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Der Israelit · 1922-04-11 · Heft 15-16 (11.4.1922) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
63 (1922)
Issue
Heft 15-16 (11.4.1922)
Date
1922-04-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Israeli! Nr. 15 u. 16 Seite 7 11. April 1938__ mmg. Wir kommen auch nicht, um euch von eueren alten Gesetzen'abzubringen, sondern um euch zu zeigen, wie vieles uns eint und wie wenig es ist, was uns trennt ..." „Do sprechen die Messionäre allesamt", gaben noch einige von den Aelteren ihrem Mißtrauen Ausdruck. Salomo, der all die Zeit nur still versonnen dasaß, sprang auf. ' „Nein", rief er mit feurigen Blicken und zitternder Stimme, als wollte ihm Jemand ans Leben, >nein) die Missionäre sagen, oer Erlöser sei längst gekommen und die Erlösung warte auf uns, hier aber hören wir anders, w ir sollen auf den Erlöser warten und ihm den Weg bahnen! — — Solche Gespräche wiederholten sich täglich in langen Wochen. Aba Zague sah über den Bretterzaun, der ihn vom Volke im Vorhofe der Mesgtd sonderte, zu den Versammlungen hin und schüttelte den grauen Kopf. Er nahm sie anfänglich nicht schwer. Er wußte, es war ja Nicht das . erste Mal, die Fremden kamen und gingen und dann blieb doch alles wie es war. Aber nun sing die Sache doch an, ihm ernstliche Sorgen zu machen.-!. : Fortsetzung folgt!) Me der Hohe Rabbi lob „daudek Gomez" war. Aus den Mrager Legenden I. In der 9tacht zu Sabbath Hagodaul im Jahre 5345 .nach der Schöpfung, hatte der Hohe Rabbi Löb einen merkwürdigen 'Traum. Er sah. wie ans der „Fünfer-Palast" geiiniinten Ruine gegenüber der großen Synagoge die Flammeri emporstiegen und über das jüdische Viertel hinzüngelten. Rabbi Löb schrectte aus deni bösen Traume auf, schlief aber bald wieder ein, und da sich der Traum nicht mehr miederholte, so dachte er am zweiten Morgen nicht mehr daran. Am Vorabend des Rüstetages zum Pessach-- seste ging Rabbi Löb in gewöhn rer Weise an. das Chomezuntersuchcn. Abraham Ehaim, der alte Diener, hielt die ffeine Wachsterze, Jossele G o l e m, der zweite Schamme.s, hatte den großen Holzlöffel in der .Hand, der Rabbi selbst stand, die Gänsefeder in der Hand, vor dem ausgeschlagenen Gebetbuche. Kaum hatte Rabbi Löb die erste Borocho gesprochen, als das Licht in der Hand des Schammes verlosch. Man zündete es luieoer an, aber ivieder erlosch es, sobald der Rabbi das Gebet begann. Es wiederholte sich dieses dreimal. Der Hohe. Rabbi Löb hatte die Gewohnheit, kein Gebet, und war es auch der geläufigste Scgensspruch, auswendig, zu sagen. „Die Buchstaben machen klug", pflegte er'mit den Worten einer allen Schrift zu sagen. Die Buchstaben erhalten, wenn man sie beim Beten anschaut, einen ganz besonderen Glanz, der sich auch ins Herz des Betenden schleicht. Das wäre, auch das Geheimnis des Wortes im Kapitel der Gesetzgebung: „Und das ganze Volk sah die Stimme ..." Ganz hoch oben an der Decke brannte eine kleine Lampe. Rabbi Löb befahl dem Diener, sich aus den Tisch zu stellen und ihm ans dem Gebetbuch Wort für Wort das „Kol Chamiro" vorzulcsen. Der Schammes tat so und fing an: „Kol Chamiro ivachamio deikoh bachamischo". Das Wort „birschusi" bekam er nicht aus beut Munde, er mochte sich anftrengen, wie er auch wollte. Der Rabbi ries korrigierend einmal und noch einmal hinaus: „birschusi". Vergebens! Der Diener sprach in großer Verwirrung immer und immer ivieder „bachamischoh". . Rabbi Löb wurde nachdenklich. Er erinnerte sich wieder des Traumes. Ein Feuer schlug aus