei, die für Erez Jisroel arbeitet, dort vertreten sein. Das Bestreben der Zionisten, die ganze Erez Jisroel-Arbeit in ihren Händen zu konzentrieren, ist verständlich, es ist aber ebenso verständlich, wenn eine andere Partei, die in Erez Jisroel arbeiten will, in Erez Jisroel-Angelegenheiten auch ihre Meinung zu sagen bestrebt ist. Meiner Ueberzeugung nach ist dies eine elementare Wahrheit und eben diese elementare Wahrheit will ein Teil der Parteizionisten nicht verstehen. 'Deswegen sehen sie Reue A-u-a-Llterat«r. REt einiger Verspätung gelangt diese Woche Nummer 5—6 des „Haderech" zur Ausgabe. Den Hauptinhalt des Heftes bildet die Berichterstattung über die zweite Konferenz der Aguda- Organisation in Polen und die Stellungnahme zir den jüngsten Ereignissen in Erez Jisroel. Tie scharfe Feder von Ch. I. Eiß behandelt im „Excesse in Eren Jisroel" überschrieöenen Leitartikel diese Vorfälle, schildert zusammensassend das Verhalterl der zionistischer! Organisation zur organisierten Orthodoxie seit Kriegsschlttß bis jetzt und macht diese Organisation beziehungsweise ihre Leitung für die Üebergriffe der zionistischen Beamtenschaft irr Palästina, aber auch für die Verschärfung der Beziehungen zwischen der — ohnehin durch Antisemiten genügend ausgestachelten — arabischen urrd der jüdischen Bevölkerung des Landes verantwortlich. Tie zionistische Organisation wird nicht umhin können, auf diese scharspointierten Anklagen eine klare Antwort zu geben. Der Bericht über die Warschauer Tagung enthält auch einen Teil der dort angenommenen Resolutionen. Weitere Kreise hätten auch die von der Tagung angenommenen Beschlüsse über den Ausbau, der Landesorgänisation interessiert. Ben Mirjam setzt seilten Bericht über die Lage der ukrainischen Flüchtlinge in Rumänien' und Bessarabien fort. Nachrichten aus der Bewegung und Bücherbesprechungen schließen das interessante Heft ab. Soeben ist die erste stummer der in Kowno bött der litauischen Agudas Jisroel herausgegebenen und von M. G. Wolk redigierten hebräischen Zeitung „Haschowua" (die Woche) erschietten. Herr Wolk ist zugleich Mitredakteur des seit kurzem in jüdischer Sprache als Tageszeitung erscheinenden Kownoer „Jüdischen Lebens". Die erste Nummer der neuen Zeitschrift präsentiert sich sehr gut und enthält interessante Mitteilungen über die Restauration des gesetzestreuen jüd. Lebens in Litauen. Eine Dame, Pascha Wolk, beginnt eine Artikelserie über die Aufgabe der jüdischen Frau in der Gemeinschaftsarbeit vom Gesichtspunkte des orthodoxen Judentums. nssn Artur Höllischer über Palästina. 'Sic „Neue Rundschau"*) bringt in ihrer Märznummer Auszeichnungen von Arthur Höllischer über seine Palästinareise. Für unsere Leser dürfte es besonders interessant sein, daß Holitscher den Standpunkt der deutschen Palästina- Zentrale d^ Agudas Jisroel teilt, daß es vorläufig ein Unrecht sei, sachlich unausgebildete Chaluzim nach Palästina zu schicken, solange für dieselben leider nicht genügend Arbeitsmöglichkert ist. Holitscher ist auch der Ansicht, daß die zionistische Kommission selber dieser Meinung ist, wenn sie diese auch nicht offen einzugestehen wagt. Er schreibt: „Am liebsten möchte die (zionistische) Konunission — sie gesteht es nicht ein — aber es ist kein Geheimnis, es sickert durch — am liebsten möchte die Kommission der Zionisten zusammen mit der euFischerr Regierung und mit den wilden arabischen Nationalisten: „Stop! Stop Immigration!!" rufen, eine Hand aufheben nach allen Hafenplätzen der Erde: Kommt nicht herüber! Wir haben kein Geld für Euch, daher auch keine Arbeit. Bleibt — aus Idealismus — *) S. Fischer, Verlag. Berlin.