Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 63 (1922)
- Issue
- Heft 15-16 (11.4.1922)
- Date
- 1922-04-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2450189-2450204--69691-2526879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 10. Nk. 15 \t 16. Der IsraeM. Nachweise als eBveist. Dicse »ißimonibi* sche Auffassung in Gegensatz zum Talmud stellen^ besteht unseres Erachtens ' keine Veranlassung. Mit dem, was der Verfasser im letzten Ab schnitt dieses ersten Heftes seiner Schrift (das zweite folgt hoffentlich bald) über den h a g a d i - s ch e n Drasch ausführt, wird man sich ungeachtet der hier vorgetragenen Bedenken, einverstanden erklären können. Nur die Terminologie, die gewählt ist, scheint uns nicht immer glücklich. Warum bezeichnet der Verfasser dasjenige, was er sehr schön in voller Eigen wertung als ,,sinaittsche Wahrheit" der „hermeneutischen Wahrheit." zur Sette stellt, nachher wieder, als ,,kommen Drasch"? Wir sollten es nnsererseiis doch wohl vermeiden, durch eine solche Bezeichnung den philosophischen Gehalt und Wert dieser Deutungen (auch d'e Philosophie gehört ja zur Wissenschaft) herabzudrücken. Es ist unsre Wissenschaft, deren Bestandteil diese Deutungen bilden. Die jüdische Wissenschaft wird sich mit dem Kaatz'schen Buche jedenfalls ernsthaft zu beschäftiget! haben. Der Verfasser deutet mit Recht in seinem Vorwort an, wieviel Kleinarbeit, gewissenhafte Forschung und — fügen wir hinzu — scharfes Denken den 46 Seiten seines Büchleins zu Grunde liegt, das ein ehrliches Streben nach Wahrheitserkeuutuis mit aufrichttger verbindet. Möchte es viele berufene Leser und Beurteiler finden, die, den Anregungen des Verfassers folgend, etwaige Jrrtümer in seinen wie auch in diesen unsren Ausführungen berichtigen und zur lückenlosen Erkenntnis geleiten. Der priestersegen. Vmi' Tr. ,>ctü: Kanter in Zivittan »Mähren). I» seiner Broschüre rrnriNn min' nrn weist der boi einigen fuhren iw hohen Grejscualtcr berstvrhene gelehrte Rabbiner I. Eyslcr in Eppanowitz (Mähren) aus die Schwierigkeit hin, die im Webcte deo P riefte es eg eine enih.Uten ist. Tnselk'-ft heisu es: ..Sv sie (die Träliine) der Heilung dedlirsen, sv nivgeft Tn sie Heiken, wie einst Hiskia de:' .n'vnig von Inda, von seiner Krankheit, oder kvie dir Prophetin Mirjam von ihrem Aussätze, oder wie Raaimin voll seinenl 'Aussatze, oder wie das Wasser vvn ')}lava dnech nnsern Lehrer Moses, oder wie das Wasser Vvn Jericho durch Elisa." Anistrllend ist die Ehrvnvlvgie der ansge.pihlten Personen iniEi Ereignisse: .stierst wird Hislin, dann Mirjam, dann Aaaman und dann erst das hittere Wasser von Mara (und das von Jericho) genannt. Logischertveise müßte Hislia znietzl tind Mara und Mirjam 'gierst genannl werden, ferner: ,gierst die Wunder, die Bivses vvllpracht, dann die des Elisa und zuletzt die Heilung des Königs Hislin, die dieser durch sein inbrünstiges Itzebet heivirtte. Tiese Friige legte der genanine Herr Rabbiner Eysler dem betnnnren hebräischen Schriftsteller und scharfsinnigen Kritiker Jakvb Reismann vor, welcher, wenn ich nicht irre, diese Frage vsfen ließ. - Betrachten wir uns diese Stelle etwas genauer. Dieses Gebet ist im Talmud (Berachvi f>5b) enthalten. Tort heißt es aber:: ... . . So sie der Heilung bedürfen, so heile sie wie das bittere Wasser durch MoseS, wie Mirjam von ihrem Aussatz, wie HiSlia Don seiner Krankheit und wie das Wasser von Jericho durch Elisa." roo V v ms töo /h,y. H'i' iö3i.:. vnpTrui...v'3i). ")iach dieser Lesart ist bloß die Erwähnung der Genesung HiSkias v v r dem Wunder Elisas in Jericho anfsallend. Ter (ebenso der hat wiederum folgende