Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 15-16 (11.4.1922)
- Date
- 1922-04-11
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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11. Avril 1922, _. tu jeder Bewegung der Aguda nur Verrat und immer wieder Verrat. Sie sinnen keinen Augenblick über die einfachste Frage nach: Was soll denn die Aguda nun doch tun, wenn sie für Erez Iisroel und in Erez Iisroel arbeiten will? Man antwortet darauf gewöhnlich: „Wollen die Anhänger der Aguda für Erez Iisroel arbeiten, so können sie doch (wenn sie schon ihrer religiösen Ueberzeugung wegen allgemeine Zionisten nicht sein können) Misrachisten werden. , ' Diese Antwort ist aber nur dazu angetan, sich selbst zu täuschen. Die Agudaleute können Misrachisten nicht werden, weil sie sich von ihnen im bestimmten Anschauungen unterscheiden. Misrachisten können die Mitglieder der Aguda nicht werden, Zionisten — erst recht nicht. Erez Iisroel ist aber ihnen doch heilig und teuer. Was sollen sie also tun? — Sie müssen in Erez Iisroel nach ihrer eigenen Art bauen und schaffen. Sie müssen, zu diesem Zweck einen ganz besonderen Apparat für Erez Iisroel haben. Dazu aber müssen sie sich wegen einer Vertretung in der „Agency" bemühen." Weitere Proteste gegen die 7 " SMsse in Jerusalem. R eso! ntion der p o l n i s ch e u Landesorganisatio n. Sonntag, den 5. März, hielt die politische Kommission der polnischen Aguda-Landesorganisation eine Plenarsitzung ab. In derselben wurde die gegenwärtige politische Situation in Erez Iisroel eingehend erörtert und namentlich die Maßnahmen besprochen, die angesichts des unverantwortlichen Verhaltens der Zionisten zur Verhütung der Gefährdung des ganzen jüdischen Jischuw notwendig ivurden. Es wurde folgende. Resolution gefaßt: . Die auf der zweiten Aguda-Landeskonferenz angenommenen Palästina-Resolutionen sind der gesamten englischen Presse zu übermitteln und zugleich um Veröffentlichung folgender ,,Erklärung" gebeten werden: „Vom Standpunkte der Balfou^Deklaration, die wir als beit Ausdruck dringeno erforderlicher, historischer Gerechtigkeit betrachten, wonach der Rechtsanspruch, des Judentums auf Erez Iisroel von der ganzen Welt und alleri Regierungen als ein unverjährbares 'Recht, von Gott selber dem - jüdischen Volke verliehen, anerkannt werden soll, ist die Aguda in Polen der Meinung, daß das orthodoxe Judentum auf sein Recht, an allen zur Regelung der politischen, ökonomischen und religiösen Angelegenheiten wo ihr seid. Wir wissen nicht, was wir mit Euch beginnen sollen. Wartet ab. Sonst kommt die Katastrophe. Wir sehen sie nahen. Manche meinen, sie sei.schon über uns. Und mit er-, hobener Stimme: „Wollt ihr, daß'wir schließtlich den Industrie-Kapitalismus hereinlasfen, um Arbeit für Euch zu finden? Wollt Ihr, die Ihr im Gallith Proletarier gewesen seid, Ausgebeutete im Heiligen Lande werden? Stop!" -— Holitscher berichtet auch von einer Chäluzim-GruPpe in Berseba, die er am Freitag abend besuchte und mo man sich von ihm einen Vortrag über Sowjet-Rußland erbat. Die Zuhörer tranken, aßen und rauchten, und zwar weil man den Freitag abend feiern wollte, sowie er von anderen Chaluzim berichtet, die zu Ehren d e s S a b b a t s dem F u ßb a l l s p o r t huldigten. Es ist immerhin erfreulich, daß der „Haarez", das offizielle zionistische Organ Palästinas, welcher den Artikel Holwitscher wörtlich übersetzte, diejenigen Stellen wegläßt, welche von der Sabbathentweihuna handeln. l fiiifr " _ der jüdischen Siedlung