dem „Fünfer-Palast" empor . . . Bachami schuh! ... II. , Der „Fünfer Palast" nnn von L u b u s it, n, der Königin von Prag, zu einer 'teil gebaut, da die Tschechen noch Götzendiener tvaren und er tvar dem Gott vor« Feuer und Licht geweiht. Fünf Tore führten ans ihm nach den fünf Hauptstraßen des damaligen Prag und fünf Türme erhaben sich mit ihren Gemälden und ArabeSkcm und goldenen Kuppel» in die Höhe. Umveit des Palastes aut einem Hügel befand sich der Hof der Königin, von dem ein unterirdischer Gang bis zum Fünfer-Palast führte. Durch diele dunklen Gänge pflegte die Königin nachts zum Palaste zu gelangen, um dort zu ihren Göttern zu beten. Nachdem die Tschechen zunt Ehrißentnme übergegangen waren, wandten sie sich nach und iiach von dein „Fünser-Palast" ab und überließen ihn ganz der Verwahrlosung. Jur ft, eit des Hohen Rabbi Löb stand er nur noch als verlassene Ruine da, von der man sich die unheimlichsten Spukgeschichten erzählte. Aus dein Berge stand ans dem Plan, wo sich einstens der Palast der Königin Lnbnscha befand, seht das sogenannte „Grüne Kloster" mit der roten Mauer um das Hans, in dem T ad ans, der Probst von Prag wohnte. Tadäus war bekannt als grimmiger Judenfeind nnb ganz besonders galt fein Haß dem .Hohen Rabbi Löb, der ihn ojt in öffentlichen Disputationen vor dem königlichen Hofe in die Errge trieb und beschämte: denn der Hohe Rabbi Lob war nicht nur vertrant mit allen Teilen der Thoralehre icnd der Knbbalah, sondern and) in allen weltlichen Wissenschastcn vollkommen zu Hanse. Diese Ueberlegenbeit konnte ihm Tadäus nicht verzeihen. III. Im Hose des Tadäus lebte in einem kleinen Häuschen ein .Knecht mir Weib und fünf kleinen Kindern, die alle im Dienste des Geistlichen standen. Welin der Frühling kam, pflegten die Kinder des Knechtes sich auf alle Seiten und .Ecken des rveiren Klvsterparkes zu verteilen, um ihre Arbeit zu verrichten. Als eines Tages die Mutter «gegen Abend mit lauter Stimme ihre Kinder ins Halls sammelte, da stellten sich nur vier ein, das fünfte, ei» zehnjähriger Junge mir Rainen W ladislaw, kam nicht. Man suchte die ganze Racht nach ihm, er mar nirgends zu finden. Die bestürzteil Eltern liefen zrr Tadäus, tiild er sagte ihnen: „Euer Suchen ist vergebens. Euer Kilid kommt nicht ivieder. Ihr wißt ja, daß das Passahsest der Inden im An rücken ist und sie Blut für ihr Osterbrot brauchen. Ta haben sie eben Euer Mint» dazu auserkoren." ttebrigens, erzählte er, habe er gesehen, ivie in der Nachtstunde hinter dem Parke der jüdische Schächter daherkam ntir einem Sack an) beut Rücken, der am unteren Ende blutig lvar nnb in dem etwas zappelte. . . . Er riet ihnen, sofort zum Richter zu lausen, indes er einen Boten zilin Kardinal schicken wollte. Der Oberrichter der Stadt hörte die Mutter genau an und brachte alles zu Protokoll, befahl ihr aber, die Sache strengstens geheim zu haltert, damit die Juden nicht vorzeitig davon erfahren und ihre Gegenmaßregeln treffen. „Es ist ein kluges Volk", sagte er, „lind man nrnß dafür sorgen, daß sie nicht die Spuren ihrer Tat verwischen." IV. Der Hohe Rabbi Löb zerbrach sich ben Kopf, was nur das Wort „bachamischoh" bedeuten könnte. Abraham Ehaitn, der alte Schamines, staird kreidebleich vor ihm mir zitternden Gliedert!, Jossele Golem aber verlor sein zufriedenes Lächeln nicht. Er lachte sogar larrt ans, hüpfte und sprang und lvies mit dem Finget dahin und dorthin. Keiner außer dem Rabbi selbst verstand die Sprache des Golem. Der Rabbi saß aber mit geschlossenen Augen, ganz in