Lesart: ...... heile sie wie das bittere Wasser durch Moses, wie den AnSsatz.MirjamS durch Moses, wie deit A n s s n st R a a in a n S d u r ch Eli s a und wie die .Krankheit des Königs Hiskia." Tiefe Lesart, so bemerkt nvü nv '3~yt3;v Ft., weicht von der des Talmuds ab und sei daher als nicht richtig zu bezeichnen. Jedenfalls weicht der Wortlaut desp Gebetes in nnsern Gebetbüchern wesentlich Vvn dei» des Talmuds ab und vermehrt noch die Schwierigkeit der chronologischen Ereignisse. All' diese Schwierigkeiten werden aber leicht behoben, wenn man den Grad und die Beranl a s s it » g der Heil ii ng berücksichtigt. Den h ö ch - sten Grad der Heilung sehen wir beim König Hiskia, der bereits dem Tode geweiht war: und er wurde geheilt ohne jegliches menschliches Hinzntun. Einen geringeren Grad vvn Heilung sehen wir bei Mirjam und Nnaman. Beide litten an einuitö derselben L raut heit, beide waren von einem Aussätze befallen, der wohl unangenehm, aber ledenfalls nicht lebensgefährlich war. Beide wurden aber geheilt: Mirjam durch das Gebet Moses und Naaman durch das Gebet Elisas. Wir sehen aber auch die Heilung vvn S a ch e n : Tie Heilung des Wassers in Mara durch Moses und in Jericho durch Elisa. Aach dieser kurzen Bemerkung ist der Sinn des angeführten Gebetes leicht verständlich. Zollte der Traum das A l l e r s ch l e ch t e st e bedeuten, oder S ch l e ch t e s kurztveg, oder bezieht er sich nicht ans Personen, sondern aus Sachen. Tu, o Herr, mögest es heilen und alles zum Guten wenden. Tn allein kraft der Fülle Deiner Gnade und Barmherzigkeit (Hiska) oder indem Dil tlnS die Mittel zeigest, deren wir zu unserer Heilung uns bedienen sollen (durch Erhörung unserer Gebete). Bergt, auch x"Bnnc z. Si. Ausfallend bleibt es immerhin, daß das zitierte Gebet anders lautet als im Talmud. Aus diesem Grunde dürfte es sich empfehlen, den genauen Wortlaut dieses Gebetes in alten L'-m^-AuSgaben festznstelson. Neue Palästina-Literatur lieber das jüdische Prob l e w t n P a l ä - st i n a ist bereits so viel Tinte vergossen worden, daß nuin ans dem unter diesem Titel erschienenen Büchlein von Tr. Alphons I. Snßni.tzki, (Bering von Georg Stille. Berlin) nicht viel neues wird erwarten können. Snßnitzki faßt das Palüstina-Problein von der prinzipiellen Seite und sucht zunächst die Frage zu beantworten, ob und inwieweit den Juden überhaupt ein Anrecht ans Palästina znftehe. Dieses Anrecht zu beweisen, fällt ihm nicht schwer, und so geht er denn gleich zu einer Prognose für die Zukunft über bei der erwünschten Vermehrung der jüdischen Bevölkc- 11.Mrik1Mz ruttg i,n heiligen Lande,')He^rlDT.d.äS^.Nerh'Mpis^ zu den Arabern und zu der LüßlisHeitVo'rmychft: Es. werden auch Pläne für dasi jüdische Si'edttMg'Äperk.iu,-. Palästina erörtert und von den kulturellen Folgen gesprochen, die eine national-jüdische Heiinstätkefür die Inden selbst und .für die dlllgenieinheitchaben würden. Im allgemeinen ist die von ihm gestellte Prognose keine ungünstige, was auS der Feder eines, so guten Kenners des heiligen Landes, kvie es SMnitzki ist. iiumerhin erfreulich anmutet. Tie ittuergiustigen und speziell religiösen Fragen umgeht der Ptzrsasser mehr oder weniger. Tie Kenntnis Palästinas zu verbreiten, ist auf alle Fälle ein löbliches Unternehmen, und darum begrüßen wir auch das eben erschienene hebräische Schulbuch' für Mittel- ' und Volksschulen' von Dr. Samuel Klein ,,E re'z I sr ae l" (Hebräischer Verlag „Meuorah"-Wien)L Tach mft einer') Karte und . mehreren guten Llbbildungeir versehene' Buch lvird auch ertvächsenen Lesern wertvolle Belekj-T rung bringen. Es gibt neben genauer Schilderunsti