in Erez Iisroel sowie vermittels seiner Vertretung, der Agudas Iisroel, an der Jewish Agency und an allen der Mandatmacht berufenen Organen Anteil zu nehmen haben, nicht verzichten dürfe und wolle. Das orthodoxe Judentum ist der größte und ökonomisch stärkste Teil des jüdischen Volkes, ohne dessen Mitwirkung die Besiedlung Erez Iisroel unmöglich durchgeführt werden kann." B e s ch l ü s s e d e s A k t i o n s --'K o m i t e e s d eist o l n i s ch e n L a n d e s o r g a n i s a t i o n. Am 12. März fand im Aguda-Lokal eine Sitzung der neugewählten Exekutive der Landesorganisatiott statt. Nach längerer Debatte wurde beschlossen: 1. Ununterbrochen aus der Wacht zu sein und die Rechte der Orthodoxie in der Erez- Jisroel-Fragc uugeschwächt zu verteidigen. .2. Alle orthodoxe Juden offiziell aufzusordern, gegen die. skandalösen Ereignisse in Jerusalem zu protestieren und dabei die Rechtedes Judentums auf Erez Iisroel im besonderen vom Standpunkte der Orthodoxie zu betonen und 3. Maßnahmen gegen die Fälschungen der zionistischen Presseorgane zu treffen. 150 Warschauer Synagogen gegen die zionistischen Exzesse. Am Sabbat, den 19. Adar, wurde in 150 Warschauer Bethäusern trotz der von Misrachisten Versuchten Störung folgende gleichlautende Resolution angenommen: 1. Die Synagogenbesucher protestieren gegen die schmählichen Angriffe von Seiten der Religionsschänder in Erez Iisroel, welche Rabbiner und hervorragende Persönlichkeiten des Judentums überfallen, verwundet und terrorisiert haben. 2. Die Beter erklären sich mit allen Inden der Welt, die Rechtsanspruch aus Palästina erheben, solidarisch. Dabei muß jedoch den in der Agudas Iisroel organisierten orthodoxen Inden das Recht auf Vertretung in allen Organen, die beim Ausbau Erez Jisroel mitzuwirken bestimmt sind, gewahrt werden. . Resolution des „ W a a d H oi r H a s ch k e n a s i Am 19. Schewat versammelte sich das leitende „Siebziger Komitee" der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem, um zu den Vorgängen Stellung zu nehmen. Es wurde folgende Resolution einstimmig gefaßt: Die Versammlung vernimmt mit tiefster Empörung die schreckliche Nachricht, daß eine Gruppe von Angreifern den Beschluß gefaßt habe, die führenden orthodoxen Persönlichkeiten mit terroristischen Drohmitteln zur Einstellung ihrer auf die Wahrung der religiösen Interessen in Erez Iisroel gerichteten Tätigkeit zu zwingen und daß, eine zionistische Bande den Präsidenten des Waao Hoir Hoaschkenasi überfallen habe. Die Versammlung gibt ihren schärfsten Protest kund gegen bk Aufwiegler, die mit der einzigen Absicht, Streit und Hader unter den Juden hervorznrefen, bewußtermaßen falsche Nachrichten in der Bevölkerung verbreiten. Diese Aufwiegler ^allein trifft die Verantwortung dafür, daß jetzt in Erez Iisroel Erscheinungen an den Tag treten, die geeignet sind, die gesamte jüdische Sieolung in Erez Iisroel zu gefährden. Tie Versammlung spricht ihre Verachtung denjenigen aus, die sich der Faust bedient und denjenigen, die dazu aufgehetzt werden. Die Versammlung beschließt, vor keinerlei Drohttttgett zttvückzttwecchen und die heilige Arbeit fortzusetzen. Protestkundgebung der Orthodoxie in Litauen. Die Zionisten machten durch ihre Presse auch in Kowno den Versuch, ihre Gesinnungsge- _Hx. 8 Sette 3. nossen zu Kundgebungen gegen die Orthodoxie zu veranlassen. Auch hier wurde das Schauermärchen von dem „Verrat der Orthodoxie." und der Palästinafeindlichkeit der Agndas Iisroel verbreitet. Erreicht wurde dabei nichts