seine Gedanken versunken. Plötzlich aber riß er feine Angen ans, sah den Golem an und sägte nur: „Führe Uns!" Der Rabbi nahm eine große Hawdolohkerze in die Hand mrb besä hl dem alten Schammes, desgleichen zu tun. Einen Wink an Den Golem und er führte sie hinaus. Tiesschivarz.lag die Nacht und am Himmel dingen große dicke Wolken, wie Riesenvögel . mit ansgebrei teren Flügeln. Von der Ferne schlug^ ein verirrter Hund an und von der anderen ^eite fam, von leisem Winde getragen, der eintönige Gesang der Nonnen ans dem „Grünen Kloster". Kanin daß der Rabbi mit seinem Schammes dem (üblem nachkonnleii, so raste er vorwärts. Ultb nun standen sie dicht am „Fünser-Palast". Der Golem deutete durch Zeichen an, daß man nt!» hinunter sollte, in das unterirdische Gelaß, das zuin Klosterberge führte nnb das sonst kein Rienscheiiinß za betreten wagte. Der alle Schammes zitterte am ganzen Körper mrd seine Füße strauchelten. Es kamen ihm atte Geichichien in den Sinn, die man von diesem Palaste und der Höhle darunter in der Stadt erzählte. Da bekam der Rabbi Mitleid mit dem allen Mann, nahm ihm die Hawdoloh kerze ans der Hand und sagte, er solle draußen stehen bleiben und ivarteu, bis sie miederkänren. Er aber ließ sich mit dem Golem in de» tiefen Gang bi minier. V. Kaum hatten sie unten einige Schritte zu rüclgelegl, als sie ans einen Packen stießen. In ein Tallis ein gehüllt lag der tote Körper eines Kindes. An dreißig Tonkrügleiu voll gestillt mit Blut, standen dabet uiiD jedes Krüg lein trug einen Jettel, ans dem der Name eines angesehenen Mitgliedes der Prager Gemeinde geschrieben stand. Das erste Krüglein trug den Namen des Hohen Rabbi Löb. Der Golem fuhr mit den.Händen ans ltitb int 9(ii öffnete sich eine tiefe Grube, darin er alles Blut hineingoß, dann deckte er dieOesfnnng rasch zu, daß keine Spur mehr davon zu sehen lvar. Die Krüge zerbrach uitb zerrieb er zu Sand, den er ans den Boden der Höhle streute. Den Gebetmantel mitsamt den. dreißig betteln verbrannten sie an Ort mrd Stelle. Den toten Körper des Kindes nahm aber der Golem auf die Schultern und. so rasch >vie es eben nur Jossele Golem konnte, lies er mit dieser mt heimlichen Laß die Höhle .hinaus bis zum Klosterberge nnb bis zum Hanfe des Probst Tadäus. Im Keller des (Geistlichen, >vo seine besten Weine ansgespcichert waren, setzte er die Leiche ab und kehrte in Windeseile zu Rabbi Lob zurück, der am Ausgang der Höhle seiner lva rteee. Als sie heimkamen, sing der Hohe Rabbi Löb noch einmal mit dem Akte des „Chomez umecinchens" an. Der alte Schammes Abraham Ehaim trug das Licht, der Golem den Holzlöffel ttitb der Rabbi selbst hielt den' Gänsebnsch und sagte ans dem Geberbuche den Segensspruch. Und jeder Buchstabe leuchtete, jeder Punkt hatte einen Schein und ein Licht wie der ausgehende. Morgenstern. Das ist die „Bodeckchomez"-Geschlchle des Hohen Rabbi Löb zu Prag im Jahre 5345 der Schöpfung. Minderecke. Feenpeffach. Von I r m a F l e i f ch m a n. Ans dem Englischen überseht von P. F. Könnt Ihr ein Geheimnis halten? Wenn nicht, dürft Ihr dies nicht lesen, denn es ist ein großes Geheimnis, welches eine, kluge, alte Eule mir erzählte. Das geschah so: Voriges Jahr, gerade vor Peffach, las ich ein wunderschönes Märchenbuch, viel von den lieblichsten Feen. Ich dachte nach Obs nidjt auch jüdische Feen gibt? 'In jener Nacht also, alles lag im tiefsten Schlaf, schlüpfte ich leise ans meinem Bett und lies zur klugen alten Eule; die lebt in einer

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