von Land und Leuten in Palästina auch Auskunft über die klimatischen Verhältnisse in verschiedenen Gegenden und über die Vegetation, , ( alles' in gutem fließenden Neu - Hebräisch. Wertvoll sind die angefügten Bemerkungen und Ortsverzeichnisse, die von einer gründlichen Quellenforschung in Bibel und Talmud zeugen. Rein praktischen Zwecken dient das im Ver-' Inge von Benjamin H ä r z - Iernsaleni-Berlin-Wien erschienene Reisehandbuch „Palästina und Schrien" von Iesains Preß. Tiefer jüdische „Bädeker" ist der beste Palästinareisebuch, das uns je zu Gesicht gekommen ist. 'An keiner Stelle, die für das jüdische Auge von einigem Interesse ist, geht der Führer acht- ' los vorbei. Bei aller Kürze und Präzision ist die Schilderung so lebendig und anschaulich, daß man auch daheiiu im stillen Knimnerlein bei Lektüre des Buches die Reife durch das ganze Landgern mitmacht. Ter Verfasser weiß ebenso schön und gut bon der Vergangenheit einer jeden sehenswürdigen stelle zu er- . zählen, wie von ihrer Gegenwart. Reisende bekom-, men auch 'praktische Fingerzeige über 'Ausreise, Verbindungen UnterkunftSmöglichkeiten und Routenpläne in reichlichem Maße. Vorzügliche Karten über. Süd-, Mittel- und Rvrdpalästtna, sowie kunstvolle Zeichnnngen, dem Meistergrisfel Liliens entstammend aus. Jerusalem. Hebron und Jaffa verleihen den. Schilderungen noch bildhaften Ausdruck. Was dieses Buch vor den anderen ähnlichen Reisewerken auszeichnet, ist noch daß es die neueste Entwicklung ser Tingc unter der englischen Herrschaft vollkommen berücksichtigt und bei der Schilderung der einzelnen jüdischen Institutionen sich von jeder partei-politischen Tendenz freihält. Sücherbesprechungen. Monistische Märchen. Von Dr. Max G r ü n w a l d. Ans einem Briefwechsel. Benjamin-Harz, Verlag. Berlin—'Wien 1921. 199 S. In Briefform behandelt der Verfasser, sich an einen früheren Schüler wendend, den Monismus, der so diel Verwirrung in alten und besonders in jungen Köpfen ungerichtet hat. Die Neuzeit hat manche Ernüchterung gebracht, aber noch immer ist er nicht ganz überwunden, trotzdem Haeckel, vvn" dem der Meister Darwin gesagt, daß er ihn noch überdarwint habe, mit seinem Versuch, die „Welt ratsel" zu lösen, glänzend Fiasko gemacht hat. Wie sich nun das Judentum zu den Lehren des Monismus Das Hasten der Erstgeborenen und dessen Ablösung durs eine Siumfeier. Von Dr. A. Neuwirth in Halberstadt. Der Minhag, daß am Rüsttag vor Pessach alle Erstgeborenen fasten, ist in ganz Israel verbreitet. Rach Ansicht von stv'2 'ri und p y®:;r 'ii habe bereits '-N der Ordner unserer Mischnah, weil er Erstgeborener war, am gefastet (s''y lwi tss’iT). Auch in crciu rrt)2 wird das Fasten von den L-i'33 am b"j> als» eine allgemein lekarnte und veibrciiete Einrichtung erwähnt (vgl. pv: »sÄ£ c-rc "2es). Der n:K'ö -ftvb {'"■) v'e r,^bn) weist daraus hin, daß am riE£ da früher an diesem Tage ein Jeder sein Pksjochopser dai bring»n muhie und wo noch heute als Erinnerung an diesen Vorgang rr ancheArbeitsverrichtung verboten ist (vgl. P»ss. 60b nnd Schulch. Aruch O. L. 468) dos Fasten eigentlich untersagt werden müßte. Ist doch aus gleichem Grunde das Fasten an den Tagen vor rr£ £i>* (vgl. Schulch. Aruch 429, 2) und otti,:rt rex uoii ny:zv verboten. Wenn die E'm££ trotzdem doch fasten, so sühn der 0"b£ aus, so beweist dies, daß dies eine sehr alte Einrichtung sei. Als Grund für das L'1'22 Fastcu wird von den £'p£)£ fest allgemein angegeben: ::cc c:1) x’nn rv£ rvniri. Eine Erinnerung, daß die jüdischen Erstgeborenen verschont wurden zur Zeit, da die Erstgeborenen der Aegypter grtöiet wurden. Da das Judentum ein Fasten zur