als ein neuer Zwiespalt innerhalb der jüdischen Bevölkerung in einer Zeit, da die inneren Landesverhältnisse eine Zusaukmenfassung der Kräfte dringend erfordern. Um der weiteren Verhetzung der Bevölkerung durch die Zionisten vorznbeugen, veröffentlicht der Präsident der Agudas Iisroel von Litauen, der Gaon Rabbi Mosche Mordechai Epstein gemeinsam mit dein Kownoer Oberrabbiner Rabbi Ber Schapiro folgende .sßundgebung in der agudistischen Tageszeitung „Jüdisches Leben": Im Zusammenhänge mit den falschen Nachrichten, welche in jüngster Zeit in der Presse betreffend die Stellungnahme der jüdischen Orthodoxie zu der Errichtnung eines jüdischen Nationalen Heimes in Palästina verbreitet lverden, erklären wir feierlich im Namen der jüdischen Orthodoxie in Litauen, daß die jüdische Orthodoxie der ganzen Welt seit Jahrhunderten an der Hoffnung und dem Bestreben, unser heiliges Land wieder anfzubauen festhielt und auf das Recht, Erez Iisroel wieder aufleben zu lassen, niemals verzichtet hat, sie fordert, daß das Land, welches uns Gott zugesagt hat und zu alten Zeiten unser Vaterland war, zu einem jüdischen Nationalen Heim eingerichtet werde und daß seine Tore für eine ungehinderte jüdische Einwanderung breit geöffnet lverden. Jeder Jude, welcher Gegenteiliges behauptet, muß als ein Vvlksverräter bezeichnet werden. (Ein Teil der skrupellosen zionistischen Presse bringt es zulvege, diese Kundgebung des Präsidenten der litauischen Landesorganisation der Agudas Iisroel gegen d.ie Verbreiter falscher Nachrichten über die Stellungnahme der Agudas Iisroel zur Palästinafrage mit der irreführenden Ueberschrift „Protest der litauischen Orthodoxie gegen die Agudas Iisroel" zu veröffentlichen.) Vakanzliste Ao. 2. I A.: U n s g e in e l d e t e offene S t e 11 e it: % r an ft urt a. M.: Metallschleifer. IS ö I n : Tertilwnren-Grotzhandlung, Reisender, (sof. ges. für gut eingef. Tour.) — Arbeiter-, Garderobe- und Wäschefabrik, Tirektor. (junge tüchtige Kraft mit prakt. Kenntnissen). — Kolonialwaren-Handlung, Verkäuferin. Breslau: Bank. Buchhalter, (Eintritt jvsvrr). M ainz: Papier engr., Stenotypistin, perfekt'. (Mehrere Stenotypistinnen), lt A.: Gesuchte Lehrlinge: B e r l \ n : Metalle. (Eintritt sofort). Mainz: Papier engr. (Eintritt sofort). II L.: S t e l l e n g e s u ch e: H e r s f e l d : (500), Stenotypistin. — (501), Stenotypistin. Hamburg: (302), Kolonmlw. und Landesprod. engr., Kommis, (5 Jahre in d. Branche). Cäln: (503), Anfängerin. Sine öffentliche Aufforderung an das „Jüdische Kottespondenzbureau". Wien, 29. März. Der Warschauer „Jud" stellt in seiner Nummer vom 23. März fest, daß ein großer Teil der jüngst in der gesamten zionistischen Presse Verbreiteten tendenziösen oder vollständig erfundenen Nachrichten über die Stellungnahme der Orthodvrie zu Verschiedenen palästinensischen oder anderen politischen und innerjüdischen Fragen, durch die Kommuniquees der „I. C. B." vermittelt wurden. Im besonderen hat dieses Korrespondenz-Bureau die Protesterklärung aus Kowno, die voin Präsidenten der Landesorganisation der Agudas Iisroel in Litauen, Obeccabircer Modchai Er stein gezeichnet ist, und die sich in scharfen Worten gegen die zionistischen Falschmeldungen richtet, zu einem Proteste gegen die Agudas Iisroel unkgeändert. Viele Zeitungen sind dieser tendenziösen Berichterstattung aufgesefsen. Der „Jud" richtet nun an das Korrespondenz-Bureau die Anfrage, welchem jüdischen Zwecke dadurch gedient werden sollte, und ob das Bureau der Meinung 790382