Erinnerung an eine einstige Errettung sonst nicht kennt, denn selbst das Estherfaften soll nur besagen, daß Gott den Menschen in der Not erhört, wenn er mit Beten und Fasten zurückkehrt, da, stellen (vgl. i'n mü «p), so sind die Worte der L'st-is wohl so zu verstehen, daß die Erstgeborenen am £"x fasten sollen, damit sie mit Gebet und Fasten zeigen, daß ihre Borfahren in Aegypten nicht umsonst errettet wurden, daß vielmehr der Anschauung der Weisen entsprechend X2U '2iv x“a (Sanh. 104 a), daß die fromme Tat des Kindes dem Vater angerechnet wird, das Fasten der Nachkommen den Annen im Voraus angerechnet wurde. Einen ähnlichen Vorgang finden wir bei Moab (vgl. Baba kama 38 b, r*—‘10 mT*£ P ‘mOBP), das Gort im Boi aus verschonen lieh, weil David ihm entstammen sollte. Wenn man die *r£;, die von nc£ nij? spricht, genauer betrachtet, so kann man das Bestreben unsrer L'von bemerken, entweder durch Weintrinken iir'v uivn Pess 107 b) oder durch Abkehr von Speise und Trank (Kri':yrc aw nn »nsB-r növ> 'byo bz mv P Pess. 108 a) am £"y einen guten Appetit für die heiß eruhnre Mizwoh von sich zu erhalten. Noch mehr als an einem jedenr r.nir aiy, wo ebenfalls eine teilweise Enthaltung von Speise und Trank geboten ist, ist dws für n££ Z'V vorgesehen. Hierzu noch der zweite Grund der daß am 2"v das Essen verboten sein wüßte, weil (Pess. 108) das Essen sich hinzichen könnte und dann die Opferung des Pessachopfers vei säumt würde. Diese beiden Momente haben wohl das Fasten .der Erstgeborenen, der früheren Priester einer jeden Familie, veranlaßt. Die Erstgeborenen des Hauses ulken und müssen an erster Stelle zeigen, wie man bemüht sein muß, die Mizwoh von und die Darbringung des Pessach in vorbildlicher Weise auszuführen und daher die Enthaltung von Speise und Trank, um sich nur mit Pessach zu beschäftigen. Dies Fasten der e'tioo gehört merkwürdigerweise zu den wenigen Ueberlteferungen, vor denen selbst die Reform still gehalten hat. Treu wird dieser Minhag selbst von denen gehalten, die das Pessachfest mir seinem strengen Chomezverbot nicht mehr beobachten. Der £'P wird dem £"21' gleichgestellt, bei manchen soaar höher gestellt. Der Grund für das Festhatten dieses Minhags sebens der Liberalen ist die Furcht vor dem Tode. Man fürchtet sich, man könnte ähnlich den Erstgeborenen in Aegypten, bestraft werden. Die religiösen Führer des Judentums, an ihrer Spitze die 'von, die Weisen des Talmud und die Erklärer des Talmuds haben für das Fasten am s>"y einen viel höheren und erhabeneren Grund gehabt: es war die Liebe zur Ausführung der mrtv, oder, wie wir ersehen haben, die Rückkehr zu Gott durch Beten und Fasten. Als Ablösung dieses wird im Schulchan Aruch die NlLV nnipv, worunter besonders die mWB n?'V zu verstehen ist, genannt (vgl. 470 in bad1). Späier ist Brauch geworden, daß auch bei Beendigung einer rrpovv, also bei einer Siumfeier die D'noo nicht fasten. Das immer mehr abnehmende Thorastudium im letzten Jahrhundert, wodurch eine Siumfeier immer seltener und die nnvlp umso größer wurde, m-g wohl der Grund sein, daß auch ein vrv als Ablösung für das 2B102 Fasten, wogegen die 3pöi£ fast allgemein sich ausgesprochen haben (vgl. '*33 bbo c"pn rFw) ein« geführt worden ist. In früheren Zetten war ein vi'v fast eine tägliche Feierheute ist dies nicht der Fall (vgl. auch ri?)v rue- 58). Versuchen wir einen inneren Zusammenhang zwischen dem v'iioo-Faften und einer vüv-Feier sestzustellen und mir werden das Verhalten der inn im letzten Jahrhundert, die die vi'vJeier am £"? nicht nur für diejenigen v'ivs, die die «lioov zu Ende gelernt, sondern auch für andere v'iOv, die bei der